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Von Laien zu Profis in Moremi

sliderGeplant war eine geführte Tour, die uns von Namibias Hauptstadt, Windhoek zu den  Vic Falls nach Zimbabwe bringen sollte. Diese wurde aber in der letzten Minute wegen mangelnder Teilnehmer abgesagt und wir hatten keine andere Möglichkeit, als die Tour allein zu machen.

Mit dem Geld der abgesagten Tour mieteten wir uns in Windhoek einen Jeep mit Dachzelt. Ziel der Reise war, Botswana zu durchqueren und in Zimbabwe die Wasserfälle zu bestaunen. Danach sollte die Reise uns durch den Caprivi Strip wieder nach Windhoek führen.

In einer anderen Welt

In Deutschland hatten wir die Tour bereits geplant und die Unterkünfte vorab gebucht. Darüber hinaus hatten wir wenig Ahnung wie alles auf dem schwarzen Kontinent funktioniert. Windhoek ist eine große Stadt. Man kann sie kaum mit einer europäischen Stadt vergleichen, aber zumindest hat man nicht das Gefühl in einer anderen Welt gelandet zu sein.

Tipp: Wir haben der Autovermietung unsere geplante Reiseroute geschickt. Zum einen, damit sie wussten, wo wir uns aufhalten und zum anderen wurde von ihnen geprüft, ob wir die möglichen Entfernungen pro Tag richtig eingeschätzt hatten.

Unser erstes ungeplantes Ereignis kam gleich nachdem wir die Grenze Namibia-Botswana überquert hatten. Es war bereits 16:00 Uhr und wir hatten noch zwei Stunden Fahrt vor uns bevor wir den nächsten Campingplatz erreichen sollten.

Da standen wir vor der Weggabelung. Links sagte der Sinn, rechts sagte das Navi. Logischerweise vertrauten wir letzterem, was uns genau in die Gegenrichtung durch die Dunkelheit führte. Es hätte ja eine Abkürzung sein können vom schlauen Navigationsgerät. Letztendlich schafften wir es mit zwei Stunden Verspätung. Am ersten Tag in Afrika hatten wir bereits den Fehler begangen, vor dem jeder gewarnt wird: Nie nachts fahren.

Tipp: Von der Autovermietung eine 24 h Nummer anfordern, da man in so einem Fall der Autovermietung sofort Bescheid geben muss. Diese meldet dann das Auto für die Nachtfahrt an, so dass man weder mit der Versicherung noch mit der Polizei Ärger bekommt. Denn das Fahren von Touristen im Dunklen ist wirklich verboten.

Das richtige Bauchgefühl

Der nächste Tag führte uns durch eine afrikanische Autobahn Richtung Maun, unserem nächstes Ziel. Etwa zwei Stunden vorm Ziel fing es an, dass es meiner Freundin nicht gut ging. Sie war schrecklich müde und hatte unglaublichen Durst. Selbstverständlich ging es ihr ihrer Meinung nach gut und sie wollte nur ein wenig schlafen.

Zufälligerweise fanden wir in Maun ein Krankenhaus. Ich ließ nicht lange mit mir diskutieren und nutzte die Chance, dass es ein Krankenhaus gab. Man weiß nie, wann man das Nächste findet.

Eine richtige Entscheidung, denn sie  hatte eine allergische Reaktion auf die Malarone. Diese gaukelte ihr eine Malaria vor, obwohl sie keine hatte. Zunächst waren wir sehr skeptisch, weil doch alles sehr anders war als bei uns und auf den ersten Blick kein Vertrauen schenkte.

Nachdem meine Freundin während der Wartezeit die Toilette besucht hatte, wollte sie sofort gehen und fühlte sich schlagartig besser. Sie wollte unter keinen Umständen bleiben, da die Toilette die unhygienischste im ganzen Land war und das ist nicht übertrieben. Wir blieben und  die Ärztin gab ihr ein Antiallergikum und wir konnten weiterfahren. Ein paar Stunden später war alles vergessen.

Tipp: Im Krankheitsfall direkt zum Arzt gehen, damit die Reise schön bleibt. Es ist nicht so schlimm wie es scheint, sondern da sind auch sehr kompetente Leute.

 Wenn die Welt still steht

Nachdem wir im Backpackers-Camping alles aufgebaut hatten, fuhren wir Richtung Dorf zum Einkaufen. Das Erlebnis werden wir beide nie vergessen: Uns wurde empfohlen, bei Choppies einzukaufen, da dies der  beste Supermarkt für die Einheimischen ist. Und hier hatten wir hatten zum ersten Mal in unserem Leben das Gefühl, anders zu sein.

Wir als Weiße allein unter Farbigen. Es war ein wenig Beklommenheit in der Brust, weil wir nicht wussten, wie sie uns anschauten. Ob einfach neugierig oder ob wir nicht willkommen waren. Vielleicht hätten wir doch in die deutsche Supermarktkette gehen sollen?

Nein hätten wir nicht. Am Ende waren es nur neugierige Blicke und alle waren hilfsbereit und zuvorkommend.  Als wir an der Kasse standen geschah etwas außergewöhnliches: Im Fernseher über den Supermarktkassen lief ein Wettrennen, bei dem vermutlich ein Einheimischer mitmachte, denn als das Rennen fertig war und er gewann, fing der ganze Supermarkt an zu jubeln und zu tanzen. Die Welt stand einen Moment still.

 Wildes campen

Am Tag danach bauten wir das Zelt ab und fingen unser erstes Abenteuer in der wirklichen Natur Afrikas an. Ziel war der Moremi National Park. Nur vorsichtshalber kauften wir ein paar Stück Holz, die am Rande der Autobahn verkauft wurden. Ohne diese wären wir wirklich verloren gewesen. Denn uns war nicht bewusst, dass wir ein offenes Camping ohne Zaun und Strom gebucht hatten.

Nach ein paar Tierkrankheitskontrollen und ein paar hunderten Kilometer, kamen wir in Moremi an. Die Fahrt war unglaublich, die Strecke war fast unbefahrbar und das erste Mal bekommt man vor Konzentration und Anspannung echte Rückenschmerzen. Die erste Tiere tauchten rechts und links auf und unsere Freude stieg mit jedem neuen Kilometer.

Die Überraschung kam in Form eines ungezäunten Campings, welches wir nicht erwartet hatten. Am Anfang waren wir schockiert aber im Nachhinein war das Beste, was uns hätte passieren können. Nachts im Zelt erlebte ich das bisher beste Ereignis meines Lebens.

Mich weckte das Geräusch knackender, brechender Äste. Was war das? Es waren Elefanten. Die Schritte konnte man nicht hören, da sie super leise sind. Sie liefen direkt um das Zelt herum. Das Gefühl zu haben, diesen Tieren so nah zu sein, ohne dass sie es wussten, war für mich unvergesslich.

Zelt-Geschichten

Im Camping lernten wir ein paar netten Belgier kennen (alte Afrikahasen), die uns wertvolle Tipps gaben. Sie erzählten uns auch tolle Geschichten von ihren Reisen quer durch Afrika.

Ebenso waren eine Gruppe älterer Südafrikaner unsere Nachbarn, die wie im wilden Westen einen Kreis mit ihren Wagen bildeten. Sie hatten hochmoderne Anhänger mit vollausgestatteten Küchen wie in einem Puppenhaus. Sie gaben uns Hilfestellung unser erstes Feuer zu entfachen, was gar nicht so leicht ist, wie man denkt.

Tipp: getrockneter Elefantenkot ist ein wertvoller Grillanzünder.

Zwei Tage in Moremi und verständnisvolle Nachbarn reichten aus, um die notwendigsten Kenntnisse zu erlangen, die man benötigt, wenn man alleine durch Afrika reist. Wir kamen mit keinem blassen Schimmer an und verließen den Park, mit genügend Erfahrung, um die Reise sicherer fortsetzen zu können.

Das letzte Abenteuer

Nur noch ein letztes Abenteuer wartete auf dem Weg auf uns. Wir hatten noch keine Elefanten und keine großen Katzen gesehen. Anscheinend hatte man im südlichen Bereich des Parks vor Kurzem ein paar Geparden gesehen.

So machten wir uns auf die Suche und gelangten zu den Hippopools. Da noch keine Trockenzeit war, war der Weg an bestimmten Stellen überflutet. Ich hielt vor dem Wasser an und überlegte kurz, ob ich es wagen sollte oder nicht. Ich schaute aus dem Augenwinkel meine Freundin an und da sie nicht so aussah, als ob sie etwas dagegen hätte, fuhr ich los.

Das Wasser erreichte die vordere Scheibe, also mehr als 1 Meter tief und die Reifen schienen keinen Griff zu haben. Ein paar Sekunden kam ich wirklich ins Schwitzen aber dann hatten wir wieder Kontakt zum Boden und konnten herausfahren. Wenn ich heute darüber nachdenke weiß ich, dass ich es vielleicht besser nicht hätte machen sollen. Ich bin aber trotzdem froh es dennoch getan zu haben.

Wir starteten als Laien direkt mit unserer größten Herausforderung und dann ging unsere Reise noch lange weiter…genauso spannend aber mit mehr Erfahrung.


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