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Unterwegs im Death Valley

Ein ganz besonderer Zeltplatz. Alle Bilder: PhilippEs ist unglaublich schwierig ohne eigenes Auto in US-amerikanische Nationalparks, zumindest im Westen, nur mithilfe von public transportation zu kommen. Einzig in die von Besuchern hochfrequentierten Grand Canyon und Yosemite N.P.‘s kommt man relativ einfach. Ich nahm den komplizierten Weg auf mich, um mit dem Bus an den Rand des Death-Valley-Nationalparks zu fahren und diesen, oder vielmehr eine kleine Ecke,  zu Fuß zu erkunden.

Die Anreise

Kurz nach Mitternacht in Las Vegas landend verbrachte ich die Nacht im Flughafen. Ein Busfahrer, ehemaliger New-Yorker, der von seiner Rente ein Leben in angenehmen Klima und mit günstigen Lebenshaltungskosten in der Wüste Nevadas verbrachte, fuhr Bus, um ans nötige Spielgeld zu kommen, und er brachte mich früh morgens zur Greyhoundstation.

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Straße in die Wüste!

Von dort nahm ich den einzigen täglichen Bus nach Beatty, Nevada. Dort gab es keine Rangerstation mehr, wo ich hoffte Informationen über eventuelle Wasserquellen im Park zu erhalten. Die Dame im Hardwarestore, die lange im Park gearbeitet hatte, meinte, dass alle in der Karte verzeichneten Quellen nicht mehr existieren würden. Dies waren keine guten Neuigkeiten.

Die Wüste

Nichtsdestotrotz, ich füllte meine Wasserreserven und machte mich nach einem Kaffee auf den Weg. Ich folgte dem State Highway 374, bog dann auf die Titus Canyon Road, eine Schotterpiste, ab. Ich verließ die Niederungen der Amargosa Desert und begab mich die Amargosa Range hinauf.

Die mich hin und wieder überholenden Jeeps oder Motorräder zeigten sich äußerst rücksichtsvoll in dem sie in der Regel ihr Tempo reduzierten wenn sie mich überholten, um mich nicht so sehr einzustauben. Einmal hielt sogar ein Auto an und ich wurde gefragt, ob alles okay sei. Der Anblick von mit großem Rucksack in die Wüste Wandernden scheint kein alltäglicher zu sein.

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Die Titus Canyon Road – eine einzige Staubwolke.

Irgendwann gen Abend bog ich Richtung Norden von der Piste ab und suchte mir einen Zeltplatz. Wie in Wüsten üblich schien auch am nächsten Morgen die Sonne. Ich ging weiter nach Norden durch wegloses Gelände, das mehr durch nervende Büsche als durch Felsen geprägt war.

Da mein Wasserverbrauch grösser als gedacht war, beschloss ich irgendwann wieder Richtung Osten abzubiegen, da ich spätestens am nächsten Nachmittag ohne einen Tropfen Wasser dastehen würde. Wieder kreuzte ich oben erwähnte Niederung und steuerte eine Hügelkette an, wo ich nächtigte.

Echsen kreuzten meinen Weg, unglaublich viele Vögel lärmten und Unmengen von Hasen flitzten durch die reduzierte Flora, die aber in Blüte stand. Klapperschlangen sah ich zum Glück nicht, die vorherige Anschaffung eines snake-bite-kits war somit umsonst. Ein ungetrübter Sternenhimmel spannte sich zu späterer Stunde über die Wüste.

Am nächsten Morgen traf ich alsbald auf eine Piste, die mich an Rhyolite, den Ruinen einer Goldgräbersiedlung vorbei, wieder nach Beatty führte. Das letzte Wegstück wurde ich von zwei älteren Franzosen mitgenommen, die gerade eine Tour durch diverse Nationalparks der westlichen USA machten. Das verkürzte mir das Ende der Durststrecke enorm. Mein erster Weg in Beatty führte mich dort ins erstbeste Diner wo ich Unmengen von Cola in mich hineinkippte. So gutgetan hat mir dieses Getränk selten.

Beatty, Las Vegas, San Francisco, New York City

Ich war einen Tag zu früh zurück, so stellte ich mein Zelt noch auf den lokalen Zeltplatz neben Riesentrailern und Wohnmobilen. Die Nachbarn waren freundlich, und der Betreiber des Platzes war mit der Army in den frühen 1960er Jahren in der BRD stationiert.

Beatty ist ein gottverlassenes Kaff: jeder Meter wird mit dem Auto gefahren, Unmengen von Riesenwohnmobilen, oft noch mit einem SUV im Schlepptau, Lastzüge, Kolonnen von Motorrädern, fahren den Highway 95 rauf und runter, Rednecks wie aus dem Bilderbuch bevölkern die Diners und Pubs, die von den Durchreisenden leben.

Malerisch einzig sind die roten Felsen die den Ort umgeben, wie auch ein von Pappeln gesäumtes Bächlein. Der Bus brachte mich am nächsten Tag nachmittags wieder nach Las Vegas. Der abends ankommende Bus ließ leider keinen Weiterflug am selben Abend zu, so dass ich eine Nacht dort verbrachte.

Wenn ich eine Liste mit zu meidenden Städten hätte, so würde Las Vegas in einer Klasse mit Dubai, Mogadischu, Stuttgart und Karatschi sein. Riesencasinohotelanlagen, Shoppinghöllen am laufenden Band, Fressen und Saufen, Touristenhorden. Und ein-zwei Blocks hinter der Fassade – Zerfall, Armut, und mutmaßlich, Kriminalität.

Aber, ich hatte nichts anderes erwartet. Ich schaute es mir an, genoss den distanzierten Blick aus dem 25. Stock des Hotels, trank ein Bier, und schlief. Zu früh fuhr ich am nächsten Morgen zum Airport und flog nach San Francisco. Ich sprang in den Pazifik, fuhr Rad, schaute mir die Stadt an und hatte eine schöne Zeit mit Freunden.

Meinen Rückflug nach Europa unterbrach ich wiederum für drei Tage New York City, wo ich nicht wirklich aufregendes tat, außer, die Stadt zu genießen.

Da ich nur eine winzige Ecke des gigantischen Death Valley gesehen habe, werde ich beim nächsten Besuch auf andere Verkehrsmittel zurückgreifen. Und ich unterschätzte die unglaublichen Dimensionen des Parks. Und meinen hohen Wasserbedarf. Nichtsdestotrotz, das Wandern in Wüsten, seien sie aus Eis, Stein oder Sand oder auch nur halbe, sind immer eindrucksvoll.


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