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Reisebericht: Schweden – unterwegs auf dem “Höga Kusten Leden” im Oktober

Blick über Höga Kusten

Hi…..ich bin janiZe, arbeite hier im Camp und wollte schon ziemlich lange mal wandern gehen. Da ergab es sich, dass ich einiges an Überstunden angesammelt hatte und mich dazu entschloss, eben genau diese für meinen Wunsch zu verbraten.

Eigentlich war die Idee, alleine loszumachen, weil ich sonst immer mit Familie unterwegs bin und meine Kinder jetzt nicht „JUCHEEE“ schreien, wenn es ums Wandern geht. Aber um ehrlich zu sein, bin ich kein Alleinreisetyp und deshalb habe ich meine Freundin Miri gefragt, ob sie nicht Lust hätte, mich zu begleiten. Zumal sie auch meist mit ihren Kindern unterwegs ist und uns beiden eine kleine Auszeit von Beruf und Familie bestimmt gut tun würde. 😉

Es geht also den 130 km langen „Höga kustenleden“ von Härnösand nach Örnsköldsvik am Bottnischen Meerbusen an der schwedischen Schärenküste entlang.

Wir haben uns besprochen, wirklich viel gesprochen, Packlisten erstellt, haben uns einen Speiseplan erarbeitet und zur Probe gepackt. Zudem nervte ich meine Kollegen mit Fragen und auch Ausleihwünschen. Wir buchten Flüge sowie Bahntickets, machten die letzten Besorgungen und dann war es endlich soweit: Heute war Tag X. Heute ging es endlich los! 

Höga Kusten - Voller Vorfreude am Flughafen

Ich wurde mit Sack und Pack auf dem Motorrad zur Arbeit gefahren. Richtig gehört: Mein Mann brachte mich mit meinem fast 17 kg schweren Rucksack mit dem Moped zur Arbeit. Dort half ich noch ein paar Stunden im Lager. Danach ging es ab zum Bahnhof und rein in den Zug. Miri wartete im Zug schon voller Vorfreude auf mich. Nun sind wir noch flink zum Flughafen gefahren und zack zum Check-in. Der Flieger nach Stockholm ging um ca. 16:00 Uhr. Dort angekommen, mussten wir noch schnell in der Innenstadt Gaskartuschen für unseren Kocher besorgen, denn diese dürfen im Flugzeug ja nicht mitgeführt werden.

Im Internet hatten wir uns vorab schon ein Center nahe dem Zentralbahnhof rausgesucht und auch wenn wir in diesem ersten Center kein Glück hatten, war es trotzdem kein Problem, in der City Gas zu kaufen. Dann hieß es, warten auf den Zug Richtung Härnösand um 23:00 Uhr. Wir entschieden uns für den Nachtzug, weil wir dann am Morgen gleich loslaufen konnten. Wir mussten noch einmal in den Bus umsteigen, aber das war alles echt okay.

Höga Kusten - Wir folgen den blauen Schildern

Nun, nach nächtlichem Rumgereise, stiegen wir um 6:00 Uhr aus dem Bus und waren da. Tja, sah nur erst mal so gar nicht nach dem aus, was wir erwarteten. Der Bus hielt nur für uns kurz an einer Parkbucht an der E4, mitten im Nirgendwo. Der Einstieg zum Leden war in der Tat sehr unscheinbar. Schotterpiste, unausgeschildert und nur durch Zufall entdeckt, obwohl man zugeben muss, dass es die einzige Möglichkeit ist, von dort loszulaufen. Und schwupps, nach ein paar Metern kam dann auch das erste Schild und verkündete uns: „JA, ihr seid richtig“.

Von da an ging es immer den Markern nach. Ich kann wirklich sagen, wenn der Weg erst mal gefunden ist, war es ziemlich leicht, diesem zu folgen.

Höga-Kusten - Schweden wie aus dem Bilderbuch

Ich werde jetzt nicht jede einzelne Etappe beschreiben, denn das kann man auch überall anders nachlesen. Ich möchte einfach ein paar Eindrücke schildern und den einen oder anderen Gedanken teilen.

Alle Kolleginnen und Kollegen aus dem Camp4 sind draußen viel unterwegs, aber es macht ja nicht jeder alles und so kommt es natürlich vor, dass ein jeder sein Spezialgebiet hat. Wenn man mich fragt: „Wir wollen mit der Familie paddeln gehen“ oder „Wir machen eine Familienradtour zur Ostsee.“, dann kann ich viel nützliche Tipps geben und beraten, aber einem mehrtägigen Wanderweg zu folgen, war neu für mich. Und ich kann schon mal vorwegnehmen, dass ich eine ganze Menge gelernt sowie erfahren habe und jetzt viel davon in meine Beratung einfließen lassen kann.

Mit Sicherheit gibt es Packlisten, die dir helfen, dein Equipment zusammenzustellen, aber dennoch ist jeder von uns individuell und hat besondere Ansprüche als auch Prioritäten. Der eine wandert lieber mit einer Trinkflasche und macht Trinkpausen. Der andere bedient sich lieber eines Trinksystems, bei dem er jederzeit trinken kann, ohne anhalten zu müssen. Und dies ist nur eine von ungefähr hundert Fragen, die man sich stellt. Dann geht es weiter über die Bekleidung, die richtigen Schuhe und Wanderstöcke, Zelt ja oder nein und so weiter und so fort…

Miri und ich haben uns zum Beispiel dafür entschieden, Trinksysteme zu nutzen sowie ein Zelt mitzunehmen und uns nicht ausschließlich auf die frei zur Verfügung stehenden Hütten zu verlassen. Wir haben unsere Rucksäcke – neben dem persönlichen Bedarf – in Kochen, Küche und Behausung aufgeteilt. Bei der Bekleidung haben wir versucht, uns auf das Nötigste zu beschränken. Das fällt nicht immer so leicht. Ein persönlicher Dank geht hier an die Jungs aus dem Laden, die mich beim Blick auf meine Packliste noch mal ordentlich ausgelacht haben und mich dazu angeregt haben, die Klamottenfrage erneut zu überdenken.

Höga-Kusten - Pause am Strand

So ausgestattet, waren wir nun nach einer Nacht im Zug im Nieselregen unterwegs und wollten zu unserer ersten Hütte. Der Anfang war eigentlich ganz easy und der Regen hörte auch ziemlich schnell auf. An einem Ufer suchten wir uns einen kleinen Rastplatz und kochten erst einmal Kaffee sowie einen Tee und stärkten uns für den kommenden Weg. Dieser würde am Ende des Tages eine echte Herausforderung werden, denn um zur Hütte zu gelangen, in der wir unsere erste Nacht verbringen wollten, mussten wir einen fiesen, steilen und anstrengenden Weg hinauf.

Dafür waren der Ausblick und die Hütte umso – ich sag mal – FETTER!! Es hatte sich wirklich gelohnt, hier hinauf zu kraxeln. Die Hüften und Schultern schmerzten ein wenig von der ungewohnten Belastung und die Füße waren dick, aber „so what“.. Wir hatten ein tolles Feuer, ein gutes Abendessen und außerdem hatte ich es mir nicht nehmen lassen, ein wenig Rum mitzunehmen, der uns den abendlichen Tee „versüßen“ sollte.

Höga-Kusten - Hütte mit rauchendem Schornstein

Am nächsten Morgen starteten wir mit einer Katzenwäsche. Es gab Tee für Miri, für mich Kaffee und für beide eine Schüssel warmes Müsli. Danach packten wir und zogen los. Diesem Rhythmus folgten wir von nun an. Zwischen jedem müden Abend und jedem frisch-kalten Morgen hatten wir tolle Wanderungen.

Die Landschaft veränderte sich immer wieder. Von steinig windiger Küste zu urigem Zauberwald, von ländlicher Idylle zu atemberaubenden Panoramen. Dieser Weg war wirklich abwechslungsreich und der Schwierigkeitsgrad reichte von „leicht begehbar“ bis zu „abenteuerlicher Abstieg“. Von allem war etwas dabei, jedoch nie so ambitioniert, dass man nicht seinen Gedanken freien Lauf lassen konnte oder ein Risiko für Leib und Leben einging.

Höga-Kusten - Die Slåttdalskrevan Schlucht

Obwohl, eine Etappe war dann doch ziemlich, wie soll ich sagen, überraschend. Bei dieser Etappe kommt man durch den Skuleskogen Nationalpark mit seiner tiefen Slåttdalskrevan Schlucht. So weit, so gut. Der Weg war schwedisch waldig-felsig und als wir durch die Schlucht liefen, kamen wir zu einem wirklich schönen See innerhalb des Parks. Weil der Anblick so schön war, beschlossen wir, eine kleine Pause am Ufer einzulegen.

Es gab hier auch eine schöne kleine Stuga (so werden die freien Hütten genannt, in denen man sein Nachtlager aufschlagen kann), aber weil es noch so zeitig am Tage war und wir gut im Zeitplan lagen, beschlossen wir, eine Hütte weiter unten am Meeresufer aufzusuchen, um dort die Nacht zu verbringen. Im Leben hätt ich nicht gedacht, dass der Abstieg, den wir vor uns hatten, ein „normaler“ Wanderweg sein soll.

„Bitte folgen Sie den blauen Markierungen und wenn Sie diese auf den nach unten gekullerten Felsbrocken überhaupt finden können, brechen Sie sich dabei möglichst nicht alle Knochen oder das Genick“– so oder so ähnlich sollte es am besten am Eingang des Nationalparks stehen, damit man wenigstens weiß, worauf man sich einlässt.

Höga Kusten - Innenansicht einer Hütte

Aber wir haben alles heil überstanden und konnten einen schönen Abend in einer tollen Stuga verbringen. Bis auf die kleinen Nager, die sich an Miris Trinksystem zu schaffen gemacht hatten. Und selbst das war irgendwie lustig.

Wir haben unseren Zeitplan eigentlich, mit kleineren Abweichungen, immer gut einhalten können. Zweimal haben wir nette Schwedinnen gefragt, ob sie uns ein kleines Stück mit dem Auto mitnehmen können und wurden immer sehr freundlich aufgenommen und unterstützt. Zum Beispiel haben wir unseren Lunch in einem örtlichen Konsum gemacht, weil es drinnen viel wärmer war als draußen und unsere Trinkblasen wurden aufgefüllt und die Handys geladen (obwohl ich zugeben muss, dass wir sie einfach so angeschlossen haben, ohne da noch mal explizit nachzufragen).

Höga Kusten - Hütten von Einheimischen finden sich überall

Zweimal haben wir auch das Zelt genutzt. Einmal, als wir auf einem Campingplatz einer Etappe keine kleine Hütte mieten wollten und einmal, als wir beide echt müde waren und es schon langsam dunkel wurde. Wir sind dann vom Weg abgebogen und haben bei einer netten Dame gefragt, ob wir unser Zelt vor ihrer Scheune aufstellen dürfen. War kein Problem.

Höga Kusten - Wir folgen den Schildern am See

Alles in allem waren wir mit unserer Ausrüstung ziemlich perfekt ausgestattet. Der Rucksack hat echt gut gesessen und ich war froh, Wanderstöcke mitgenommen zu haben. Sie verteilen die Last beim Aufsteigen viel besser als ohne. Ich habe mich dafür entschieden, es mit einer Wanderleggings und einem Thermorock zu versuchen. Hat sich ausgezahlt… wir hatten aber auch echt Glück mit dem Wetter (tagsüber ca 8–10 Grad und nachts um die 0 Grad) und nur zweimal Regen. Und einer davon kam wie gerufen. Wir hatten uns nämlich etwas mit dem Trinkwasser verschätzt, denn der extrem trockene Sommer hat auch in Schweden seine Spuren hinterlassen.

Höga Kusten - rostbraune Wälder im Herbst

Wir konnten also das Regenwasser auffangen und filtern. Übrigens noch etwas, ohne das ich nicht mehr wandern würde – ein Wasserfilter. Und davon gibt es noch Einiges….zum Beispiel Heilwolle für allerlei Wehwehchen. Ich dachte nämlich, meine Wanderschuhe passen richtig… aber falsch, nix da! Mit entsprechender Mehrbelastung und geschwollenen Füßen sind sie ganz schnell zu klein und die Heilwolle verhindert das Schlimmste an Blasen. Oder einem Schaffell als Sitzkissen. Finden manche vielleicht albern, aber ich hab es echt gerne und es muss immer dabei sein, selbst bei Tagesausflügen. Ein vernünftiges Kissen… das hatte ich leider nicht… passiert mir kein zweites Mal. 😉

Höga Kusten - Zwei glückliche Wanderinnen am Ende der Tour

Ich könnte noch viel mehr aufzählen, glaube aber, wenn Bedarf da sein sollte, dann kommt einfach mal vorbei. Diese Reise war wirklich richtig toll und hat meinen Akku voll aufgeladen. Es war schön, sich nicht mit dem täglichen Murmeltier konfrontiert zu sehen, sondern es mal gegen ein anderes zu tauschen… eins mit schöner Natur und toller Aussicht.

Die Bilder vermitteln hoffentlich einen Eindruck davon, wie schön es war.

Und ein ganz besonderer Gruß geht an Miri:

„Herz, ich hätte keine bessere Begleitung haben können und freu mich auf viele weitere gemeinsame Unternehmungen dieser Art mit dir (wenn unsere Männer und Kinder uns frei geben 😉 Es war toll… Danke dafür!!!“

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