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Vanuatu – von Vulkanen und Kannibalen!

Sicherhheitsabsperrung fehlanzeige. Alle Bilder von Sandra Braunfels2010 haben wir unseren Beruf für ein Jahr gegen die Berufung Weltenbummeln eingetauscht. Überland sind wir von Mannheim durch Zentralasien bis nach Indien gereist. Mit einem kurzen Abstecher in  Malaysia ging es nach Australien und von dort Mitte Oktober für drei Wochen nach Vanuatu , wovon wir bis dato so gut wie nichts wußten…

Andere Reisende hatten uns von abenteurlichen Vulkanbesteigungen und liebenswerten Menschen, abseits der üblichen Touristenpfade erzählt. Mit dem damals noch erhältlichen Air Pacific Pass sind wir für überschaubares Geld von Australien nach Vanuatu, dann nach New Zealand und im Verlauf weiter auf die Cook Inseln gereist.

Dieser Airpass ist seit 1/2013 leider nicht mehr erhältlich. Unser Abenteuer Vanuatu begann in Perth/ Australien, wo ich am letzten Tag vor Abflug in einem Bookstore die perfekte Reiselektüre fand: The Happy Isles of Oceania von Paul Theroux!

Welkam in Melanesien

5 ½ Std. Flug hatten uns in der Nacht von Perth nach Sydney gebracht und weitere 3 ½ Std. Flug nach Melanesien- Vanuatu! Ein souveräner Inselstaat der bis 1980 Neue Hebriden genannt wurde und sich  mit 83 Inseln über 1300 km des Südpazifiks erstreckt .

Zur Begrüßung spielte am Flughafen eine „String-Band“ mit großen Blütenketten um den Hals und wilden Locken auf dem Kopf. „ Welkam“ steht in großen Buchstaben über dem Zoll- kein Schreibfehler- eben „Bislama“ -Pidgin Englisch!

Unser kleines Hotel  liegt direkt am Strand samt Hängematte zwischen Palmen. Und die Stadt- Port Vila- ist mit dem Minibus in zehn Minuten zu erreichen. Der Markt quillt über mit Maniok, Yams und Kawa Wurzeln, Bananen, Papaya und bunten Blumen. Die Frauen in langen, bunt bedruckten Kleidern, bieten lachend und schwatzend ihre Ware an.

Feilschen und Handeln gibt es in der Ni-Van Kultur nicht- alles hat einen fixen Preis. An einer Ecke des Marktes entdecken wir die ersten Frauen die Laplap verkaufen- das Ur- Pazifik- Gericht: Eine Paste aus diversem Wurzelgemüse, meist Maniok oder Süßkartoffel enthaltend, wird dick auf Bananenblättern aufgetragen, in diese eingeschlagen und anschließend im Erdofen durch heisse Steine gegart. Leider war der 1. Versuch nicht allzu überzeugend und die Toilette in der Nacht unser größter Freund ;-(.

Auf nach Tanna

Am nächsten Tag hieß es erst einmal, unsere Flugtickets zu den „Outer Islands“ zu organisieren. Definitiv wollten wir nach Tanna, um den aktiven Vulkan Mt. Yasur zu besteigen und dann noch nach Ambrym.

Die Arbeitsmoral der Air Vanuatu Agentur hatte uns einige Nerven und Zeit gekostet, aber letzten Endes standen wir tags darauf mit unseren Tickets in der Tasche und zehn kg Gepäck pro Person am Domestic Flughafen. Mit Verspätung und mulmigem Gefühl stiegen wir zusammen mit 15 anderen Passagieren in die Propellermaschine ein und ohne weitere Komplikationen auf Tanna deutlich erleichtert auch wieder aus.

Die einzigen „Weißen“ mit an Bord waren ein kanadisches Arzt-Ehepaar samt ihrer drei Kinder, die für acht Monate das Insel-Krankenhaus auf Tanna betreuen. Tanna, eine der größeren Inseln des Archipels und nebst Efate (der Hauptinsel) und Santo, die eigentlich touristisch erschlossenste – dachten wir zumindest.

Die Kanadier boten uns einen Lift in die „Stadt“ an, den wir dankend annahmen- auf der Ladefläche eines 4×4 Trucks, dem Standarttransportmittel. Bereits die Hauptstrasse vom Flughafen nach Lenakel, der Hauptstadt, war nicht asphaltiert und der Staub hatte sich in Sekunden in Haaren und Kleidern festgesetzt.

Sie empfahlen uns ein kleines Hotel direkt am Strand, wo wir am Abend mit leckerem Fischcurry bekocht wurden. Tropen und Subtropen haben so ihre ganz eigene Zimmerdynamik. Sprich: Man mietet ein Doppelzimmer und unabhängig von der Preiskategorie bekommt man die mitbewohnende kleine Zimmerratte für umme dazu, nebst Geckos und Mosquitos, die leider in Vanuatu Malaria verseucht sind.

Erster Blick auf den Vulkan Yasur

Am nächsten Tag wanderten wir nach Lenakel, durch Dschungelpfade und Palmenhaine und unter riesigen Banyanbäumen entlang. Da Sonntag war, war die „Stadt“ verwaist und wir haben das kleine Krankenhaus der Kanadier besucht. Montag ist Markttag- und so kommen auch viele Einheimische der anderen Inselseite zu Besuch.

In einem großen Tankschiff im Hafen gibt es sozusagen einen Drive In Supermarkt, normale Geschäfte gibt es nicht. Selbst Trinkwasser wurde bereits in Lenakel zum Problem und wir waren mehr als dankbar über unseren Steripen: Sterilisiertes Trinkwasser in 90 Sek. dank UV Licht!

Vom Marktplatz aus konnten wir uns eine Fahrt auf die andere Seite der Insel zu besagtem Yasur Vulkan organisieren. 2 ½ Std. waren wir mit dem Truck durch tiefsten Dschungel und unwegsamen Pfaden unterwegs. An einer Stelle war ein Truck liegen geblieben- mehr als unterschenkeltief standen alle im Schlamm,, beim Versuch den Truck zu bergen.

Yasur ist einer der wenigen leicht zugänglichen aktiven Vulkane der Welt. Man kann in der Tat bis an den Kraterrand wandern, läßt die Beine in die Kaldera baumeln und wartet, daß alle 3-4 Minuten ein Lavafeuerwerk den Himmel erhellt. Man sollte sich keine Gedanken darüber machen, wenn ab und zu die Erde bebt oder man durch eine heftigere Eruption dezent per Luftdruck nach hinten gestoßen wird ;-)) Sicherheitsmaßnahmen- wie wir auch später noch merken sollten- gibt es in diesem Land nicht!

Geld und Gier verdirbt auch hier den Charakter

Die Nacht verbrachten wir einmal mehr mit einer kleinen Ratte im Bungalow, die sich doch sehr über unsere Kekse als Mitbringsel gefreut hat. Nächtliche Toilettengänge gehören auch hier mit zu unseren beliebtesten Erinnerungen, wo man im Schein der Taschenlampe nach allerlei Kriech- und Spinnengetiers Ausschau hält.

Die nächsten zwei Tage verbrachten wir in Port Resolution, im sogenannten Yachtclub. Unsere Sorge, ob unsere Kleidung ausreichend kultiviert sei, war ein wenig unbegründet- grins. Wieder einmal war ein netter Bambusbungalow mit Outdoor Waschbecken das „Beste“ Hotel vor Ort und wir zunächst die einzigen Touristen.

Ein Besuch der Sharksbay mit seinen gelben Riffhaien und ein Handschlag des „Chiefs“- dem Häuptling- haben unseren Tannabesuch nach kurzem unschönen Zwischenspiel ( auch auf dieser Seite der Welt verdirbt Geld und Gier den Charakter) wieder aufgeheitert und wir sind nach abenteuerlicher Rückfahrt über die Insel zurück nach Efate geflogen.

Zwei Tage Erholung in der Zivilisation standen auf dem Programm und ein wenig mulmig war uns schon bei dem Gedanken, daß Tanna ja eigentlich touristisch war und uneigentlich wir diese fünf Tage nicht wirklich „touristisch“ verbracht hatten. Was sollte uns da erst auf Ambrym erwarten? Wirklich ausführlich war unser Reiseführer bezüglich der Vulkanbesteigung auch nicht gerade.

„you should be fit“

Bei vier verschiedenen Routen wurde unsere ab Meltungen als “moderate hike“ beschrieben und mit „you should be fit“ kommentiert. Die Recherche im Internet ergab nur, daß es wohl anstrengend sei, hierbei wurde jedoch immer dieselbe Route beschrieben und leider eben nicht die unsrige.

Oder die Tour wurde als Expedition für teuer Geld vermarktet, was uns initial ehrlich gesagt wieder ein wenig schmunzeln ließ. Wir haben in den letzten Jahren sooft Touristen getroffen die laut von ihren teuren, aufwendig organisierten „Expeditionen“ berichteten- vieles davon haben wir in Eigenregie ohne Expeditionsaufkleber bereits bereist oder erlebt- aber es ist eben immer eine Frage der Darstellung und Selbstwahrnehmung. Nichtsdestotrotz, dachten wir auch dieses Mal, ist es eben nur eine Frage der Betitulierung!

An einem Samstag ging dann unser Flug nach Ambrym-wieder eine 15 Mann- Propellermaschine. Im Landeanflug die beiden Vulkane Benbow und Marum leider im Nebel und unter uns eine Graslandebahn, über die wir bei der Landung mehr geschlittert als gerollt sind. Die Vorzeichen waren von der 1. Minute an einfach auf Abenteur pur eingestellt und wir ehrlich das 1. Mal auf dieser Reise skeptisch ob dieses Projekt so wirklich das Wahre ist.

Grasröcke und Penisköcher

Daß man die Insel nicht von Nord nach Süd, bzw. von West nach Ost auf einer „Strasse“ durchqueren kann, hatten wir zwar realisiert, uns aber ehrlich gesagt keine weiteren Gedanken dazu gemacht.

Fakt ist: Auf der ganzen Insel gibt es insgesamt nur sieben Trucks, keine Straßen, nur Pisten durch tiefsten Urwald, die mit vor dem Truck laufenden Männern und Macheten immer wieder frei geschlagen werden, keine gemauerten Häuser- nur Strohhütten, eine handvoll Luxushäuser mit betoniertem Fundament, kein Strom, außer einige wenige Familien mit Generatoren und seit ca. 15 Jahren westliche Bekleidung, davor gab es die traditionellen Grasröcke und Penisköcher.

Nachdem ein einziger Rucksack nebst Körben, Hühnern und Gemüse aus dem Flieger ausgeladen waren, haben wir noch kurz zum Abschied gewunken- in neun Tagen sollten wir von hier wieder abgeholt werden.

Auf der Rückfläche eines Trucks ging es samt unzähligen Taschen, Menschen und Hühnern Richtung Baiap, einem Dorf am Meer. Der Truck kam nicht weit, als er das 1. Mal im Morast und dem tiefen Wurzelwerk steckenblieb. Eine kleine Armada an jungen Männern, mit Macheten und Schaufeln bestückt, sprang vom Truck und machte sich sofort daran, das Fahrzeug wieder in eine fahrtüchtige Position zu bringen.

Kleines Dorf am Meer: Baiap

Knapp drei Stunden später, um unzählige blaue Flecken an allen Körperteilen bereichert, kamen wir in dem kleinen Dorf am Meer an. Das Guesthouse gäbe es nicht mehr- erzählt man uns dann- wir könnten aber im Gemeindehaus übernachten und würden von den Frauen des Dorfes mit Essen versorgt werden.

Prima- dachten wir und arrangierten mit dem Truckfahrer, daß er uns zwei Tage später hier wieder abholen sollte, um ins Inselinnere zu fahren, dem Ausgangspunkt für unsere Vulkanbesteigung. Zwischenzeitlich hatten die Dorffrauen das Gemeidehaus frisch gekehrt und mit Strohmatten ausgelegt. Gott sei dank hatten wir unser eigenes Moskitonetz dabei!

Am Abend gab es frischen Laplap, der diesmal richtig lecker war und Regenwasser, das in einer großen Zisterne in der Dorfmitte gesammelt wurde. Wie oft wir in den letzten Tagen um unseren Steripen dankbar waren können wir gar nicht sagen! „Geduscht“ wurde im Meer, und die Toilette war mit Holzsitzbalken ausgestattet- zart besaitete hätten da ihr Leid gehabt :-).

Am Abend füllte sich der Himmel mit prähistorisch aussehenden Miniflugsauriern: Hunderte von Flughunden kreischten durch die Luft und suchten sich den besten Mangobaum zum Plündern aus. In dem kleinen Ort verging die Zeit schnell und zwei Tage später stand pünklich der Truck vor unserer Hütte um uns nach Meltungen zu bringen.

So schön kann Luxus sein

Dort gab es Luxus pur: Eine Regenwasserdusche! Oh wie haben wir uns gefreut! Am nächsten Tag sollte es, sofern es nicht in Strömen regnete, zu den Vulkanen hinauf gehen, über Nacht wollten wir in den „Ashplains“ campen und am nächsten Morgen die 20 km zurück laufen. Unser eigenes Zelt hatten wir dabei, feste Wanderschuhe eh, leere Wasserflaschen hatten wir vorsorglich mitgenommen, da wir wußten, daß es dort oben keine Wasserquellen gibt, ebenso Essen. Somit waren wir bestens ausgerüstet.

Nachdem wir acht Liter Regenwasser auf unsere Flaschen verteilt hatten, entschieden wir uns (im nach hinein Gott sei Dank) zum Guide zusätzlich noch einen Träger dazu zunehmen, sodaß unsere kleine „Expeditionsgruppe“ letzten Endes aus vier „Teilnehmern“ bestand ;-).

Initial sollte uns der Truck zum Ende der „Straße“ bringen. Vier zusätzliche Männern, alle mit Macheten bestückt, waren Begleittrupp, um die „Straße“ vor unserer Nase überhaupt erst befahrbar zu machen- sprich: Wir IM Truck- die Männer VOR dem Truck, Schneisen in das undurchdringliche Dschungelgestrüpp schlagend. Die „Strasse“ war dann auch relativ schnell zu Ende- die Fahrt ging jedoch in einem ausgetrockneten Flußbett weiter.

Wenn wir dachten, Geröllfelder und umgestürzte Bäume würden jeden Moment die Fahrt dann entgültig beenden, so hatten wir uns getäuscht. Immer wieder sprangen die vier Männer von der Ladefläche des Trucks, um den Weg weiter entlang des Creeks zu bahnen.

Nach drei Stunden war dann jedoch endgültig Schluß. Am nächsten Tag wollte man uns um 13.00h wieder abholen und ab nun ging es zu Fuß langsam aber stetig bergauf, immer weiter den trockenen Flußlauf entlang.

Jetzt geht es nur noch aufwärts

Gott sei Dank war es bewölkt und die Sonne konnte nicht mit ihrer ganzen Kraft auf uns niederbrennen. Der schwarze Lavaboden war auch ohne direkte Bestrahlung heiß genug. Nach 1 ½ Std.bergauf  kam der 1. schweißtreibende Kletteranstieg, der uns nach einer ½ Stunde auf den Grat der Hauptkaldera bringen sollte.

Stutzig wurden wir, als der Guide sagte, Mt. Marum könnte man noch gar nicht sehen. Statt dessen sahen wir Mt. Benbow und ein Meer aus tief zerklüfteter Landschaft mit scharfkantigen, sich aneinander reihenden Graten und steil abfallenden Schluchten. Wie sollten wir denn je dieses „ Meer“ durchdringen? Bei genauerem Hinsehen gab sich ein handbreiter Pfad auf einem Grat zu erkennen, der zunächst in die Tiefe und auf der anderen Seite wieder zur Spitze verlief.

Einzelne trockene Äste waren alle km auf den jeweils höchsten Gratpunkten versenkt und markierten den Weg. Loses Geröll wechselte sich mit Lavaasche und verbackenem Gestein ab, wo unser Guide mit der Machete Trittlöcher einschlug, um wenigstens einen gewissen Halt zu bekommen- rechts und links ging es hunderte von Metern in die Schluchten hinab.

In der Weite konnte man die Aschefelder erkennen- dort wollten wir hin- das Schlimmste war also überstanden- dachten wir. Eine weitere Stunde später kletterten wir auf allen Vieren zum Zigstenmal in eine Schlucht. Endlich kamen wir dem Aschefeld näher. Eine halbe Stunde bergab und wieder eine Stunde bergauf- und dann? Befand sich eine massive Felswand in Form der Kaldera von Mt. Benbow vor uns und der Guide meint nur, da müssen wir jetzt hoch, als wir schon lange dachten, jetzt müßte aber langsam der Zeltplatz kommen!

Vertikaler Aufstieg, kein Scherz!

Irgendwie sah das von unten alles noch gar nicht so schlimm aus- vielleicht hatten wir aber zu diesem Zeitpunkt einfach auch alles nur noch bedingt realisiert. Fakt war: Es folgte ein einstündiger, zum Teil fast vertikaler Kletteraufstieg, ohne Sicherung, ohne alles. Freier Fall nach rechts, nach links und hinten, hunderte von Metern tief. Im Nachhinein nicht mehr vorstellbar, daß da das Gehirn nicht einfach „Stop“ gefunkt hat und wir umgekehrt sind. Aber wir wollten ja die Lavaseen sehen!

Auf der Spitze der Kaldera angekommen, wurden wir erstmal mit einer mehr als atemberaubenden Aussicht belohnt. Atemberaubend doppeldeutig: Schwefeldämpfe trieben uns Tränen in die Augen und Husten in den Hals! Ungläubig starrten wir den Bergabhang, den wir da gerade ungesichert heraufgeklettert waren hinab.

Andreas dachte zu diesem Zeitpunkt immer noch, unsere zwei Jungs hätten sich einen Scherz erlaubt, als sie sagten, am Folgetag müssten wir den gleichen Weg wieder zurück gehen. Es sollte kein Scherz sein! Auf dem schmalen Kraterrand wanderten wir dann auf die gegenüberliegende Seite, wo wir 40 min. später den Abstieg begingen.

Das Lavageröll war so lose und schlittrig, daß ich im wahrsten Sinne des Wortes dank meiner Wanderstöcke wie auf Miniskiern mit meinen Wanderschuhen zum Teil „herunterfahren„ konnte. Am späten Nachmittag erreichten wir erschöpft das Aschefeld, wo wir in gefahrenfreier Zone unsere Zelte aufschlagen konnten. Nach kurzer Mittagspause ging es dann noch einmal eine knappe Stunde weiter zum Marum Vulkan.

Der Lavasee war letzten Endes nur noch halb so beeindruckend auf Grund der Erlebnisse der letzten sieben Stunden muss man sagen. Die Lava Eruptionen des Yasur auf Tanna sind sicherlich spektakulärer. Nichtsdestotrotz sind wir an diesem Abend glücklich und erschöpft, aber auch mehr als besorgt in unserem Zelt eingeschlafen. Immer mit dem Gedenken, am nächsten Morgen das Ganze rückwärts bewältigen zu müssen.

Nervöse Guides beim Abstieg

Dankbar um unseren Schlafsack, in der Nacht wurde es eisekalt, sind wir im Morgengrauen aufgestanden. Der Aufstieg durch das lose Geröll eine Qual: Zwei Schritte vor, ein Schritt zurück gerutscht. Zudem hatte es angefangen zu regnen, alles lag in tiefen Nebelwolken, der Boden schlüpfrig und schlichtweg der Weg entlang des Kratergrades gefährlich und bei genauem hinsehen- lebensgefährlich. Der eigentliche Abstieg stand uns noch bevor.

Unser Guide und Träger wurden immer nervöser und haben immer nur gesagt „danger-danger“-“ slowly slowly“- „rain no good!“ Wir hatten jedoch keine andere Wahl- 2 l Trinkwasser waren noch übrig- warten auf besseres Wetter in anbetracht der tief hängenden Wolken keine wirkliche Alternative- also im wahrsten Sinne des Wortes „ Augen zu und durch!“

Letzten Endes sind wir heile den Berg wieder hinunter gekommen und auch aus dem Aschefeld heraus. Als der Truck uns um 13.00h pünktlich in Empfang nahm, waren wir mehr als froh- dies war mit Abstand unser bisher gefährlichstes Abenteuer in unserem ganzen Reiseleben- und soo beim besten Willen nicht geplant!

Später erfuhren wir in unserem letzten Dorf Craig Cove, daß die Strecke ab Meltungen die gefährlichste Route und im Regen nicht begehbar sei. Gesagt hatte uns das leider im Vorfeld niemand im Dorf und unser Reiseführerbuch („LP“, laut Dorfbewohnern hätte der Autor die Route selbst nicht begangen sondern nur Interviews geführt) hatte an dieser Stelle kläglich versagt.

Leben mit einem Mangobaum

Die letzten zwei Tage verbrachten wir wieder in Meeresnähe, Craig Cove. Im Kreise einer Familie waren wir von unzähligen Hühnern, Schweinchen und Hunden- vor allem Flug-Hunden umgeben. Ein großer Mangobaum bildete das Zentrum des kleinen Dorfes.

Das Gezetere der Flughunde in der Nacht aus dem Mangobaum heraus, erinnert stark an die kleinen Gremlins der 80`- insbesondere dann, wenn immer wieder ein Flughund beim Pflücken einer Mango abstürzt, aufs Wellblechdach über dem Bett einschlägt und sich kreischend an der Kante entlang hangelt- wir haben Tränen gelacht.

Am Morgen sah der Boden unter dem Mangobaum jedesmal wie nach einer großen Schlacht aus, und jeden Morgen hat die 87-jährige Oma den Platz unter dem Baum gekehrt, bevor sie sich in ihre Ecke verzogen hat, um mit ihren erstaunlich flinken Fingern unzählige Dachteile aus Palmblättern zu flechten- Tag für Tag!

Das Haus in dem wir schliefen hatte, ganz fortschrittlich, ein Wellblechdach, um Regenwasser zu sammeln, das dann in ein Becken weitergeleitet wurde. Von dort wurde dann in Eimern das Wasser, sei es zum Waschen oder zum Trinken, geholt.

Den Kochkurs, den wir erhielten, läßt sich leider mangels Landkrebsen und Bananenblättern zu Hause nur schwierig nachkochen- aber immerhin- haben sich die ehemaligen Kannibalen auf eine neue Nahrungsquelle umgestellt!

Auf der Nachbarinsel Malekula gab es noch nachgewiesenermaßen bis in die 80-er Jahre Kannibalismus und da sollte eigentlich auch noch unser Weiterflug hingehen! Aber in anbetracht der neuntägigen Robinson Crusoe Tour und nun der Aussicht auf drei Tage „Urlaub“ mit Dusche, kaltem Bier und Internet haben wir uns dann doch dazu animiert, direkt auf die Hauptinsel zurückzufliegen.

Schließlich braucht man ja auch noch ein paar Ziele für das nächste Mal!


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