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Spaziergang durch Dresden’s Hechtviertel

Magische Momente in Dresden. Foto: privatEinst war das Hechtviertel in Dresden ein reiner Arbeiterbezirk. Seit ein paar Jahren wird dort saniert und damit zieht ein ganz besonderer Charme ein. Bei einem Spaziergang in bester Outdoor-Ausrüstung entdeckte ich das Besondere dieses Stadtteils und feierte den Frühling in seiner ganzen Pracht.

Vollgepackt zu einem richtigen Mädchenurlaub startete ich am vergangenen langen Wochenende Richtung Dresden, wo meine beste Freundin wohnt. Das erste mal mit im Gepäck für solche Tage: Meine kleine Tochter. Sie ist beinah drei Jahre alt und damit reif für ein Stück andere Welte aus Muddis Leben.

Schon einige Tage zuvor war ich ein bisschen sentimental, denn es war schon etwas Besonderes diese zwei Menschen endlich ein Stück näher zusammen bringen – nicht dass sie sich schon kannten – aber drei Tage 24 Stunden aufeinander zu hocken ist schon was anderes. Aber nicht nur das war besonders, sondern auch die Tatsache, dass Tilli und ich schon befreundet waren, als wir so alt waren wie Anouk jetzt.

Ein Tag Anfang Mai

Dieser eine spezielle Tag über den ich hier schreiben möchte, war deswegen so einzigartig, weil er eigentlich anders geplant war: Am Vorabend saßen wir zusammen und beschlossen einen Tagesausflug zum Schloss Moritzburg zu unternehmen. Mit der alten Schmalspurlok wollten wir mit der kleinen Anouk auf den Spuren von Prinzen und vor allem Prinzessinnen wandeln – Mädchenurlaub eben.

Aber schon beim Aufwachen – natürlich schliefen wir alle einem Zimmer – war klar, etwas ist anders. Es wollte kein Flow entstehen und wir waren unentschlossen, ob unsere neue kleine Verbündete einen Tag ohne Mittagsschlaf so schön finden würde wie wir.

Da kam uns die SMS von meinen Kollegen ganz gelegen: Klettern im Bielatal, ist nur eine halbe Stunde entfernt und die kleine Madame würde im Zelt schlafen können. Und das bei dem Sonnenschein, was für eine Idee. Aber auch nach dem Frühstück war Anouk noch maulig und die Aussicht auf einen Ausflug in die Berge begeisterte sie wenig – und das obwohl wir auf dem Hinweg extra „Conny in den Bergen“ gehört hatten.

So entschieden wir also kurzfristig uns von allen Plänen frei zu machen uns von diesem Tag im Mai einfach treiben zu lassen. Den Vormittag verbrachten wir im Buddelkasten, auf einem wunderschönen Spielplatz des Königsbrücker Platz. Auf dem Markt im Allaunpark gab es Wienerwürstchen für kleine und Kaffee für große Damen. Und der anschließende gemeinsame Mittagsschlaf sorgte dafür, dass wir alle ausgeruht und voller Tatendrang in den Nachmittag starteten.

Vereint im Hecht

Und der begann mit einem Eis in der Rudolf-Leonhard-Straße, die sich inmitten des Dresdener Hechtviertels befindet. Einst ein Arbeiterbezirk aus den 1920er und 1930er Jahren ist der Hecht jetzt zu einem beliebten Kiez für junge Familien und Touristen geworden.

Anders als in den sanierten Kiezen Berlins gibt es hier aber auch noch einen Haufen Studenten und echte Dresdener, die die Straßen, Plätze und Ecken Bier trinkend und laut grölend besiedeln. Meine Freundin Tilli, sie studiert noch einmal und ich, mit meiner kleinen Tochter Anouk. Wieder vereint im Hecht.

Am Ende der Straße laufen wir unter den Bahngleisen hindurch und merken jetzt schon wie aufregend so ein vermeintlich langweiliger Spziergang sein kann. Eine Bahnunterführung wird zum großen Tunnel, eine Pennerecke, zu einer Wohnung – wenn auch sehr speziell – und offene Garagen zu Ärzten für Autos. Lassen wir uns darauf ein und das Hechtviertel zu einer Phantasiereise werden.

An dieser Stelle muss ich unbedingt erwähnen, dass ich auch in CAMP4-Testmission unterwegs bin: An meinen Füßen befinden sich die Terracruise Lite Women Schuhe von Ecco, übrigens ganz neu in diesem Frühjahr. Zunächst ein bisschen unfreiwillig und dann mit wachsender Begeisterung, habe ich die Eccos gegen meine geliebten Stiefel eingetauscht.

Und was soll ich sagen: leichtfüßig schwebe ich neben Anouk und ihrem Laufrad dahin und von Schwitzfuß keine Spur. Aber auch die kleine Prinzessin steckt in schönen roten Tretern: Keens Newport Outdoorsandalen haben es einfach drauf. Vor allem auf dem Laufrad ist so eine Sandale, dank der verstärkten Kappen vorne, nicht gleich dahin. Mehrere Generationen Laufrad-Racer werden hiermit sicher noch ihren Spaß haben.

Der Hecht pulsiert

Weiter geht unsere Runde über den Dammweg und die Schönbrunnstraße über die große Königsbrückerstraße. Hier biegen wir bald ab und kommen direkt nach „Downtown Neustadt“, vorbei geht es an zahlreichen Geschäften, Restaurants jeglicher vorstellbarer Kulturen, Kneipen und Cafés, Flohmarkt und unzähligen Menschen, die das wilde Treiben genauso genießen wie wir.

Aber auch an einem Stück Literaturgeschichte: Denn der Blumenladen Stamnitz hat schon in den Büchern von Erich Kästner eine Rollen gespielt. Also kaufen wir ein Blümchen für zu Hause und setzen unseren Weg fort. Die Menschenmassen machen uns Platz, denn Anouks lautes „tuuut tuuut tuuut“ lässt noch jeden zur Seite hüpfen.

Im „Messe-Tempo“ wälzen wir uns weiter über die Alaunstraße und spätestens hier freue ich mich über die Ecco’s, denn dank Fußbett und eingespritztem PU-Schaum wird auch das Schleichen durch die vollen Straßen ein Genuss.

Es ist Zeit abzubiegen und das wilde Treiben hinter uns zu lassen, rechts geht es in die Rotheburgerstraße, das „Assi-Eck“ bleibt auf der Strecke und nun wird es endlich ruhiger. An der wunderbaren kleinen Böhmischen Straße, die wahrscheinlich 1765 von böhmischen Gärtnern angelegt wurde, biegen wir nach links ab und landen auf dem Martin-Luther-Platz:

Benannt nach dem berühmten Reformator prangt hier auch die gleichnamige Kirche, erbaut im späten 19. Jahrhundert. Inmitten zahlreicher schöner Gründerzeithäuser lassen wir uns von Anouk zu einer kleinen Pause hinreißen und lauschen darauf, wie sie Hasi das Lied vom Taler vorsingt. Wir sind selig.

Die Elbe ruft

Aber es zieht uns weiter und Laufrad und kleine Prinzessin landen am und im Buggy, so kommen wir ein bisschen flinker voran, auf unserem Spaziergang. Wir biegen rechts ab in die Pulsnitzerstraße, überqueren die große Bautzenerstraße und schlendern die Holzhofgasse runter zur Elbe.

Kaum ist das große Wasser in Sicht springt Anouk aus dem Buggy, schmeißt die Jacke ab und rennt an der Elbe entlang. Immer der Sonne entgegen, geht es vorbei an den Rosengärten: Entstanden um das Jahr 1936 stehen die Gärten heute unter Denkmalschutz. In die Gärten rein haben wir es leider nicht geschafft, denn die große Mauer schien unüberwindbar…oder wirkte einfach nicht einladend genug für kleine Spaziergängerinnen.

Dresdens Skyline, wie ich es mal nenne, ist wirklich immer wieder beeindruckend. Egal, wie oft ich hier bin, ich staune jedes mal auf’s neue über diese Massen an alten und vor allem geschichtsträchtigen Prachtbauten. Und auch Tilli genießt die Entschleunigung. Sonst ist sie mit dem Rad unterwegs und ist stets ein bisschen in Eile. Die einzige Eile die wir jetzt haben, ist zur Musik zu gelangen, die an unsere Ohren dringt.

Sonne, Strand und Meer

Hinter der historischen Augustbrücke sind wir am Ziel unserer Wünsche, zumindest für diesen Tag. Vor uns liegt ein kleines Fest, auf der Bühne Live-Musik, in der Mitte tanzende Menschen und rechts und links Stände mit leckerem Essen. Wir befinden uns inmitten des Mutter-Erde-Festivals.

Wie froh bin ich jetzt, dass ich meinen neuen Kestrel von Osprey dabei habe: Hier passt alles rein, im unteren Fach findet eine Decke Platz, die ich jetzt ausbreiten kann. Auch Wechselsachen für die kleine Elbsand-Planschmaus hab ich dabei und reichlich Brötchen, Kekse, warmen Tee und Wasser. Welch wunderbares Platzwunder.

Es war magisch, alles stimmte: Die Musik, das Wetter, die Stimmung, all die fröhlichen Menschen und wir mittendrin. Eigentlich wie früher, nur ein bisschen anders eben. Die Abendsonne senkte sich schon über die Elbe, als wir langsam aufbrachen.

Schnell schlüpfte ich wieder in meine Terracruise und jetzt konnte ich auch meine geliebte Makai wieder rausholen, denn es gab ein frisches Lüftchen. Seit einem Jahr hab ich das gute Mammut Jäcken jetzt und eigentlich fahre ich nirgends mehr ohne sie hin.

Am Goldenen Reiter vorbei geht es nun bis zum Albertplatz, wo wir in die Straßenbahn zurück zum Hecht steigen. Und hier gab es das letzte große Highlight des Tages: Eine Tolerade. Bunt geschmückte Bullys und laute Musik tönten von den Wagen und ließen Anouk noch einmal ordentlich staunen. Wir standen am Rand und tanzten und träumten – in dieser Nacht von der Magie des Frühlings.


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