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Wüste und Leere: auf dem Shvil Israel

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Obwohl Israel ein sehr kleines Land ist, verfügt es über verschiedenste Landschaften, die sich durchaus dazu eignen, sie für ein paar Tage zu durchstreifen. So durchzieht der Shvil Israel (Israel Trail) das ganze Land von Dan im Norden bis Eilat im Süden auf knapp 1000 Kilometern.

Ich startete Anfang Januar, auf der Flucht vor dem mitteleuropäischen Winterschmuddelwetter. Ich hatte eine gute Woche Zeit. Ziel war es, ein paar Tage Einsamkeit, Bewegung an frischer Luft, auf ein Minimum reduzierte Natur und etwas Sonne zu genießen. Ich startete am Roten Meer und ging durch die Berge von Eilat bzw. die Aravawüste Richtung Norden.

Stürmischer Start

Am Shabbatabend landete mein Flugzeug in Tel Aviv. Ich nahm ein Taxi in die Stadt und verbrachte den sehr stürmischen und mit Gewittern angereicherten Winterwettertag mit Spaziergängen. Spätabends nahm ich den Nachtbus nach Eilat, wo ich im Morgengrauen am Roten Meer entlang ging, um zum Startpunkt des Shvil nahe der ägyptischen Grenze zu kommen.

Sensibles Grenzgebiet

Nach wenigen Metern bergauf auf einer staubigen Piste wurde ich von einer Patrouille gestoppt. Wegen der zur Verstärkung der Grenzanlage gegen Terroristen notwendigen Bauarbeiten konnte der Weg nicht betreten werden. Der freundliche Soldat zeichnete mir auf meiner Karte ein, wo ich dennoch gehen konnte. So musste ich ein paar Meter zurück laufen, um dann auf den richtigen Weg zu gelangen.

Ich ging ein paar Stunden über felsige Höhen und durch Wadis, bevor ich wiederum von einer Patrouille gestoppt wurde, und man erklärte mir, dass ich hier auch nicht wandern dürfe bzw. nach ein paar Metern nach Osten abbiegen müsse. Am Nachmittag querte ich die Straße 12 und war nun in einem Gebiet, das nicht mehr so dicht an der sensiblen Grenze entlangführte.

Leichter Regen begleitet mich

Ich übernachtete in einem breiteren Wadi, geschafft von einer beinahe schlaflosen Nacht im Bus und elf Stunden Gehzeit mit sich summierenden Höhenmetern. Am frühen Morgen hörte ich ein paar Regentropfen auf der Zeltwand. Der Tag war heiter bis wolkig, es gab fast 20 Grad Celsius und ich ging durch leichteres Gelände als am Vortag. Da führte es mich nämlich durch verschiedenste Gebirgs- und Felsformationen, durch Schluchten und über Höhen.

Am Abend regnete es etwas und ich schlug mein Zelt auf einem dafür markierten Platz auf. Am nächsten Tag durchkreuzte ich den Timna Nationalpark, erklomm ein Felsplateau in geologisch äußerst interessanter Umgebung und füllte meine Wasserreserven im Besucherzentrum auf.

Ziel: Totes Meer

Dann ging es wieder ein paar sehr steile Meter hinauf auf den nächsten Höhenzug. Es war stürmisch aber hin und wieder zeigte sich auch die Sonne. Ich zeltete wieder in einem breiten Wadi und hoffte darauf, dass es nicht so stark regnete, dass das Wadi geflutet werden köknnte.

Am nächsten Tag gelangte ich am Nachmittag auf die Straße 90 bei Grofit und trampte nach Norden. Mein Ziel war das Tote Meer. Ein Busfahrer teilte mir mit, dass die Straßen dorthin allerdings wegen Überflutungen gesperrt waren. Israel hatte in den letzten Tagen so viel Regen auf einmal gesehen wie seit 20 Jahren nicht mehr, und diese Unwetter hatten einiges an Schaden angerichtet.

Ich war schon auf dem Weg mit einem Truck nach Beer Sheva, als ich an der Ha’Arava-Kreuzung sah, dass durchaus einige Autos nach rechts ans Tote Meer abbogen. So bat ich den Trucker, mich rauszulassen. Da die Dämmerung gerade einbrach, versuchte ich nicht weiterzukommen, sondern schlug mein Zelt oberhalb der Kreuzung vor einer alten, mit rostigem Stacheldraht versehenen Stellung auf.

Die letzten Tage genießen

Am Morgen nahm mich ein Bus mit nach Ein Bokek, wo ich trotz der geringen Außentemperatur ein Bad nahm. Das Wasser an der Oberfläche war von den Regenfällen der letzten Tage kühl, darunter aber wärmer. Bloß blöd, dass Tauchversuche im Toten Meer eher schwer zu bewerkstelligen sind.

Ich saß dann noch etwas zu Kaffee und Kuchen in einem Cafe und fuhr anschließend mit dem Bus nach Beer Sheva. Der kürzere Weg über Ein Gedi und Jerusalem war gesperrt, um von dort mit dem Zug zurück nach Tel Aviv zu fahren. Die letzten beiden Tage verbrachte ich mit Spaziergängen in der weißen Stadt am Meer, machte noch einen Ausflug nach Netanja und genoss die Zeit.


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