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Kirgistan – Trekking im Tien Shan

Blick zum Kotor MassivKirgistan ist das am einfachsten zu bereisende Land der zentralasiatischen Republiken. Dort befinden sich Teile des Pamir wie auch des Tien Shan, die sich an manchen Punkten über 7000m erheben. Ich hatte entspannteres vor als mir einen Gipfel vorzunehmen, nämlich Trekking im Terskej-Alatau-Gebiet des Tien Shan.

Wieder einmal führte es mich in die ehemalige Sowjetunion, deren zentralasiatischer Teil auf meiner Weltkarte noch weiß gewesen ist. Nicht unwesentlich beteiligt an dem Interesse an dieser Gegend waren zum einen Bergsteigerbücher der 60er und 70er Jahre, wie auch die Memoirenliteratur der Transitniks.

Der Start

Etwas fassungslos zwinkernd fand ich mich schon um 15h am ersten Tag am Startpunkt des Treks. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich war nicht nur in aller Frühe erst in Bishkek gelandet, sondern musste auch noch in die Stadt zum Busbahnhof gelangen, von dort einen Bus ins ca. 400km entfernte Karakol bekommen, meine Benzinflasche für den Kocher betanken, und die letzten Kilometer mit einer Marshrutka zurücklegen.

Doch all dies lief wie am Schnürchen, und da ich im Bus nach Karakol etwas schlafen konnte, begann ich meine Tour auch relativ ausgeruht. Mein ursprünglicher Plan, in Jeti Oguz zu starten ging nicht auf, da die Marshrutka nicht hielt und ich die Abfahrt zu spät sah.

Also fuhr ich weiter bis Kyzyl Suu, und vor mir lag nun doch der gesamte, wie im Guide aus dem Conrad-Stein-Verlag beschriebene, Trek. Hinter mir glitzerte der Issik-Kul in der Sonne und vor mir lag der Tien-Shan. Nach ein paar Stunden gehend auf einer staubigen Piste schlug ich mein Zelt am Ufer eines Baches auf und genoss neben dem Abendbrot die Ruhe.

Unterwegs

Der nächste Morgen zeigte sich bei bestem Wetter und bald erreichte ich die alte Klimastation. Eine im Guide erwähnte Brücke existierte nicht mehr, aber mir halfen die Bewohner der Station, in dem sie ihren Sohn mit dem Pferd über den Fluss schickten, er mir die Gondel an mein Ufer brachte, und mich anschließend hinüberzog. Ich bedankte mich, und mangels besserer Ideen drückte ich ihm noch einen kleineren Schein in die Hand.

Durch ein Nebental bewegte ich mich nun Richtung Osten. Bald wurde der Wald der Tien-Shan-Fichten lichter und abgelöst von Wacholdersträuchern. Da ich relativ flink unterwegs war, überquerte ich auch an diesem Tag noch den knapp 4000m hohen Archa-Tor-Pass und stellte mein Zelt hinter diesem auf. Des Nachts wunderte ich mich ob komischer Geräusche neben leichtem Nieselregen, es klang nach Pferden, was ich allerdings ausschloss, da ich abends keine gesehen hatte.

Der strahlende Morgen auf der Bergwiese zeigte dann doch in unmittelbarer Nähe ein paar dutzend sehr schöner Pferde. Der weitere Weg führte mich ins Jeti-Oguz-Tal, wo ich einen nur knietiefen und nicht allzu reißenden Fluss zu durchwaten hatte. Durch das Teleti-Tal ging ich dann wieder bergauf und schlug mein nächstes Lager kurz vor dem Teleti-Pass auf, dieses Mal oberhalb der Weidegrenze, die erst bei ungefähr 3500m liegt.

Murmeltiere und aggressive Kühe

Zum Frühstück gab es dann den Pass und einen weiteren langen Abstieg ins Karakol-Tal. Einmal musste ich vor sehr aggressiven Kühen, die mich nicht passieren ließen und ich wenig Lust auf eine Auseinandersetzung mit ein paar dutzend Bullen hatte, unfreiwillig die Flussseite wechseln.

Sonst war die Fauna geprägt von unzähligen Murmeltieren, deren Pfeifen ich meist wenige Schritte von mir entfernt vernahm, und nachfolgend dann im weiteren Umkreis. Teilweise war das Gelände geradezu durchlöchert von ihnen, und gerne buddelten sie auch direkt an den Wegen, sodass etwas Vorsicht notwendig war, um nicht in sie zu treten.

Weiter unten begegnete ich dann berittenen Kirgisen, einer sprach passables Englisch und fragte mich, ob ich Kühen begegnet sei, was ich bejahte, und ihm meine Geschichte erzählte. Die „crazy cows“ waren seine und er entschuldigte sich für sie.

Das Karakol-Tal verließ ich wieder und ging den sich in mehreren beeindruckenden Kaskaden ins Tal ergießenden Kurgak hinauf. Im Abendlicht erreichte ich den Ala-Kol-See, dessen Anblick für die Strapazen des Tages entschädigte.

Am nächsten Morgen erklomm ich den letzten Pass, wieder knappe 4000m hoch, zusammen mit einem Dutzend russischer Alpinisten im Alter von 12 bis 55 aus Wladiwostok , und ging hinab nach Altyn-Araschan, wo eine Piste nach Ak-Suu führte.

Zurück nach Bishkek

Hier hoffte ich einen Lift zu bekommen, allerdings fuhren alle Fahrzeuge in die falsche Richtung. Auch herrschte hier beinahe Massentourismus, da einige Tagesausflügler aus Karakol es auf den Ala-Kol-See abgesehen hatten. Zeit also für mich, zu verschwinden.

Kurz vor Ak-Suu wurde mir von Bewohnern eines Häuschens am Wegesrand angeboten, mich nach Karakol zu fahren, was ich auch einfach mal nicht ablehnte, nachdem ich den geforderten Preis schon mal halbiert hatte. So rumpelte ich im Shiguli, der zum Starten der Maschine einfach kurzgeschlossen wurde, über eine äußerst zerfahrene Piste, die jedes westliche Auto ohne Allradantrieb und minimalem Bodenabstand von 30 cm hätte das fürchten gelehrt, nach Karakol.

In Karakol hielt mich nichts, ich wollte zum Ufer des Issyk-Kul. Irgendwie fuhren aber keine Busse mehr, sodass ich kurzerhand in ein Sammeltaxi nach Cholpon-Ata verfrachtet wurde. Ich fand ein Quartier und verbrachte einen halben Tag am Ufer des Sees, mir gegenüber lag die gerade besuchte Bergkette.

Schon am Abend war ich wieder in Bishkek und brachte nun Zeit mit die zuvor ignorierte Stadt zu besichtigen. Sie ist jung und schön geometrisch angelegt, mit baumgesäumten breiten Straßen, vielen Parks und großen Plätzen. Zudem stand der Nationalfeiertag bevor und dementsprechend wurde alles etwas poliert und mit Transparenten geschmückt, und abendlich der Platz vor dem Nationalmuseum für die Choreographie für den Feiertag gesperrt.

Vor dem Kaufhaus Tzum gab es ein Wiedersehen mit den russischen Alpinisten, die kurz vor ihrer Abresie noch ein paar Souvenirs erstehen wollten. So ließ ich meine Reise mit dem Schlendern durch diese sehr angenehme Stadt ausklingen.


Eine Antwort auf Kirgistan – Trekking im Tien Shan

  1. Antonia says:

    Hallo Philipp,
    toller Bericht! Klingt so gut. Ich überlege dieses Jahr zum Wandern nach Kirgistan zu gehen. Zu welcher Zeit im Jahr warst du da?
    Und was ich mich noch frage: Gibt es unterwegs irgendwo die Möglichkeit Nahrung zu bekommen oder muss man möglichst alles dabei haben?
    Schöne Grüße
    Antonia

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