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Immer an der Küste entlang – mit dem Rad zum Nordkap

Schlafplatz mit Aussicht. Foto: Benjamin WildnerDas Nordkap ist eines der beliebtesten Ziele für Reiseradler. Von den vielen verschiedenen Wegen entschied ich mich dafür ab Bergen der Küste zu folgen. Von Oslo aus geht es etwa 390km in die Berge nach Geilo. In der näheren Umgebung der Hauptstadt sind die breit asphaltierten Radwege super in Schuss.

Doch schon bald sind die ausgeschilderten sonniRadrouten nur noch schlecht befahrbare Schotterwege mit vielen zusätzlichen Höhenmetern, was dazu verleitet früh aufzustehen und die Bundesstraßen zu benutzen.

Auf der schönsten Verbindung nach Bergen

Zwischen fünf und acht in der Früh sind die Begegnungen mit Autos rar, später wird vor allem der Schwerverkehr mehr. Doch das nimmt man alles gerne in Kauf, denn in Geilo wartet mit den Rallarvegen die als „schönste Radstrecke Norwegens“ angepriesene Verbindung nach Bergen.

Entlang des Hardangervidda Nationalparks geht es durch eine atemberaubend schöne Bergwelt. Ich habe allerdings das Pech heuer einen der kältesten norwegischen Sommer seit langem zu erleben, sodass die Rallarvegen wegen einem zu viel an Schnee gesperrt sind und stattdessen den Zug nehmen muss.

Von Bergen aus geht es die Küste entlang über unzählige kleine Inseln weiter in den Norden. Das Wetter meint es nicht gut mit mir, 8°C und Regen stehen an der Tagesordnung. Nichtsdestotrotz halten mich regelmäßige Highlights wie der Geirangerfjord, Torghatten, Saltstraumen und allem voran die Gletscherzunge Engabreen des Svartisengletschers bei guter Laune.

Letztere ist die weltweit einzige Gletscherzunge, welche bis ans Meer heranreicht. Gänsehautfeeling pur! Rechtzeitig mit der Fährfahrt auf die Lofoten wird das Wetter sonnig! Schon bei meiner Ankunft bringt mich die Mischung aus Bergen, Meer, roten Häusern und trocknendem Fisch an jeder Ecke zum Staunen. Die Lofoten strahlen eine ganz eigene Atmosphäre aus.

An der Pforte zum Eismeer

Nördlich der Lofoten liegt die Inselgruppe der Vesteralen. Hier erwartet mich in Andenes ein neuerlicher Höhepunkt. Ich mache meinen ersten Rasttag und gönne mir eine Walsafari. Zwei Pottwale und etwa 30 Grindwale lassen mein Herz höher schlagen!

Tromsö, die „Pforte zum Eismeer“ ist die, für mich mit Abstand schönste Stadt Norwegens. Die Eismeerkathedrale und der Ausblick von einem nahegelegenen Berg sind einprägsame Momente. Ab hier begegnen mir nun täglich Rentiere. Über Hochebenen, von denen es mir besonders das Sennalandet angetan hat, geht es in die Finnmark.

Die von Taiga und Tundra geprägte Region ist eine der einsamsten Europas. Lediglich 1,5 Einwohner kommen hier auf einen Quadratkilometer. In Olderfjord zweigt die E69 in Richtung Nordkap ab. Auf dem folgenden Abschnitt bis zum Nordkaptunnel führt die Straße entlang der Steilküste des Porsangerfjords. Die Felsen fallen steil ins Meer, für die E69 bleibt kaum Platz. Vereinzelte Grasflecken schaffen es der Witterung zu widerstehen, Bäume gibt es hier oben im Norden nicht mehr.

Das Grau der von Wind und Salwasser verwitterten Felsen bestimmt das Landschaftsbild. Der 6870 Meter lange Nordkaptunnel führt mich 212 Meter unter dem Meeresspiegel auf die Nordkapinsel „Mageroya“, was so viel wie „karge Insel“ bedeutet. Von  Honningsvag, der nördlichsten Stadt Europas, aus sind es nur noch 30 km bis ans Nordkap, doch diese haben es in sich! Ob es an den vielen Höhenmetern oder daran liegt, dass das Ziel so kurz vor Augen liegt ist schwer zu sagen.

Von der Schönheit Norwegens begeistert, beschloss ich kurzfristig noch 500km nach Kirkenes zur russischen Grenze anzuhängen. Anders als bisher ändert sich auf dieser Strecke das Landschaftsbild oft nach jeder Bucht. Von steppenartigen Ebenen bis dichten Wäldern ist alles zu finden, was das Herz begehrt.

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12 Antworten auf Immer an der Küste entlang – mit dem Rad zum Nordkap

  1. Herbert Stammeier says:

    Hallo Benjamin,

    ich habe Deinen Bericht gelesen.
    Mein Plan ist 2017 diese Tour zu machen.
    Mit dem Zelt? nein das werde ich nicht, schlechte Erfahrung.
    Findet man ausreichend Hütten oder Hotel zum übernachten?

    • Benjamin Wildner says:

      Hallo Herbert,

      Entlang der Küste sind regelmäßig Hütten zu finden. Nur auf den Strecken Oslo-Bergen, Alta-Nordkap-Kirkenes sind sie etwas spärlicher gesät.
      Ich würde dennoch eine starke Empfehlung für das Zelt abgeben! Das Erlebnis ist nochmal ein ganz anderes und die Hütten sind in Norwegen sehr teuer.

  2. Christian Fischer says:

    Hallo Benjamin, ich plane im Sommer 2017 ans Nordkapp zu fahren. Deine Strecke würde mich sehr interessieren. Darf ich deinen genauen Streckenverlauf wissen mit Kilometern usw. Ganz liebe Grüße und danke, Christian

  3. Markus Mai says:

    Hallo Benjamin,

    ich plane auch solch eine Tout und daher wäre ich auch an den Daten zum genauen Streckenverlauf, Tagesetappen etc. interessiert und würde mich über eine Antwort freuen, die dies beinhaltet. Einstweilen herzliche Grüße

  4. Benjamin Wildner says:

    Hallo Christian, Hallo Markus!
    Hier der genaue Streckenverlauf:
    Oslo – Sundvollen- Hønefoss- Viker- Gol- Torpo- Ål- Hol- Geilo- Ustoaset- Finse- Fagernut. – Hallingskeid- Vatnahalsen- Myrdal- Upsete- Mjølfjell Voss- Evanger- Eidslandet- Stamneshella- Dale-Stanghelle-Vaksdal (Da die Vaskdl Fähre eingestellt wurde, ab hier mit dem Zug nach Bergen zu fahren.)
    Bergen – Åsane- Nordgard- Salhus- Knarvik- Manger- Leirvåg- Sløvåg- Leversund- Rutledal- Rysjedalsvika- Hyllestad- Salbu- Hellevik- Fure- Askvoll- Førde- Hukset- Måløy- Slagnes- Årvik- Ulsteinvik- Solavågseidet- Spjelkavik- Gamlen- Mordal- Jendem- Bud- Kristiansund Taftøyan- Orkanger
    Trondheim- Vanvikan- Namsos- Nesna- Ørnes- Bodø- Weiter auf die Lofoten und Vesteralen- Moskenes- Svolvær- Fiskebøl- Melbu- Stokmarknes- Sortland- Andenes- Gryllefjord- Tromsø- Alta- Olderfjord- Honningsvåg
    Nordkap – zurück nach Olderfjord – Kirkenes
    Die Entfernungen müsst ihr euch selbst heraussuchen.
    Euch Tagesetappen zu schreiben ist meiner Meinung nach wenig sinnvoll, da jeder sein eigenes Tempo hat und das für sich selbst entscheiden soll. Mit dem Jedermannsrecht könnt ihr auch überall stehen bleiben und so die Etappenlänge schön variabel gestalten. Mein Tipp wäre, dass ihr nicht zuviel plant und nur mit einer ungefähren Route anreist. Vor Ort ist dann sowieso immer alles anders.
    Viel Spaß bei euren Touren,
    Benni

  5. Benjamin Wildner says:

    Hallo Christian, Hallo Markus
    Hier der genaue Streckenverlauf:
    Oslo – Sundvollen- Hønefoss- Viker- Gol- Torpo- Ål- Hol- Geilo- Ustoaset- Finse- Fagernut. – Hallingskeid- Vatnahalsen- Myrdal- Upsete- Mjølfjell Voss- Evanger- Eidslandet- Stamneshella- Dale-Stanghelle-Vaksdal (Da die Vaskdl Fähre eingestellt wurde, ab hier mit dem Zug nach Bergen zu fahren.)
    Bergen – Åsane- Nordgard- Salhus- Knarvik- Manger- Leirvåg- Sløvåg- Leversund- Rutledal- Rysjedalsvika- Hyllestad- Salbu- Hellevik- Fure- Askvoll- Førde- Hukset- Måløy- Slagnes- Årvik- Ulsteinvik- Solavågseidet- Spjelkavik- Gamlen- Mordal- Jendem- Bud- Kristiansund Taftøyan- Orkanger
    Trondheim- Vanvikan- Namsos- Nesna- Ørnes- Bodø- Weiter auf die Lofoten und Vesteralen- Moskenes- Svolvær- Fiskebøl- Melbu- Stokmarknes- Sortland- Andenes- Gryllefjord- Tromsø- Alta- Olderfjord- Honningsvåg
    Nordkap – zurück nach Olderfjord – Kirkenes
    Die Entfernungen müsst ihr euch selbst heraussuchen.
    Euch Tagesetappen zu schreiben ist meiner Meinung nach wenig sinnvoll, da jeder sein eigenes Tempo hat und das für sich selbst entscheiden soll. Mit dem Jedermannsrecht könnt ihr auch überall stehen bleiben und so die Etappenlänge schön variabel gestalten. Mein Tipp wäre, dass ihr nicht zuviel plant und nur mit einer ungefähren Route anreist. Vor Ort ist dann sowieso immer alles anders.
    Viel Spaß bei euren Touren,
    Benni

  6. Stefan Bender says:

    Hallo, ich Plane auch eine solche Tour. Leider bin ich noch alleine. Hat vielleicht jemand von euch Lust eine Solche Tour gemeinsam zu absolvieren?
    Benjamin Wildner, wieviel Km sind das denn im gesamten und wie lange hast du für die gesamte Tour gebraucht?

    Gruß
    Stefan

  7. Kerstin Schmidt-Krutein says:

    Hallo

    Wir haben unsere Lust am Reisen mit dem Rad entdeckt….und JA, der Traum mit dem Rad den Nordkap zu erreichen…..
    Unsere Frage….
    In welchen Monaten hast du die Reise gemacht….und WIE hast du die Rückreise gestaltet….welche Kosten hast du gehabt….

    Wir freuen uns über eine Antwort, Gruß Mario und Kerstin

  8. Behme Manfred says:

    Ich habe 2016 eine ähnliche Tour gemacht (Kristiansand – Stavanger – Bergen – Briksdalsbreen, Stryn, – Geiranger – Trollsteigen – Trondheim – Bodo – Lofoten – Alta – Nordkap). Ich hatte sehr viel Regen und es war sehr kalt im August, also warme Sachen mitnehmen.
    Um Geld zu sparen, habe ich sehr oft in Bus Häuschen übernachtet, bei dem vielen Regen besser als Zelten.
    Mehrfach habe ich in Wartehäuschen von Fähren übernachtet, die ganze Nacht offen und beheizt.
    Zeltplätze und Häuser sind nicht gerade günstig, wenn man 4 Wochen und mehr unterwegs ist, geht das ganz schön ins Geld, Lebensmittel sind auch nicht gerade günstig

  9. Koreis Kurt says:

    Ich bin auch in der Planung für heuer mit den Fahrrad ans Nordkap. Habe aber noch keine genaue Zeit. Mich würden die Fährverbindungen interessieren. Ist Kiel oder Hirthals (DK) besser, oder gibt es noch andere Möglichkeiten?

  10. Andreas says:

    Hi Benjamin,

    wie lange hast du für die Route gebraucht und was würdest du empfehlen, wie viel Zeit man einplanen sollte?
    Gruß Andi

  11. Anna Rendez says:

    Hallo Benjamin,

    wir planen diesen Sommer eine Radtour in Norwegen zu unternehmen.
    Nun sind da einige Fragen die aufgekommen sind.
    Wie sieht das mit den Fährpreisen mit dem Fahrrad aus?
    Kannst du uns eine tolle Route für zwei Wochen empfehlen?
    Du warst ja mit dem Zelt unterwegs, ist es möglich dort frei zu Campen?

    Wir freuen uns auf deine Antwort!
    Liebe Grüße
    Anna und Juli

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