Reiseberichte » Europa  » Schweden

Lappland Solo Trekking links und rechts vom Kungsleden… und der Kopf ist frei.

Trekking am Kungsleden. Kein Mensch weit und breit, kein Handyempfang, nur Rentiere und die Weite der Landschaft. Der Weg ist das Ziel, Du läufst und läufst mit Dir allein durch diese karge Landschaft und spätestens nach drei Tagen denkst Du an nichts mehr. Gehirn-Reset garantiert.

Warum gerade Lappland?
September 2008 und 2009 jeweils eine gute Woche Zeit gehabt. Es sollte unbedingt eine Solotrekkingtour mit Zelt und ohne Handyempfang werden. Wenn Du Solo unterwegs bist, solltest Du möglichst wenig objektive Gefahren auf Deiner Tour haben – da ist Lappland perfekt. Lappland im September ist Mücken frei und weitgehend menschenfrei, die Saison ist vorbei der Winter naht. Lappland im September hat die bezaubernden Farben des Indian Summer. Außerdem ist Das Gebiet rund um den Kebnekaise super zu erreichen. Start früh am Morgen in Magdeburg und um 16:00 sitzt Du schon in der Abisko Turiststation – im Süden das Lappentor, im Norden der Tarnetrask. Du gehst hinunter zum See und schaltest einfach nur noch ab.

Meine Tour.
2008 Abisko Turiststation – Vakkotavare mit Zelt und großem Bogen um die bewirtschafteten Hütten.
Ich folgte nur auf einigen Abschnitten dem Kungsleden. Zwischen Abiskojaure und Alesjaure ging ich teilweise oben auf dem westlichen Bergrücken (Kalfjell), wechselte dann auf den Hang der östlichen Berge mit einem fantastischen Zeltplatz am Kessel des Bossos „Gletschers“, vor der Tjälkahütte bog ich nach Osten auf den Sielmmavaggi und machte so einen Abstecher zum Nallojavrit (toller See leider zu früh zum Zelten) und zur Nalloschutzhütte (schließlich habe ich ein Nallo). Wenn in der Hütte nicht zwei Leute gewesen wären, wäre ich wahrscheinlich schwach geworden.
So ging es aber wieder zurück Richtung Sälka über den Stuor Reaidvaggi, oben am See mit fantastischem Zeltplatz und eisigem, notwendigem Bad. Zurück auf dem Kungsleden folgte ich diesem bis zur Brücke kurz vor der Singi-Schutzhütte und bog nach Westen ins wunderschöne Tal am Fuße des Rusjka ab. Zeltplatz. Vor Sonnenaufgang ging ich am nächsten Morgen los um selbigen zu besteigen doch aus der Nähe betrachtet lies ich besser davon ab und schwenkte nach Osten zum kleinen Unna Avvrik ab. Phantastischer Blick über das Trogtal. Beim weglosem Abstieg über Fels-Terassen direkt zum Samendorf unterhalb der Singi-Schutzhütte hatte ich ein Treffen mit einem Vielfraß (ohne zu wissen was das für ein Tier sei) ich überraschte ihn auf seinem Sonnenterrasse. Wir waren beide sehr erschrocken hatte zum Glück aber beide gute Fluchtmöglichkeiten. Wenn man Solo unterwegs ist, ist mit einem Vielfraß – Järv nicht zu Spaßen. In die Ecke getrieben greift der Järv auch große ‘Tiere’ an und kann mit seinen Krallen lebensgefährlich verletzen. Zurück auf dem Kungsleden folgte ich diesen nun ohne große Abstecher bis Vakkotavare. Meine Zeltplätze suchte ich jeweils abseits auf schöner Aussichtsplattform. Nach 6 Tagen karger Tundra ist es ein unglaubliches Gefühl wieder in die herrlichen gelben Birkenwälder an der Kaitum-Hütte einzutauchen. Am letzten Tag fuhr mein Bus 16:00 Uhr ab Vakkotavare. Dahinter verbirgt sich eine winzige Hütte an einer einsamen Straße und siehe da pünktlich um 16:00 kam der Bus und am kommenden Tag saß ich schon wieder Daheim.

2009 startete ich wieder in Abisko folgte diesmal aber dem Lauf des Kamajakka ging Richtung Allakasstugan um einen Abstecher nach Norwegen zu machen. Nach der Rast an der Allak-Hütte kommt man nach 1h an das Nordostufer des Cunojavri und stößt auf einen traumhaft schönen Sandstrand zum Zelten. Hier traf ich Herman Bremer und seinen Hund Knut, wir beschlossen den nächsten  Tag zusammen zu gehen. Weiter über die Gallanbuolda Ebene eine weites Hochmoor man läuft ca. 1-1,5 h ohne Chance auf Pause, da es keinen trockenen Fleck gibt. Hohes Grass und flaches Wasser – hier zeigt sich die Qualität der Schuhe. Für die Flussdurchquerungen zog ich Regenhose und Gamaschen fest zu und setzte auf den Faktor Geschwindigkeit im knietiefen Wasser. Die Gamaschen und der Meindl Island waren Spitze und hielten durch. Abends im Dauerregen nutzten wir die Catnavagge-Hütte. Am Pass trennten sich am Morgen unsere Wege ich zog Richtung Schweden am Nordufer des Gautelisvatnet. Schlechtes Wetter, schlechter Weg, Nebel und Regen schnell verlief ich mich im Kalfjell und Niemandsland zwischen Norwegen und Schweden. Die jeweils nur bis zur letzten Hütte den Weg auszeichneten und in der Karte war der definitiv falsch eingetragen. In der Nacht musste mein Nallo zeigen was es drauf hat. Am kommenden Tag hatte ich zum Glück den Sturmregen im Rücken, doch innerhalb kürzester Zeit war alles Nass und eine Chance auf Pause gab es nicht. Ohne Pause lief ich den halben Tag bis zu einer kleinen Nothütte am Kungsleden, die ich vom letzten Jahr kannte. Geschafft ich lernte nun mein gutes Messer schätzen, da es in der Hütte weder Anmachholz noch Werkzeug gab um die riesigen Kloben zu spalten. Mit meinem Messer mit breiter feststehender Klinge gelang es perfekt. Den Kebnekaise konnte ich mir bei diesem Orkan sparen. Spät abends ging ich noch bis zur Singi-Hütte und genoss die Wärme und ein schönes Bier. Morgens dichte Schneedecke und gemütlicher Ausklang Richtung Nikkaluokta, da alles klitschnass war ging ich die Strecke durch an einem Tag und verbrachte den gewonnenen Tag mit einem Ausflug rund um Nikkaluokta. Dort schien wieder die Sonne und es war herrlich warm.

Die Originaltour von Abisko nach Vakkatovare auf dem Kungsleden hat 100 km und kann auch mit kleinem Rucksack als Hüttentour 5-7 Tage zurückgelegt werden. Der bekannte Fjällräven Classic führt von Nikkaluokta zur Abisko-Turiststation. Beide Routen sind perfekt für den Einstieg ins Trekking geeignet.

Wo kann man Zelten?
Überall in den Bergen mit Ausnahme des Abisko-Nationalpark (Von der Abisko-Turiststation ca. 1-1,5h Fußweg gibt es einen legalen Zeltplatz) An den Hütten gibt es extra Tarife für Zelte mit Benutzung der Aufenthaltsräume.
Tolle kostenlose Plätze hier:

Was muss ich für die Planung von Essen und Trinken beachten?Sauberes Wasser gibt es überall. Ich habe eine Trinkblase (2l) im Rucksack oft kleine Schlucke sind besser als lange Pause mit Ex-trinken. Pause zum Kochen immer am Fluss. Essen gibt es bei mir aus der Tüte + Schokolade + Salami und Kekse, sollte das Essen oder Brennstoff nicht reichen, an den Hütten kann man zur Not alles kaufen aber sehr teuer.
Trotz extrem guter Ausrüstung liegt mein Startgewicht in Abisko leider immer bei ca. 28 Kg. Ich bin 2 Meter groß und meine Sachen wiegen einfach viel. Aber Essen habe ich pro Tag mindestens 500 Gramm meist gefriergetrocknete Expeditionsnahrung (sonst wird es 1 Kilo pro Tag).

Was mache ich wenn was passiert und das Handy nicht geht?
Bei Start in Abisko ins Hüttenbuch eintragen und an jeder Hütte die Du anläufst hinterlasse im Hüttenbuch das woher wohin. Brichst Du Dir bei einer Flussüberquerung z.B. ein Bein, dann bleibt nur mit dem ersten Adrinalinschub: Zelt in Nähe des Wasser aufbauen, Wasser holen und ab in den Schlafsack (du wirst staunen wie viel Zeit Du hast, 10-15 Minuten reicht das Adrenalin) Du kannst nur warten ob jemand vorbei kommt, was an den Orten an den ich unterwegs war nicht unbedingt wahrscheinlich war, oder bis Dich zu Hause jemand vermisst und die Suche einleitet.
Da, wo was passieren kann geht kein Handy. Es gibt an den Hütten fest verdrahtetes Not-Telefon.
Aber was soll passieren? Die Landschaft ist harmonisch, Absturz unwahrscheinlich, das Wetter könnte extrem werden (aber dafür sind wir ja da), wilde Tiere gibt es nicht (eigentlich, siehe Järv), eigentlich besteht nur die Gefahr von Umknicken, Beinbruch etc. alles andere kannst Du planen.

Einkaufstipp: In Kiruna gibt es eine Rentierfleischerei, ‘smoked Reindeer’ ist der Hit und ein schönes Filetstück in Zeitung und Schlafsack eingewickelt hält tiefgefroren den Flug locker aus. http://www.thorneus.com/

Lappland im September mein Tipp!


Mitbegründer von CAMP4, seit 1991 dabei, liebt alles was mit Outdoor zu tun hat.

2 Antworten auf Lappland Solo Trekking links und rechts vom Kungsleden… und der Kopf ist frei.

  1. Gunnar Svensson says:

    Es ist ein guter Bericht, voll von interessanten und nutzbaren Fakten und schöne Bilder. Ich habe nicht genau dieselben Plätze besucht aber bin im Gebiet gewesen und konnte deshalb die Beschreibungen gut folgen.

  2. HappyHiker says:

    Schöner Bericht! Wir sind ebenfalls die Strecke von Abisko bis Vakkotavare mit Zelt gelaufen, haben uns dabei aber doch an den offiziellen Wegverlauf gehalten: https://happyhiker.de/kungsleden-schweden-abisko-vakkotavare/ Im Vergleich zum nördlichsten Abschnitt ist ab Singi dann deutlich weniger los auf dem Weg …

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *