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Reiseberichte » Europa » Polen

Von Danzig(Polen) über die Ostsee nach Klaipėda (Litauen)

Segel hoch! Auf aufs weite Meer….auf der Ostsee kann man sich wie Jack Sparrow fühlen, das sage ich Euch. Ganz besonders bei den kurzen Wellen, relativ kalten Nächten und geringen Wassertemperaturen (zumindest im Vergleich mit dem Mittelmeer). Innerhalb von 7 Tagen kann man das ultimative Abenteuer erleben und braucht dazu nicht in die Karibik zu fahren.

Unser Ziel war Litauen, genauer gesagt die größte Hafenstadt und die drittgrößte Stadt des Landes – Klaipėda mit ca. 189 Tsd. Einwohnern. Der berühmt berüchtigte Hafeneingang ist vielen Seglern bekannt….da kommt nicht jeder so einfach rein….viel Mut und Erfahrung braucht man schon…..aber einmal in der Marina angelangt….kann es mit der Erkundung der Stadt losgehen…..aber eins nach dem anderen….

Der Trip fing in Danzig (Gdańsk) an; in der Marina des nationalen Segelzentrums „Górki Zachodnie“ (in freier Übersetzung bedeutet es Westberge, obwohl da gar keine Berge zu sehen sind;-), offiziell auf Deutsch heißt es Westlich Neufähr). Vom Stadtzentrum kommt man dahin mit dem Auto, TAXI oder vom Hauptbahnhof mit den Bussen 111 und N8 (Nachtbus). Das Ticket kostet nicht mehr als 1,5 EUR. Toiletten, Duschen, eine Matrosenbar und sogar Gästezimmer gibt’s dort und mit Englisch kommt man auf jeden Fall weiter. Nur die Sauberkeit der Toiletten lässt etwas zu wünschen übrig, tja…. Die Website leider nur auf Polnisch. Den ersten Eindruck kann man sich mit der Webcam-Ansicht verschaffen.

Klaipeda

Wenn die Zeit erlaubt kann man das nahe gelegene Naturschutzgebiet „Ptasi Raj“ (Vogelparadies) auf der Sobieszewska-Insel angucken. Nach der Vorbereitung des Segelschiffs, sowie reichlichen Einkäufen (nicht weit von da, gibt’s einen alle Deutschen sehr bekannten Discounter) konnte der Trip losgehen.

Von Danzig ging‘s erstmal über die Danziger Bucht rüber nach Hel, die Stadt am Ende der Halbinsel mit demselben Namen. In ca. 4-5 Std. bei mittleren Winden ist man dort und kann entweder bis zu 2 Std. noch eine Pause einlegen (dann kostet’s nichts) oder über Nacht bleiben und in einer der nahe gelegenen Matrosenbar die Shantys (Seglerlieder) bis zum Morgengrauen singen….vorausgesetzt man ist der polnischen Sprache mächtig oder man summt einfach mit, was ebenfalls Spaß macht. Bevor wir die Segel wieder hoch stellten, ging’s noch in das Robbengehege (Fokarium), das zur Danziger Universität gehört. Alle die meinen, das solche Einrichtungen den Tieren schaden, möchte ich beruhigen, dort wird den Seehunden meistens medizinisch geholfen, damit sie wieder in die freie Wildnis zurück kehren können. Also gute Zwecke statt Tierquälerei. Hier der aktuelle Einblick in das Leben der Tiere (Webcam).

Von Hel geht es Richtung Litauen. Die Wellen treiben uns gegen Osten und normalerweise bleibt man ja nicht weit entfernt vom Ufer, aber hier aufgepasst! Man sollte die russischen Gewässer nicht betreten, es sei denn man möchte viel Zeit und unnötige Nerven verlieren, vor allem wenn das russische Militär mit dem Schnellboot uns besucht und leider nur ungern Englisch mit uns spricht. Also einen schönen Bogen machen, bitte…ein wenig mehr aufs weite Meer und die kommenden 24 Std. (bei mäßigen Winden) genießen.

Ostsee

Oder wenn so manch einer die ersten Stunden auf dem Wasser mit der Seekrankheit kämpfen….keine Sorge die meisten sind nach max. einem Tag an das wackeln gewöhnt und es sind ihm keine Wellen eine Gefahr mehr …. Bitte vergesst nicht, dass die richtige Seekrankheit erst nach mehr als 24 Std. Unwohlsein als Seekrankheit beschrieben werden darf…..bis dahin muss jedes gesunde Innenohr sich an die Wellen gewöhnen.

Wie schon am Anfang erwähnt ist der Hafeneingang nicht für den Segleranfänger bestimmt. So manch einer ist schon an der dichten Einfahrt gescheitert….vor allem wenn daneben die Fähre oder größerer Frachter gerade rein oder raus kommt. Litauens einziger Seehafen hat eine 6m tiefe und 250-600 m breite Fahrstraße. Also für Fracht- und Fährverkehr bestens geeignet.

In der Marina (ich empfehle sich ein wenig tiefer in den Hafen zu begeben und in die Marina hinter der bewegten Brücke – wird vom Bootsmann geöffnet, zu halten) sind Sanitäranlagen, Internet, Geldautomat und mindestens eine Kneipe in naher Umgebung vorhanden. Geeignet ist sie ebenfalls für größere Boote (Läng von max. 30 m und der Tiefgang von 5 m). Vergisst bitte nicht sich über das Radio anzumelden – Kanal 16. Selbstverständlich ist das Trinkwasser sowie Elektrizität für Boote kein Problem. Infos gibt’s vorab unter der Telefonnummer: (+34) 902 091 582. Also wenn man etwas länger in der Marina bleiben sollte (wir mussten wegen sehr starken Winden 3 Tage lang weilen) ist das Nötige gesorgt.

Marina Klaipeda

Aber hier einige Tipps zur Stadtbesichtigung. Die Altstadt ist wunderschön, jedoch nicht sehr groß – insgesamt ca. 60 ha Fläche, nördlich des Flusses Dane gelegen. Überall preußische Mauer zu sehen, die Gebäude schön restauriert nachdem sie im 2. Weltkrieg zerstört wurden. Jeder, der in Klaipėda landet sollte mal vors Dramatische Theater kommen. Es war Richard Wagner’s Lieblingsplatz mit dem bekannten Simon Dach’s Brunnen und der Skulptur von Anna Neander.

Übrigens gibt’s in Klaipėda sehr viele Skulpturen, im Stadtpark mehr als 100. Sehr bekannt die kleine Maus – flüstert man ihr einen Wunsch ins Ohr, soll er in Erfüllung gehen.. Also probieren schadet ja nicht… Wer noch mehr Glück sucht, sollte das Haus an der Kurpiustrasse nicht verpassen. Auf dem Dach sitzt ein Schornsteinfeger (man sieht die Skulptur am Rande des Dachs von unten problemlos) und an der Wand noch eine Menge Knöpfe, die man berühren sollte. Na, bei so viel Glücksbringern muss es ja gut gehen.

Alle Bierliebhaber sollten vor allem an der ältesten litauischen Brauerei „Svyturys“ vorbeischauen. Seit 1784 wird dort das Bier gebraut. Man kann ebenfalls das Bier testen. Wem es zu wenig ist…keine Sorge, diese Biersorte findet man in jeder Kneipe. Mehr Info dazu unter: http://www.svyturys.lt/ . Ebenfalls das litauische Meeresmuseum (aktuell leider wegen Renovierung geschlossen), das in der alten preußischen Hochburg angesiedelt ist, eignet sich für Meeresfans besonders. Man sollte sich da vor allem die Sicht von oben ins Becken der Störe nicht entgehen lassen. Diese sind in der Mitte der Ausstellung im Becken mit kleineren Fischen untergebracht. Neben dem Museum gibt’s noch die alte Festung. Da gönnt man sich den schönen Ausblick auf den Hafen (man muss auf die Wälle steigen) oder begibt sich in die „Unterwelt“ – wo die Kasematten sind.  Dort sind viele Ausstellungen untergebracht…also ein Grund dorthin immer wieder zu gehen. Wer ein Meer- und Wasserfan ist, für den ist das Meer-Fest in Klaipėda ein Muss. Immer in der letzten Juli Woche wird dort das Meer groß gefeiert. Dazu gibt’s die internationale Regatta „Baltic Sail“. Immer aktuelle Infos dazu, gibt’s unter der Adresse: http://jurossvente.lt/sea-festival.html .

Schornsteinfeger Klaipeda Skulptur Klaipeda

 

 

 

Wem die Seehunde von Hel noch nicht genug waren, kann ebenfalls das dortige Delphinarium besuchen. Für viele wird die Delphine Show der Höhepunkt sein. Hier aufgepasst – bei den Kassen und der langen Schlage nicht aufgeben – dahinter gibt’s meistens noch andere fast schlangenfreie Kassen. Empfehlenswert ist natürlich das rechtzeitige Kaufen der Tickets und lange Wartezeiten auf die kommenden Shows zu vermeiden – aber dieser Aspekt ist ja schon vielen Touristen bekannt. Ist ja fast überall soJ Wem die Schlangen und der Eintritt Schrecken einjagt, kann sich die Delphine durch große Scheiben angucken. Andere sehenswürdige Museen: Gemäldegalerie Klaipėda und das Uhrenmuseum Klaipėda.

Wer raus aus Klaipėda kann, sollte sich vor allem zwei besondere Reiseziele nicht entgehen lassen. Die nahe gelegene Stadt Palanga, die als eines der bekanntesten Touristenstädte fungiert. Hier das aktuelle Bild im Live-stream:

Auf der anderen Seite das Kurische Haff und die Kurische Nehrung, die den Haff von der Ostsee trennt. Dort verzaubern uns die malerischen und vor allem sauberen Strände und wundervolle Dünnen.

Wer unterwegs regional essen mag, dem empfehle ich vor allem „Šaltibarščiai“. Es ist ein kalt servierter Borschtsch aus Joghurt mit Rote-Rüben-Saft und Gurken…lecker. Als zweiten Gang empfehle ich „Cepelinai“ – große Maultaschen mit Fleischfüllung. Dazu passt ja das „Svyturys“-Bier hervorragend.

Für Litauen braucht man kein Visum, der Personalausweis bzw. Reisepass reicht vollkommen. Mit Deutsch oder Englisch kann man sich fast überall gut verständigen. Hotels sind sauber, der Service sehr freundlich. Das Ambiente skandinavisch meiner Meinung nach, Basketballfans kommen bestimmt sehr schnell mit den Einheimischen ins Gespräch, da Basketball die Nationalsportart der Litauer ist. Segler, Wind- und Kitesurfer sind dort besonders gut aufgehoben. Bezahlen kann man mit Bargeld (in 2015 haben die Litauer die Euro-Währung eingeführt). EC-Karten sowie Kreditkarten werden problemlos akzeptiert. Geldautomaten gibt’s ebenfalls reichlich, wer kein Bargeld mitgenommen hat. Hier können lediglich Transaktionsgebühren anfallen. Steckdosen wie in Deutschland (also keine wie mit den BritenJ), Mobilfunknetz fast überall ziemlich stark. So viel zu den praktischen Dingen.

"der Knopf"

Litauen bietet für jeden etwas an. Langeweile ist dort auf keinen Fall geboten. Entweder mit dem Segelboot (wie wir’s gemacht haben), mit dem Flieger, der Fähre oder mit eigenen vier Rädern ist Klaipėda gut erreichbar und auf keinen Fall zu weit. Und wenn man noch dazu unterwegs in Danzig mal für paar Tage bleibt – dem bleiben keine Wünsche offen….aber Danzig – das ist ein anderes Thema und Grund für einen weiteren Reise-Bericht.

Robert Raszczyk


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