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Jugoslawien im Herbst

Das ehemalige Jugoslawien besuchte ich schon einige Male, aber vor allem auf der Durchreise aus Bulgarien oder der Türkei kommend, und am ehesten kannte ich Belgrad und diverse Fernverkehrsstraßen vom Trampen. Diesmal sollte es in einer Woche etwas mehr sein: ein kurzer Besuch in Belgrad, dann Wandern im Durmitor (Montenegro) und abschließend noch ein Bad in der Adria in Dubrovnik (Kroatien).

Belgrad
Der Flug brachte uns von Berlin über Wien nach Belgrad, wo wir am Nachmittag landeten und nach dem Beziehen des Quartiers noch Zeit zum Schlendern durch diese schönste Metropole des Balkans hatten. Dies taten wir auch am folgenden Tag, nicht ohne zuvor Tickets für den Nachtzug Richtung Podgorica zu kaufen, von wo aus wir den Durmitor besuchen wollten. Zuvor besuchten wir aber das Museum für die Geschichte Jugoslawiens und das Mausoleum des Marschalls Tito.
Den spätsommerlichen Nachmittag genossen wir auf dem Kalamagdan, der mittelalterlichen Festung über der Stadt und des Zusammenflusses von Sava und Donau.

Durmitor
Am Abend bestiegen wir den Zug, der in ziemlich schlechten Zustand war, uns aber durch den monotonen Klang der Schwellen schlafen ließ. Im Morgengrauen erreichten wir Mojkovats, unsere Endstation von der aus wir nach Zabljak, dem Startpunkt unserer Tour trampten und Bus fuhren. Dort kauften wir noch schnell etwas Kleinkram und machten uns auf den Weg zum Nationalparkseingang, bezahlten den Eintritt, und liefen auf einem gut ausgebauten, von einigen Touristenströmen zeugenden Weg zum Crno Jesero, wo uns ein nur als malerisch zu bezeichnendes Panorama auf die Kalksteinzüge des Durmitor empfing. Danach wurde es einsamer und der Weg führte durch Nadelwälder entlang von Bächen über einen Pass bis zu unserem ersten Zeltplatz auf knapp 2000m Höhe. Wir stellten ein Problem fest: Wassermangel. Die in der Karte verzeichneten Seen waren völlig verdreckt, nicht zuletzt ob der auch hier oben stattfindenden Weidewirtschaft. Und die Quellen waren versiegt. Es war schließlich Spätsommer. So mussten wir unser Wasser rationieren und wir hofften auf den morgigen Tag.
Dieser startete nebelig, was uns nicht davon abhielt, nach Süden auf einen nicht markierten Weg abzubiegen, der durch Geröllfelder über einen anfangs nicht sichtbaren, aber zu erahnenden Pass in ein anderes Tal führte, zu nehmen. Dort bogen wir, die Sicht hatte sich mittlerweile verbessert, nach Westen ab, um den Pass südlich vom Bobotov Kuk (2522m), dem höchsten Gipfel des Durmitor anzuvisieren. Eine kurz davor befindliche Quelle war ebenfalls versiegt. Langsam gingen wir dazu über, das immer knapper werdende Wasser nur noch tropfenweise zu uns zu nehmen. Allzu dramatisch war der Wassermangel aber noch nicht, da es nicht allzu warm und auch nur hin und wieder sonnig war, so dass sich der Schweißfluß trotz der zu bewältigenden Höhenmeter in Grenzen hielt. Trotzdem war es ein unangenehmes Gefühl, da wir auch nicht wussten, wann wir wieder an neues Wasser gelangen würden. Trotzdem bestiegen wir den nicht weit vom Pass befindlichen Bobotov Kuk; am Pass ließen wir allerdings unser Gepäck zurück. Vom Gipfel genossen wir die Aussicht auf das fast in Gänze zu sehende kleine Hochgebirge.
Nachdem wir ca. 500 Höhenmeter abgestiegen waren kamen wir zu einem See, der nicht nur Wasser hatte, sondern dies auch nicht von der Viehwirtschaft in Mitleid gezogen worden war, sondern glasklar und ziemlich kalt war. Eine auf der Karte verzeichnete Quelle oberhalb des Sees war ebenfalls versiegt; bzw. fast: ein Loch im Geröll war mal eine Quelle gewesen. Jetzt stand hier aber das Wasser maximal 5cm hoch. Das Wasser aus dem See entkeimten wir und dann tranken wir. Und kochten. Und genossen die abendliche Dämmerung. Nachts wurde es schon ziemlich kalt. Am nächsten Morgen stiegen wir weiter ab, begegneten einigen anderen Menschen, und kamen schließlich auf einer Strasse an, die uns nach Bosnien-Herzegowina führen sollte.

Nach Süden
Allerdings war weit und breit kein Auto zu sehen. So liefen wir einfach los. Irgendwann nahm uns ein junges Pärchen einige Kilometer mit. Und dann noch ein Mann. Und irgendwann wurden wir nicht mehr mitgenommen, so dass wir in endlosen Serpentinen auf hartem Beton bis in ein Tal laufen mussten, wo eine größere Strasse verlief. Wir erreichten Pluzine, wo wir einen Bus Richtung Sarajevo nahmen, diesen aber kurz hinter der Grenze verließen, da wir Richtung Süden in den Sutjeska-Nationalpark wollten, den wir bei Einbruch der Dunkelheit erreichten. Wir nächtigten im Hotel Mladost, das schon mal bessere Zeiten gesehen hatte, und am nächsten, nebeligen Morgen besuchten wir das Denkmal, dass an den Durchbruch der Partisanen aus dem Kessel der Deutschen und Italiener im Zweiten Weltkrieg erinnert. Der Nebel löste sich auf und enthüllte eine wunderbare Berglandschaft. Leider hatten wir keine Zeit um hier länger zu wandern, sondern wir trampten weiter Richtung Dubrovnik, was wir abends nicht ganz erreichten, sondern wir blieben noch eine Nacht in Trebinje, einer malerischen mediterranen Stadt an einem Fluss, umgeben von sandfarbenen Hügelketten, und wenig vom Massentourismus berührt, der im nur wenige Kilometer entfernten Dubrovnik tobte. Dies erreichten wir am nächsten Vormittag, bezogen ein Zimmer, und genossen den letzten Urlaubstag am Strand, der wegen der Nebensaison nicht überfüllt war, die Spuren des sommerlichen Massentourismus waren aber omnipräsent und unübersehbar. Am nächsten Nachmittag flogen wir wieder zurück nach Berlin.


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