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Die Überschreitung des Hohen Göll und des Hohen Bretts

September 2015: Mit dem Auto ging es mal wieder von Hoyerswerda ins wundervolle Schönau am Königssee im Berchtesgadener Land. Unser zweiwöchiger Urlaub sollte ein großes Highlight haben: die Überschreitung des Hohen Göll und des Hohen Bretts. Von der Rossfeldstraße über das Purtschellerhaus ging es über den Schustersteig zum Hohen Göll. Der Abstieg erfolgte über den Großen Archenkopf und das Hohe Brett zum Stahlhaus und anschließend zum Parkplatz am Hinterbrand.

Warum der Hohe Göll?

Neben dem bekannten Watzmannmassiv, welches über dem Königssee thront, ist das Massiv des Hohen Gölls an der Grenze zu Österreich sehr markant. Der Hohe Göll ist mit 2522m der höchste Gipfel im Göllmassiv am Ostrand der Berchtesgadener Alpen. Die Grenze zwischen Österreich und Deutschland verläuft direkt über seinen Gipfel.

Es ist nicht das erste Mal, dass wir uns am Hohen Göll „probieren“. Bereits vor einigen Jahren versuchten wir den Aufstieg über das Alpeltal. Leider mussten wir hier kurz vor dem Gipfel abbrechen, da wir sonst den Rückweg nicht mehr geschafft hätten. Die Zeiten, welche damals auf den Wanderschildern (gelb) angegeben wurden, waren für die Ski- und nicht die Wandertour ausgelegt. Daher haben wir den Weg unterschätzt. Mittlerweile sind die Zeiten korrigiert worden. Seither hat uns der Berg nicht in Ruhe gelassen und wir wollten es unbedingt bis ganz nach oben schaffen. Trotzdem wollten wir nicht noch einmal den Weg über die lange Gerölllandschaft des Alpeltals wagen und entschieden uns für den Aufstieg über das Purtschellerhaus.

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Ohne An- und Abreise muss man für die Überschreitung des Hohen Gölls und des Hohen Bretts ein bis zwei Tage einplanen.

Die Tour:

Unser Aufstieg beginnt an der Rossfeldstraße auf der österreichischen Seite des Göllmassivs. Dort gibt es am Ofnerboden einen Wanderparkplatz, wo man das Auto abstellen kann. Idealer und für unsere Tourvariante besser geeignet ist der Bus. Diesen vom Hauptbahnhof Berchtesgaden in Richtung Rossfeld nehmen (Linie 848) und an der Haltestelle Henneköpfl aussteigen. Von dort sind es etwa 30 Minuten bis zum Ahornkaser und ab da folgen wir den Beschilderungen zum Purtschellerhaus. Ein kurzes Stück auf breiten Wanderwegen und durch den zauberhaften Bergwald und schon kommen wir zum Eckersattel. Eine steile neu gebautete Treppe führt in etwa einer Stunde (inkl. Trink- und Fotopausen) zum Purtschellerhaus.

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Hier übernachten wir und gönnen uns ein zünftiges Radler sowie die selbstgemachten Nudeln und das sehr leckere Gulasch. Das Essen ist wirklich sehr zu empfehlen. Wir sind schon sehr zeitig an der Hütte und genießen den Nachmittag sowie den Sonnenuntergang auf einer Höhe von 1692m. Die Aussicht ins österreichische Tal ist atemberaubend und wir erleben die letzten Sonnenstrahlen, ehe wir in unseren Schlafkojen verschwinden. Unser Vorteil der frühen Ankunft: wir können uns den Schlafplatz im Schlaflager noch aussuchen.

Der nächste Tag beginnt sehr früh. Um 5:30 Uhr gehen wir vom Purtschellerhaus als Erste los. Für diesen frühen Aufstieg entschieden wir uns aus zweierlei Gründen. Zum einen haben wir so genügend Zeit um den Aufstieg zum Hohen Göll und den Abstieg zum Parkplatz Hinterbrand zu schaffen. Zum anderen erleben wir so einen fantastischen Sonnenaufgang, welcher noch mehr Kraft für den Tag liefert.

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Entlang des gut markierten Wanderweges gelangen wir auf den Eckerfirst. Hier erreichen wir die erste Felsstufe. Bei den längeren sehr leichten Kletterstellen muss man schon etwas mit den Händen zupacken. Ab und an wird es auch etwas steiler. Schon bald haben wir das Jägerkreuz erreicht. Vor dem Kreuz geht es etwas bergab und auf dem Grat entlang. Danach geht es wieder etwas steiler bergauf.

Schon bald erreichen wir eine Stelle, wo sich der Weg in zwei Routen verzweigt. Hier haben wir den eigentlichen Kamm erreicht und müssen uns zwischen Schustersteig und Kamin entscheiden. Links geht es zum Kamin bzw. Rauchfang und geradeaus zum Schustersteig. Der Kamin ist etwas kürzer, aber trotzdem entscheiden wir uns für den Schustersteig, da dieser in verschiedenen Routenbeschreibungen als einfacher ausgelegt wird. Wir legen Klettersteigset und Helm an. Anfänglich führt der Schustersteig über ca. 60m durchgehend mit einem Seil gesichert teilweise sehr luftig durch die Wand. Unbedingt auf Steinschlag achten!

Der erste Teil führt schräg senkrecht nach oben, gefolgt von einem Quergang. Danach geht es noch etwas rechts hinauf und man erreicht einen markanten Steinmann, welcher das Ende des Klettersteigs und den Anfang der Göllleiten markiert. Hier kommt auch der Klettersteig über den Mannlgrat vom Kehlsteinhaus herauf. Nach einer kurzen Fotopause und einer atemberaubenden Aussicht auf das Berchtesgadener Tal kann man den Helm und das Klettersteigset wieder im Rucksack verstauen. Ein guter Steig führt  in etwa einer Stunde auf den Gipfel in 2522m Höhe. Mittlerweile tummeln sich viele Wanderer auf dem Grat und Vorsicht ist geboten.

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Auf dem Gipfel angelangt, werden wir mit einer unglaublichen Aussicht bei Traumwetter belohnt. Im Süden erspähen wir den Hochkönig und im Osten erblicken wir den Watzmann, den Hochkalter und die Reiteralpe. Die Alpendohlen leisten den Wanderern tolle Gesellschaft. Diesen Augenblick sollte man unbedingt genießen. Insgesamt sechs Stunden haben wir vom Purtschellerhaus inkl. Pausen bis zum Gipfel des Hohen Gölls benötigt. Den Weg kann man sehr gut vom Gipfel nachverfolgen. Nach einer kurzen Rast geht es auch schon weiter, denn die Überschreitung zum Hohen Brett und der Abstieg haben es konditionell noch einmal in sich.

Nach etwa zehn Minuten erreichen wir das südliche Gipfelkreuz des Hohen Gölls. Der Abstieg führt in südlicher Richtung in praller Sonne ins Tal. Vom Gipfel geht es hinab zur Göllscharte und weiter zum Großen Archenkopf und dem Brettriedel. Der Weg ist lang, aber nicht schwierig. Allerdings muss man durch das Geröll sehr konzentriert bleiben, da es recht rutschig ist. Kurz bevor es zum Grat des Hohen Bretts geht erreichen wir die Abzweigung zum Alpeltal. Hier kann man auch zum Parkplatz Hinterbrand absteigen. Wir folgen aber dem Grat und erreichen nach leichter Kraxelei und einer gesicherten, recht luftigen Stelle das Hohe Brett auf 2341m. Wir sind ganz allein auf dem Gipfel und gönnen uns noch einmal eine kurze Pause.

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Es ist schon Nachmittag und die meisten Tageswanderer sind bereits abgestiegen. Die Ruhe ist ein Genuss und wir genießen noch einmal die fantastische Aussicht. Gern würden wir länger bleiben, aber wir müssen weiter. Über den grasbewachsenen Rücken geht es abwärts bis zum Jägerkreuz. Nun geht es links hinunter über Schrofengelände. Der Weg ist eigentlich nicht schwer, aber wir haben schon etwa neun Stunden Wanderung in den Knochen und der Weg ist durch die vielen Tageswanderer sehr rutschig und abgenutzt. Hier ist noch einmal besondere Konzentration gefordert. Wir erreichen das Stahlhaus am späten Nachmittag. Ein kurzes isotonisches Getränk und schon geht es weiter zum Parkplatz Hinterbrand. Hier haben wir am Vortag unser Auto geparkt. Wer es bis etwa 17:30 Uhr schafft, kann den Bus nach Königssee nehmen.

Müde, geschafft, aber mit tollen Eindrücken und einer herausragenden Aussicht ist nach 13 Stunden (inkl. Pausen) unser Tag erfolgreich beendet.

Die Voraussetzungen:

Trittsicherheit und Schwindelfreiheit während der Gratüberschreitung vom Hohen Göll zum Großen Archenkopf sind ein absolutes Muss. Konzentration ist besonders beim Übergang zum Großen Archenkopf gefordert. Hier gibt es eine kurze Stelle, wo links und rechts große Schneelöcher sind und der Pfad nur etwa 20cm breit ist. Außerdem ist ein hohes Maß an Konzentration beim Abstieg vom Hohen Brett zum Stahlhaus gefragt. Dieser Steig wird von vielen Wanderern (auch Ungeübte) benutzt und ist dementsprechend abgenutzt und rutschig.

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Auf Grund der Länge der Tour ist ebenfalls eine gute Kondition erforderlich. Ein Klettersteigset sowie ein Helm sind sehr zu empfehlen. Man sollte mindestens drei Liter Wasser mitnehmen, da es vom Purtschellerhaus zum Stahlhaus keine Quelle gibt!

Die Hütten:

Purtschellerhaus – eine Übernachtung im Purtschellerhaus ist für die Überschreitung des Hohen Göll von der österreichischen Seite aus sehr zu empfehlen. Geübte schnelle Bergwanderer würden es auch ohne Übernachtung schaffen, aber was spricht schon gegen eine Nacht auf einer romantischen Berghütte!? Noch dazu ist dies eine der wenigen Hütten, wo die Staatsgrenze direkt durch das Haus geht. In der Hauptsaison sind die privaten Zimmer sehr schnell ausgebucht, aber auch die Lager sind sehr komfortabel und auch kurzfristig zu bekommen, falls man zwecks des Wetters umplanen muss. Eine Anzahlung wird hier erwünscht. Das Essen ist sehr gut und das Preis-Leistungs-Verhältnis für eine Berghütte top.

Stahlhaus – Die Hütte wurde vor wenigen Jahren modernisiert und verfügt über sehr gut ausgestattete Sanitäranlagen (inkl. Duschen). Sollte man weitere Touren im Berchtesgadener Land planen, so ist eine Übernachtung definitive empfehlenswert. Ein Abstieg zum Parkplatz Hinterbrand dauert etwa 2 bis 2.5h.

Schneibsteinhaus – Sollte das Stahlhaus ausgebucht sein, so bietet sich das Schneibsteinhaus als Alternative an. Es liegt etwa 10 bis 15 Minuten vom Stahlhaus entfernt und ist ebenfalls ein guter Ausgangspunkt für weitere Touren im Hagengebirge und im Steinernem Meer des Berchtesgadener Landes.

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Meine Erfahrungen:

Neben der Überschreitung des Watzmanns war dies einer der größten Augenblicke in meinem Bergsteigerleben. Der Hohe Göll mit dem Hohen Brett thront im Osten des Tales des Berchtesgadener Landes und hat etwas Mystisches. Nachdem wir es im ersten Anlauf vor ein paar Jahres nicht geschafft haben, war die jetzige Motivation umso größer. Beide Touren, sowohl die Überschreitung des Watzmanns als auch diese sind nur für Geübte geeignet. Während der Klettersteig des Watzmanns relativ eben bzw. auf einer Grundhöhe erfolgt, ist der Klettersteig beim Hohen Göll in den Aufstieg integriert, nicht in die Überschreitung zum Hohen Brett. Ich kann diese Tour nur empfehlen! Im Vergleich zum Watzmann ist auf dem Hohen Göll auch deutlich weniger los. Die Ruhe ist beeindruckend und ein toller Ausgleich zum hektischen Stadtleben. Ich habe jetzt noch mehr Lust auf solche genialen, traumhaften Bergtouren mit Klettersteigen.

Die Zeitangaben des DAV (gelbe Schilder) sind machbar und man schafft diese auch inklusive Pausen. Wir hatten etwas länger benötigt. Gleiches gilt für den Abstieg vom Hohen Göll über das Hohe Brett, für den wir die meiste Zeit brauchten.

Insidertipps:

Während meiner vielen vergangenen Touren habe ich festgestellt, dass Vorbereitung alles ist. Mit einer optimalen Vorbereitung wird das Erlebnis Klettersteig auch auf unbekannten Pfaden zu einem vollen Erlebnis. Das World Wide Web bietet sehr viele Möglichkeiten, sich optimal darauf einzustellen. Zur Vorbereitung auf die Tour zum Hohen Göll und der Wahl ob Schustersteig oder Kamin habe ich mir verschiedene Dokumentationen angeschaut. Ich würde die Tour gern noch einmal gehen, diesmal aber über den Kamin oder den Mannlgrat vom Kehlsteinhaus aus.


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