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Wanderung auf Nordafrikas höchsten Gipfel: Der Djebl Toubkal in Marokko

sliderIm Zuge einer zweiwöchigen Marokkoreise wollten wir neben ein paar Tagen am Strand und Kletterei in der Todraschlucht, auch trekken. Was bietet sich da mehr an als der Djebl Toubkal mit 4167 m? Sofern nicht im Winter, verlangt der Berg außer etwas Ausdauer keine bergsteigerische Expertise und man kann sich selbst mal oberhalb von 4000 m testen.

Ausgangsort für unsere zweitägige Trekkingtour ist Imlil, eine kleine Bergstadt auf 1700m Höhe, deren Bewohner ihr Geld hauptsächlich mit Trekkingtouristen aus aller Welt verdienen. Es ist schon dunkel als wir die Stadt mit unserem Mietwagen erreichen Wir finden schnell ein mittelmäßiges Zimmer mit warmer Dusche für umgerechnet 15 Euro. Es ist Anfang Oktober, nachts soll es jedoch nicht kälter als 10°C werden.

Höhengewöhnung auf 2300m
Da der Gipfel auf über 4000m liegt, haben wir für den ersten Tag eine Akklimatisierungswanderung geplant. Wir fahren mit dem Auto Richtung Tacheddirt, die 17km bis dahin setzen sich aus Asphalt, Geröll und Staub zusammen. Das Auto wird direkt neben der Straße geparkt und unsere Tageswanderung beginnt auf 2300m, wir wollen einen Pass auf 3500m überqueren und dann auf selbem Weg wieder zurück zum Ausgangspunkt.

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Begleitet von plärrenden Bergziegen erreichen wir nach drei Stunden den Pass. Ein alter Berber kommt uns entgegen, wir geben uns die Hand. Er baut eine kleine Feuerstelle aus drei Steinen, nimmt etwas Zunder um eine Wurzel zu entzünden und stellt eine Teekanne direkt in die Flammen. Kurz darauf trinken wir herrlich süßen Minztee. Wir teilen Brot und Müsliriegel, die Verständigung ist minimalistisch, aber manchmal braucht es eben nicht mehr als eine geteilte Mahlzeit.

Wieder erreichen wir Imlil in der Dunkelheit, wählen für diese Nacht das Hotel Soleil. Den Mietwagen können wir auf dem bewachten Parkplatz vor dem Hotel abstellen. Es gibt Suppe und vegetarische Tanjine, selbstverständlich mit Fladenbrot.

Wanderung mit süßen Pausen
Den nächsten Morgen lassen wir entspannt angehen, da die Sonne zu dieser Jahreszeit nicht mehr so brennt, es aber tagsüber angenehm warm ist, brechen wir erst um 9.30Uhr auf. Unser Tagesziel ist die Toubkal Hütte, die sich auf 3207 m befindet. Über Aroumd erreichen wir nach etwa drei Stunden Sidi Chamharouch, ein kleines Dorf auf etwa halbem Wege.

Wir trinken sehr süße Fanta und legen eine Pause ein. Die Region ist reich an Touristen, die meisten sind in Gruppen mit Bergführer unterwegs und lassen ihr Gepäck von Maultieren tragen. Da die Tour jedoch lediglich zwei Tage dauert, man überall auf dem Weg Proviant kaufen kann und man für die Hütte nur einen Schlafsack braucht, halten wir es für unnötig die Dienste in Anspruch zu nehmen.

Ab Sidi Chamharouch wird der Weg etwas anspruchsvoller, bleibt aber nach wie vor gut zu wandern. Ab und zu kreuzt man einen Bach, steigt die ein oder andere Stufe oder lässt sich von einem Maultier überholen. Der Akklimatisierungstag hat sich ausgezahlt, wir kommen gut voran und das Atmen fällt leicht.

Schönes Durcheinander
Gegen 16 Uhr erreichen wir die gut besuchte Toubkal Hütte, für weniger als 40 Euro sichern wir uns zwei Betten im Schlafsaal inklusive Abendessen und Frühstück. Wären wir etwas später angekommen, wäre die Hütte ausgebucht gewesen. Es lohnt sich also ruhig vorher eine Reservierung zu machen. Zelten sollte jedoch auch ohne Reservierung unproblematisch sein.

Die Hütte selbst ist in einem guten Zustand, es gibt fließend Wasser, warme Duschen und europäische Toiletten. Dabei ist die Toubkal Hütte, die sich direkt oberhalb der Mouflon Hütte befindet, noch die Günstigere.

Es herrscht reges Treiben und die gefühlten 30 Mitarbeiter der Hütte wuseln durch den Haufen von Trekkern im Gemeinschaftssaal. Wir sitzen zusammen mit einer Gruppe Franzosen, es gibt viel zu Essen und am Ende bleibt sogar etwas übrig. Wir teilen noch unsere mitgebrachten Biere und legen uns um 21 Uhr ins Bett.

Spätestens jetzt bereuen wir, dass wir nicht unser Zelt mitgebracht haben. Wir teilen den Raum mit etwa 15 Anderen. Natürlich befindet sich darunter auch jemand der wirklich gut und laut schnarchen kann. Als wir gegen 6 Uhr aufstehen haben wir vielleicht 2 Stunden geschlafen.

Gipfel gestürmt
Perfektes Wetter, klarer Himmel, um die 0°C. Wir lassen den Großteil unseres Gepäcks in der Hütte, lediglich Wasser, Müsliriegel und unsere Daunenjacken kommen in den Rucksack. Zum Gipfel sind es 3-4 Stunden.

Von der Hütte aus queren wir einen kleinen Bach und erreichen das große Geröllfeld. Die Steine sind allesamt sehr groß und so gestaltet sich der Aufstieg relativ angenehm. Zum Ende des Feldes passieren wir große Boulder. Die Sonne ist längst aufgegangen, allmählich erreichen uns die ersten Strahlen und wir können bereits den südwestlichen Gipfelgrat sehen.

Wir kratzen mittlerweile an den 4000Metern, kommen aber in mäßigen Tempo gut mit der Höhe zurecht. Kurz vor dem Grat kommen uns die Franzosen vom Vorabend entgegen, Sie sind schon nachts aufgestiegen um den Sonnenaufgang vom Gipfel zu sehen.

Immer wieder sehen wir Müll in Form von Plastikflaschen und Verpackungen rumliegen. Marokko hat allgemein ein Müllproblem, scheinbar auch an Orten, an denen man es nicht vermuten würde, schade.

Man müsste sich schon wirklich blöd anstellen um sich hier zu verlaufen, der Trek ist gut ausgetreten und ab und zu findet man Steinmänner, die den Weg markieren. Die metallerne Gipfelpyramide ist nun nicht mehr weit  und gegen 10:15 Uhr stehen wir auf dem höchsten Berg Nordafrikas.

Neben uns sind noch etwa 10 andere Trekker auf dem Gipfel. Strahlend blauer Himmel empfängt uns lässt unsere Bergsteiger Herzen höher schlagen. Allerdings befindet sich unter uns eine dicke Wolkenschicht, die einen dann doch nicht soo weit sehen lässt.

Abstieg schwieriger als Aufstieg
Nach den obligatorischen Müsliriegeln und dem Gipfelgepose geht’s dann auch schon wieder talwärts. Schon nach etwa einer Stunde kriegt Stella ordentlich mit ihren Füßen zu schaffen und so brauchen wir für den Abstieg sogar länger als für den Aufstieg.

Zwei Snickers, zwei Fanta, wir rasten kurz an der Toubkal Hütte. Die Rucksäcke neu gepackt, es ist schon halb drei und wir haben noch den Weg bis nach Imlil vor uns. Das Wetter ist wirklich perfekt zum Wandern, es hat etwas um die 15°C, die Sonne scheint angenehm und es ist relativ windstill. Dennoch: Stella hat mit ihren Füßen zu kämpfen und so kommen wir nur mäßig voran.

Wir laufen im trockenen Flussbett kurz vor Aroumd, als die blaue Stunde sich langsam dem Ende neigt. Von nun an folgen die müden Körper dem Kegel der Kopflampen. Es gibt zwei Wege von Aroumd nach Imlil, einer führt durch einen Wald mit vielen Bächen und Kaskaden die den Weg hier und da unterbrechen. Der Zweite ist etwas länger führt aber über eine Straße, für den wir uns auch entscheiden.

Wir sind ziemlich im Eimer als wir gegen 20 Uhr Imlil erreichen, trotzdem wollen wir die Nacht lieber im Zelt als in einem Zimmer verbringen. So nehmen wir das Angebot des sympathischen Hotelbesitzers wahr, unser Zelt auf der Dachterrasse aufzuschlagen.
Am frühen Morgen wecken uns die nacheinander einsetzenden Muezzin, wir fragen uns, wie sich die Gebete zu solch unchristlicher Zeit nur durchsetzen konnten, finden jedoch wieder in den Schlaf.

Noch hungrig vom Vorabend, essen wir Ramennudeln zum Frühstück, verpacken Zelt und restliches Equipment im Auto und machen uns auf Richtung Todraschlucht..


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