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Norwegens spektakuläres Blaueis

Die Einsamkeit geniessenNachdem ich zuvor entdeckt hatte, dass meine „Lieblings-Billigfluglinie“ auch wahnsinnig günstige Flüge von Deutschland nach Oslo anbietet, war recht schnell entschieden, dass ich eine noch freie Woche der Sommersemesterferien im norwegischen Festlandeis verbringen würde. Anfang August landete ich so nur mit dem Nötigsten an Outdoor Ausrüstung ausgestattet in der Hauptstadt Norwegens.

Sogar ein Zelt lässt sich, wenn man die potentiell gefährlichen Heringe zuhause lässt, ohne Beschwerden im Handgepäck mitnehmen. Aufgrund der erwarteten hohen Lebensmittelpreise war dieser sonst vor allem mit hochkalorischen Lebensmitteln gefüllt. Eine Woche Erdnuss-Schokoriegel-Diät  lässt sich schonmal aushalten. Das im Norden wirklich alles deutlich teurer ist, bemerkte ich nicht zuletzt am eifrigen Kaufverhalten der Mitreisenden im Duty-Free-Shop. Nicht wenige füllen ihren Einkaufskorb hier bis zum Rand mit Wein und anderen Spirituosen.

Beeindruckendes Oslo

Natürlich war ich vor allem wegen der beeindruckenden Natur gekommen, doch ein Rundgang durch die Hauptstadt ließ mich auch ins Staunen kommen. Mit viel Sinn fürs Detail gelingt es den Stadtplanern von Oslo historische und moderne Gebäude miteinander harmonieren zu lassen. Es lohnt sich also, sich einen Tag Zeit zu lassen und die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Innerhalb Norwegens bewegt man sich am schnellsten mit Fernbussen.

Vom Zentralen Omnibusbahnhof in Oslo fuhr ich so über Nacht ins 300 km entfernte  Sogndal, einer an einem Fjord gelegenen kleinen Hafenstadt. Von hier aus ist es nicht  mehr weit bis zum größten Festlandgletscher Europas, dem Jostedalsbreen. Über eine  Fläche von fast 500 Quadratkilometer erstreckt sich hier der auf einem Gebirgsplateau  gelegene Eispanzer, dessen Gletscher tief eingeschnittene Täler geformt haben.

Per Anhalter – wie immer

Um dort  hin zu gelangen versuchte ich es wie immer mit Hitchhiken. Dabei gehen die Berichte in  Norwegen weit auseinander, mancher berichtet von einer großen Offenheit und Hilfsbereitschaft der Einheimischen, andere auch von tagelangem Warten. Um 5 Uhr morgens und ca. 60 km  von meinem Ziel entfernt, hoffte ich stark, dass erstere  Beschreibung zutreffen würde. Und  so war es dann auch.

Nach einem LKW-Fahrer sammelte mich ein weiterer Einheimischer ein, der mich sogar einige Kilometer fuhr, die  gar nicht auf seiner Route lagen. So viel spontane Hilfsbereitschaft haben mich dann doch  überrascht! Trotzdem war ich eher schlecht gelaunt, denn es regnete fast ohne Unterbrechung und alle Menschen, die ich auf dem Weg traf, berichteten nur von dem rekordverdächtig schönen Wetter der vorangegangenen Monate und den miesen Wetteraussichten der kommenden Tage. Es hieß also Regenjacke, Regenhose und ordentliche Outdoor Schuhe.

Dafür erwies sich zumindest das Hitchhiken weiterhin als äußerst effektiv. In den folgenden Stunden gelangte ich zum bekannten Nigardsbreen, einer der vielen Gletscher, die sich vom Plateau des Jostedalsbreen gen Tal neigen und fantastische  Blaueisformationen bilden.

Fernab ab der Touristenströme

Dieser ist jedoch vor allem eine Touristenattraktion mit entsprechend viel Andrang. Nachdem mein durchnässter Kopf wohl auf gefühlt hunderten von Touri-Schnappschüssen mit abgelichtet war, zog ich daher schnell weiter. Wiederum wurde ich auf der Strecke aufgesammelt und mit zum Stausee des Austdalsvatnet genommen, von wo aus ich auf einem gut markierten Pfad weiter in Richtung der Einsamkeit der norwegischen Gletscher aufbrach.

Nach einer durchregneten Nacht im Zelt (inklusive Schlafsack und Isomatte) klarte es dann am nächsten Tag tatsächlich etwas  auf und ich setzte meinen Weg durch die typische vom harten Klima geformte Gras- und Buschlandschaft der norwegischen Täler fort. Ab und zu passierte ich noch ein paar sehr weit abgelegene Hütten bis ich schließlich mein erstes Ziel erreichte, den Sygneskarsbreen.

Am Ufer des zugehörigen Gletschersees, direkt neben der Abbruchkante, schlug ich erneut meine Zelte auf und genoss die unglaubliche Szenerie des kalbenden Gletschers und die Einsamkeit.

Die Kraft der blauen Eismassen

In den verbleibenden Tagen erkundete ich weiter die Umgebung, die unglaublichen Dimensionen der norwegischen Gletscher lassen sich erst richtig erfassen, wenn man tatsächlich direkt davor steht. Kurze Momente mit Sonnenstrahlen lassen das Eis dabei in den verschiedensten Blautönen aufleuchten und das Getöse der abbrechenden Eisberge verdeutlicht die immense Kraft der Eismassen.

Trotz der beeindruckenden Natur war ich jedoch auch froh, schließlich wieder den Rückweg antreten zu können. Mehrere Tage Regen hatten trotz Outdoorbekleidung doch ihre Spuren hinterlassen und mittlerweile wollte nichts mehr richtig trocken werden. Mit einem Bad im Fjord bei Sogndal war ich bereit nach Oslo zurückzukehren und konnte hier tatsächlich auch nochmal Sonnenschein genießen.


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