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Mit Interrail in die Natur Südfrankreichs

FontainebleauWährend eines zehntägigen Trips durch Frankreich mit Interrail, Fahrrad und Zelt im August 2014 streiften wir u. a. die Mittelmeerküste bei Montpellier, die Cevennen, die atemberaubende Tarnschlucht und das Boulderparadies im Wald von Fontainebleau. Unser Ziel war, der Natur möglichst nahe zu sein und dafür nicht unnötig viel Geld auszugeben.

Wir sind zwei Jungs, 25 Jahre und unternehmen jedes Jahr gemeinsam mindestens einen Trip. Diesmal sollte es nach Frankreich gehen. Da wir uns nicht so recht über das genaue Ziel entscheiden konnten, beschlossen wir, Interrail-Tickets zu kaufen. So konnten wir möglichst kostengünstig größere Distanzen zurückzulegen. Mit Nachtzügen sparten wir zudem ein paar Nächte ein. Die Bahn macht mobil.

Eine gute Idee

Gut, die Bahn brachte uns sicher von Stadt zu Stadt, aber was dann? Die Ziele waren nicht die Städte selbst, sondern das jeweilige Hinterland. Deshalb nahmen wir unsere Fahrräder mit.

In Schnellzügen wie ICE, TGV und CNL (Nacht-IC) sind zwar keine Fahrräder erlaubt, wenn man sich allerdings eine Fahrradtasche besorgt, beide Reifen abmontiert und das Fahrrad in drei Teilen in der Tasche verstaut, gilt die gefüllte Fahrradtasche als reguläres Gepäckstück, und voilà: Schon waren wir legal unterwegs!

Zunächst fuhren wir mit Regionalzügen nach Strasbourg, nahe der französischen Grenze. Ab hier war unser Ein-Länder-Ticket gültig. Ein Nachtzug beförderte uns nach Montpellier. Den ersten Tag und die erste Nacht verbrachten wir in der nahe gelegenen Küstenstadt La Grande Motte bei sommerlichen Temperaturen.

Steil bergauf

Die Qualität unserer Ausrüstung kam allerdings erst ab dem zweiten Tag zum Tragen: Da es uns am Meer zu langweilig wurde, radelten wir die Cevennen hoch. Gut, dass wir leicht gepackt haben – Es wurde steil:

In unseren Satteltaschen befanden sich u. a. ein ulraleichtes Zelt von Vaude mit einem Gewicht von 1,8 kg (ein Iglu-Zelt vom Discounter wiegt vergleichsweise ca. 4,5 kg), leichte Schlafsäcke, Zahnbürsten ohne Stiel, Hart- statt Flüssigseife und Proviant, das größtenteils nur mit dem Zusatz von Wasser genießbar wurde, z. B. Tütensuppen, Kartoffelpureepulver, Haferpulver, Nudeln, …

Unser Zeltplatz in den Cevennen lag bei Le Caylar. Wer nicht den gesamten Weg fahren möchte, kann auch den Bus ab Montpellier nach Le Caylar nehmen. Da beide Orte im Département Hérault liegen kostet ein Ticket pro Person schlappe 1,60 Euro, Fahrrad inklusive.

Sommerliche Kälte

Der Campingplatz von Le Caylar bietet ein grandioses Panorama. Auf unserem „Grundstück“ befand sich erfreulicherweise ein Boulderfelsen. Zum Glück hatten wir Kletterschuhe dabei. Und günstig war der Campingplatz auch: Zu zweit zahlten wir pro Nacht 9,50 Euro, da Nebensaison war. Dort ist schon ab Mitte August Nebensaison! Wir blieben zwei Nächte, da es so gut gefiel.

Aber es war kalt! Nachdem wir am Mittelmeer von einer 18°C-Nacht vewöhnt wurden, sank die Temperatur in den Cevennen im August auf 5°C. Es wurde mir bewusst, dass ich den falschen Schalsack dabei hatte. Ich verließ mich auf den leichten Sommerschlafsack vom Discounter mit einer Komforttemperatur von 13°C.

Also musste ich mir mit meiner Kleiderausstattung behelfen: Zwei T-Shirts, ein Fleece, eine Joggingjacke, Unterwäsche, eine Jeans, eine Jogginghose, zwei Paar Skisocken, Kapuze, eine Flasche mit gekochtem Wasser und die Nacht konnte kommen. Für die nächste Tour muss unbedingt ein wärme- und platzeffizienter Daunenschlafsack her!

Nachtzug nach Paris

Das nächste Ziel war die Tarnschlucht. Der erste großere Ort ist Millau. Dort sollte man aber nicht bleiben. Nach einem Gang zur Touristeninformation und zum Supermarkt sollte man midestens 20 km tiefer in die Tarnschlucht fahren, wo der eigentliche Magic beginnt.

Campingplätze gibt es wie Sand am Meer. Wer Geld sparen möchte, sollte einen wählen, der nicht gerade im Reiseführer steht. Dort sind nämlich hauptsächlich die etwas komfortableren und teureren Campingplätze aufgeführt, die zudem einen Aufpreis für einen Platz am Fluss verlangen. Wir zelteten in Moustéjuls und unternahmen u. a. eine Kayaktour und eine Geocaching-Tour.

Nach ein paar Tagen in der Tarnschlucht lösten wir unsere zweite und dritte Interrail-Einheiten ein: Wir fuhren über Albi nach Toulouse und erfreuten uns an der besonderen sommerabendlichen Atmosphäre, bevor wir einen Nachtzug nach Paris nahmen.

An glitschigen Felsen

Wir sind keine Großstadtmenschen und hielten es dort keine drei Stunden aus. So arbeiteten wir uns in den Wald von Fontainebleau vor, um uns in den unzähligen Boulderparks auszutoben.  Ich vermute, wir waren so ziemlich die einzigen, die zum Bouldern kein Crashpad dabei hatten.

Schon irgendwie fahrlässig, besonders an Regentagen, in denen die teilweise von Moos überzogenen Felsen glitschig sind. Nächstes Mal wissen wir es besser!  Nach zehn Tagen Outdoorspaß nahmen wir den TGV von Paris nach Strasbourg und von dort aus Regionalzüge nach Hause.

Schlussgedanken…

Von Trip zu Trip werden wir mit unseren Fehlern etwas erfahrener. Angefangen haben wir mit einer sehr günstigen Campingausstattung. Diese mag ausreichen, falls das Ziel beispielsweise ein Rockfestival im Sommer ist, das mit dem Auto angefahren wird.  Wer all seine Siebensachen mit sich herumschleppen muss und nur begrenzt Platz hat, sollte auf hochwertigere Ausüstung setzen.

Für meinen nächsten Trip nach Norwegen muss unbedingt ein warmer Schlafsack her, der aber auch nicht zu schwer und zu groß sein darf. Für mich kommt Daune infrage. Was wir dennoch von Trip zu Trip immer wieder vergessen mitzunehmen, ist ein Salzstreuer für unsere Amateur-Kochaktionen mit dem Campingkocher.

Für Außenstehende klingt das möglicherweise als das kleinste Problem, aber ohne Salz schmeckt das Essen nicht – und die Laune lässt nach. Ein Salzstreuer ist einer der wichtigsten Trekkingbegleiter! Macht es besser als wir!

Rundum war das ein gelungener Trip, der wirklich weiterzuempfehlen ist. Wildcampen ist in Frankreich nicht erlaubt, also übernachteten wir auf Campingplätzen, die deutlich günstiger sind als in Deutschland – mit dem komfortablen Nebeneffekt, dass jeden Abend eine warme Dusche bereit war.

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