Reiseberichte » Europa  » Island

Paddeln durchs ewige Eis Islands

Auf dem Weg zum Pass. Alle Bilder: privatDa ich ein Praktikum bereits im Vorjahr vorgezogen hatte, taten sich beim Blick auf den Stundenplan zu Beginn des Semesters überraschende zwei freie Wochen auf. Selbstverständlich sollten diese nicht ungenutzt bleiben und so fiel schnell die Entscheidung auf ein schon länger geplantes Ziel: Der Süden Islands.

Mit einem Tunnelzelt und wie immer nur dem Nötigsten an Ausrüstung stellten wir uns auf 11 Tage in der rauen und gleichsam beeindruckenden Natur der von Vulkanen und Eis geprägten Insel ein. Einzige Ausnahme bei diesem Ausrüstungskonzept war mein kleines Packraft, deren Mitnahme sich jedoch auf Gletscherseen und beim Überqueren von Flüssen noch auszahlen sollte.

Tour-Guide inklusive?

Wir flogen zunächst nach Keflavik, wo sich südöstlich von Reykjavik der internationale Flughafen befindet. In Reykjavik angekommen nahmen wir einen bereits vorher gebuchten Fernbus und staunten nicht schlecht, als dieser sich als Touristenbus mit Reiseführer und regelmäßigen Kurzstopps an allerhand auf der Strecke gelegenen Sehenswürdigkeiten herausstellte!

Tatsächlich existiert kein Fernbusnetz auf Island abgesehen von diesen Tourbussen, die natürlich dementsprechend teuer sind und ohnehin nur unnötig Zeit kosten. Die Zeit nutzten wir so vor allem, um unser Schlafdefizit nachzuholen. Schließlich erreichten wir gegen Abend unser Ziel, die Gletscherlagune Jökulsarlon, und folgten dem von Eisbergen angefüllten See in Richtung Gletscher.

Ein großer Vorteil, den die nördliche Lage Islands um diese Jahreszeit hat, ist die Helligkeit der „Nacht“. Die Sonne verschwindet nur kurz ein wenig hinterm Horizont, sodass auch „nachts“ die Helligkeit eines bewölkten Tages herrscht. Dies lässt genug Zeit, geeignete Zeltstellen zu finden, auch mal eine Nacht bei gutem Wetter durchzulaufen und garantiert vor allem eine relativ gleichmäßige Temperatur zwischen 2 und bis zu 10 Grad auf Meereshöhe. Wobei hier der Windchill-Effekt nicht zu unterschätzen ist.

Kampf den Natur-Gewalten

Mit dem Aufstellen des Zeltes hatten wir trotzdem zunächst große Probleme, da der von der See kommende Wind unfassbare Geschwindigkeiten erreichte. Konnte man zunächst  noch gut dagegen angehen, war dies bald schon ein einziger Kampf gegen die Gewalt der Lüfte, die ich so noch nie erlebt habe. Nach einiger Zeit fanden wir bei der Rückkehr zur  Straße schließlich einen abgestellten Bagger, der ein wenig Schutz bot.

Am nächsten Tag erkundeten wir weiter die Umgebung und erreichten querfeldein durch die steinige hügelige und von ehemals gigantischen Gletschern geformte Landschaft weitere Gletscherseen. Inzwischen der teils Haus-hohen und in verschiedensten Blautönen schillernden Eisberge paddelten wir im Packraft durch die sich stetig verändernden Wasserstraßen einer kleinen Gletscherlagune. Ein unbeschreiblicher Anblick aus dem kleinen Boot heraus!

Schließlich gelangten wir um den See herum zur Abbruchkante und folgten dem Gletscher  in Richtung seines Ursprungs. Der gewaltige Druck der Eismassen ließ hier spitz aufragende Türme und Pyramiden aus Eis entstehen und tief-blaue Eishöhlen groß wie ein Reisebus öffneten aus dem Nichts heraus den Blick in den Gletscher.

Schnee im Juni

Nach der Erfahrung mit den Reisebussen versuchten wir uns für den weiteren Weg im Hitch-Hiken, was unfassbar gut funktionierte. Entlang der einmal um Island verlaufenden Ring Road mussten wir nie länger als 25 Minuten warten und erreichten innerhalb kürzester Zeit den Skogafoss.

Dieser gewaltige Wasserfall ist eine beliebte Touristenattraktion, oberhalb des in die Tiefe tosenden Wassers beginnt jedoch auch ein Pfad, der über einen etwas mehr als 1000 Meter hohen Pass zwischen dem bekannten Vulkan Eyjafjallajökull und dem riesigen Gletschermassiv des Katla Vulkans ins Landesinnere führt. Bei stetigem Nebel, Nieselregen und vereinzelten Regenschauern folgten wir diesem Pfad entlang der vom Fluss geformten und Moos-bewachsenen Schlucht.

Schon bald setzte eine für diese Jahreszeit absolut ungewöhnliche Schneedecke ein, die uns immer wieder tief einbrechen ließ. Nachdem wir nach etwa sieben Stunden die andere Seite des Passes erreicht hatten, schlugen wir so erschöpft erstmal das Zelt auf und begannen Schnee zu schmelzen und Tee zu kochen.

Auf dem Laugavegur

Am nächsten Tag folgten wir dann weiter den vereinzelten Fußspuren, die uns schon zuvor den Weg gewiesen hatten, weiter ins Tal. Das hier beginnende Inland Islands ist geprägt von Moos- und Gras-bewachsenen Hügeln und Bergen, tief eingeschnittenen Schluchten  und zahlreichen Gebirgsbächen. Nach einem Tag im Zelt, zum Schuhe trocknen, und mit nun wieder bestem Wetter starteten wir schließlich auf den sogenannten Laugavegur, ein  Trekkingweg, der weiter ins Landesinnere bis nach Landmannalaugar führt.

Auch hier lag für diese Jahreszeit ungewöhnlich viel Schnee, sodass wir nach etwa 30 km von unserem Plan absehen mussten und einfach die Umgebung weiter erkundeten. Traumhaft schön stachen hier erste Moos-bewachsene Hügel aus der weißen Landschaft hervor, erste schneefreie Flächen schwarzen Vulkansands boten fantastische Kontraste.

Noch in den folgenden Tagen genossen wir weiter die Schönheit dieser Landschaft und entdeckten tiefe Canyons, gewaltige Wasserfälle und vergletscherte Vulkane. Schließlich gelangten wir zu Fuß und per Hitch-hiken wiederum zur Ring Road und erkundeten noch einige Wasserfälle bevor das schlechte Wetter wieder mit starken Niederschlägen einsetzte.

Da wir noch Zeit übrig hatten – der Plan nach Landmannalaugar zu laufen funktionierte ja aufgrund der Schneemassen nicht – nutzten wir die exzellente Situation für Hitch-Hiker um noch weitere Ziele im Süden anzusteuern, wie die südwestlich gelegene Peninsula. Vom nicht enden wollenden Regen wurden wir schließlich jedoch vor allem ins Zelt gedrängt bevor wir wieder zurück nach Deutschland flogen.


Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *