Reiseberichte » Europa  » Italien

Es ging bergab und es war traumhaft!

Familie Jahn zu Beginn ihrer Tour ueber die Alpen. Alle Bilder: privat1000 Kilometer und fünf Länder auf dem Rad von Regensburg über Passau und Salzburg, den Alpe Adria Radweg nach Grado an der Adria und weiter über Slowenien nach Kroatien – und das mit der ganzen Familie!

Unsere Familie – Papa, Mama, Marie (13 Jahre) und ich (15 Jahre) – haben uns überlegt, in diesem Jahr eine Radtour über die Alpen zu wagen. Wir fuhren mit dem Auto nach Regensburg zu unseren Freunden und starteten am 16. Juli von dort aus. Ich habe jeden Tag Tagebuch geschrieben und möchte hier zwe Tage aus unserer wundervollen Radtour heraus greifen, um einen kleinen Einblick zu geben.

Die härteste Strecke der Tour

Nachdem wir unser Zelt zusammen gepackt hatten, aßen wir leckere Brötchen und Kuchen beim Bäcker ein paar Kilometer vor Bad Gastein. Danach fuhren wir wohl genährt los. Es erwartete uns die anstrengendste Strecke der gesamten Tour.

Wir strampelten wie wild die Steigungen hinauf und gingen bis über unsere Grenzen. Es ging vorbei an dem schönen Bad Gasteiner Wasserfall. In Böckstein angekommen, war ich mächtig stolz, dass wir ohne viel Training zum ersten Mal so eine anspruchsvolle Strecke zurückgelegt hatten.

Am Bahnhof von Böckstein kauften wir Fahrkarten für die 20 minütige Bahnfahrt durch die Tauernschleuse. Dies war der einzige Weg, den auch die Autofahrer nutzen mussten. Im Zug tüftelten Marie und ich schon an unserer nächsten Fahrradtour – 100 km allein zu Oma und Opa.

Radeln auf dem Wanderweg?

Auf der anderen Seite des Tauerngebirges in Mallnitz angekommen, fuhren wir dann acht km nur bergab. Das war unglaublich. Der Wind fegte uns um die Ohren und man musste sich so konzentrieren, dass man nicht von der Straße abkam oder zu schlingern begann.

Doch der Ausblick ins immer näher kommende Tal war atemberaubend, die Fahrt danach im Mölltal selbst auch. Irgendwann haben wir uns dann aber leider wieder verfahren. Das Alpe-Adria Schild wies uns zwar den Weg berghoch, aber die Strecke wurde immer unbefahrbarer bis uns oben jemand erklärte, dass dies nur ein Wanderweg wäre.

Also mussten wir die ganze Strecke wieder zurück fahren. Zum Mittag aßen wir Pommes mit Schnitzel und ich Palatschinken. Später machten wir Halt an einem wunderschönen klaren See. Das Baden darin machte Spaß.

Um 16:15 Uhr beschlossen wir, trotz der Gefahr, dass uns der Regen erwischen würde, weiter zufahren. Vor uns tauchten dunkle Wolken auf und ein unglaublich starker Gegenwind machte uns das Fahren schwer. In Spittal angekommen, bauten wir unsere Zelte auf und waren mit den heute zurück gelegten 64 km echt zufrieden. Der Donnergott über uns übrigens auch.

Zum Abendessen gab es Baguette mit Pesto und Knoblauch. Lecker. Der Campingplatz befand sich direkt an der Drau, einem Fluss, und war echt schön. Ich freue mich schon auf Morgen, trotz mancher kleinen Beschwerden.

Der schönste Abschnitt der Tour

Die ersten 30 km fuhren wir langsam, aber stetig bergan, immer weiter bis zur italienischen Grenze. Dort angekommen machten wir stolz unser Grenzfoto und freuten uns auf das dritte Land, was wir nun befahren würden.

Wir dachten eigentlich, dass wir heute nicht weit kommen würden, da Marie gestern sehr übel und sie noch immer recht schlapp war, doch da hatten wir uns mächtig geirrt. Nach einer unglaublich leckeren Gorgonzola-Pizza in Tarvisio entschloss sich Marie doch weiter zu fahren.

Wolken zogen auf und es wurde kühl. Von nun an ging es fast nur noch bergab und Marie ging es dadurch immer besser. Wir fuhren durch dunkle, kühle Tunnel, über super schöne Radwege und an kleinen Dörfern vorbei. Dann führte der Radweg bei Camporosso durch ein großes Holztor, mit elektronischem Zählwerk zum Ciclovia Alpe Adria und weiter über eine stillgelegte Bahnstrecke entlang der Fella , für die der Alpe Adria Radweg so gerühmt wird.

Es ging nur bergab und war traumhaft: Wir rauschten über ehemalige Bahnbrücken, durch immer neue Tunnel und die atemberaubende Natur der italienischen Alpen. Dies war die schönste Strecke der gesamten Radtour, das stand jetzt schon fest.

Naturdusche

Um 18.00 Uhr hatten wir ca. 70 km hinter uns. Um die Uhrzeit kamen wir an einem Wasserfall vorbei, den wir von der Brücke aus bestaunten.  Eine nette Truppe Radler riet uns, auf jeden Fall den steilen Hang hinab zu klettern und unter dem Wasserfall eine Abkühlung zu nehmen. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen.

Unten am Wasserfall war es wunderschön. Wir schlüpften in unsere Badesachen und nahmen eine Riesendusche. Es war ein Traum. Wir fühlten uns wie neu geboren und beschlossen, noch die 30 km bis zu dem Campingplatz in Gemona auf uns zu nehmen. Dies war der einzige Zeltplatz weit und breit, sogar der einzige bis zur Adria.

Die letzten 20 km mussten wir auf einer Bundesstraße fahren, doch es ging ganz gut. Der Zeltplatz in Gemona war sehr schön und das Gewitter über uns sorgte für eine erfrischende Nacht. So hatten wir, trotzdem es Marie anfangs sehr schlecht ging, am Tagesende doch ganze 103 km geschafft.

Zum Ende ein Märchen

Da wir nach 9 Tagen und 765 Kilometern bereits in Grado an der Adria waren, beschlossen wir, nicht gleich – wie eigentlich geplant – nach Venedig, sondern in die entgegengesetzte Richtung über Slowenien nach Kroatien weiter zu fahren.

Diese Entscheidung war goldrichtig, immer entlang an der blauen Adria. Nach ein paar Tagen fuhren wir zurück nach Triest und stiegen dort in den Zug nach Venedig. Die letzten vier Tage verbrachten wir in Venedig, dieser märchenhaften Stadt, bevor wir nach drei Wochen Urlaub mit dem Nachtzug wieder gen Heimat fuhren.

Insgesamt radelten wir 1065 Kilometer durch fünf Länder. Unglaublich! Und das alles auch noch ohne einen einzigen Platten! Auch wenn ich nicht immer Lust hatte weiter zufahren, motivierten wir uns gegenseitig und nahmen immer Rücksicht. Die Zeit verging leider viel zu schnell und ich freue mich schon riesig auf neue Touren.


5 Antworten auf Es ging bergab und es war traumhaft!

  1. Anonymous says:

    Hallo Clara, das klingt nach einer sehr interessanten, schönen und auch anstrengenden Reise. Herzlichen Glückwunsch zu den 1065 geradelten Kilometern. Bin auf Eure nächste Reise gespannt.

  2. Christina Jahn says:

    Super und noch ganz viel Spaß bei deinen weiteren Radtouren.

  3. Franzisks says:

    Hallo Clara,
    Toll, dass Du über Deine Tour geschrieben hast. Ich freu mich, hab ich den Bericht gefunden!
    Wir sind ja am selben Tal durchs Kanaltal gebraust. Auch ich fand diese Strecke über die riesigen Eisenbahnbrücken u durch die dunklen Tunnels besonders schön – und immer bergab… Wir kamen in einem richtigen Geschwindigkeitsrausch! Es war lustig, Euch nach Gemona noch 2x zu treffen! Liebe Grüsse von der Schweizer Familie auf dem 4-er-Fahrrad (ein Quad von Santana aus den USA)

    • Tina Jahn says:

      Toll, dass ihr euch gemeldet habt. Clara hat sich auch gefreut. So findet man sich also wieder. War denn eure Tour und der Urlaub danach noch schön? Bei uns lief ja alles bestens und so bleibt diese wunderbare Tour auch in bester Erinnerung. Clara und Marie planen in Gedanken schon ihre Touren, die sie irgendwann auch ohne uns Eltern unternehmen wollen. Die Begeisterung ist also tief verankert, was uns sehr freut. Liebe Grüße und noch eine schöne Vorweihnachtszeit. Thomas, Clara, Marie und Tina

  4. Heike says:

    hallo clara, ich habe auch vor mit dem fahrrad den alpe adria trail zu befahren. mit zelt und hund. nun habe ich gelesen, das mountainbiken auf vielen teilstrecken verboten ist und wildzelten sowieso?! wie sind da eure erfahrungen? vg heike

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *