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Er(rad)-fahrung: Radtour München – Köln

Fantastischer Blick mit Alpenpanorama. Alle Bilder: Marcus und AlexIch hatte es geschafft: das erste Staatsexamen meines Medizinstudiums bestanden! Nach vier Semestern kompletten Durchlernens brauchte ich erstmal Entspannung und zwar abseits von Schreibtisch und Büchern: ab zum Rhein!

Warum Voralpenregion und Rheinradweg?

Man kann halten, was man will von den Bayern, aber die Natur und die Alpen sind fantastisch und eignen sich hervorragend zum Radfahren! Der Rhein ist der größte innerdeutsche Fluss und zieht sich durch viele schöne, mir bis dato unbekannte Regionen Südwestdeutschlands.

Unsere Tour

Ende September 2014 machten wir uns zu zweit auf nach München, durchquerten Bayern und Baden-Württemberg in der Voralpenregion bis zum Bodensee und fuhren den Rhein gen Norden nach Köln. 1200 Kilometer in elf Tagen bei wunderschönen Herbstwetter und knackig-kalten Nächten.

Mir san anders

Ende September bestiegen wir gegen 23 Uhr einen Fernbus am Berliner ZOB, um über Nacht nach München zu gelangen. Der Fernverkehr hat, was den Fahrradtransport angeht noch sehr viele Schwachstellen… um nicht zu sagen, es ist ziemlich kompliziert per Rad irgendwo hin zu gelangen.

Wir entdeckten kurz zuvor, dass man als ADFC-Mitglied kostenlos und bequem das Rad mitnehmen kann. Ein knüppelvoller Bus und wir beide nebeneinandergequetscht. Und wer ist schuld? Der DIN-Mensch! Kann der nicht mal größer sein?! Sind ja nur 8,5 Stunden Fahrt! Immerhin mit WLAN an Bord…

Wir schaffen es sogar relativ viel zu schlafen und werden kurz vor München mit steifem Nacken wach. Bei Regen! Yippie! So wünsche ich mir meinen wohlverdienten Urlaub. Gegen acht Uhr erreichen wir das Ziel, satteln unsere holden Rösser und schieben uns durch die Highlights Münchens.

Ich war erst im April hier, Marcus kennt es noch nicht. Bonzig, spießig, konservativ könnte man meinen, aber hässlich ist was anderes. Muss man mal machen und den Lokalpatriotismus der Bayern kann ich auf eine gewisse Art nachvollziehen. Ist aber trotzdem nicht Berlin!

Beim Haupteingang des Oktoberfestes schieben wir uns ebenfalls vorbei, es duftet überall nach Brathähnchen und frischen Brezeln, obwohl es gerade einmal neun Uhr morgens ist! Das schreit nach Frühstück!

Die wilde Isar

Gegen elf Uhr, satt, zufrieden und noch trocken, radeln wir bei leichtem Regen die Isar entlang. Schöner Fluss, nach 20 Minuten sind wir bereits auf mutterseelenverlassenen Radwegen. Die Isar schlängelt sich durch waldbesetze Auen und wird immer wilder gen Süden. Das merkt man auch an den Höhenmetern. Es geht so langsam aufwärts!

Wir fahren knapp 70 km bis nach Bad Tölz und verabschieden uns von der schönen klaren Isar und biegen Richtung Westen auf den Königsee-Bodensee-Radweg ab. Dieser wird uns die nächsten Tage begleiten, die Alpengipfel immer am Horizont präsent. An diesem Tag schaffen wir es nur noch knapp 10 km bis hinter Bad Tölz und schlagen unser Zelte nach einer erfolglosen Suche an einem Weiher direkt an der Bundesstraße auf.

Die Hygiene wird wie immer großgeschrieben. Zähne zusammenbeißen und rein ins kühle Nass. Standardnudeln kochen und ab in die Schlafsäcke. Es ist arschkalt, aber wir haben eben schon fast Oktober. Vor der Tour haben wir uns extra-dicke Schlafsäcke zugelegt, Marcus einen Lamina und ich einen deuter-Exosphere.

Wenn auch nicht ganz günstig in der Anschaffung, werden wir in keiner Nacht frieren und das ist das Wichtigste an so einer Tour. Wir liegen nur knapp 500 Meter von der Bundesstraße entfernt und die Bayern wollen alle heim, zumindest fahren sie ziemlich laut. Schließlich hauen wir uns Ohropax rein, Äuglein zu und weg sind wir. Hoffentlich wird morgen besseres Wetter!

Rinderromantik, Wetterumbruch und Märchenschloss

Noch bevor die Augen aufgehen, höre ich ein sanftes prasseln. Nein, Marcus ist es nicht, der liegt noch regungslos neben mir. Es ist: tatarataaaaa: Regen! Was für eine tolle Überraschung. Wir beide können uns kaum halten vor Freude und schaffen es nur schwerlich welch Wunder  aus den Federn bzw. oder Säcken. Mit leichtem Nieselregen fahren wir die ersten 20 Tageskilometer an Kochel am See und Benediktbeuern vorbei. Es riecht nach Kuhdung und frischem Gras. Geruchstechnisch habe ich mir den Urlaub so ja schon mal vorgestellt.

Zum Mittag hin wird das Wetter mit einem Mal besser: die Wolkendecke reißt auf und die Sonne kommt durch. Dadurch klettert das Thermometer und unsere Laune nach oben! Hervorragend – so muss Urlaub! Unterwegs bimmelt und klingelt es, wir sehen zahlreiche knutschende mit Glöckchen behangene Rinder auf saftig grünen Alpenwiesen.

Der Weg ist wirklich wunderschön! Der schönste, den wir bisher gefahren sind, da sind wir uns einig. Es gibt zwar einiges zu klettern, aber bei diesem Panorama ist das nur halb so schlimm!

Durch viele kleine Dörfchen schaffen wir es heute bis nach Füssen, direkt hinter Hohenschwangau. Schon von weitem kann man das Märchenschloss sehen: Micky-Maus-Schloss Neuschwanstein. Wie viele Steuern da wohl eingeflossen sind…

Ich war hier schon einmal vor vielen Jahren. Marcus will es unbedingt sehen, aber auch nicht von unten. Nein, er muss natürlich nach oben! Ob es Stolz, Ehrgeiz oder kameradschaftliche Treue ist…ich ziehe nach kurzem Protest auch mit. Wir fahren die zwei km lange Rampe mit voller Gepäckbeladung bei 15 %-Steigung den Berg zum Schloss hinauf. Wir überholen im 1. Gang Hunderte von Touristen, die uns entgeistert angucken.

Man kann es ihnen nicht verdenken, ist ja auch eine bescheuerte Idee! Völlig fertig kommen wir nach 20 Minuten oben an. Das Schloss ist ziemlich kitschig, der Blick einfach wundervoll. Der Sonnenuntergang naht und von weitem sehen wir schon einen großen See, der wohl unser Nachtquartier-Einzugsgebiet wird.

Nach Fotoaction und Schokoladenpause lassen wir’s rollen. Das geht schon etwas schneller als aufwärts! Enthusiastisch und gepuscht durch den Geschwindigkeitsrausch steuern wir den Forggensee an und können unser Abendbrot in den letzten Sonnenminuten bei einem viel zu perfektem  Sonnenuntergang genießen!

Von einem üblen Dialekt zum nächsten…

Wir haben Glück: heute kein prasselndes Geräusch! Die Sonne lacht uns an und wir beginnen schon sehr früh unsere Tagesetappe. Heute wollen wir es noch bis zum Bodensee schaffen. Ich kann es nur wiederholen: Der Weg ist wirklich wunder-wunder-wunderschön!!! Sehr zu empfehlen.

Die Alpen werden langsam flacher und wir bereuen ein wenig, dass wir keine Alpen-Rundtour machen. Den finanziellen Wohlstand merkt man der Region hier auch auf zwei Rädern an: wir hören beim Überholen anderer Fahrradfahrer zumeist ältere Herrschaften  ziemlich oft ein leichtes Surren. Wenn es nicht die Herzschrittmacher-Batterie ist, scheint es wohl der E-Bike-Motor zu sein.

Was uns anfangs noch kaltlässt, deprimiert uns schon kurze Zeit später, als Omma vom Einkaufen mit E-Bike den Berg lässig hochsprintet, den wir uns mit Muskelkraft und Atemnot mühevoll hinaufgekämpft haben! Dabei ruft sie uns noch ganz lässig ein „Grüß Gott“ zu. Ziemlich dreist!

Wir schaffen es tatsächlich bis Lindau am Bodensee und haben damit Bayern den Rücken gekehrt. Beim Fragen nach dem nächsten Supermarkt, hören wir es sogar heraus: ich denke Joachim Löw steht vor mir. Das Schwäbische ist ja bekanntlich ziemliche Geschmackssache…

Schon wieder gibt’s es einen perfekten Sonnenuntergang. Heute am Bodensee, und man: der ist aber wirklich groß!

Von Apfeldieben und Mundraub

Der nächste Tag beginnt ziemlich bewölkt und kalt. Zumindest denken wir das. Das ist nur Hochnebel, der sich nicht verziehen will. Erst zum frühen Nachmittag blitzt die Sonne durch. Bis dahin haben wir den Bodensee schon umrundet und mit der Fähre nach Konstanz übergesetzt. Tolle Städte hier, man merkt die Historie den Orten wirklich an. Aber auch alles ziemlich bonzig. Fette Villen mit Mercedes, BMW, Porsche und Co.

Alles gut eingebettet von Obstplantagen. Wir probieren mal die hiesigen Sorten, die wahrscheinlich bei uns in ein paar Wochen im Supermarkt landen. Natürlich übertreiben wir es nicht: mehr als fünf Äpfel am Tag sind ja auch nicht gesund. Deswegen essen wir ja auch mal eine Pflaume oder ein paar Weintrauben zwischendurch. Was uns eben so zwischen die Zähne kommt! Notiz an mich: in unreife Quitten beißt man nicht einfach so rein!!!

Bei der Fährfahrt hat man auch die Wahl: die schöne Touri-Fähre für ein Vielfaches des Preises und nervigen dicken Rentnern oder die schmalpreisige Autofähre mit anderen Radlern. Für was werden wir uns wohl entscheiden?

Konstanz ist auch echt schön, aber viel zu voll, wir wollen radeln und ziehen nach einer ganz kurzen Stadtrunde durch. Da sehen wir schon unsere neue Mami der nächsten anderthalb Wochen: den Rhein. Hier ist er noch ganz niedlich, aber der wächst bestimmt noch. Wir fahren anfangs noch südlich davon, verlassen damit Deutschland und sind schon in der Schweiz. Ab sofort wird es ein ständiges hin und her zwischen den Grenzen.

Absolute Highlights folgen hier: Stein am Rhein! Boah! Sowas habe ich noch nie gesehen! Eine so authentisch mittelalterliche Stadt, ohne großen Pomp und Kitsch. Man merkt, dass die Schweiz in den Weltkriegen neutral war. Hier ist noch alles unzerstört und urtümlich. Einfach nur toll!

Wir erreichen zum späten Nachmittag noch den Rheinfall. Der ist wirklich kein Reinfall! Sehr sehenswert. Riesige Wassermassen spritzen uns auch aus großer Entfernung noch voll und wir müssen uns anschreien, um den Lärm zu übertönen.

So langsam dämmert es und neben dem Rhein gibt es die nächsten 20 km nur Steilküste und keine Chance zum  Campen. Unser Wasser ist leer und wir fragen an einem Golfplatz nach neuem. Der Golf-Typi ist nett, in unserem Alter und nach einem kurzem Impuls fragen wir, ob wir vielleicht hier campen können, auf dem perfekt gemähten Rasen zwischen den Apfelbäumen. Er muss noch die Zustimmung vom Papa holen: Jaja, hier in der Schweiz herrscht eben noch Respekt und Anstand. Wir dürfen. Und on the top schließt er uns sogar noch die Sanitäranlagen für die Golfgäste auf. Ein Traum! Wieder einmal warmes Wasser zum Waschen. Nach so einem tollen Tag fallen die Augen von ganz alleine zu.

Grüetzi und ade

Der nächste Tag beginnt wie im Horrorfilm: obwohl es schon acht Uhr ist, ist es noch stockfinster! Überall liegen dichte Nebelbänke, die Luft ist extrem feucht und es ist ziemlich kühl. Wir müssen unsere Lichter einschalten, und ziehen sogar die Warnwesten an, da die Sichtweite geringer als 50 Meter ist. Erst nach knapp drei Stunden lichtet sich der Nebel so langsam und die volle Kraft der Sonne dringt durch.

Das Zelt ist pitschnass und wir müssen es trocken. Um abends mehr Zeit zu sparen die Tage im Oktober sind schon kürzer  haben wir uns angewöhnt, immer mittags warm zu kochen. Heute nutzen wir die Zeit einmal effektiv und trocknen sämtliches Zeug an einem langen Geländer.

Das erregt natürlich die Aufmerksamkeit vorbeiziehender, sehr redseliger Passanten. Das ist ja an sich in Ordnung….aber nach dem fünften, der uns anspricht, hab ich die Schnauze voll. Ich will hier in Ruhe Pause machen. Ich habe Urlaub. Da muss mir nicht jeder seine Lebensgeschichte aufdrücken! Während Marcus offensichtlich nicht genervt… ich kenne ihn aber besser  noch in Ruhe die gleichen Fragen zum fünften Mal beantwortet, habe ich meinen genervten BVG-Blick aufgesetzt und schallte auf Ignoranz. Müssen die ja nicht persönlich nehmen! Mir auch egal. Da kommt der Berliner in mir durch!

An diesem Tag schaffen wir es bis kurz hinter Basel. Zu Basel gibt es nicht viel zu sagen: hässlich, Großstadt, finito. Zumindest, was wir davon gesehen haben. Wir sagen Ade zur Schweiz und Grüetzi Deutschland bzw. Bonjour Frankreich! Wir sind hier genau am Dreiländereck!

Langeweile soweit das Auge reicht…

Es folgt die größte Fehlentscheidung der Tour: wir bleiben dem Rhein treu. Nach Basel hat dieser einen Knick gen Norden gemacht und zieht sich an der Baden-Württembergischen Westgrenze empor.

Es ist so langweilig. Dieser Text kann das wirklich nicht ausdrücken! 200 km fahren wir nur geradeaus. Links von uns der Rhein, überall Flachland, rechts ein kleiner Deich, ab und an ein Schwan, eine Ente oder ein Fischreiher. Und es bleibt wirklich so: für 200 km!!! Jeder, der dieser Tour nacheifern will, empfehlen wir: umfahrt dieses Stück. Es passiert wirklich nichts Spannendes.

Einziges Highlight auf dieser Strecke ist Straßburg. Es fällt uns nicht schwer nach Frankreich hinüberzuziehen und diese Stadt mitzunehmen. Wenigstens das hat sich gelohnt. Ich erinnere mich hier an  „die Schöne und das Biest“, eine eingebrannte Fernseherinnerung an die alte Videokassette meiner großen Schwester, die ich mir durch langjährige körperliche Benachteiligung öfter anschauen durfte. Toll hier, schön sich dieses Elsass!

Wieder zurück auf dem langweiligen Weg sind wir mehrere Tage so unterwegs. Später auf der Tour werden wir feststellen, dass es einen Weg vom Bodensee nach Heidelberg durch den schönen Schwarzwald gibt. Da haben wir uns nicht nur einmal drüber geärgert! Aber: c’est la vie!

Wir fahren bis nach Speyer den Rhein hoch, um völlig angekotzt von diesem langweiligen Fluss, uns anders durchschlagen zu wollen. Vielleicht sogar direkt nach Berlin quer durch Deutschland. Erst einmal biegen wir nach Osten ab und machen einen Umweg bis nach Heidelberg. Schöne Studentenstadt! Das hat sich wirklich gelohnt! Hier komme ich nochmal hin!

On the road again

In Heidelberg angekommen informieren wir uns nochmal über den Rheinradweg und stellen fest, welche Überraschung, dass der deutlich schönste Teil noch vor uns liegt. Wir überschlafen die Sache noch eine Nacht in Heidelberg und entscheiden am nächsten Morgen wieder zurückzufahren. Südlich von Mannheim treffen wir wieder auf unseren Weg.

Westlich vom Rhein sind wir jetzt schon im Rheinland angekommen. Die Rheinländer Fröhlichkeit merkt man überall und dieses Völkchen ist uns auf Anhieb sympathisch. Da sich der Fluss jetzt deutlich mehr schlängelt und mäandert, ist das Radfahren schon gar nicht mehr langweilig. Wir fahren in den nächsten Tagen durch das mittelalterliche Worms und weiter bis nach Mainz. Mir war bis dato gar nicht bewusst, das Wiesbaden genau auf der anderen Flussseite von Mainz liegt. Falls also mal eine Farbe beim Pubquiz kommt…

Mainz finden wir beide toll. Es ist genau der 3. Oktober und damit gibt es hier in der Stadt einige Umzüge und Straßenfeste. Wir genehmigen uns einen Schluck Wein und ein Eis aus rheinländisch-italienischer Co-Produktion und schauen uns in Ruhe die Stadt an. Hier spätestens haben wir die langweilige Etappe längst vergessen.

Ab jetzt wird die Strecke immer schöner! Diese führt uns z.T. direkt durch Weinberge, der Rhein ist jetzt gesäumt von leichten Hängen mit zahlreichen Burgen. Das Nächtigen ist hier auch gar kein Problem. Wir finden immer und überall schnell einen Platz für unser Zelt. Für das Waschen reicht meist die Katzenwäsche mit Leitungswasser. In dieser Region genehmigen wir uns öfter Restaurant-Besuche und schlemmen mit der guten Küche der Rheinländer.

Hinter Oberwesel macht der Rhein die typisch malerische Biegung mit einem deutschen Nationaldenkmal, der Loreley. Schöner Felsen…aber warum muss hier wieder alles vermarktet werden? Viele Touristenverarschungsprogramme! Ein Campingplatz direkt davor! Herzlichen Glückwunsch: das ist wirklich deutsches Kulturgut!

Der Weg soll hier gar nicht enden, es passt einfach alles: das Wetter ist toll, wir haben echt Spaß und die Strecke ist fantastisch. So erreichen wir am späten Nachmittag noch Koblenz. Auch eine schöne Stadt. In meiner Vorstellung war Koblenz immer hässlich, keine Ahnung warum. Hier ist das Deutsche Eck, hier mündet die Mosel in den Rhein und ein riesiges Reiterdenkmal aus Kaiserzeiten ragt an dieser Stelle empor.

An diesem Tag buchen wir unseren Fernbus zurück von Köln nach Berlin. Wir müssen so langsam wieder abreisen, da das neue Semester wieder startet. Theoretisch würden wir es von hier nach Köln in einem Tag schaffen. Da aber der Fernbuspreis für morgen Abend fast das Doppelte ist und wir unseren Urlaub mit Entspannung ausklingen lassen wollen, buchen wir erst für übermorgen.

Entspannung für echte Kerle

Wir suchen uns zur Übernachtung eine nette Wiese direkt am Rhein etwas außerhalb von Koblenz und fahren am nächsten Morgen ein Stück zurück und dann Richtung Osten das Flüsschen Lahn entlang. Nach 15 km haben wir unser Tagesziel erreicht. Wir sind echte Männer also was machen wir: ab zum Wellness in die Therme! Wir nutzen das Sauna- und Badeangebot für drei Stunden und gönnen unserem Körper mal eine Ruhepause! Das tut wirklich gut.

Gegen Mittag besteigen wir frisch und voller Elan die holden Rösser und fahren zurück auf unsere Strecke und dann Richtung Bonn weiter nördlich. Wir fahren super gemütlich, überqueren die Grenze Nordrhein-Westfalens, machen viele Pausen und genießen jeden Kilometer. Mit dem Wissen, dass es unsere letzte Nacht auf unserer Tour wird, zelebrieren wir diese noch einmal richtig: ich vermisse es jetzt schon, das Zelt nicht mehr auf- und abbauen zu dürfen. Wir suchen uns einen schönen Platz und schlagen ein letztes Mal unser Lager auf.

Alles hat ein Ende…

Das Wetter schlägt schon langsam um. Ab morgen soll es richtig ungemütlich werden. Soll es ruhig. Wie reisen die Nacht sowieso ab! Danke Wettergott für fast durchgehend schönes Wetter! Wir radeln ganz gemütlich durch Bonn, an vielen Regierungsgebäuden vorbei, schieben uns durch die Innenstadt und ziehen auf der letzten Etappe bis nach Köln durch. Schon von Weitem erkennen wir den Kölner Dom. Gegen Mittag haben wir es geschafft, wir haben unser Tourenziel erreicht!

Wir schauen uns Köln ganz in Ruhe an. Für eine Großstadt schon ganz nett, sollte man mal gesehen haben. Auch den Kölner Dom nehmen wir mit. Als Atheisten haben wir so unsere Probleme, dass draußen vor der Tür ein halbes Dutzend Bettler sitzen, im Eingang der Kirche pompös gekleidete Mönche um Spenden für den Aufbau der Kirche bitten und am Ende des Kirchenschiffs ein Schrein aus purem Gold lagert. So stelle ich mir nicht gerade gerechte Verteilung vor! Das hat doch nichts mehr mit Religion und Glauben zu tun!

An der Hohenzollernbrücke, die mit Schlössern zugepflastert ist, verewigen wir uns mangels eines passenden Schlosses leider nicht. Obwohl das als Zeichen tiefer Freundschaft sicherlich ganz passend wäre. Aber unsere Fahrradschlösser brauchen wir noch! Wir gehen noch was Schönes Essen, setzen uns in einen Park, lesen mal wieder ein Buch und trinken zum Abschluss der Reise noch ein Kölsch! Naja…Geschmackssache würde ich behaupten.

Gegen Null Uhr besteigen wir wieder unseren Fernbus. Unser Busfahrer ist eine Kölner Frohnatur und unterhält uns die ganze Fahrt über, sodass durchgehendes Schlafen ein Wunschtraum bleibt. An jedem Halt sorgt er durch lauten Schlager dafür, dass jeder Passagier wach wird und den richtigen Ausstieg nimmt. Sehr nett von ihm!

Frühmorgens kommen wir in Berlin an: es war eine tolle Tour und wir hatten viel Spaß zusammen. Nach der Verabschiedung verschwinden wir beide in die S-Bahn und gleiten zurück in die Anonymität der Großstadt. Ich schaue mich auf dem Weg nach Hause in der Bahn um und frage mich, was die anderen Mitfahrer hier wohl gerade alles erlebt haben…

Fazit

Saustarke Tour: 1200 km in elf Tagen, bei überwiegend tollem Wetter, mit kalten Nächten, netten Begegnungen, vielen neuen Erlebnissen und Erfahrungen  im wahrsten Sinne des Wortes! Ich habe neue Kraft getankt für das kommende Semester und den deprimierenden deutschen Winter.

Erkenntnisse der Tour: Campingplätze braucht man nicht! Unreife Quitten isst man nicht! Die Westgrenze Baden-Württembergs umfährt man lieber! Radfahren macht bei Sonne mehr Spaß!

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