Reiseberichte » Europa  » Bulgarien

Bulgariens Norden: Bizarres Belogradschik

HansBulgarienWie kommt man auf die Idee nach Bulgarien zu fahren? Wurde Hans gefragt, als er von seinem Vorhaben berichtete. Und die Antwort war ganz einfach: Wenn man nicht Pauschaltourist ist und sich als „Brathähnchen“ am Schwarzmeerstrand rösten möchte.

Ganz einfach – man ist vom Klettervirus seit Jahren befallen und sucht immer aufs Neue nach noch nicht bekannten Klettergebieten. Belogradschik bietet sich da geradezu an, da es noch relatives Neuland ist und sehr interessante Klettereien an einzeln stehenden Nadeln aus Konglomerat („senkrecht stehender Kartoffelacker“ – nicht ganz geologisch einwandfrei 😉 bietet. Genau das Richtige für einen „Sachsenkletterer“ wie mich.

Klettergeraffel und Anreise

Also mit 7 weiteren Bergfreunden zusammengetan und Abfahrt. 5 von 8 fuhren tatsächlich die gesamte Strecke von Berlin bis Bulgarien, über Tschechei, Slowakei, Ungarn, Rumänien – eine Strecke von 1800km – eine Möglichkeit der Anreise. Wir restlichen drei wählten den bequemen Weg per Flugzeug nach Sofia und von dort ca. 200km nach Norden. Das ist die schnellere Methode, allerdings muß man sich beim Gepäck sichtlich einschränken.

Gut wenn die anderen dann schon mal das ganze „Klettergeraffel inklusive Erstbegehungsausrüstung, wie Bohrmaschine und Bohrhaken, Hammer etc. mitnehmen – Danke nochmal an dieser Stelle Freunde!

Tipps und Hochzeiten

In Belogradschik angekommen erwartete uns eine gemütliche Pension Namens „Geto“ – ja die heißt wirklich so, da direkt hinter dem Haus das Sinti & Roma Viertel beginnt. Ich empfehle eine „Zigeunerhochzeit“ mitzuerleben – ein Erlebnis der besonderen und lauten Art. Ansonsten bot die Unterkunft einfachen aber sauberen Standard.

Zum Kennelernen des Gebietes empfielt es sich:

Einen guten Kletterführer – Paules Kletterbibel – Belogradschik Auflage 2 – 2012 oder auch Ausdruck von Jörg Brutschers Einträgen, zu finden, welche durch ihre Routen Bewertungen sehr hilfreich sind.

Ein GPS-Gerät zum Auffinden der Felsen sein Eigen zu nennen.

Außerdem sollte man einen guten Helm, gut sortiertes Schlingen & Friendset, sowie eine Drahtbürste – zum Entfernen der Flechten besitzen.  Kann man auch sehr preisgünstig vor Ort besorgen.

Historische Festung und demente Affen

Nun kann es losgehen. Wir begannen mit dem etwas abgelegen „Boritsch“, eine Festung von Felsen, ca. zweimal so groß wie der sächsische Falkenstein. Der „historische Aufstieg“ ist mehr eine Höhelbefahrung, als Kletterei, aber sehr unterhaltsam. Als nächstes war die „Jungfer“ dran, welche wir über den AW (Alten Weg) Schwierigkeitgrad V (UIAA). Hier konnten wir die zweite Begehung nach Klaus Paul (der Kletterführerautor) verbuchen.

Nächsten Tag im Belogradschiker Gebiet geblieben. Hohe Wand über Südwand, eine sehr schöne 2SL Tour im Vten Grad bestiegen. Danach den „Gassenjungen“ den „Gassenhauer VIIa bestiegen – ein Sternchenweg per excellenz. Anschließend den „Vergessslichen Affen“ über  die „leichte Demenz“ V bestiegen und die sehr schwere boulderlastige Route „Palatschinkis Borowinki“ VIIc auf den Bobi gemacht.

Viele weitere schöne Touren folgten, erwähnen will ich nur folgende: Riese – Riesenpfad VIIa – eine wahnsinnig schöne Sternchentour 3SL lang und durchgängig schwer,  „Großer Klaus“ –AW VI – eine bestabgesicherten Routen des Gebietes an einem wahnwitzigen Felsen, der allen Gesetzen der Schwerkraft zu trotzen scheint.

 Erster – we are the champions

Auch unsere Erstbegehungsausrüstung hatten wir nicht umsonst mitgenommen, wir konnten drei kleine, aber feine Gipfel lokalsieren, einrichten und auch noch eine weitere Erstbegehung hinzufügen. Die drei heißen, „Bovist“, „Doppeltes Lottchen“ und „Champignion“ – wo mir die Erstbegehung „ we are the champignions“ VI(VIIc) gelang. Alle Begehungen wurden klassisch von unten vorgenommen. Wer weiterführendes Interesse hat, sollte unter: Sandsteinklettern nachsehen.

Drei von uns besuchten noch das ca. 120 Kilometer entfernte Klettergebiet – Vratza, Infos dazu gibt unter Stadler-Markus, wo man von der Einseillängentour bis zu gewaltigen Wänden alles machen kann, inklusive diverser Höhlenbefahrungen, für welche man sich aber unbedingt einen ortskundigen Führer nehmen sollte, wenn man das Tageslicht wieder sehen möchte 😉

Also hinfahren und Spaß haben außerhalb des Klettermainstreams!


Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *