030 322966-100 Webshop
030 322966-200 Laden

0 Artikel
0,00 €
Reiseberichte » Europa » Island

Sonne, Eis und Meer – ein unvergessliches Winterabenteuer auf Island

Island, Januar 2015.Vier Berliner unterwegs im ewigen Eis. 3000km entfernt von unserer Heimat erlebten wir eine andere Welt mit unendlichen Gletschern, gewaltigen Wasserfällen, heißen Quellen und schimmernden Nordlichtern. Island beweist sich als Wintergeheimtipp für Abenteuerlustige und Naturliebhaber.

Bestens Vorbereitet starteten wir zu unserem fünftägige Winterabenteuer nach Island. Neben der kompletten Wintermontur hatten wir Zelte, Campingkocher, Steigeisen, Eispickel, Seile und Schneeschaufel mit im Gepäck. Nach knapp vier Stunden Flugzeiten landeten wir in Reykjavik, die Hauptstadt des Inselstaates. Ein eisiger Wind und kalter Schnee blies uns direkt zur Begrüßung ins Gesicht. Herzlich Willkommen im Winterparadies Island.

Im Winter ist Camping so gut wie überall möglich

Im Winter ist Camping so gut wie überall möglich

Glatte Straßen

Direkt am Flughafen nahmen wir unseren Mietwagen, einen Toyota VX Landcruiser, entgegen. Gezielt wählten wir einen Geländewagen aus, um auch abseits der Hauptroute, die die Insel ringförmig umrundet, unterwegs sein zu können. Dies erwies sich auf den verschneiten und teils spiegelglatten Straßen als äußerst hilfreich. Trotzdem blieb es auch uns nicht erspart, bereits beim ersten Verlassen der Hauptstraße im nächtlichen Tiefschnee stecken zu bleiben. Glücklicherweise waren Einheimische uns dabei behilflich das Auto wieder aus dem Schnee zu ziehen, allein hätten wir das nicht mehr geschafft. Im Laufe der Reise ist uns klar geworden, dass im isländischen Winter scheinbar dazu gehört, mit dem Auto im Schnee stecken zu bleiben, von der Straße abzukommen oder ins Rutschen zu geraten. Nahezu täglich sahen wir Autos am Straßenrand und halfen ihnen wieder zurück auf die Straße. Im Vergleich zu den Einheimischen waren wir mit Schneeschaufel, Seil und Eispickel bestens dafür gerüstet. Nun jedoch zu unseren Erlebnissen abseits der Straße.

Zurück auf die Straße- die eisigen Straßenverhältnisse sind teils unberechenbar

Zurück auf die Straße- die eisigen Straßenverhältnisse sind teils unberechenbar

Lavahöhle für Jedermann

Direkt vom Flughafen aus steuerten wir die Lavahöhle Leidarendi nahe Reykjavík an. Im nächtlichen Schneesturm war es nahezu unmöglich den Einstieg zur Höhle zu finden. Dem Zufall sei Dank, erkannten wir am Straßenrand noch ein paar Taschenlampenlichter – eine Gruppe Abenteuerhungrige die gerade aus der Höhle kam. Sie wiesen uns schließlich den Weg zum Einstieg. Die Höhle selbst war unerwartet groß und ohne Schwierigkeiten zu bewältigen – nicht gerade spektakulär, jedoch ein schöner Beginn für unsere Islandreise.

Der Einstieg zur Lavahöhle ist im Tiefschnee nur schwer zu finden

Der Einstieg zur Lavahöhle ist im Tiefschnee nur schwer zu finden


Brodelnde Geysire und eisige Wasserfälle

In den folgenden Tagen besuchten wir einige der “Klassiker” im Süden der Insel. Angefangen mit der spektakulären Wasserfontäne des Großen Geysirs, der namensgebend für diese Art von geothermalen Quellen ist sowie den Geysir Strokkur, der in regelmäßigen Abständen von etwa 10 Minuten ausbricht und eine bis zu 30 Meter hohe Wassersäule in die Luft schleudert. Wer da nicht aufpasst und schnell genug von der Kratarabsperrung zurück tritt, bekommt schon mal eine nasse Briese von oben ab. Bei eisigen Wintertemperaturen ist dies jedoch kein Problem, weil das Wasser in sekundenschnelle zu Eis gefriert und die Kleidung nur steif werden lässt.

Staunen an Geysir Strokkur –alle 10 Minuten schießt das Wasser bis zu 30 Meter in die Höhe

Staunen an Geysir Strokkur –alle 10 Minuten schießt das Wasser bis zu 30 Meter in die Höhe

Als weitere Attraktion bestaunten wir die teils mit Schnee und Eis bedeckten Wasserfälle Gulfoss, Skógafoss, Seljalandsfoss und Svartifoss, wobei der letztgenannte uns einen super Spot für eine nächtliche Abseilaktion bot. Wir seilten uns 20 Meter herab an den Basaltsäulen, die wie Orgelpfeifen von der Felskante des Svartifoss hängen und am Rande mit meterlangen Eiszapfen geschmückt waren. Unsere Abseilstrecke endete im Flussbecken, das im Winter zu einem Trichter aus Eis geformt ist, in dem die Wassermengen hinein stürzen.

Der Svartifoss liegt in kurzer Entfernung zum Camping in Skaftafell am Vatnajökull-Nationalpark. Im Gegensatz zu den anderen Campingplätzen in der Region hat dieser auch im Winter geöffnet. Gegen eine kleine Gebühr ist es möglich hier sein Zelt aufzubauen und die Sanitäranlagen zu nutzen. An der Rezeption erhielten wir zudem aktuelle Informationen zu den Gletschern im Vatnajökull National Park. Wir nährten uns dem absoluten Highlight der Tour.

20 Meter abseilen am vereisten Skaftafell

20 Meter abseilen am vereisten Skaftafell

Seilrutsche in der Gletscherwelt

Der Vatnajökull ist flächenmäßig größte Gletscher der Welt außerhalb der Arktis mit einer Eisdicke bis zu 950m. Wir waren zu tiefst beeindruckt vom Anblick dieser gewaltigen Eismassen. Im Sommer ist der Gletscher zumeist von einer Ascheschicht bedeckt, nun im Winter leuchtete er jedoch bis ins türkisblaue. Mit Steigeisen, Eispickel und Seil bewegten wir uns über das Eis, rutschten die gewaltigen Gletscherzungen hinunter und bauten uns Seilbrücken von einer Spalte zur Nächsten.

Begeistert vom Eis fuhren wir noch in der Nacht nach Jökulsárlón, den größten und bekanntesten Gletschersee Islands. Er ist bekannt für die auf ihm treibenden Eisberge, die eine Höhe von bis zu 15 Meter erreichen. In der Nacht blieb uns der Blick darauf jedoch verschlossen. Trotz unserer leuchtstarken Taschenlampen konnten wir kein Treibeis drauf erkennen. Sicherlich war es auch nicht die beste Idee im Dunkeln hier her zu fahren. Umso größer war die Vorfreude auf den nächsten Tag, wo wir noch einmal eine Gletschertour absolvierten.

Von Spalte zu Spalte - Seilbrücke am Vatnajökul, der flächenmäßig größte Gletscher der Welt

Von Spalte zu Spalte – Seilbrücke am Vatnajökul, der flächenmäßig größte Gletscher der Welt

Starkwinde am Meer

Vom Vatnajökull fuhren wir schließlich weiter nach Dyrholaey, den südlichsten Punkt der Insel nahe der Ortschaft Vik. Warme und winddichte Kleidung sind hier Pflicht. Solch starke Winde hatte bisher noch keiner von uns erlebt. Vom Parkplatz aus liefen wir zunächst Richtung Leuchtturm und dann die Steilküste entlang bis zum Ausblick auf dem “Türhügelinsel” – ein großer Felsbogen mit einem von Wellen geformter Felsdurchbruch im Meer. Unterhalb des Cliffs schwappten die Wellen dem schwarzen Lavastrand entgegen.

Starke Winde und große Wellen am Dyrholaey, den südlichsten Punkt der Hauptinsel

Starke Winde und große Wellen am Dyrholaey, den südlichsten Punkt der Hauptinsel

Iglubau an heißen Quellen

Zum Abschluss jener Islandreise durfte ein Bad in heißen Quellen nicht fehlen. Wir entschieden für die natürliche belassene Badestelle im Reykjadalur oberhalb von Hveragerð.

Die mit Holzstegen und Kleiderständern ausgebaute Badestelle ist nach einem zweistündigen Fußmarsch vom Parkplatz aus gut zu erreichen. Das ablegen sämtlicher Kleiderschichten kostete uns zunächst reichlich Überwindung. Die Außentemperaturen rund um den Gefrierpunkt sorgten schnell für Gänsehaut und blaue Lippen. Das heiße Wasser brannte zunächst auf unserer Haut, als wir uns mit unseren durchgefrorenen Körpern hinein lagen. Wir hatten die Badestelle fast für uns alleine und im Laufe des Abends stießen nur zwei weitere kleine Gruppen hinzu. Wir kochten unser Abendbrot vom Wasser aus und genossen die Atmosphäre. Die Nacht wollten wir hier oben in einem Iglu verbringen. Mit Schneeschaufeln und Schneesägen machten wir uns an die schweißtreibende Arbeit. Schwache Nordlichter begleiteten unser Bauvorhaben. Nach mehr als vier Stunden Schneesägen, Schneeschaufeln und Schneeklötzer stapeln, brachen wir das Projekt jedoch ab, weil es uns nicht gelang das Dach des Iglus zu schließen. Der Schnee war zu weich, die Konstruktion zu instabil – uns fehlte schlichtweg die Erfahrung im Iglubau. So traten wir schließlich den Rückweg an. Der nun aufkommende Schnee hätte für unsere ungeschützten Daunenschlafsäcke das Ende bedeutet. So verbrachten wir auch unsere letzte Nacht im Zelt.

Iglubau mit Nordlichtern

Iglubau mit Nordlichtern

Zwischen zwei Kontinenten

Am Abreisetag stand als letztes Ziel noch Thingvellir auf dem Plan. Der Ort gehört gemeinsam mit dem Wasserfall Gullfoss und den Geysiren des Haukadalur zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Islands, dem sogenannten Golden Circle. Der Nationalpark Thingvellir ist gekennzeichnet durch die Allmännerschlucht, eine kilometerlange, nicht heilende Wunde die sich durch die Landschaft zieht. Jahr für Jahr driften hier die eurasische und die nordamerikanische Platte einige Zentimeter weiter auseinander und vergrößern die klaffende Schlucht. Vom Felsen über der Allmännerschlucht reicht der Blick über weite Teile des ersten isländischen Nationalparks Thingvellir sowie den Thingvallavatn, der größte See des Landes. An keinem Ort zuvor trafen wir auf so viele Touristen wie hier. Die meiste Zeit der Reise waren wir allein unterwegs gewesen. Die Kulisse ist sicherlich schön, jedoch empfanden wir es als zu voll, um die Natur richtig genießen zu können. Einzig eine Tauchtour im glasklaren Wasser der Silfra-Spalte, die als Tauchspot bekannt ist, wär für uns eine verlockende Aktion gewesen, so kurzfristig war dies jedoch nicht mehr zu realisieren. Nach einem kurzen Aufenthalt stiegen wir somit wieder ins Auto und fuhren durch den einsetzenden Schneefall zum Flughafen.

Auf dem Weg zum Nationalparks Thingvellir, vorbei am Thingvallavatn, den größten See des Landes

Auf dem Weg zum Nationalparks Thingvellir, vorbei am Thingvallavatn, den größten See des Landes

Winterkulisse mit funkelnden Polarlichtern

Vom Schnee blieben wir die Tage zuvor weites gehend verschont. In Vorbereitung auf die Tour hatten wir viele Berichte über das schlechte Wetter Islands gehört und gelesen. Wir hatten jedoch Glück und erlebten den Winter als eine ganz besondere Reisezeit mit kontrastreichen Bildern von klirrendem Eis und Schnee neben heißem Lava- und Schwefeldampf sowie angenehm warmen Quellen. Die längste Zeit über wurden wir vom Sonnenschein begleitet und konnten allabendlich funkelnde Polarlichter am Himmel bewundern.

Ein echter Genuss: Polarlichter versüßen das Autofahren

Ein echter Genuss: Polarlichter versüßen das Autofahren

Die Reise und Erlebnisse machten Lust auf mehr. Wir wollen auf jeden Fall nochmal wieder kommen, mal schauen, ob dann vielleicht auch mal im Sommer.

Winterparadies Lava- und Schwefeldampf im Schnee und Eis

Winterparadies Lava- und Schwefeldampf im Schnee und Eis

Text Sina Burmeister

Bild Ronny Horning & Sina Burmeister

.


Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

 

X