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Canyoning – ein wahres Naturerlebnis

Ab in die TiefeDas ist kein gewöhnlicher Reisebericht und vielleicht passt er auch nicht ganz zu uns vom CAMP4. Aber dennoch würde ich dieses Abenteuer gerne als eine Art Erlebnisbericht veröffentlichen. Für Chris Lemke änderte die erste Canyoning Tour sein ganzes Leben: Er verließ seine Arbeit am Schreibtisch, um sich von nun an als Canyoning Guide durchs Leben zu hangeln. Aber lest selbst:

Als ich für den Trip zugesagt hatte, wusste ich nicht wirklich, was mich erwartete. Der Headguide Joe begrüßte mich am Treffpunkt mit einem breiten Grinsen als er hörte, dass ich noch nie in besagter Kobelache gewesen war.  Zwar war ich schon einige Jahre als Canyoningguide (Schluchtenführer) tätig, bisher hatte ich die spektakulärsten Schluchten im Tessin vermutet, wo ich mich auch schon etwas auskannte. Jedenfalls war ich gespannt auf die Tour.

Kurz zur Geschichte

Auf einem Outdoor Wochenende in Tirol hatte ich 2006 meine Leidenschaft für das Canyoning entdeckt. Wir waren auf einem klassischen „Männerwochenende“ in Haiming und soweit war auch alles erwartungsgemäß vergelaufen. Aber bereits der erste Abseiler der Einsteiger-Canyoningtour hatte mich so sehr beeindruckt, dass ich aus dem Grübeln nicht mehr herausgekommen bin.

War mein Schreibtischjob wirklich das Richtige für mich, oder sollte ich nicht viel eher in einem Neoprenanzug in den Gebirgsbächen der Alpen unterwegs sein? Nach einigen Wochen des Nachdenkens war für mich klar: Ich wollte Canyoningguide werden und um die Geschichte abzukürzen: Im nächsten Jahr war ich wieder in Haiming, diesmal begrüßte ich die Gäste als Guide der Einsteigertour.

Die „aufgeräumte“ Schlucht

Aber zurück zum Angang in die Kobelache in Dornbirn. Hier fließen einige Bäche zusammen und bilden die Dornbirner Ache. Und die besagte Kobelache sollte uns die Gelegenheit für ein wirklich traumhaftes Canyoning-Erlebnis bieten. Der Aufstieg wurde bequem per Auto erledigt und oben angekommen hatte ich eine grobe Idee, wie die Schlucht aussehen kann:

Das tiefgrüne Wasser der Kobelache hat feine Riefen in den weißen Granit geschliffen und unwirkliche Formen geschaffen. Bei uns im Allgäu, wo wir normalerweise unsere Touren anbieten, haben wir es regelmäßig mit dunklem Granit oder dem Nagelfluh zu tun. Das macht die Schluchten dunkel, moosig und gefühlt etwas „unaufgeräumt“. Nicht so in der Kobelache.

Nach Einweisung und Abseiltraining stiegen wir also in „die schönste Schlucht im deutschsprachigen Raum“ ein. Der erste Abseiler führte linksseitig über fünf Meter in hüfttiefes Wasser und hier musste jeder erstmal tief Ein- und Ausatmen – obwohl das Wasser karibisch-grün anmutet, ist Temperatur eher winterlich – kalt.

Deshalb tragen alle Teilnehmer mindestens sieben Millimeter starken Neopren, der vor Kälte und Abschürfungen schützt. Wenn der letzte Gast abgeseilt ist zieht der Guide das Seil von unten ab. Wenn das geschehen ist und das Seil in’s Wasser platscht ist klar: Jetzt gibt es nur noch eine Richtung, und das ist gen Tal. Ausstiege sind nun kaum noch möglich.

Surreal schöne Landschaft

Das war aber auch gar nicht notwenig. Die Schlucht ist teilweise sehr eng und das mag beklemmend wirken. Aber für mich war das das wahre Naturerlebnis. Die Kobelache hat sich über Jahrtausende in das Gestein gegraben und eine surreal schöne Landschaft hinterlassen:

Ausgeschliffene Gesteinsformationen, durchzogen von Wurzeln und Wasserläufen. Ich war wie in Trance – egal wo ich hinschaute es hat mich überall begeistert. Hoch über uns konnte ich eine alte Holzbrücke ausmachen, die schon einige Löcher hatte und wohl seit einigen Jahren nicht mehr gepflegt und benutzt wurde.

Und auch das Canyoning kam hier nicht zu kurz. Bereits nach einer halben Stunde sind die ersten Sprünge in das kühle Bergwasser möglich, und ich musste mich wirklich zurückhalten, den Gästen nicht alle paar Minuten zu erklären, was das für eine tolle Schlucht ist. Auch einige spannende Rutschen waren dabei, die auch für die Gäste nicht ohne waren – eine Rutsche führte um eine Ecke und die Gäste tauchten erst nach einigen Metern wieder auf. Wow.

Höhepunkte zum Schluss

Nach ca. drei Stunden sahen man doch die Spuren des Menschen, denn hier ist eine hohe Murensperre gebaut worden. So wird verhindert, dass bei Gewittern oder Hochwasser das ganze Geschiebe nicht bis in’s Tal und somit durch bewohntes Gebiet fließt. Hier machten wir Pause und erholten uns von der Anstrengung.

Das Angenehme ist, dass an der Stelle ein Zulauf in die Kobelache existiert, der auch gleichzeitig einen Ausstieg ermöglicht. Hier haben sich einige Canyonauten dann auch dazu entschieden, die Tour vorzeitig zu beenden. Das machte auch durchaus Sinn, denn nun kamen wirklich noch ein paar Canyoning-technische Highlights!

Denn direkt nach der Pause folgte ein Sprung, der von einer Felsplatte durch einen schmalen Spalt sieben Meter in die Tiefe führte. Natürlich ist hier auch ein Abseiler möglich, aber ich war total aus dem Häuschen – so etwas hatte ich in einer Schlucht mit Gästen noch nicht erlebt. Und als sei das noch nicht genug, folgte danach ein 25 Meter Abseiler durch den Wasserfall. Hier kam man in einer kleinen Höhle hinter dem Wasserfall an und konnte beobachten, wie der nächste Abzuseilende, wie aus dem Nichts von oben durch’s Wasser brach.

Und die letzte Stelle hat der Tour dann wirklich die Krone aufgesetzt. Eine Felsrutsche, bei der die ersten vier Meter auf dem blanken Fels gerutscht werden, wobei dann die restlichen sechs Meter fliegend zurückgelegt werden. Hier waren dann unten Jubelschreie garantiert.

Wer auf so eine Tour Lust hat, klickt doch einfach mal hier: www.canyoningallgäu.de


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