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Die Herausforderung: Alpenüberquerung

Alles gepaackt? Die Schueler beim Materialcheck zwei Tage vor dem Start ihrer Alpenueberquerung. Foto: harIm Schulfach Herausforderung lernen die Schüler der Heinz-Brandt Oberschule was es heißt, an ihre Grenzen zu gehen – und noch weiter. Innerhalb von zwei Wochen überqueren sie die Alpen vom Königssee im Steinernen Meer bis nach Südtirol zum Antholzer See. Sie schlafen in Berghütten und Turnhallen, kümmern sich selbst um die Verpflegung und lernen sich gegenseitig zu helfen. Ausgestattet vom CAMP4 waren wir beim Materialcheck vor zwei Tagen dabei.

Feucht warm und ein bisschen schwül ist die Luft im Flur der Heinz-Brand Schule an diesem Mittag. Rascheln und Stimmengewirr gepaart mit klappernden Töpfen schlagen mir entgegen als ich die Schüler in einer Ecke des Gebäudes erspähe. Eigentlich sind noch Ferien und die Schultüren geschlossen. Aber an diesem Tag sind einige doch schon da und bringen Leben in die Bude. Für die Schüler der achten und neunten Klasse steht die Herausforderung ihres bisherigen Lebens an: Eine Alpenüberquerung! Wir berichteten bereits über die Probewanderung und jetzt bin ich in der Schule um beim Materialcheck Mäuschen zu spielen.

Packliste abhaken

Gebannt verfolge ich wie die drei Betreuer mit einer Liste herumgehen und die Schüler und Schülerinnen ihre Rucksäcke auspacken lassen. Häkchen werden gesetzt und es werden Ratschläge gegeben, was besser sein könnte. Anorak oder Regenjacke und Fleece? Welche Socken und Handschuhe wohl die richtigen sind?

„Ich hab jetzt drei paar Handschuhe mitgebracht und bin nicht sicher, welche ich dann mit auf die Wanderung nehmen soll. Es kann ja schon sehr kalt werden“, fragt sich Daniel. Mareike Hagemann ist eine der Betreuerinnen auf der Reise und beantwortet hier heute Fragen und gibt wertvolle Ratschläge.

Auch für sie ist die Reise eine Herausforderung: „Ich freue mich riesig auf diese Tour. Ich komme zwar gerade aus einem Wander-Urlaub, aber mit Schülern habe ich so etwas noch nie gemacht, das ist auch für mich das erste mal“, sagt die Lehrerin schmunzelnd und ergänzt: „Als Sozialpädagogin und Lehrerin wird es sehr schwer mich zurück zu halten und nicht ständig einzugreifen.“ Ziel ist es u. a., dass die Schüler sich gegenseitig helfen und sich motivieren, vor allem wenn sie nicht mehr können und mit ihren Kräften am Ende sind.

Aufgeregte Eltern

Ich mische mich unter die Leute und lausche, wie sich zwei Mütter über die großen Rucksäcke unterhalten. Sie haben das Gefühl, die Kinder seien beinah kleiner als die Säcke und sind sich sicher, dass sie lieber ihre Handtasche mitnähmen. Dann lachen sie ein bisschen nervös und ich kann ihnen ansehen, dass sie schon aufgeregt sind. Auf meine Nachfrage seien sie aber auch überzeugt, dass ihre Söhne das schaffen.

An einem anderen „Packtisch“ treffe ich Leonie und ihre Mama Anja. „Ich hab Angst vor der Höhe und vor Muskelkater“, gesteht mir die 13-jährige. Der Rucksack scheint hier wirklich ganz schön groß neben der zarten Gestalt der Schülerin. Aber sie glaubt an sich und will die einmalige Chance nutzen.

Auch Anja sieht die Alpenüberquerung als Gelegenheit einmal an seine Grenzen zu gehen: „Das ist die beste Vorbereitung für das Leben, da müssen die Kinder sich mal richtig beweisen und zeigen, was in ihnen steckt“, erklärt sie. Allerdings kann Anja ihre Sorgen auch nicht verbergen und ergänzt noch aufgeregt: „Meine größte Angst ist der Anruf, indem sie mir sagen ich soll Leonie abholen, weil sie sich verletzt hat.“

Selbstverpflegung schon zu Beginn

First Fellow und Mitinitiator des Projektes Johannes Wiesner hat seine ganz eigenen Sorgen. Die Schüler müssen sich nämlich direkt in den ersten vier Tagen schon selbst versorgen. Eingeteilt in drei sogenannte Kochgruppen sollen sie Verpflegung für viermal Frühstück, viermal warmes Abendbrot und ein Lunchpaket organisieren.

„Wenn wir Samstagabend ankommen ist alles schon zu und dann sind wir erst am Mittwoch wieder im Tal um einzukaufen“, erklärt Johannes . Im vergangenen Jahr bestand abends noch die Möglichkeit vor Ort etwas zu besorgen.

Auf die Frage ob denn alle noch wüssten wann und wo es Samstag los geht herrscht betretenes Schweigen und Johannes sieht sehr besorgt aus. Aber dann erheben sich doch noch ein paar Arme und schnell ist klar, dass Treff am Samstag um 7.15 am Hauptbahnhof ist. Dann wird es ernst für die Trekkinggruppe. Jeden Tag vier bis neun Stunden auf den Beinen wird sicherlich kein Zuckerschlecken.

Zum Abschluss wünsche ich allen viel Glück und freue mich jetzt schon auf Bilder und Eindrücke. Die gibt es übrigens in unregelmäßigen Abständen hier im Camplog!


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