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CAMP4 Testbericht: Wasserfilter – SteriPen, MSR, Katady, Sawyer

Header Bild 3Trinkwasser ist kostbar, spendet Leben und ist bei uns nahezu kostenlos (1000 Liter kosten 2 Euro – Stand 2017). Dabei ist es ein Kuriosum der Natur, dass die kleinsten Dinge den größten Schaden anrichten können. Denn die Qualität des Wassers entscheidet oft genug über Leben und Tod. Die Wasseraufbereitung durch UV-Strahlung, Filter oder Tabletten, ist für Reisende oft die sicherste Lösung.

Wasser gibt und steckt selbst voll von Leben. Kein Wasser ist rein, und das ist auch gut so. Der Mensch braucht Spurenelemente wie im Wasser gelöste Mineralien: Salz, Magnesium, Kalium, Kalzium. Aber nicht überall auf der Welt hat Wasser unsere Qualität. Trinkwasser in Deutschland gilt als für Säuglinge geeignet, was das höchste Kriterium darstellt. Fährt man im Urlaub nach Südeuropa, wird einem der Chlorgeschmack sofort auffallen. Um dem entgegenzuwirken, reicht ein einfacher Aktivkohlefilter schon vollkommen aus.

verdreckter Fluss in Asien

Soll die Reise aber nach Afrika, Mittel-Südamerika oder Asien führen, ändert sich die Situation rapide. Selbst in den Großstädten ist Leitungswasser nicht automatisch Trinkwasser. Wohl benutzt die einheimische Bevölkerung dies als solches. Dies geschieht aber vor allem aus der Not heraus sich kein Trinkwasser kaufen zu können. In Neu-Delhi, Indien, sind selbst im Zentrum der Stadt Wasserhändler auf ihren Rädern unterwegs, da das Leitungswasser als unsauber gilt. Die skurrile Situation in Deutschland dagegen, wir spülen gar die Toilette mit Trinkwasser.

Unsere Testkandidaten: Micropur, Katadyn BeFree, Sawyer Mini, MSR Miniworks, MSR Guardian, Katadyn Combi

Bewegt man sich auf das Land, wird die Situation nochmals erschwert. Ein Leitungssystem gibt es erst gar nicht. Das Wasser wird aus Flüssen und Brunnen gewonnen. Leider sind die Flüsse zugleich auch Klärgrube, Abfalleimer und Waschstation in einem. Die Gefahr über verunreinigtes Wasser zu erkranken, ist als hoch einzustufen. Ein Beispiel: nach offiziellen indischen Zahlen, besitzen mehr Menschen ein Mobiltelefon, als es Menschen mit Zugang zu Toiletten gibt. Ein neuer Plan der Regierung sieht die Errichtung von landesweit 75.000.000 Toiletten (ja richtig, Millionen) bis zum Jahr 2019 vor. Laut WHO fehlt weltweit noch immer 884 Millionen Menschen der Zugang zu sauberem Trinkwasser (Stand Juli 2017).

Unser Testwasser stammt direkt aus der Panke

Aber was genau kann im Wasser auf uns lauern? Schauen wir uns die Verursacher kurz genauer an.

Was lauert im Wasser?

Viren (Größe: 0,02 – 0,2  Mikron)

Piktogramm - VirusViren, die kleinsten Übeltäter im Wasser sind zugleich auch die schlimmsten. Überleben können sie nur in Zellen anderer Organismen, denn sie besitzen keinen Stoffwechsel. Ihre winzige Größe erschwert eine Filtration ungemein. Lange Zeit waren chemische Desinfektionsmittel (Chlor) und Hitze (Abkochen) die besten Methoden. Allein an der alljährlichen Grippewelle sterben bis 200.000 Menschen.

Bekannte Keime: Influenza (Grippe), Hepatitis A, B, C und D, Rota-Virus, Polio-Virus, Zika

Bakterien (Größe: 0,2 – 5 Mikron)

Piktogramm - BakterienBakterien sind überall, an uns, in uns. Sie helfen im Magen, im Darm, einfach überall. Es sind mikroskopische Kleinstlebewesen, meist Einzeller. Bei ausreichend Nährstoffen und warmen Temperaturen teilen sie sich binnen weniger Minuten. So weit, so ungefährlich. Kritisch wird die Situation, wenn Bakterien aus Fäkalien ins Wasser gelangen. Sie sind weltweit die häufigste Ursache für Durchfall (Diarrhö). Jährlich sterben ca. 2,2 Millionen Menschen an schwerer Diarrhö in Form von Cholera und Ruhr (Quelle: WHO).

Bekannte Keime: E.coli, Salmonellen, Cholera, Shigella

Protozoen (Größe: 1 – 15  Mikron)

Mikroskop - ProtozoenDiese tierischen Einzeller leben ebenfalls in anderen Lebewesen. Sie sind höher entwickelt als Bakterien und gelten als sehr widerstandsfähig aber ihre Größe ist zugleich ihr Nachteil. Sie können sowohl das zentrale Nervensystem angreifen, als auch zu Durchfall führen. Besagte Größe gestaltet deren Filterung jedoch einfach.

Bekannte Keime: Amöbenruhr, Gardia, Kryptosporidien

Schwebstoffe

Hierbei handelt es sich meist um Pflanzenreste oder Anreicherungen von Algen im Wasser. Optisch trüben sie das Wasser, sind aber in Gegenden mit generell sauberem Wasser (skandinavische Seen), kein Problem. Allerdings solltest du in anderen Regionen der Welt vorsichtiger sein. Denn dort haften den Schwebstoffen meist auch Erreger an.

See mit starkem Algenwachsum

Um das verschmutzte Wasser aufzubereiten, gibt es, je nach Grad der möglichen Verunreinigung, verschiedene Möglichkeiten der Reinigung. Wichtig dabei ist für dich zu wissen, mit welchen Problemen du in deinem Reiseland konfrontiert werden kannst. Das hilft uns in der Beratung, den für dich notwendigen Filter zu finden.

Katadyn Micropur

Micropur Forte (Wirkstoff: Chlor)

Micropur Forte (Wirkstoff: Chlor) - TablettenIst das Wasser optisch rein, aber bakteriell bedenklich?Eine nicht seltene Situation in stark bewohnten Gebirgen Asiens, wo mancher Wanderer gern unterwegs ist. Micropur Forte/Chlor als Tablette/Flüssigkeit, tötet Protozoen, Bakterien und Viren nachweislich ab. Das Problem dabei, es verändert den Geschmack des Wassers durch die Verwendung von Chlor. Hier eignet sich eine Kombination von Aktivkohlefilter oder Micropur „Antichlorine“, um den Geschmack zu verbessern. Auf einen Liter Wasser kommt eine Tablette. Die Einwirkzeit liegt zwischen 30 und 120 Minuten (gegen Gardia und Amöben). Daraus folgt, dass du stets 2 Flaschen mitführen solltest. Aus der einen trinkst du, während in der anderen der Wirkstoff die Keime abtötet. Ist der Trinkwasserbedarf erhöht, sollte aus Zeitgründen eher mit Micropur Forte gearbeitet werden. Hinweis: Dauerhaft angewendet kann Chlor die Darmflora angreifen.

  • Vorteil: Micropur tötet jeden Keim zu 99,9%
  • Nachteil: Chlorgeschmack, 30 – 120 Minuten Einwirkung, Wasser sollte klar sein
  • Was kann es nicht: keine optische Verbesserung des Wasser (da keine Filtration)

Micropur Classic (Wirkstoff: Silberionen)

Micropur Classic (Wirkstoff: Silberionen) - flüssigBei der “Classic”-Version werden Erreger mit Hilfe von Silberionen inaktiviert. Um dies zu gewährleisten, benötigt es jedoch eine Kontaktzeit von 120 Minuten. Für aktive Touren ist das Mittel daher ungeeignet, es sei denn, man lässt es über die Nacht wirken. Eine schnelle Trinkwasserversorgung ist damit jedoch nicht möglich.

  • Vorteil: Micropur tötet jeden keim zu 99,9%
  • Nachteil: kein Chlorgeschmack, Einwirkungszeit 120 Minuten, Wasser sollte klar sein
  • Was kann es nicht: keine optische Verbesserung des Wasser (da keine Filtration)
Katadyn – BeFree

Katadyn BeFree 0.6 l - Filter mit 0,1 Mikron - echtzeittrinken mit hohem SchutzIn Gegenden mit generell sauberem Wasser willst du dennoch auf Nummer sicher gehen. Ohne warten oder aufwendiges Pumpen! Dann ist der Katadyn BeFree ideal für dich. Simpel in der Anwendung und mit hoher Durchflussrate direkt am Flaschenausgang. Säubern lässt sich das Filterelement durch einfaches Schütteln. Der Filter, mit EZ-Clean Membran (0,1 Mikron) filtert Bakterien, Zysten und kann auch mit leicht trüben Wasser verwendet werden.

  • Vorteil: der BeFree läßt einen trinken, ohne zu warten, sehr leicht
  • Nachteil: derzeit nur als 0,6 L Variante erhältlich (ab 2018 auch größer)
  • Was kann es nicht: Viren werden nicht gefiltert (Poren im Filter nicht klein genug)
Katadyn – Combi

Katadyn Combi - war etwas umständlicherWie der Name vermuten lässt, werden hier Verfahren kombiniert. Als Erstes durchläuft das Wasser einen Keramikfilter. Dieser beseitigt Bakterien und Protozoen. Im zweiten Schritt filtert die Aktivkohle unangenehme Geschmacksstoffe heraus. Durch den pumpenartigen Aufbau, kann bis zu 1 Liter Wasser pro Minute gewonnen werden. Somit eignet er sich bereits für Familien oder kleinere Gruppen. Falls keine geschmackliche Beeinträchtigung vorliegt, muss die Aktivkohle nicht benutzt werden. Wird sie genutzt, empfehlen wir einen Austausch nach ca. 6 Monaten. Die voneinander getrennten Filter sparen bei dauerhafter Benutzung bares Geld. Der Aufbau ist kleinteiliger als bei anderen Testmodellen. Katadyn sollte hier etwas bedienerfreundlicher werden.

  • Vorteil: Katadyn Combi vereint 2 Systeme und reicht für mittelschwere Aufgaben
  • Nachteil: Aufbau ist in der Handhabung gewöhnungsbedürftig
  • Was kann es nicht: Viren werden nicht gefiltert (Poren im Filter nicht klein genug)
Sawyer – Mini Filter

Sawyer Mini Filter im Source SystemEin idealer Filter für Leute, die allein auf Tour gehen. Klein, leicht, handlich, filtert er Bakterien, Protozoen und Zysten aus dem Wasser. Wie alle Filter, natürlich auch Schwebstoffe. Dadurch wird der Filter nach einigem Gebrauch undurchlässiger. Das Durchspülen in entgegengesetzte Richtung erhält die Funktion. Dafür ist im Lieferumfang eine Plastikspritze beigelegt. Mit sauberen Wasser wird der Filter gereinigt und erhält danach seine Leistungsfähigkeit zurück.

  • Vorteil: winzig, einfache Handhabung
  • Nachteil: maximal für 2 Personen geeignet
  • Was kann es nicht: Viren werden nicht gefiltert (Poren im Filter nicht klein genug)

Einen ausführlichen Testbericht über den Sawyer haben wir hier für euch.

MSR – Miniworks

MSR Miniworks - handliche Pumpe für GruppenIst der weltweit am meisten verkaufte Wasserfilter. Eignet sich sehr gut für Familien und Gruppen bei einer Filtergeschwindigkeit von 1  Liter pro Minute. Sein Aufbau ist absichtlich einfach gehalten, um ihn auf Tour einfach säubern und reparieren zu können. Das Aktivkohle/Keramikelement gilt auch bei extremer Verschmutzung als bewährt und filtert Bakterien und Protozoen aus dem Wasser. Allerdings kann es nicht separat voneinander ausgetauscht werden. Mit dem groben Schwamm werden Verunreinigungen vom Keramikelement abgerieben. Im Test bedürfte es nur wenige Handgriffe um den Filter vollständig zu zerlegen. Die einzelnen Bauteile erklären sich von selbst.

  • Vorteil: der Miniworks pumpt sich angenehm mit genügend Durchflussleistung und eignet sich auch für Gruppen
  • Nachteil: Aktivkohle kann nicht einzeln ausgetauscht werden
  • Was kann es nicht: Viren werden nicht gefiltert (Poren im Filter nicht klein genug)
MSR – Guardian

MSR Guardian - der ultimative FilterDie Maximal Sichere Reinigung hat MSR (es heißt korrekt Mountain Safety Research) mit diesem Filter entwickelt. Die Ausnahmestellung erreicht der Guardian, indem er gegen Bakterien, Protozoen und auch gegen VIREN schützt. Die Poren des Guardian-Mikrofilters sind um den Faktor 10 kleiner als die anderer Modelle (0,02 Mikron) und arbeiten auch noch mit extrem verschmutztem Wasser. Wir haben ihn mit Lehmwasser gequält und hatten praktisch keinerlei Einbußen bei der Durchlaufrate. Denn der Guardian ist so konstruiert, dass der Hohlfaserfilter bei Gebrauch auch gespült wird. Somit säubert er sich permanent selbst. Mit der enormen Filtergeschwindigkeit von 2,5 Litern pro Minute können auch größere Gruppen problemlos versorgt werden. Die Lebensdauer eines Filters beträgt ~10.000+ Liter und sollte danach ausgetauscht werden. Der MSR Guardian kommt ohne Batterien, Glühbirnen oder Chemikalien aus. Nach der Tour sollte der Filter mit sauberem Wasser gespült werden. Von einer kompletten Trocknung rät MSR ab! Eine leichte Feuchtigkeit sollte erhalten bleiben. Für längere Lagerzeiten empfiehlt sich ein Spülen ca. alle 6 Monate.

  • Vorteil: universelle Anwendung, riesige Durchflussmenge
  • Nachteil: etwas größer, ist jedoch seinem Können geschuldet
  • Was kann es nicht: der MSR Guardian kann tatsächlich alles
Steripen –  Classic

SteriPen Classic - Schutz durch UV-LichtEine andere Methode Trinkwasser zu gewinnen wird über künstliches UV-Licht erreicht. Dazu benötigt der Steripen jedoch 4 AA Batterien. Mithilfe dieser Energie lassen sich ca. 50 Liter Trinkwasser aufbereiten. Werden Lithiumbatterien verwendet, erhöht sich der Wert auf 150 Liter. Die Lebenszeit der Lampe wird mit 8.000 Litern angegeben, was in etwa dem Wasserverbrauch von 7 Jahren entspricht. Die Anwendung ist denkbar einfach, dazu wird der Steripen lediglich in die Flasche (1-L-Gefäße) gehalten und etwas gedreht. Die Zirkulation ist wichtig, damit nicht nur der obere Teil des Flascheninhalts gereinigt wird. Eine kleine LED-Anzeige am Steripen gibt darüber Auskunft, wie weit der Reinigungsprozess fortgeschritten ist. Für einen Liter benötigt der Steripen ca 90 Sekunden.

  • Vorteil: der Steripen arbeite ohne Filter oder chemische Reinigung sondern mit UV-Licht
  • Nachteil: es bedarf Batterien und sollte nur in klarem Wasser verwendet werden
  • Was kann es nicht: keine optische Verbesserung des Wasser (da keine Filterung)
Steripen – Pure+

SteriPen Classic - Schutz durch UV-Licht (dabei wasserdicht)Der Pure+ ähnelt dem klassischen Steripen, ist dabei jedoch aufladbar, verfügt also über einen Akku. Mithilfe einer Powerbank, Solarzellen oder auf der Hütte, die über Strom verfügt. Dies minimiert ein wenig das Gewicht, je nachdem für welche Wiederaufladevariante du dich entscheidest. Wasserdicht konzipiert wird auch die Elektronik in inneren entsprechend geschützt.

Die CAMP4 Wasserfilter Schnellübersicht:

CAMP4 Schnellübersicht Wasserfilter

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