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Natur in der Nähe

Titelbild
In meiner Kindheit waren die Tiere im Wald unsichtbar. Unterwegs erzählten meine Eltern, welche Tiere man sehen würde, wenn man früh morgens ganz leise wartet und guckt: Wildschweine, Rehe, Greifvögel oder den Fuchs. Aber die meisten davon kannte ich nur aus dem Zoo oder dem Fernsehen. Wenn ich jetzt im Sommer vor einem Baum stehe, dann dauert es meistens gar nicht lange, bis ein Tier erscheint. Die sind aber zumeist kleiner.

Und dann schaue ich genau hin. Fotografieren ist sehr von der Tagesform abhängig. Die Tierchen sind oft zu schnell oder ich habe die große Kamera nicht dabei (meine Handykamera reicht meistens nur für ‚den kleinen gelbschwarzen Wisch auf dem Zweig da‘). Manchmal suche ich hinterher raus, was das denn nun wieder genau war und finde Hübschheiten wie den Bienenwolf und die ‚teuflische Reißzwecke‘. Oder ich finde spannende Abhandlungen über die Frage, ob das nun Batesian oder Mullerian Mimicry ist bei den Schwebefliegen, die wie eine Biene aussehen. Aber oft zähle ich die Beine einfach nach: ‚Keine, vier, sechs, acht, oder viel‘, und freue mich.

Menschennähe

Raupe

Wenn man das Tier nicht kennt, sollte man die Finger davon lassen. Aber gucken kann man ja mal. Das ist wie mit Beeren und Pilzen im Wald, die isst man besser nur, wenn man sie gut kennt und erkennt.

Schmetterling

Das ist das fünfte und beste Bild, das ich von diesem Schmetterling gemacht habe. Früher waren zwei Dias von einem Objekt schon viel, jetzt darf es auch etwas mehr sein, weil digital. Die Sitzunterlage dient gleichzeitig als Campingsitz der Trägerin des roten Farbakzents im Hintergrund, die freundlicherweise still sitzen bleibt. Hinterher kann ich ihr ja zeigen, weswegen.

Tragik

Was ist das für Tier im Sand?

Sommer an der Ostsee! Die beiden Frühaufsteher nutzen den Morgen. Die Strecke ist sehr übersichtlich. Eine Stunde hin am Strand, und wieder eine zurück. Sand, Wasser, Sand, Wasser, Sand, bis uns auffällt, dass da Flugtiere kriechen. Hier eine dünne Hummel oder dicke Biene, noch feucht vom Tau (?), kurz bevor die Sonne sie aufwärmen und trocknen kann. Aus der Kuhle kommt sie nicht alleine raus. Wir warten nicht ab, wir wollen unser Frühstück.

Schmetterling in der Mittagssonne

Ich möchte hier keine Galerie der ‚Flachtiere‘ machen, wie ich sie nenne. Eine Ausnahme für diesen Schmetterling in der Mittagssonne, kurz bevor die nächsten Autos und der Oldtimer-Motorradklub lang kommen.

Fliegen

Fliege

Manche Fliegen sind nervig oder lästig, aber alle Fliegen sind besonders. Genau betrachtet auch die gewöhnlichen. Dies ist eine Große Raupenfliege an einer Glasscheibe auf einer dänischen Watteninsel. Mit Bestimmungsbüchern tue auch ich mich gelegentlich schwer, auch wenn ich das noch in den Achtzigern in der Schule gelernt habe. Google war richtig schnell, mit der Suche auf ‚Fliege schwarz gelber Kopf‘.

Fliege II

Auch dies ist eine Fliege. Diese Raubfliege saß ganz still da im Abendlicht an der Ostsee. Für uns Menschen ist sie ungefährlich. Aber kleinere Flug- und Kriechtiere sollten ihr lieber aus dem Weg gehen.

Alt und neu

Huch? Ein Monster?

Die Versuchung des heiligen Antonius, Isenheimer Altar, Matthias Grünewald, 1512-1516 (Ausschnitt). Colmar, Musée Unter Linden, das ehemalige Kloster unter den Linden, im Elsaß.

Wanze

Unter der Versuchung des heiligen Antonius krabbelte ein kleines Tier am Boden. Die werden dort bestimmt nicht gerne gesehen, also habe ich es rausgetragen. Und gleich fotografiert, natürlich. Die ‚punaise diabolique‘ ist eine Wanze aus dem fernen Osten. Auf Deutsch heißt sie (leider) nicht ‚teuflische Reißzwecke‘, sondern ‚Marmorierte Baumwanze‘. Als ich das Bild später vorzeigte, kam gleich die liebevolle Frage, ‚ob die Wanze denn überhaupt raus wollte?‘ Betretenes Schweigen. Ich weiß es nicht.

Graben und Waten

Maulwurf

Was die Schmeißfliegen da suchen, weiß ich auch nicht. Hoffentlich ist ihre Anwesenheit kein schlechtes Zeichen. In seinem Element ist der Maulwurf nicht, die Grabeschaufeln sind nicht für so einen Landgang gemacht. Dafür können wir ihn bewundern. Als ich den Maulwurf ganz vorsichtig mit einem Stöckchen zur Seite des Waldwegs schubse, gibt es noch mehr zu Staunen. Der ist nicht so leicht und weich wie die Meerschweinchen, damals bei uns zu Hause. Das Kerlchen ist beeindruckend stark und beweglich.

Spuren

Ein windstiller Tag am Oberuckersee. Sonst wäre das Wasser nicht so klar. Wenn ich im Herbst Kraniche höre, dann gucke ich hoch. Oder ich sehe weit hinten auf einem Feld die übergroßen grau-schwarzen Vögel stehen. Diesmal hörte ich nichts. Ich suchte kleine Fische. Und da sahen wir die Spuren am Boden. Ob Kraniche auch Frösche essen?

Äktschn

Was kommt da hinten raus?

Auf der linken Hand saß ein Tierchen, in der Rechten hielt ich die Kamera. Man beachte das Würstchen, was gerade hinten aus dem Tier rauskommt. Das macht für mich alle technischen Schwächen des Bildes mehr als wett. Meine Erkenntnis: Sogar in diesem Maßstab sind Fäkalien ein bisschen eklig. Beim Schreiben dieser Zeilen fällt mir auf, dass ich nicht mal recherchiert habe, was alles hinten aus einer Heuschrecke im Hochsommer rauskommt. Sind das doch Eier?

Stadtnatur

Habicht

Von unserem Balkon aus sieht man einen Schornstein. Hier sitzt normalerweise eine Nebelkrähe oder eine Taube oder gar kein Tier. Diesmal ist es aber ein Habicht im Dauerregen. Als ich die Kamera schon weggelegt hatte, hat er sich auch umgedreht. Hinterher beginnt das Rätselraten: Ist es ein kleiner Habicht oder doch ein großer Sperber? Die Lösung kam als E-Mail-Antwort des Habichtspezialisten im Berliner Südwesten (www.habicht-berlin.de): ein junges Männchen vom vorigen Jahr, das er selbst beringt hatte. Nur hatte ich den Ring leider nicht leserlich fotografiert.

(Das Bild hier ist kein Ausschnitt, sondern Originalgröße. Der Habicht saß so lange da, dass ich mein altes handbetriebenes Telezoom hervorkramen und ‚wiederentdecken‘ konnte. Das Objektiv lag jahrelang in der Fotoschublade, und jetzt war es im richtigen Moment da.)

Bienenwolf

Nochmal Stadtnatur: Auf dem Weg nach Hause fielen mir die Sandhäufchen auf einem Gehsteig in Mitte auf. Aus dem Spalt zwischen zwei Platten kam immer wieder Sand hochgespritzt. Und da war sie: die Wespe mit der weißen Maske.

Bienenwolf IIDank der Maske konnte ich sie leicht bestimmen. Der Bienenwolf fängt Bienen und buddelt davon gleich mehrere in einem halben Meter Tiefe ein. Dazu ein Ei. Und jedes Jahr liegen die Betonfliesen etwas weniger flach.

Rucksacktier

Als Kind hatte ich den Eindruck, dass Erwachsene nie Tiere dabei haben. Vielleicht waren sie einfach nur gut versteckt? Ich habe immer eins dabei, auch wenn sich unterwegs alle anderen Tiere rar machen. Das erste habe ich irgendwann einer Freundin geschenkt. Ein weiteres ist im Zug liegen geblieben, nach Stettin weitergefahren und hat dort hoffentlich eine neue Bleibe gefunden. Das hier darf kurz rausgucken, um das Grün zu bestaunen, in Irland.

Große Reisen mache ich wenig, dafür bin ich mehr in der Nähe unterwegs und staune dort. Außerdem hat die Natur in diesen Gefilden eine besondere Eigenschaft. Wenn man sich nicht gerade dran verschluckt (oder infiziert!), dann sind die Tiere uns Menschen fast nie gefährlich. Wenn man welche sieht, ist Stillstehen und Gucken meistens eine passende Reaktion.


Mitarbeiter CAMP4

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