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Testbericht: Lundhags – Gnaur-Rucksack

Herbst 2017, noch ist der neue Lundhags nur in wenigen Testmodellen produziert worden. Wir sind ins Jämtland, Schweden, gekommen und konnten von Lundhags bereits die komplett neuen Rucksackmodelle für die Saison 2018 ausgiebig testen. Seit einer Woche stehen sie bei uns im Laden. Wie sie sich auf Tour geschlagen haben, erfahrt ihr hier.

Designsprache ist heute wichtiger denn je. Der Kunde soll an der Optik und auch Haptik erkennen, um welche Firma es sich handelt. Nicht jeder Firma gelingt dies so gut wie Arc’teryx, dem Vorbild vieler Firmen, oder eben Lundhags. Da es aber auch in einem solchen Unternehmen immer noch zu Verbesserungen kommen kann, zeigt sich an den neuen Rucksackmodellen.

Der Vorgänger des Gnaur, der V12.

Viele Jahre vertrieb Lundhags die V12-Rucksäcke, welche solide gebaut und sehr funktional sind, optisch hätten diese aber auch von vielen anderen Herstellern stammen können. Daher wurde das Rucksacksortiment bei Lundhags überdacht. Das Resultat sind unter anderem die Baxen, Kneip, Knarven, Gnaur Rucksäcke in verschiedenen Farben, Funktionen und Größen.

Lundhags Gnaur:

Deutlich leichter als wir dachten.Im Showroom in Järpen, fällt uns sofort das Eigengewicht des Gnaur auf. Spielend leicht hält Hans einen leeren Rucksack am kleinen Finger in die Luft. Für Modelle die bis zu 30 Kilogramm wuchten können, ist das Eigengewicht (ca. 2,8 kg) auffallend gering. Zum Vergleich, ein Fjällräven Kajka wiegt in derselben Volumenklasse, fast 500 Gramm mehr. Das Tragesystem ist außergewöhnlich robust konstruiert. Um auch mit hohen Gewichten formstabil zu bleiben, befinden sich links und rechts der Wirbelsäule 2 Aluminiumversteifungen hinter Evazote-Schaumstoff.

Runde Alustreben umlaufen außen, flache verstärken direkt am Rücken.Zusätzlich umläuft ein Aluminiumgestänge den Gnaur am Rücken. Interessant ist er vor allem für Leute die längere Touren planen oder „long-distance-trekker“ (im deutschen würde man vermutlich den Begriff „Weitwanderer“ nutzen), da der Gnaur auch bei hohen Zuladungen sehr verlässlich ist.

Die Gnaur-Modelle gibt es in 60, 75 und 90 Litern. Angeboten werden RS und RL, diese Angaben stehen für Regular/Short (42-50 cm) und Regular/Long (48 – 60 cm)– passend also für kürzere und längere Rücken. Das Tragesystem ist dabei individuell verstellbar.

Stabiles Tragegestell das einfach zu justieren ist.Eine klare Unterscheidung zwischen Modellen für Frauen und Männern gibt es bei Lundhags nicht, wenngleich die RS-Modelle, durch etwas kürzere Hüftgurte, eher für Frauen geeignet erscheinen. In unserer Fachberatung gelten derlei strenge Abgrenzungen jedoch als veraltet. Da sich Körperformen nicht am Geschlecht manifestieren lassen, ist und es viel wichtiger, den optimalen Rucksack für den Kunden (Körper) zu finden.

Wie bei Lundhags üblich, wird nun auch bei Rucksäcken der bewährte LPC (Lundhags-PolyCotton) Stoff verwendet. Dabei handelt es sich um einen Gewebemix aus Polyester und Baumwolle. Lundhags produziert diesen in verschiedenen Stärken und beim Gnaur wählten die Techniker den Stoff LPC 231. Die Haptik des Stoffes ist weich (Baumwolle) und, robust (Polyester) zugleich. Der Außenstoff ist FC (FlourCarbon) frei imprägniert, Bluesign zertifiziert und verfügt über eine Wassersäule von 1500 mm. Die mitgelieferte Regenhülle, kann bei Nieselregen bleiben, wo sie ist, nämlich im Bodenfach.

Austauschbarer Hüftgurt – vorerst nicht

Obwohl der Hüftgurt sehr einfach zu erreichen ist und dieser von der Konstruktion auch herausgenommen werden könnte, verzichtet Lundhags bisher darauf, weitere Hüftgurtgrößen anzubieten. Hier wird die zukünftige Nachfrage darüber entscheiden, ob Lundhags nachbessern muss. Der Rucksack verfügt so ziemlich über alle wichtigen Details, die anspruchsvolle Kunden erwarten werden. Die komplette Liste ist so lang, dass ich mich auf die, für mich, Wichtigsten beschränke.

Positives:

Die Metallhaken sind flexibel, stabil und sehr hochwertig.

  • Deckelfach – erstaunlich groß (mein Inhalt: Tasse, Riegel, Messer, Handschuhe und Mütze musste ich nicht quetschen), es kann abgenommen und vor der Brust getragen werden
  • Metallhaken und Schnallen – aus Flugzeugaluminium gefertigt und nahezu unkaputtbar (Plastikstecken sind übrigens eine der am meisten gefragten Ersatzteile bei unserer Service-Abteilung)
  • Seitentaschen am Hüftgurt – gibt es mittlerweile bei vielen Rucksäcken aber die Zipper hier sind zusätzlich wasserabweisend, wichtig für verstaute Elektronik
  • Seitentaschen mit Stretchgewebe und zwei Öffnungen – von oben und seitlich (erleichtern das Einstecken)

Befestigung für GPS oder Trinkflasche, ebenfalls aus Aluminium.

  • Außentaschen für 1 Liter Nalgene-Flaschen konzipiert (Cargo-Seitentaschen)
  • einfach zu verstellendes Tragesystem
  • Frontöffnung – hat sich am Markt durchgesetzt und wird von vielen Kunden erwartet
  • Gelochte Gurtbänder an der Front – Spanngurte können hier individuell angepasst werden um z. B. die Isomatte zu befestigen
    • Für zusätzliches Volumen kann auch der Jomlen 25 L, Gneik 10 L oder Knut 7 L  daran befestigt werden
  •  Tragesystem – hier wurde viel vom V12 übernommen und das war die richtige Entscheidung. Ein gut eingestellter Gnaur, leitet auch große Lasten perfekt in den Körper ab

Negatives:

Oben einen Haken, unten ein Dreisteg, das führte zu Fummelei.

 

Nach all der Lobhudelei auch ein paar kritische Anmerkungen.

  • An den Außenseiten gibt es jeweils 2 Bänder. Davon ist das Obere mit einem Haken zu befestigen, das Untere mit einem DreistegDamit ist dieser in der Einstellbarkeit limitiert. Wieso hier nicht auch ein Haken genutzt wird, ist mir ein Rätsel. Das Befestigen einer Eva-Isomatte, war immer mit Aufwand und Fummelei verbunden.
  • Die Seitentaschen mit Stretchgewebe sind eng bemessen und sollten etwas mehr Spielraum erhalten.

Der Dreisteg in der Nahansicht.

  • Frontgriff: Die Idee dahinter erscheint mir persönlich zwar ganz nett, im Nackenbereich gibt es aber einen solchen Griff seit jeher. Für eine helfende Person, beim Aufsetzen, ist so ein „Abnehmer“ jedoch sehr hilfreich

JOE – Jämtland-Outdoor-Experience

Im Jämtland verbrachten Hans und ich 5 Tage. In dieser Zeit ging es hauptsächlich darum, die neue Ausrüstung kennenzulernen und zu testen. Geschlafen haben wir und alle anderen in Zelten von Hilleberg, welche täglich getauscht wurden. Bekleidung erhielten wir von Lundhags, Woolpower und Klättermusen. All diese Firmen wurden hier gegründet und sind bis heute wichtige Arbeitgeber der Region. Unsere Verpflegung bestand aus gefriergetrocknetem Essen aber Mancher kochte tatsächlich auch richtig. Mir persönlich ist der Aufwand draußen zu hoch. Ich komme mit der heutigen Auswahl sehr gut zurecht und stehe auch dazu, dass es mir tatsächlich schmeckt. Für diesen Standpunkt habe ich bereits öfter Schelte bezogen, insbesondere Skandinavier sind es gewohnt, richtig zu kochen. Ein System wie Trangia eignet sich dafür auch hervorragend. Für Solotouren ist es mir jedoch schlicht zu groß und zu schwer.

Auf einer Schotterstraße am See Ånnsjön entladen wir den Bus, teilen uns in Gruppen auf und ziehen in Richtung Westen, der norwegischen Grenze entgegen. Die nächsten Tage werden wir uns in einem größeren Bogen bewegen, Flüsse furten und ordentlich Wind abbekommen. Als wir die Baumgrenze hinter uns lassen und in die Weite blicken können, verstehen wir, weshalb aus dieser Region mehrere namhafte Hersteller hervorgegangen sind.

Wir befinden uns in einem gigantischen Outdoor-Spielplatz. Auf fast 50.000 km² (ähnlich der Größe Irlands) leben nur knapp 130.000 Menschen. Hier gibt es alles wonach sich viele Stadtbewohner des Abends sehnen. Ruhe, Abgeschiedenheit, Natur pur – hier kann man einfach mal abschalten. An Tag 5 erreichen wir unser Ziel. Enaforsholm Fjällgård, eine malerisch gelegene Lodge mit Blick auf die Berge der letzten Tage. Auf dem Rückweg machten wir noch einen Abstecher bei der Firma Woolpower, die bis heute, in Östersund produziert. Aber mehr darüber, gibt es ein anderes Mal.


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