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Wie nachhaltig ist Vaude wirklich?

Nachhaltigkeit ist DAS Schlagwort in der Outdoorbranche – und nicht nur dort. Viele Unternehmen werben damit, dass ihre Produkte besonders umweltfreundlich, besonders fair und besonders sozial hergestellt werden. Doch was heißt das konkret? Und wer kontrolliert, wie öko-fair die Produktion wirklich ist? Heute nehmen wir den Branchenprimus Vaude unter die Lupe.

Der Outdoor-Ausrüster mit Sitz im baden-württembergischen Tettnang ist vielen Menschen ein Begriff, obwohl die wenigsten den Firmennamen aussprechen wollen. Dabei ist es ganz einfach: Firmengründer Albrecht von Dewitz benannte sein Unternehmen nach seinen Initialen V. D., gesprochen [fau’de], ausgeschrieben eben: Vaude.

Seit seiner Gründung räumt Vaude zahlreiche Preise ab: Vaude wurde 2015 als Deutschlands nachhaltigste Marke ausgezeichnet. Die Auszeichnung wurde von der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung vergeben. 2016/17 gewann Vaude den European Business Award for Environmental & Corporate Sustainability und 2019 erhielt der Outdoorausrüster das staatliche Siegel für nachhaltige Textilien, den Grünen Knopf.

gruener knopf

Wo kommen die Sachen von Vaude überhaupt her?

Vaude-Produkte werden an verschiedenen Standorten in Deutschland, in anderen europäischen Ländern sowie in Asien hergestellt.

Am Stammsitz in Deutschland fertigt Vaude wasserdichte Rucksäcke und Fahrradtaschen. Die Produktion ist komplett klimaneutral und sämtliche Materialien sind frei von PVC. Restmaterialien, die bei der Produktion anfallen, werden in einem EBay Upcycling-Store versteigert. Der Erlös daraus fließt nicht etwa in den Gewinn von Vaude, sondern wird der Kinderhilfsorganisation „Save the Children“ gespendet.

Außerhalb Deutschlands arbeitet Vaude mit Produzenten in aller Welt zusammen. Dabei legt Vaude großen Wert auf die soziale Verantwortung und gute Arbeitsbedingungen. Ein großer Teil der Vaude-Produkte wird in Vietnam hergestellt. Auch in China, Kambodscha, Myanmar, Südkorea, Taiwan, in Litauen, der Ukraine und Portugal lässt Vaude produzieren. Ein so weit verzweigtes Netz von Lieferanten ist in der Outdoorbranche nicht unüblich.

Das Besondere bei Vaude ist aber, dass du detailliert nachvollziehen kannst, woher welches Produkt stammt. Für die aktuelle Winterkollektion findest du auf der Vaude-Website neben jedem Artikel einen Link, der dir genau die Fabrik zeigt, in der dieses Produkt gefertigt wird.

Mit ein paar Klicks kannst du herausfinden, wo genau dein Vaude-Produkt hergestellt wurde, wie viele Angestellte in dieser Fabrik arbeiten und wann die letzte Überprüfung durch Fair Wear stattgefunden hat. Das sieht zum Beispiel so aus:

Screenshot der Herstellerangaben

Warum wird nicht alles in Deutschland bzw. Europa hergestellt?

Im Zuge der Globalisierung hat sich in den letzten Jahrzehnten nahezu die gesamte Bekleidungsindustrie nach Asien verlagert. Für viele Produkte gibt es einfach keine Produktionsstätten in Europa mehr, und wenn doch, dann steigen die Kosten enorm. Die Lebenshaltungskosten und damit die Löhne sind in Europa viel teurer. Das heißt, in Europa hergestellte Funktionskleidung wäre doppelt oder dreifach so teuer wie die Produkte aus Asien. Das wären die wenigsten Kunden bereit zu bezahlen.

Auch von anderen Outdoorunternehmen hören wir immer öfter, dass die Herstellung in Europa wegen hoher Kosten und fehlender Fachkräfte schwierig ist. So gibt es in Europa kaum noch ausgebildete Näherinnen und Näher.

Vaude hat sich daher dafür entschieden, einen Großteil der Produkte in Asien fertigen zu lassen, und zwar so umweltfreundlich und fair wie möglich. Dafür werden Aufträge an die Produzenten vor Ort vergeben.

Kontrolle durch Fair Wear

Die Fair Wear ist eine unabhängige Organisation, die nach sehr strengen Standards überprüft, ob die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie wirklich fair sind. Die Experten von Fair Wear besuchen regelmäßig die Produktionsstätten, führen Interviews mit den Arbeiterinnen und Arbeitern und prüfen die relevanten Dokumente.

Dabei gelten die Grundsätze:

  • keine Zwangsarbeit
  • Chancengleichheit
  • keine Kinderarbeit
  • Mitspracherecht
  • faire Löhne
  • geregelte Arbeitszeiten
  • Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz
  • ordnungsgemäße Beschäftigung

Wenn bei einer Überprüfung Abweichungen von den Standards festgestellt werden, muss der Produzent Korrekturmaßnahmen umsetzen. Diese werden wiederum überprüft.

Zudem hat die Fair Wear eine unabhängige Beschwerdestelle eingerichtet, an die sich Arbeiterinnen und Arbeiter wenden können. Alle Beschwerden werden veröffentlicht unter https://fairwear.force.com/public/s/complaints. Vaude hat im Jahr 2019 sechs Beschwerden erhalten, 2020 sind es neun. Das ist nicht viel, wenn man bedenkt, dass es um viele tausend Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geht.

Die Vaude-Geschäftsführerin Antje von Dewitz (die Tochter des Unternehmensgründers) meint dazu: „Für uns ist es ein positives Zeichen, dass sich die Anzahl der Beschwerden erhöht. Das heißt, die Schulungen waren effektiv, die Arbeiter trauen sich zu beschweren und haben Vertrauen in das System. Nur so können Verbesserungsprozesse angestoßen werden und die Arbeitsbedingungen nachhaltig verbessert werden.“

Bildquelle: https://nachhaltigkeitsbericht.vaude.com/gri/menschen/beschwerdesystem.php

Während der Recherchen zu diesem Artikel habe ich mir die eingereichten Beschwerden angeschaut und hier bin ich dann doch stutzig geworden.

Zum Beispiel betrifft eine aktuelle Beschwerde die Corona-Maßnahmen in einer Fabrik in Myanmar. Die Arbeiter berichten, dass die vorgeschriebenen Abstandsregeln zwischen den Arbeitsplätzen nicht eingehalten werden, und sorgen sich um ihre Gesundheit. Vaude soll nun gemeinsam mit dem Produzenten eine Lösung suchen. Die Beschwerde wurde am 10. September 2020 eingereicht und bis jetzt, gut zwei Monate später, ist anscheinend noch nichts passiert, jedenfalls wurde kein Update veröffentlicht. Möglicherweise dauert die Bearbeitung aufgrund der weiten Globalisierungswege etwas länger.

In einer anderen Beschwerde aus Vietnam erklärt eine Arbeiterin, sie habe bereits im Alter von 17 Jahren in der Fabrik gearbeitet, und zwar zu den gleichen Bedingungen wie die volljährigen Angestellten. Sie habe keine Lohnabrechnungen erhalten; das Gehalt wurde bar bezahlt. Alle Minderjährigen seien angewiesen worden, während der Überprüfung durch die Fair Wear zuhause zu bleiben. Die Fair Wear wird diesem Vorwurf nachgehen.

Einerseits bleibt für mich ein schlechtes Gefühl, dass Vaude weiterhin mit diesen Produzenten zusammenarbeitet. Andererseits ist es aber auch so, dass Vaude erst durch das Beschwerdesystem von Missständen erfährt. Zwar besuchen Vaude-Mitarbeiter regelmäßig die Produktionsstätten in Asien, aber selbst ein großes Unternehmen wie Vaude kann es sich nicht leisten, jeden Tag in jeder Fabrik nach dem Rechten zu schauen. Ist ein Problem erst einmal bekannt, kann Vaude Druck ausüben, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Das ginge natürlich nicht, wenn Vaude einfach die Geschäftsbeziehung beendet – und in der Fabrik dann eben für einen anderen Auftraggeber produziert wird, dem die soziale Verantwortung egal ist.

Es gibt also Grund zur Hoffnung, dass die lokalen Partner von Vaude die strengen Sozialstandards einhalten oder zumindest darauf hinarbeiten.

Und, auch das muss hier gesagt werden, andere Marken lassen ihre Produzenten eben nicht von der Fair Wear überprüfen und haben kein Beschwerdesystem. Dort sieht es sicher nicht besser aus in den Fabriken, aber wir erfahren nichts von den Missständen. Diese Offenheit und Transparenz rechne ich Vaude hoch an.

Vaude, der Öko-Hersteller

Neben der sozialen Verantwortung hat Vaude auch den Ruf, besonders umweltfreundliche, ressourcenschonende und recycelbare Produkte herzustellen. Als Fridays for Future das Thema Klimaschutz 2019 ganz oben auf die Agenda gebracht hat, war Vaude schon zwei Schritte weiter, denn Vaude war schon immer nachhaltig!

Schon 1994 gründete Vaude ein Recycling-Netzwerk namens Ecolog. Erklärtes Ziel war es, Produkte zu 100 % zu recyceln und die Rohstoffe weiterzuverwenden.

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Die Ecolog-Produkte waren für einen Kreislauf konzipiert. Zum Beispiel konnte eine aufgetragene Outdoor-Jacke komplett geschreddert und zu neuer Thermo-Unterwäsche verarbeitet werden. Trotzdem wurde das Programm inzwischen eingestellt. Warum?

Es wurden nicht genug Artikel zurückgegeben. Die Sachen hielten schlichtweg zu lange. Selbst heute noch findest du Ecolog-Jacken auf Ebay und in anderen Secondhand-Börsen. Bei kleinen Stückzahlen sind jedoch die Transportemissionen für die Rücknahme durch Vaude sehr hoch. Dann lohnt sich eher das Sammeln und Recycling von Textilien durch darauf spezialisierte Unternehmen.

Dennoch hat Vaude mit dem Ecolog-Programm ein Umdenken erreicht. Recycelte Materialien sind inzwischen aus der Outdoorbranche nicht mehr wegzudenken. Viele Bergsportunternehmen sind auf den Recycling-Zug aufgesprungen, den Vaude damals in Gang gesetzt hat.

Green Shape

Hast du schon mal von Green Shape gehört? Das ist das Öko-Siegel von Vaude, das für besonders umweltfreundliche und nachhaltige Produkte steht. Daran kannst du dich orientieren, wenn du beim Kauf möglichst ökologisch handeln willst.

Green Shape legt noch strengere Kriterien an als das bekannte bluesign-Label. Zum Beispiel sind bestimmte Fluorcarbone im bluesign-Standard noch erlaubt, während sie bei Green Shape-Produkten verboten sind.

Vaude hat das Green Shape Label seit 2009 selbst entwickelt, weil es kein anderes Siegel gibt, das für so unterschiedliche Produktbereiche wie Bekleidung, Zelte und Schlafsäcke anwendbar ist, das auch für synthetische Fasern gilt und international anerkannt ist. Also erarbeitete Vaude kurzerhand ein eigenes Konzept mit strengen ökologischen Kriterien.

Die Kriterien für das Green Shape Label decken den gesamten Produktlebenszyklus ab.

  • Design: Das Produkt muss langlebig sein und sich gut reparieren lassen.
  • Material: Die Rohstoffe werden ressourcenschonend ausgewählt, z. B. recyceltes Polyester oder umweltfreundliche Naturmaterialien wie Bio-Baumwolle.
  • Verzicht auf PVC, PTFE-Membrane und fluorcarbonhaltige Imprägnierung
  • Produktion: umweltfreundliche Herstellungsprozesse in Fabriken mit hohen Sozial-Standards
  • Gebrauch: Der Artikel lässt sich bei niedrigen Temperaturen waschen und kann bei Bedarf repariert werden.
  • Recycling und Entsorgung: Das Produkt eignet sich für die Second-Hand-Nutzung und die Materialien sind recycelbar.

Alle Details zum Green Shape Konzept findest du hier: https://nachhaltigkeitsbericht.vaude.com/gri/produkte/greenshape-konzept.php

Der Anteil der Produkte mit Green Shape Label in der Vaude Kollektion variiert je nach Produktgruppe. So tragen in den Bereichen Bekleidung und Rucksäcke schon 98 % aller Vaude-Produkte das Green Shape Siegel (Sommerkollektion 2021). Bei den Schuhen sind es dagegen nur 58 % und bei den Zelten 20 %. Das liegt daran, dass Materialien wie Hartplastik, Metalle (Zeltstangen) oder Schäume (Schuhsohlen) in der Herstellung weniger umweltfreundlich sind als Textilien. Hier gibt es noch viel Potential für Innovation. Die Green Shape Kollektion wächst stetig, und auch bei Schuhen und Zelten arbeitet Vaude daran, das Sortiment noch nachhaltiger zu gestalten.

Mit seinem sozialen und ökologischen Engagement ist Vaude ein Vorreiter in der Outdoorbranche. Wir hoffen, dass viele andere Hersteller diesem Beispiel folgen!

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