Der „Western Mountaineering“ Flylite – ein ziemlich warmer Hauch von Nichts.

von , 8. November 2022

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Der „Western Mountaineering“ Flylite – ein ziemlich warmer Hauch von Nichts.

Zum 50. Firmenjubiläum 2020 entwickelte einer der besten Schlafsackproduzenten der Welt, aus San Jose, Kalifornien, den Flylite; zuerst auf 500 Stück limitiert in der Farbe „Platinum“, danach (leicht modifiziert) in orange. Sicher ist er einer der leichtesten vollwertigen Schlafsäcke, in Kammerkonstruktion und mit Kapuze. Er wiegt um die 400 Gramm, das ist so viel oder so wenig wie eine durchschnittliche Fleecejacke. Geschuldet ist dies der exquisiten polnischen Gänsedaune mit 850+cuin Bauschkraft und dem sehr leichten 10den Außen- und Innenmaterial. Komforttemperatur ist ca.7 Grad, Komfortlimit laut W.M. 2 Grad Celsius. Und, last but not least, er ist Made in USA.

flylite-schlafsack-westernmountaineeringFür wen?

Wer braucht so einen, noch dazu nicht gerade günstigen Schlafsack, der komfortabel nur im Sommer einsetzbar ist? All diejenigen, denen minimales Gewicht und Packmaß, gerade bei den essentiellen Ausrüstungsgegenständen (Zelt-Schlafsack-Isomatte) wichtig sind, weil sie jenseits davon genug Krempel wie Nahrung oder Hardware mitschleppen, wie Kletterer und Packrafter. Oder diejenigen, die sich relativ zügig durch die Gegend bewegen wollen wie Langstreckenwanderer und Bikepacker, die jedes Gramm zählen. Komforteinbußen werden billigend in Kauf genommen, da kein Schlafsack auf Tour mitgenommen wird, mit dem sich auch die kältesten zu erwartenden Nächte gemütlich verbringen lassen und man für wirklich alle Eventualitäten gerüstet ist. Des weiteren ist es möglich, mit dem Flylite als Inlet in einem anderen Schlafsack ein wintertaugliches Doppel zu basteln, ohne dafür extra einen Winterschlafsack kaufen zu müssen, den allein wohl die wenigsten wirklich brauchen.

Eindruck und Erfahrungen:

Ich habe den Flylite bei Radtouren in Europa und Übersee verwendet, bei kleineren Ausflügen nur mit Handgepäck und zu Fuß auf Teneriffa im Winter, im Frühling in Irland, in den winterlichen Bergen Armeniens, und bei einer Tour mit dem Packraft im Tien Shan. Insgesamt habe ich über zwei Monate in ihm verbracht. Beeindruckend ist schon das Ziehen des Schlafsacks aus dem 3-Liter Kompressionssack, da er in wenigen Minuten ein ungeahntes Volumen erreicht. Geliefert wird er mit einem normalen Packsack, diesen tauschte ich aber gegen einen Wasserdichten aus. Der Reißverschluß nur über die halbe Länge stellt kein Problem für mich da, da es so warm nie war, dass ich den Sack ganz hätte öffnen wollen. Das Liegen im Schlafsack ist zuerst seltsam, zumindest für jemanden, der viele Jahre mit günstigen Kunstfaserschlafsäcken unterwegs war: da er federleicht ist merkt man kaum, dass man im Schlafsack liegt, aber es ist trotzdem erstaunlich warm. Der Schnitt ist relativ eng, aber es gibt trotzdem noch Platz für zusätzliche Bekleidung, und die Kapuze lässt sich ganz gut schließen.

packsack-flylite-westernmountaineeringwasserdichter Packsack

Optimum und Grenzgänge

Optimal ist er für alle Unternehmungen, wo die Temperaturen nie oder sehr selten unter den Gefrierpunkt fallen, bei Verwendung eines Inlets und beim Dabeihaben nicht nur eines Wechsel-T-Shirts, sondern auch einer Fleecejacke, wie bei einer Radtour neulich in den USA: es war meistens warm, manchmal fast zu warm, aber die Nächte auf ca.2000m in der Wüste Nevadas waren durchaus frisch, und Frost hatte ich auf 3000m Höhe unweit des Tioga-Passes. Die erwähnte Fleecejacke schaffte Abhilfe und ich musste die Kapuze wirklich eng schließen. Die Mitnahme eines wärmeren Schlafsacks ist in meinen Augen nicht dadurch zu rechtfertigen, wenn es wenige Nächte nicht so gemütlich zugeht. Im Tien Shan hat es aber auf über 3000m Höhe, also so gut wie immer, Nachtfrost gegeben, teilweise im 2-stelligen Bereich, und da war er eindeutig zu dünn. Ich habe nicht schlimm gefroren, aber war gezwungen mir noch meine Daunenjacke und Extrasocken anzuziehen, um halbwegs komfortabel durch die Nacht zu kommen. Ein Einsatz unter solchen Bedingungen ist nicht zur Nachahmung empfohlen. Was in solchen Lagen aber auch immer hilft, ist eine Nalgeneflasche mit heißem Wasser im Fußraum, viel Essen am Abend und wenn’s gar nicht anders geht: raus aus Schlafsack und Zelt, ein paar Übungen wie Liegestütze, Kniebeugen oder Hampelmänner machen, um den Kreislauf in Fahrt zu bringen und den Schlafsack wieder aufzuheizen. Dass die Yaks dann komisch gucken, ist zu verschmerzen.

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Fazit

Ein exquisiter Schlafsack mit einem unglaublich hohen Gebrauchswert, die perfekte Symbiose aus natürlichen Materialien aus Polen, synthetischem High-End-Gewebe aus Fernost und amerikanischem Kunsthandwerk. Der hohe Anschaffungspreis amortisiert sich, da bei richtiger Lagerung, schonender Behandlung und Verwendung eines Inlets (um Verschmutzung zu vermeiden) so ein Daunenschlafsack eine einmalige Anschaffung ist. Es sei denn, Western Mountaineering produziert zum nächsten Jubiläum wieder eine ähnliche Wundertüte in ungemein schicken Platintönen – da würde ich wohl schwach werden.

Hier gehts zu den Technischen Angaben:

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