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Erlebnisbericht: Die erste Zeltnacht mit Baby

Zeltnacht mit BabyUnser Sohn Janis ist jetzt 6 Monate alt. Wir haben mit ihm schon bei Freunden, Verwandten und Patentanten übernachtet, aber zu zelten hatten wir uns bisher nicht getraut. Dieses Wochenende war es dann soweit! Der Wetterbericht versprach, dass es trocken bleiben würde, und im Garten lugten schon die ersten Krokusse aus der Erde. Nichts wie rein ins Abenteuer!

Beim Packen stellten wir fest, dass allein die Sachen für Janis einen ganzen Trekkingrucksack füllten. Wir hatten für jede Eventualität Wechselwäsche dabei: Falls nachts die Windel ausläuft, falls es regnet, falls es kälter wird als gedacht, falls der Brei daneben geht… Die Ausrüstung für uns Eltern, die Verpflegung und das Zelt mussten wir in einem zweiten Trekkingrucksack unterbringen. Am Ende haben wir Janis genau 0 Mal umgezogen, aber das konnte ja vorher keiner wissen.

Unser Ziel war ein Zeltplatz der evangelischen Jugendarbeit am anderen Ende der Stadt, den wir ohne Kind schon oft besucht hatten. Obwohl sich das Packen ewig in die Länge zog, kamen wir noch vor Einbruch der Dunkelheit dort an. Das war uns wichtig, damit Janis sich schon mal umschauen kann und die ungewohnte Umgebung kennenlernt. Wir zeigten ihm die Wiese, die Bäume und die Sträucher und vergaßen darüber völlig, ihm Abendbrei zu kochen. Zum Glück ist er auch mit Stillen sehr zufrieden.

Schließlich packten wir unser neues Familienzelt aus. Wir haben uns für ein Kaitum 3 vom schwedischen Zelthersteller Hilleberg entschieden. Durch die heruntergezogenen Wände heizt es sich auch bei kalten Temperaturen gut auf. Außerdem ist dieses Zelt sehr leicht. Das war uns wichtig, weil wir in Zukunft auch mit Kind mehrwöchige Radtouren und Wanderungen unternehmen wollen. Ich durfte das Zelt aufbauen, während Janis mit seinem Papa einen Abendspaziergang machte.

Zelten mit Baby

Zelten mit Baby II

Im Zelt richteten wir es uns richtig gemütlich ein. Wir Erwachsenen haben bequeme Isomatten von Therm-a-Rest. Für Janis nahm ich eine klassische Isomatte aus Schaumstoff, faltete sie in der Mitte und band das Ganze mit einem Spannriemen fest. So hatte der Kleine eine doppelte Schicht Isolierung unter sich. Darauf legte ich noch ein weiches Spucktuch.

Die Baby-Isomatte habe ich schon zuhause vorbereitet.Zum Thema Schlafsack hatten wir uns vorher schon Gedanken gemacht. Janis ist Bauchschläfer und rutscht nachts immer durchs Bett. Wir befürchteten, er könnte aus einem Schlafsack einfach rausrobben. Also steckten wir ihn stattdessen in einen Overall, und zwar in einen herrlich warmen, kuscheligen Winter-Schneeanzug mit Daunenfüllung. Da kann er nicht rausrutschen.

Mini-Isomatte und Schlafsack-AnzugAls unsere anvisierte Schlafenszeit gekommen war, legte ich mich einfach mit ihm zum Stillen hin. Janis trank, schaute interessiert im Zelt herum, befühlte unsere Isomatten und schlief dann erstaunlich schnell ein. Wenn ihm die ungewohnte Umgebung etwas ausgemacht haben sollte, ließ er es sich jedenfalls nicht anmerken.

Das Baby schläft im Schneeanzug

Während Janis friedlich schlummerte, kochten wir unser Abendessen vor dem Zelt und genossen leckere Pasta unterm Sternenhimmel. Wir trauten uns aber nicht so richtig, ihn alleine schlafen zu lassen, und krochen auch bald in unsere Schlafsäcke.

Die Nacht verlief wie zuhause und Janis wachte ein paar Mal auf und wollte gestillt werden. Ich fand es ziemlich unangenehm, bei 5°C mit dem halben Oberkörper aus meinem Schlafsack herauszukriechen und nahm mir fest vor, beim nächsten Mal noch eine warme Fleecejacke einzupacken, um mir beim Stillen den Rücken und die Schultern zuzudecken. Ansonsten hat aber alles gut geklappt, und – das Wichtigste – der Kleine hat gut geschlafen und nicht gefroren. Ich habe zwischendurch immer wieder gefühlt, ob seine Hände und Füße auch schön warm sind, und war ganz überrascht, wie gut dieser Daunenanzug funktioniert.

Der Blick aus unserem Zelt

Am nächsten Morgen wachte Janis quietschvergnügt auf und begann begeistert, an Papas Isomatte zu lutschen. Unsere übliche Routine aus Wickeln, Frühstück und Kaffeekochen für die Erwachsenen und Zähneputzen nahm viel Zeit in Anspruch. Wobei ich sagen muss, seit wir ein Kind haben, dauert sowieso alles immer doppelt so lange wie ohne Kind.

Zum Glück hatten wir uns für den Tag nichts vorgenommen. Wir spazierten herum und tankten die ersten Sonnenstrahlen des Jahres. Janis fand alles so aufregend, dass er glatt vergaß, zu essen und zu trinken. Ich bin dann einmal zum Stillen ins Zelt gegangen, wo er etwas mehr Ruhe hatte. Zusätzlich gab es Kürbis-Kartoffel-Brei aus dem Glas. Zum Füttern setzte ich Janis auf meinen Schoß und der Papa übernahm den Löffel. Das klappte hervorragend.

Seinen Mittagsschlaf machte Janis wie immer in seiner Babytrage. Janis machte an diesem Tag viele neue Entdeckungen, er beobachtete die kleinen Marienkäfer, er probierte aus, wie Gras sich anfühlt und wie es schmeckt, er roch an Blumen… und es war immer jemand da, um ihn auf den Arm zu nehmen.

Krokusse

Als der Abend nahte, war der Kleine sichtlich erschöpft von all seinen Erlebnissen. Wir zogen uns ins Zelt zurück. Dieses Mal dachten wir auch an den Abendbrei. Danach holte er noch alle Stillmahlzeiten nach, die er tagsüber vergessen hatte. Irgendwann fielen ihm langsam die Augen zu. Als Janis schließlich schlief, waren wir so müde, dass wir nur noch schnell eine Trekkingmahlzeit verschlangen (Tipp: Mousse au Chocolat zum Nachtisch) und uns dann ebenfalls schlafen legten.

In dieser Nacht schlief ich viel ruhiger als in der ersten, weil ich mir nicht mehr solche Sorgen machte, dass Janis frieren oder sonst irgendwie Schaden nehmen könnte. Im Gegenteil, ich war mir sicher, dass er ganz warm und geborgen zwischen seinen Eltern einfach am besten aufgehoben ist.

Am nächsten Morgen erwachten wir erholt wie immer 😉 Nach unserer Morgenroutine ging der Papa wieder mit Janis spazieren, während ich das Zelt abbaute und unsere Trekkingrucksäcke und den Kinderwagen packte. Mit dem vielen Gepäck sah es mehr nach einem Umzug als nach einem Ausflug aus. Wir wollten rechtzeitig losgehen, damit der Kleine seinen Mittagsschlaf auf dem Rückweg machen konnte.

Janis fand die Aufbruchsstimmung anscheinend blöd. Er protestierte mit lautem Geschrei und war ziemlich anhänglich, sodass wir ihn lieber trugen, während der Kinderwagen für den Gepäcktransport umfunktioniert wurde. Nach viel Vorsingen und Rumhüpfen schlief er endlich in der Trage ein. Von der Rückfahrt mit Bus, S-Bahn, U-Bahn und noch mal Bus bekam er nichts mehr mit.

So kam unsere Karawane erschöpft aber glücklich zuhause an.

Fazit: Unsere erste Zeltnacht mit Baby hat super geklappt, obwohl wir am Anfang wohl aufgeregter waren als unser Sohn. Wenn du daran gewöhnt bist, ohne Kind unterwegs zu sein, solltest du für das Zelten mit Baby auf jeden Fall viel mehr Zeit als sonst einplanen. Wir waren froh, dass wir uns nichts weiter vorgenommen hatten, als mit dem Kleinen die frische Luft und das Frühlingswetter zu genießen. Alle Beteiligten waren begeistert!

Hast Du noch Fragen oder brauchst Du noch Ausrüstungstipps? Schreib mir an melanie.hauser@camp4.de.

 


Eine Antwort auf Erlebnisbericht: Die erste Zeltnacht mit Baby

  1. Eric says:

    Schöne Geschichte. Wir benutzen immer eine selbsaufblasende Isomatte (Thermarest Prolight), pumpen diese nicht 100% auf und knicken sie dann in der Mitte. So wird aus 1.98m einfach doppelte so dicke 99cm. Als Schlafsack hatten wir auch erst einen Daunenoverall (praktisch wie oben beschrieben) aber später ist auf jeden Fall ein Kunstfaserschlafsack (falls mal was ausläuft) zu empfehlen. Bei kälteren Nächten mit Kinderwärmflasche drin

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