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Testbericht: Vaude Lizard Seamless 1-2 Personen Ultraleichtzelt

Traum-Zeltplatz im schwedischen Fjäll2020 habe ich mir eine längere Auszeit genommen, um mir einen Traum zu erfüllen und Skandinavien von Nord nach Süd entlang des E1 zu durchwandern. Über Monate im Voraus wurde die Ausrüstung zusammengestellt und optimiert, um auf „alle“ Situationen vorbereitet zu sein, aber auch das Gewicht so weit wie möglich zu minimieren.

Dabei stand auch mein altes Zelt, ein Vaude Ferret II UL, auf dem Prüfstand und schnell war klar, es muss leichter werden! Allerdings war die Liste der weiteren Anforderungen recht lang.

Gesucht wurde ein 1-Personenzelt, welches mir und meiner Ausrüstung im Innenzelt bequem Platz bietet und bei Schlechtwetter das Kochen im Vorzelt ermöglicht. Es sollte einen gekoppelten Aufbau haben – bei Regen möchte ich das Innenzelt nicht komplett durchnässt haben, bevor das schützende Außenzelt steht. Und natürlich muss es langlebig und sturmstabil sein, ein Ort der Sicherheit, meine eigene kleine Burg für mehrere Monate auch unter den manchmal rauen Bedingungen im skandinavischen Fjäll. Dabei selbstverständlich einfach und schnell aufzubauen und superleicht.

Also alles wie immer 😊

Nach einiger Recherche fiel meine Wahl auf das Lizard Seamless 1-2 Personen-Ultraleichtzelt, das mich treu begleitet hat. Überzeugt hat mich der sehr einfache Aufbau. Lizzy ist ein Einbogen-Tunnelzelt. Man fädelt also nur eine vorgebogene Stange ins Außenzelt ein – was in der Regel sehr leicht ging. Anschließend wird das Zelt am Kopf- und Fußende jeweils mit 3 Heringen abgespannt. Fertig! Im Gegensatz zum Vorgänger sind die vier Hilfsstangen in den Ecken fest verbaut.

Das Zelt steht (fast) immer und überall mit wenigen Handgriffen perfekt

Anders als bei vielen anderen UL-Zelten kann man das Zelt bequem an allen Abspannpunkten nachspannen. Da sich das sehr dünne Silnylon bei Feuchtigkeit doch recht stark dehnt, ist das für mich der entscheidende Unterschied zwischen einer leichten Notbehausung und einem Zelt für lange Trekkingtouren. Überall einmal kurz ziehen und es steht wieder straff im Wind. Wird vom Hersteller hingegen an den Abspannern gespart, müssen stattdessen die Heringe neu gesetzt werden, was im aufgeweichten oder felsigen Boden teilweise unmöglich ist. Zusätzlich gibt es noch 2 Sturmleinen und auch der Gestängebogen kann auf jeder Seite mit einem Hering fixiert werden. Das ist aber nur bei wirklich schlechtem Wetter notwendig.

Grundsätzlich kann das Innenzelt allein aufgebaut werden, wofür allerdings selbst Hilfsleinen angebracht werden müssen. Der getrennte Abbau des Innenzeltes, um es bei starkem Regen oder viel Kondenswasser am Außenzelt trocken einzupacken, ist aber leider nicht möglich. Ach ja, die beiliegenden Y-Heringe habe ich durch Powerpegs ersetzt, die ich in der Handhabung angenehmer finde.

Das Raumangebot und die Sitzhöhe finde ich (Körpergröße 1,68 m) für mich allein recht luxuriös. Rucksack und Ausrüstung haben neben mir Platz. Zu zweit ist es etwas kuschelig und die Rucksäcke müssen natürlich draußen bleiben. Aber am Kopfende ist ausreichend Luft für Ebook-Reader, Stirnlampe und sonstigen Kram. In einigen Nächten habe ich mit dem Kopf zum Fußende geschlafen, wenn die sinnvolle Ausrichtung der Tür eine entsprechende Hanglage zur Folge hatte. Da das Zelt zum Fußende schmaler ist, kann das bei 2 Personen (konische Form der Isomatten) eng werden. Für mich allein hatte Lizzy immer genug Platz.

Auch mit dem Handling war ich sehr zufrieden. Das Innenzelt lässt sich seitlich etwas zusammenschieben zugunsten einer größeren Apsis. Die Möglichkeit habe ich in Ausnahmefällen zum Kochen genutzt.

Die Belüftung funktioniert sehr gut. Das Innenzelt besteht an den vier Seitenwänden nahezu vollständig aus einem feinmaschigen Moskitonetz. Nur die Innentür ist im unteren Teil mit einem dichteren Stoff gearbeitet. Auch an der Oberseite ist der Stoff dichter. Sollte sich also trotz der guten Belüftung einmal viel Kondenswasser am Außenzelt sammeln und von dort abtropfen, kommt keine Feuchtigkeit ins Innenzelt.

Blick ins Zelt - Moskitonetz

Kleines Manko im Handling: Die Befestigung zum Aufhalten der zwei Türen ist ziemlich fummelig und nicht einhändig machbar.

Zum Zubehör: Das Zelt wird in einem Packsack geliefert, der sich weit öffnen und gut zusammenziehen lässt. Sehr praktisch, wenn man wie ich morgens beim Einpacken schnell kalte steife Finger bekommt, allerdings für ein UL-Zelt ein wenig überdimensioniert. Gewünscht hätte ich mir noch ein Ersatzsegment, das ich separat nachbestellt habe.

Packsack mit Zelt im Vergleich zu einer 1 l-Nalgeneflasche

Nach gut 80 Nächten in meinem kleinen Schloss, in denen ich es fast immer neu auf- und abgebaut habe, zeigt das Zelt fast keinen Verschleiß, die Reißverschlüsse laufen noch einwandfrei. Lediglich die beiden Abspannleinen in Längsrichtung sind durch die Metallleinenspanner deutlich zerschlissen und werden es vermutlich nicht mehr lange machen. Sie können aber problemlos ohne Nähen ausgetauscht werden.

Außerdem ist es nicht maussicher 😉 In meiner letzten Zeltnacht hat sich ein Besucher durch die Wand des Innenzeltes geknabbert.

Sommer in Schweden – schneebedeckter Tjäktapass

Fazit

Für Solotouren, bei denen Zuverlässigkeit, geringes Gewicht und auch ein klein wenig Komfort gesucht werden, kann ich das Vaude Lizard Seamless 1-2 Personen-Ultraleichtzelt definitiv empfehlen.


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