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Testbericht: Western Mountaineering NanoLite Quilt

Leicht, leichter, NanoLite. Einen leichten Schlafsack hatte ich schon, wieso sollte ich dann noch einen Quilt kaufen? Der NanoLite überzeugte mich schließlich mit durchdachten Details, geringem Gewicht und der beeindruckenden Qualität von Western Mountaineering.

Ich habe nie verstanden, dass ich mit meinem Körper auf Daune liegen muss, wenn unter mir doch eine Isomatte ist. Seit vielen Jahren gehe ich auf Tour und benutze meinen leichten Schlafsack meist nur als Decke. Dabei hat es mich immer etwas gewurmt, dass ich Material und Daune mitschleppe, die ich gar nicht brauche.

Als ich mehr über das Thema las, bin ich in den USA fündig geworden. Dort stieß ich auf die „Top-Loft-Schlafsäcke“, auch „Quilt“ genannt. Quilts werden in der Ultra-Leicht-Szene immer beliebter, da sie durch Weglassen der unteren Schlafsackhälfte viel leichter sind als herkömmliche Schlafsäcke.

Ein häufiges Problem am Morgen. Der NanoLite ist so leicht, dass er kaum auf dem Zelt liegen bleibt. Jedes Lüftchen weht ihn davon!

Die alteingesessene Marke Western Mountaineering hat dieses Jahr zwei Modelle von Quilts präsentiert.

Western Mountaineering (WM) stellt großartige Schlafsäcke her – nach Meinung vieler Kolleg*innen im CAMP4 vermutlich sogar die besten der Welt. Wer Details mag und in der Qualität keine Kompromisse eingehen will, wird in der Regel bei den Jungs aus San Jose, Kalifornien, landen. WM gibt es seit ca. 30 Jahren und sie machen eigentlich nichts anderes außer Schlafsäcke. Für gewöhnlich beginnen Firmen mit einem Produkt, wachsen damit, erweitern ihre Produktpalette und greifen irgendwann auch auf andere Bereiche über. Dieses Schema findet sich nahezu überall. Nicht so bei Western Mountaineering. Sie bleiben sich treu. Mehr über die Firma erfahrt ihr im Artikel von Joh.

Mit allein 10 verschiedenen Schlafsackmodellen und Daunenkleidung sind wir der größte WM-Händler in Ostdeutschland.

Allein die Kundennachfrage brachte WM dazu, auch eine Daunenhose, -schuhe und eine Jacke zu entwerfen, welche bis heute im Sortiment verblieben sind.

Western Mountaineering bleibt bei Schlafsäcken

Als ich unser System durchstöberte, fand ich in einer der Vororderlisten den NanoLite Quilt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich davon noch nie gehört, doch der Name weckte gleich mein Interesse. Nach einer kurzen Recherche rief ich unseren Einkäufer an und bat ihn, für mich auch einen NanoLite zu bestellen.

Das hat zum Glück funktioniert. Zwei Tage vor Abflug traf der Quilt im Laden ein. Während ich diese Zeile schreibe, bin ich irgendwo über der Ostsee auf dem Weg nach Stockholm. Von dort geht es weiter über Kiruna in den Sarek.

Nur wenige Firmen arbeiten wie WM mit 95% Daune.

Der erste Eindruck war verblüffend. Dieser Quilt wiegt fast nichts (312 g) und soll einen Komfortbereich bis +3 °C abdecken? Der Fußbereich ist bis auf Kniehöhe rundum geschlossen. Von den Knien bis zum Kopfende ist der Rücken offen. Damit der Schläfer an den Seiten nicht friert, halten Gummibänder den Quilt nah am Körper. Eventuelle Löcher, durch die warme Luft entweichen und kalte Luft eindringen könnte, werden dadurch zwar minimiert, aber nicht gänzlich verhindert. Ob es kuschlig warm oder hier und da zugig wird, liegt vor allem an deiner Aktivität in der Nacht.

Die Netzspinne an der Unterseite. So recht anfreunden konnte ich mich mit dieser Idee nicht.

Des Weiteren gibt es 2 Gummiriemen, die um die Isomatte gespannt werden, um den Quilt zu fixieren. In der Praxis zeigte sich, dass der untere auf mittlerer Höhe und der obere Riemen im oberen Viertel der Isomatte angebracht werden sollten. Damit ist der NanoLite korrekt auf der Isomatte ausgerichtet. Wichtig: Die kleinen Verschlüsse (Tankas) sollten immer unter der Isomatte liegen, um dir nicht in der Nacht in den Rücken zu drücken. Gleiches gilt für die Netzspinne, welche ebenfalls über einen Tankaverschluss verfügt. Dieser sollte möglichst weit seitlich positioniert werden. Ansonsten kann es passieren, dass du in der Nacht wegen eines unangenehmen Druckpunktes aufwachst.

Update 2020: Der NanoLite verfügt jetzt über drei Gummibänder mit extra flachen Schnallen, die beim Schlafen nicht pieksen.

Zwei weitere Spannriemen sollen dafür sorgen, dass der NanoLite auch auf der Isomatte verbleibt.

Der Quilt sollte in der Nacht möglichst wenig verrutschen, damit keine Öffnungen an den Seiten entstehen. Wer sich nachts viel bewegt, sollte daher eher zu einem traditionellen, geschlossenen Schlafsack greifen. Denn hier bist du rundum warm eingepackt.

Ich selbst gehöre zu den ca. 10 % Bauchschläfern in Deutschland und drehe mich kaum in der Nacht. Meine Schlafgewohnheit steht dem Quilt also nicht entgegen. In Lappland zeigte sich, dass ich hin und wieder aufwachte und mich in der Nacht neu sortieren musste. Das ist jedoch nicht der Rede wert, denn das passierte mir auch mit meinem alten Schlafsack. Lediglich in der ersten Nacht am Kebnekaise, die sehr kühl war, bin ich wegen eindringender kalter Luft aufgewacht.

So sieht der Quilt samt Isomattenbefestigung von oben aus

Ausstattung und Gewicht des NanoLite

Das stärkste Argument, mir einen neuen Schlafsack zu kaufen: Das waren die fast 300 Gramm Gewichtsersparnis im Vergleich zu meinem alten Schlafsack. Der NanoLite Quilt wiegt in der 180 cm (regular)-Ausführung nur 312 Gramm. Es fehlt zwar der Kopfbereich, aber wer braucht den schon im Sommer?

Eine Mütze gehört in jeden Rucksack und kann die gleiche Funktion erfüllen. Dabei ist die Mütze variabler und du trägst keine 100 g Schlafsackkapuzen-Gewicht durch die Landschaft, die du nicht nutzt. Der Quilt ist radikal minimiert und kann dabei trotzdem noch eine ganze Menge. Den Rest erledigt die Isomatte unter mir. Falls es frisch wird, schlafe ich mit meiner Mütze auf dem Kopf.

Der Nanolite von unten mit gespannter Netzspinne

Wie warm ist der NanoLite?

Western Mountaineering gibt als Komforttemperatur +3 °C an. Die Wärme des NanoLite kommt vor allem durch die hervorragende Verarbeitung und die exzellente Daune. Das Daunen-Federverhältnis beträgt 95/5 und verwendet wird ausschließlich 850+ cuin Daune. Das ist sehr, sehr hochwertige Daune. An manchen Tagen war mir der NanoLite schon fast zu warm. Weit hinter dem Polarkreis geht die Sonne früh auf und wenn man das Pech hat, keinen Schatten durch Berge oder Bäume zu finden, was im Fjell häufiger vorkommt, strahlt die Sonne auf dein Zelt und es wird zum Ofen. Eines Morgens schälte ich mich aus meinem Quilt, rollte von der Isomatte und lag auf meinem Zeltboden. Ein Blick auf die Uhr – 5:35 – Mist. Es blieb noch einiges an Wartezeit, bis wir alle aufstehen sollten. An dieser Stelle sei hinzugefügt, dass ich als Zeltunterlage stets einen Zeltteppich verwende. Diese Allzweckwaffe dient als Zeltschutz, Sitzunterlage und zusätzliche Isolation.

Kurze Zeit später öffnete ich Innen- und Vorzelt und ließ den Wind hinein. Die Möglichkeit, von Mücken gestochen zu werden, war ob der Hitze im Zelt ein notwendiges Opfer. Manche Leute wundern sich, wieso ich über 40 Touren hier oben absolviert habe, schließlich sei es doch immer kalt. Schön wär’s!

Die mitgelieferten Packsäcke von WM sind leider nicht komprimierbar.

Der einzige Kritikpunkt

Obwohl ich vom NanoLite begeistert bin, muss ich zugeben, dass ich den Packsack von WM sofort in die Tonne kloppen wollte. Mögen die Schlafsäcke auch noch so gut sein, für gute Packsäcke werden jedenfalls keine Energien aufgebraucht. Der Packsack von WM ist so groß, dass sich der NanoLite wieder ausbreiten kann. Das passt einfach nicht zu einem ultraleichten Quilt, denn auch das Packvolumen ist entscheidend.

So kaufte ich mir den Ultra-Sil eVent Dry Compression Sack von Sea to Summit. Dieser ist wasserdicht und mithilfe der Riemen sehr klein komprimierbar.

Der NanoLite im Sea to Summit "Ultra-Sil eVent Dry Compression Sack" winzig klein komprimiert.

Wer den NanoLite Quilt bei uns im Laden ausprobieren will, hat dazu natürlich alle Zeit der Welt. Mit Sicherheit werden wir weiterhin sehr viel mehr Standardschlafsäcke an unsere Kunden verkaufen. Doch wer eine ultraleichte Alternative sucht, der wird mit dem NanoLite glücklich.

Fakten zum NanoLite:

  • Gewicht: Regular (180 cm) – 312 g, Large (200 cm) – 354 g
  • Cuin: 850+
  • Daune: mindestens 95 %
  • Herkunft: ukrainische Gänsedaune
  • Außenstoff: 7 Denier Nylon
  • Innenstoff: 10 Denier Nylon
  • elastische Netzspinne für körpernahe Isolation
  • flache elastische Bänder zur Fixierung an der Isomatte
  • Made in USA

Fazit

Im Vergleich zu einem klassischen Schlafsack sparst du mit dem NanoLite massiv an Gewicht und Volumen. Sehr aktive Schläfer sollten von einem Quilt jedoch Abstand nehmen. Du wirst zwangsläufig „Luftlöcher“ produzieren, durch die die Kälte eindringt.

Anwendungsbereiche

  • Ultraleichte Schlafsackalternative
  • Idealer Hüttenschlafsack für alle, denen ein reines Baumwoll- oder Seideninlet bisher zu wenig war
  • Notschlafsack, wenn das Wetter umschlägt und eine Nothütte genutzt werden muss

Du hast Fragen, Anregungen oder Verbesserungsvorschläge?
Schreib uns eine E-Mail: blog@camp4.de


2 Antworten auf Testbericht: Western Mountaineering NanoLite Quilt

  1. Christian Boeser says:

    Lieber Dennis,

    danke für die ausführliche Besprechung.

    Reicht mir mit 183 cm Körpergröße die Regular-Variante?

    Herzliche Grüße

    Christian

    • Melanie Hauser Melanie Hauser says:

      Hallo Christian,
      bei 183 cm wird es mit der Länge vom regular Quilt knapp. Das solltest du auf jeden Fall probeliegen, zum Beispiel bei uns im Laden.
      Im Zweifelsfall würde ich dir zur größeren Variante raten.
      Beste Grüße
      Melanie aus der Camp4-Schlafsackabteilung

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