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Testbericht: Western Mountaineering NanoLite Quilt

Leicht -> Ultraleicht -> NanoLite. Leicht hatte ich schon, wieso dann noch einen weiteren Schlafsack kaufen? Der NanoLite interessierte mich, die Details, das Gewicht und die beeindruckende Qualität für die Western Mountaineering seit Jahrzehnten steht.

Ich habe nie verstanden, dass ich mit meinem Körper auf Daune liegen muss, wenn unter mir doch eine Isomatte ist. In den vielen Jahren, in denen ich unterwegs bin, habe ich meinen leichtesten Schlafsack meist nur als Decke benutzt. Ich bin nicht sonderlich kälteempfindlich und so habe ich die Limittemperatur von +5 °C auch unterschreiten können. Der Schlafsack wiegt etwa 620 Gramm. Es gibt leichtere Modelle am Markt aber ich war über all die Jahre sehr zufrieden.

Außerdem war ich nie der Typ, der sich alles kaufen musste, nur um ein paar Gramm zu sparen. Dennoch hat es mich immer etwas gewurmt, dass ich Material und Daune beim Schlafen unter mir habe, ohne einen Mehrwert davon zu erfahren.

Als ich mich näher in das Thema einließ, bin ich in den USA fündig geworden. Dort kam ich auf die „Top-Loft-Schlafsäcke“ oder „Quilt“ genannt. Zu dem Zeitpunkt war das keine neue Erfindung. Sie rückten aber immer mehr in die breite Mitte, da der Ultra-Light Trend langsam an Fahrt gewann.

Ein häufiges Problem am Morgen. Der NanoLite ist so leicht, dass er kaum auf dem Zelt liegen bleibt.

Die „Thru-Trekker“-Bewegung, die ich in Artikeln immer wieder erwähne, achtet auf jedes Gramm. Sogar die alteingesessene Marke Western Mountaineering hat deswegen dieses Jahr 2 Modelle von Quilts präsentiert. Alteingesessenen deshalb, weil sie etwas spät dran sind. Mir scheint es, als hätten sie den Trend etwas verpennt. WM (Western Mountaineering) stellt großartige Schlafsäcke her und nach Meinung Vieler im CAMP4, vermutlich sogar die besten der Welt.

Auch wenn sich hier die Geister scheiden. Wie oben beschrieben bin ich selbst auch mit einem anderen Modell sehr gut ausgekommen. Wer aber Details mag und in der Qualität keine Kompromisse eingehen will, wird tatsächlich bei den Jungs aus San Jose – Kalifornien landen. WM gibt es seit ca. 30 Jahren und sie machen eigentlich nichts anderes außer Schlafsäcke. Für gewöhnlich beginnen Firmen mit einem Produkt, wachsen mit diesem und erweitern ihre Produktpalette und greifen irgendwann auch auf andere Bereiche über. Dieses Schema findet sich nahezu überall. Nicht so bei Western Mountaineering – Sie bleiben sich treu. Mehr über die Firma erfahrt ihr im Artikel von Joh.

Mit allein 10 verschiedenen Schlafsackmodellen und Bekleidung, sind wir der größte WM Händler in Ostdeutschland.

Allein die Kundennachfrage zwang sie einst dazu, auch eine Daunenhose und -Jacke zu entwerfen, welche bis heute im Sortiment verblieben ist.

Western Mountaineering bleibt bei Schlafsäcken

Als ich unser System durchstöberte, fand ich in einer der Vororderlisten den NanoLite Quilt. Zu diesem Zeitpunkt für mich unbekannt, erschien der Name äußerst interessant. Ich begann mit etwas Recherche, die dazu führte, dass ich unseren Einkäufer anrief und ihn bat, einen zusätzlich, für mich, zu bestellen.

Das hat zum Glück funktioniert. Zwei Tage vor Abflug traf der Schlafsack im Laden ein. Während ich diese Zeile schreibe, bin ich irgendwo über der Ostsee auf dem Weg nach Stockholm. Von dort geht es weiter nach Kiruna (ausgesprochen „Kirna“ – stummes u) und einen Tag später bin ich im Sarek.

Nur wenige Firmen arbeiten mit 95% Daune, dabei ist dies lediglich das Minimum.

Der erste Eindruck war verblüffend. Dieser Quilt wiegt fast nichts (312 g) und soll einen Komfortbereich bis +3 °C abdecken? Der Fußbereich ist bis Kniehöhe rundum geschlossen, von dort an ist er im Rück bis oben offen gestaltet. Damit der NanoLite sich nicht zu sehr den Seiten hin öffnet, soll eine Netzspinne aus Spandex den Quilt nah am Körper halten. Eventuelle Löcher, durch welche warme Luft entweichen und kalte Luft eindringen kann, werden minimiert aber nicht gänzlich verhindert. Ob es kuschlig warm oder hier und da ein wenig Luftzug entsteht, liegt vor allem an deiner Aktivität in der Nacht.

Die Netzspinne der Unterseite, so recht anfreunden konnte ich mich mit dieser Idee nicht.

Des Weiteren gibt es 2 Gummiriemen, die um die Isomatte gespannt werden, um den Quilt zu fixieren. In der Praxis zeigte sich, dass der Untere auf mittlerer Höhe und der obere Riemen im oberen Viertel der Isomatte angebracht werden sollten. Damit ist der NanoLite korrekt auf der Isomatte ausgerichtet. WICHTIG: Die kleinen Tankaverschlüsse sollten immer unter der Isomatte liegen um nicht in der Nacht in eure Seite oder Rücken zu drücken. Gleiches gilt für die Netzspinne, welche ebenfalls über einen Tankaverschluss verfügt. Dieser sollte möglichst weit seitlich, direkt am NanoLite-Stoff anliegen. Ansonsten kann es passieren, dass du in der Nacht, wegen einem unangenehmen Druckpunkt aufwachst.

Zwei weitere Spannriemen sollen dafür sorgen, dass der NanoLite auch auf der Isomatte verbleibt.

Das der Quilt nicht verrutschen darf, ist seinem Aufbau geschuldet. Die aktiven Schläfer unter uns profitieren von einem traditionellen, geschlossenen Schlafsack. Denn hier sind sie rundum warm eingepackt. Sehr wohl kann diese jedoch bei Quilt entstehen. Somit solltest du auch deine Schlafgewohnheiten kennen.

Ich selbst gehöre zu den ca. 10 % Bauchschläfern in Deutschland und bin dadurch weniger drehfreudig in der Nacht. Meine Schlafgewohnheit steht dem Quilt also nicht entgegen. In Lappland zeigte sich, das ich hin und wieder aufwache und mich in der Nacht neu sortieren musste. Das ist jedoch nicht der Rede wert, passierte mir ähnliches doch auch mit meinem alten Schlafsack. Lediglich in der ersten Nacht am Kebnekaise, die sehr kühl war, bin ich wegen eindringender kalter Luft aufgewacht.

So sieht es von oben aus, als Bauchschläfer bin ich jedoch wenig aktiv in der Nacht und erachte es für mich als überflüssig.

Das stärkste Argument mir einen neuen Schlafsack zu kaufen: Das waren die fast 300 Gramm Unterschied zu meinem V.I.B 250. Der NanoLite Quilt wiegt in der 180 cm Regular Ausführung nur 312 Gramm. Es fehlt zwar der Kopfbereich aber auch hier gilt: Wer braucht den im Sommer?

Eine Mütze gehört zu jeder Ausrüstung und kann die gleiche Funktion erfüllen. Dabei ist sie variabler und du trägst keine 100 g Schlafsackkapuzen-Gewicht durch die Landschaft, die du nicht nutzen wirst. Der Quilt ist radikal minimiert und kann dabei trotzdem noch eine ganze Menge. Den Rest erledigt die Isomatte unter mir und falls es frisch wird hilft die Mütze auf dem Kopf.

Tatsächlich habe ich überlegt, die Netzspinne komplett zu entfernen.

Die Wärme des NanoLite kommt vor allem durch die hervorragende Verarbeitung und die exzellente Daune. Das Daunen- Federverhältnis ist 95/5 und verwendet wird ausschließlich 850+ Cuin Daune. An manchen Tagen war mir der NanoLite schon fast zu warm. Weit hinter dem Polarkreis geht die Sonne entsprechend früh auf und wenn man das Pech hat keinen Schatten durch Berge oder Bäume zu erhaschen, was im Fjell häufiger vorkommt, strahlt die Sonne auf dein Zelt und es wird zum Ofen. Den einen Morgen schälte ich mich aus meinem Quilt, rollte von der Isomatte und lag auf meinem Zeltboden. Ein Blick auf die Uhr – 5:35 – Mist. Es blieb noch einiges an Zeit, bis wir alle aufstehen sollten. Hierbei sei allerdings gesagt, dass ich als Zeltunterlage steht’s einen Zeltteppich verwende. Diese Allzweckwaffe dient als Zeltschutz, Sitzunterlage und isoliert auch noch ein wenig, trotz der geringen Dicke von 4 mm.

Kurze Zeit später öffnete ich Innen- und Vorzelt und lies den Wind hinein. Die Möglichkeit von Mücken gestochen zu werden, war ob der Hitze im Zelt, ein notwendiges Opfer. Manche Leute wundern sich, wieso ich über 40 Touren hier oben absolviert habe, schließlich sei es doch immer kalt. Schön wär’s!

Die mitgelieferten Packsäcke von Western sind leider nicht komprimierbar.

Der einzige Kritikpunkt

Ich muss jedoch zugeben, dass ich den Packsack von WM sofort in die Tonne kloppen wollte. Mögen die Schlafsäcke auch noch so gut sein, für gute Packsäcke werden jedenfalls keine Energien aufgebraucht.

So kaufte ich mir den Ultra-Sil eVent Dry Compression Sack von Sea to Summit. Dieser ist zwar etwas schwerer, dabei jedoch wasserdicht und mithilfe der Riemen, sehr klein komprimierbar. Im Packsack von WM konnte sich der NanoLite wieder ausbreiten, was für einen UL Schlafsack etwas widersprüchlich ist, denn auch das Packvolumen ist entscheidend.Der NanoLite im Sea to Summit "Ultra-Sil eVent Dry Compression Sack" auf das minimal mögliche reduziert.

Außerdem finde ich es beruhigend, mein wichtiges Ausrüstungsteil doppelt abgesichert zu wissen. Doppelt daher, da mein Trekkingrucksack ebenfalls wasserdicht ist.

Wer den NanoLite Quilt bei uns im Laden ausprobieren will, hat dazu natürlich alle Zeit der Welt. Mit Sicherheit werden wir weiterhin sehr viel mehr Standardschlafsäcke an unsere Kunden verkaufen. Wir haben aber realisiert das die Nachfrage nach leichtem Top-Equipment steigt und so war es nur logisch als Fachhändler solch ein Produkt aufzunehmen.

Fakten zum NanoLite:

  • Gewicht: Regular (180 cm) – 312 g, Large (200 cm) – 354 g
  • Cuin: 850+
  • Daune: mindestens 95 %
  • Herkunft: ukrainische Gänsedaune
  • Außenstoff: 7 Denier Nylon
  • Innenstoff: 10 Denier Nylon
  • elastische Netzspinne für körpernahe Isolation
  • flache elastische Bänder zur Fixierung an der Isomatte
  • Made in USA

Fazit:

Im Vergleich zu meinem V.I.B 250 spare ich massiv an Gewicht und Volumen. Sehr aktive Schläfer sollten von einem Quilt jedoch Abstand nehmen. Du wirst zwangsläufig „Luftlöcher“ produzieren und die nächtliche Kälte kann eindringen.

Anwendungsbereiche:

  • Ultraleichte Schlafsackalternative
  • Idealer Hüttenschlafsack für jene denen ein reines Baumwoll- oder Seideninlet bisher zu wenig war
  • Notschlafsack wenn das Wetter umschlägt und eine Nothütte genutzt werden muss

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