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Testbericht: Hilleberg Windsack, der Biwaksack für den Notfall

Vom Sinn und Unsinn eines Windsacks… Am Windsack scheiden sich die Geister. Die einen sagen, es ist ein nützlicher Ausrüstungsgegenstand, der Leben retten kann, die anderen halten ihn für völlig überflüssig.

Gehen wir das Thema mal wohlgesinnt an: Ein Windsack ist ursprünglich ein Notfallbiwaksack. Entwickelt wurde er, um im Winter auf Skitour eine Notunterkunft zu haben. Man kann sich damit selbst bei Schnee und Sturm ein kleines (relativ) windgeschütztes Refugium schaffen, in dem man seine Pause machen kann, und im Zweifel dient er auch als Notunterkunft.

Windsack

Vom Aufbau her handelt es sich um zwei Lagen Stoff, die wie eine Tüte an den zwei Seiten zusammengenäht sind. An einer Kopfseite befindet sich ein Vier-Wege-Reißverschluss, damit alle drei Insassen rausschauen können. Die rote Rückseite besteht aus einem 1200er Kerlongewebe und die gelbe Vorderseite aus dem atmungsaktiven und wasserabweisenden Stoff der Hilleberg-Innenzelte. Die Größe ist mit 195cm x 210cm nicht üppig, aber im Notfall für drei Personen ausreichend. An der Unterkante befindet sich ein Kordelzug zum Zuziehen und Verschließen. An den Ecken sind Schlaufen zum Befestigen von Stöcken, Ski oder was auch immer. Dann gibt es noch eine Sicherheitsleine, die man am Gepäck oder um den Körper befestigt. Der Sack soll ja im Sturm nicht fliegen gehen.

Maik muss den Windsack im Sturm gut festhalten.

Für die Pausenunterkunft sucht man sich eine schöne Stelle zum Setzen. Im Winter gräbt man sich dafür eine Bank in den Schnee und setzt sich mit seiner Isomatte in den Windsack. Durch die Reißverschlussschieber an der Oberkante kann man den Kopf rausstecken und die Aussicht genießen. Auch auf Bergtour im Sommer schafft er die Möglichkeit, mit seinen Kindern trotz Wind eine entspannende Pause zu machen. Wenn es zu schlimm wird, zieht man den Kopf ein und den Reißverschluss zu. So schützt er vor Wind, Regen und Schnee.

Als Biwaksack kann man mit bis zu drei Personen darin schlafen. Im Winter wird einfach die rote Rückseite auf den Boden gelegt, Isomatten und Schlafsäcke rein und an der Unterkante zugezogen. Das ist nicht luxuriös und komfortabel, aber ausreichend. Im Sommer gehört die rote Seite nach oben, da diese wasserdicht und nicht nur wasserabweisend ist.

Wer genau hinsieht, erkennt Maik im Windsack.

Etwas spezieller ist die Verwendung als Schlafsacküberzug. Nun könnte man fragen, wofür man denn einen Schlafsacküberzug braucht? Wer schon einmal in einer Schneehöhle geschlafen hat oder nur ein mäßig dichtes Biwak als Wetterschutz gefunden hat, weiß um die Nützlichkeit. Auch in einem schlecht belüfteten Zelt, das eher einer Tropfsteinhöhle gleicht, bietet ein Schlafsacküberzug dem Schlafsack Schutz vor Kondensfeuchtigkeit.

Der Windsack lässt sich auch ganz trivial als Tarp benutzen. Dafür kommt die rote Seite nach oben und man spannt das Teil zwischen Bäume oder mit Trekkingstöcken ab oder oder oder…

Manchmal braucht man auch einen schnellen Wetterschutz. Auch dazu ist der Windsack da. Ein Wetterschutz ist hilfreich, um kleinere Blessuren zu verarzten oder um sich trockene Klamotten anzuziehen. Der Autor dieser Zeilen kann ein Lied davon singen, seit er damals im Eis eingebrochen war und tropfnass wieder rausgekrabbelt ist… Die rote Farbe ist nicht nur hübsch, sie hilft auch in Notfällen, damit die Bergwacht oder die Luftrettung schneller fündig werden.

Maik baut sich eine Notunterkunft.

 

Und jetzt lassen wir noch mal schnell
die Kritiker zu Wort kommen:

„Ich nehme ein Zelt mit. Dann habe ich doch direkt eine viel komfortablere Unterkunft“ – Aber wenn es in einem Notfall schnell gehen muss, sitze ich in einer Minute im Windsack, während es schon deutlich länger dauert, im Schneesturm ein Zelt aufzubauen. Bei einer Hüttentour im Winter schleppen die wenigsten Menschen für Notfälle ein schweres, sperriges Zelt mit.

„Ein Mini-Biwaksack ist kleiner und leichter einzupacken und reicht für den Notfall aus“ – Aber die sind lange nicht so stabil oder universell. Und der Windsack ist im Notfall wesentlich komfortabler.

„Wenn es stürmt und regnet, mache ich keine ausladende Pause und erst recht nicht in so einer flatternden Wabbeltüte“ – Leider ist das Wetter nicht immer nur schön auf Tour und manchmal lässt sich eine Auszeit auch bei Schietwetter nicht vermeiden.

Viele Skandinavier nehmen ihn im Winter auch einfach mit auf Hüttentour, um eine gewisse Sicherheit und Flexibilität zu haben. Ich bin schon mehrfach mit Windsack auf Wintertour gewesen und hab ihn gerne dabei. Der Windsack ist einfach nützlich und vielseitig.

Maik genießt die Aussicht.

Der Windsack im Video:

 


Eine Antwort auf Testbericht: Hilleberg Windsack, der Biwaksack für den Notfall

  1. A.R. says:

    Realistische Windverhältnisse!
    Klasse, dass du das Video mit allen Fehlversuchen zeigst!
    Natürlich sollte man sich VOR der Reise mit einem so überlebenswichtigen Teil vertraut machen!!!

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