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Testbericht: Helsport – Reinsfjell Superlight 2

Reinsfjell Slider
CAMP4 Mitarbeiterin Juliane war 2016 für stolze 12 Wochen pausenlos im norwegischen Fjell unterwegs. Dort unterzog sie das “Reinsfjell Superlight 2” von Helsport einen Nonstop-Test. Sommer, Sonne, viel Regen und Minustemperaturen gehörten selbstredend zum Testprogramm dazu. Willkommen im Fjell… 
Ansprüche

Der Plan war: drei Monate wandern in Skandinavien. Teilweise solo teilweise zu zweit. Ich brauchte also ein 2-Personen-Zelt, dass ich (weiblich, gut 160cm groß) alleine tragen konnte. Außerdem wollte ich, dass zwei Personen darin bequem sitzen konnten, denn bei drei Monaten Skandinavien kann man schon mal einregnen und einen Tag im Zelt verbringen müssen. Außerdem musste es sturm- und regensicher sein. Kurz: leicht, geräumig, wetterfest und verlässlich. Nach umfassenden Recherchen und ewigen Fachgesprächen und der Erkenntnis, dass es das perfekte Zelt wohl nicht gibt, entschied ich mich, es mit dem “Reinsfjell Superlight II” von Helsport zu probieren. Praktisch, dass Helsport den Camp4-Mitarbeiter_innen großzügigerweise ein Team- und Testzelt zur Verfügung stellte. Also nahm ich das gute Stück mit auf meine Tour … der Härtetest. Anfang Juli bis Ende September im Fjäll, jeden Tag an einem anderen Ort und (fast) jede Nacht im Zelt.

Farben im Sarek

Flora im Vorzelt

Farbe – Die Blaubeere – bläuliches Außenzelt + gelbes Innenzelt = dezent grün schimmerndes, unauffälliges Zelt mit äußerst angenehmen Licht im Innenzelt.

RLiegeflächeaumaufteilung ist einfach genial: Ein wirkliches 2-Personen-Zelt. Innenliegefläche
1,20m x 2,30m. Ok, ich gebe zu, zwei breite Therm-a-Rest-Matten  passen nicht so wirklich, eine schmale und eine breite Matte füllen das Zelt aber optimal aus. Die Liegelänge ist auch für lange Menschen großzügig genug berechnet, sodass sie nicht mit den Füßen das Innenzelt gegen das Außenzelt drücken. Nicht, dass ich die Länge mit meinen knapp über 160cm Körpergröße wirklich ausgeschöpft habe, aber auch meine 197cm lange Isomatte ließ noch genug Platz an Kopf und Fuß um Klamotten zu stapeln und die Wasserflasche griffbereit zu legen.

Das Beste vom Besten: zwei sich gegenüberliegende Eingänge – jeder hat also seinen eigenen Aus-/Eingang und Vorzelt. Damit muss man nicht über die zweite Person rüber krabbeln, wenn einen Nachts die volle Blase aus dem Zelt treibt oder man nur mal kurz schauen möchte, ob es vielleicht in der heutigen Nacht Polarlichter zu sehen gibt. Äußerst praktisch. Das Vorzelt ist groß genug, um das Gepäck einer Person (Rucksack, Schuhe, Kochgeschirr) unterzubringen und den Eingang noch zu nutzen. Nur Not kann man mit großer Vorsicht auch im Vorzelt kochen, ich habe dazu immer die Zeltunterlage ein wenig beiseite geschoben.

Außerdem ist es möglich zu zweit gemütlich im Zelt zu sitzen, was ich bei den meisten Tunnelzelten oft schwierig finde, die steilen Wände des Reinsfjell und der hohe Mittelbogen ermöglichen dies aber. So kann man im Zelt, bei Regen (auch zu zweit) alles komplett zusammenzupacken, dann schnell das Innenzelt auszuhängen, die Regenhülle über den Rucksack und dann erst raus in den Regen. Bleibt dann nur noch schnell, die Stangen rausschieben und das Zelt als letztes in den Rucksack.

Insgesamt bin ich in den drei Monaten mit vier verschiedenen Personen zusammen gewandert und alle waren positiv überrascht vom großzügigen Platzangebot und der Konstruktion (Mischung aus Kuppel und Tunnel: das heißt zwei parallel verlaufende Bögen und ein mittig dazu quer verlaufender). Insbesondere die zwei Eingänge riefen Begeisterung hervor.

 idyllischer Zeltplatz im FulufjaellHerbst am Tornetraesk

 

 

 

Wind- und Wettertest

Mehrmals zeltete ich an windigen Stellen. Zweimal jedoch lässt sich von regelrechten Sturmböen sprechen, die übers Fjäll jagten und das Zelt einem Härtetest in Sachen Windstabilität unterzogen. Ich gebe zu, anfangs war mir ein bisschen mulmig zumute als sich die Zeltstangen soweit bogen, dass sich das Innenzelt kurz über meiner Nase befand. Dann beruhigte ich mich selbst damit, dass ich im Moment eh grad nichts an der Situation ändern konnte, zog meinen Buff über die Augen und schlief ein.

Am nächsten Morgen stand das Zelt 1a, keine Stange war gebrochen oder verbogen, keine Leine gerissen und keine Naht hatte den Geist aufgegeben. Sturmtest bestanden. Wichtig ist wirklich alle Zeltleinen gut und fest zu spannen. Das ganze probierte ich später noch einmal in der Kombination mit peitschendem Regen aus. Auch hier hielt das Zelt was es verspricht. Regen kombiniert mit kalten Windböen, die vom Gletscher herunterfegten, die gemütlichste Nacht meiner Tour war es trotzdem nicht, aber auf das Zelt war ich sehr stolz.

Bei drei Monaten in Nordskandinavien wandert man nicht nur im Sonnenschein … . Auch viel Regen macht dem Zelt nichts aus, allerdings tropft bei starkem Regen über die Belüftung im Vorzelt ca. alle 10 min ein Tropfen ins Vorzelt. Also bei Regen Regenüberzug über den in der Apside lagernden Rucksack. Ansonsten auch hier keine Beanstandungen. Ich muss hinzufügen, dass ich gezwungen war das Zelt im letzten Monat fast jeden Morgen nass einzupacken. Die Skala reichte dabei von leicht feucht bis pitschnass. Das lag teilweise an dem Kondenswasser und teilweise an Niederschlägen verschiedenster Form (Regen, Tau, Reif, Schnee).

Guten Morgen nach einer kalten Nacht

Hinzu kam, dass die Temperaturen nördlich des Polarkreises im September in dem Morgenstunden meist nicht über 5°C kletterten – zu warten, bis das Zelt trocken wurde, war also auch keine Option. Deshalb knöpfe ich annähernd jeden Morgen rasch das Innenzelt aus – geht wirklich schnell – und Stopfte es in das Säckchen, in dem ursprünglich die Zeltunterlage verpackt war, diese ließ ich nämlich immer fest installiert. Abends dann erst das Außenzelt kurz betrocknen lassen (im aufgebauten Zustand natürlich) und dann das Innenzelt wieder eingehängt. Die farbliche Markierung (rote Ecke zu roter Lasche) führt dazu, dass Reißverschlüsse und Eingänge immer aufeinander abgestimmt sind.

Handling und Schwachstellen

Durch die innenliegenden Gestängekanäle lassen sich die Zeltstangen problemlos schieben. Gelbe Stangen in gelb markierte Öffnung und rote Stange in die rot markierte. Man sollte darauf achten, dass die Stangen gut in den Laschen am Ende des Gestängekanals liegen, bevor man zuerst die rote und dann die gelben Stangen spannt und nachspannt. Da das Zelt an sich freistehend ist, kann man nun noch zum Finden der idealen Untergrundposition das Zelt verschieben und erst dann mit Heringen verankern und abspannen. Das Ganze geht wirklich fix und bei jeder Witterung.

Das Einschieben der Stangen ist weniger leichtgängig, wenn das Zelt nass ist. Dann funktioniert es zu zweit besser als alleine zumal man gerade beim Auf- und Abbauen vorsichtig sein sollte, denn das ultradünne silikonisierte Außenmaterial (15Denier! Polyamid Rip-Stop) ist zwar extrem wind-und wasserfest, durch Unvorsichtigkeiten keim Auf- und Abbau hat es in den drei Monaten dennoch einige kleine Blessuren davongetragen (siehe Fotos). Einmal drehte ich das Zelt auf den Kopf, um den Zeltboden besser trocknen zu lassen und ein anderes Mal erfasste eine Böe das Zelt und es schrubbte zwei bis drei Meter über Geröll-Moos-Gestrüpp-Fjäll.

Riss

Riss geflickt

 

 

 

 

Dadurch entstanden kleine Risse an einigen Stellen, wo die Stange den Außenstoff spannt. Da darunter aber noch der Gestängekanal verläuft, der aus dem etwas robusteren Material des Zeltbodens (40DN Polyamid RS ebenfalls silikonisiert) gefertigt ist, war die Funktion zunächst nicht beeinträchtigt, d.h. es regnete auch weiterhin nicht hinein. Außerdem möchte ich anmerken, dass der Ripstop des Außenmaterials sehr gut funktioniert, denn ich habe die Löchlein bzw. Risse nicht gleich reparieren können, schließlich braucht Silnet – der einzige Kleber, der auf silikonisierten Materialen hält – 24 Stunden zum Durchtrocknen. Ungünstig, wenn man jeden Morgen sein Zelt wieder abbaut, da musste ich halt bis zum nächsten Pausentag warten. Das dem Zelt beigelegte Reperaturset enthält ein Stück Stoff aller verarbeiteten Materialien, Silnet und Ersatzstangensegmente. Also Vor- und Umsicht bei Auf- und Abbau.

Details und Tipps

Der Abstand zwischen Innen-und Außenzelt ist ausreichend groß. Das Innenzelt ist sehr üppig mit Taschen ausgerüstet. Je vier Zelttaschen befinden sich an Fuß- und Kopfende. Genug um allerlei Krimskrams unterzubringen und halbwegs Ordnung zu halten. Zusätzlich sind im Innenzelt genügend Laschen eingenäht, um eine Wäscheleine einzufädeln. Sehr praktisch und nervig, wenn es nicht möglich ist. Die Originalherige haben wir getestet und für zu klein und nicht tauglich befunden und sie durch Hilleberg Y-Pegs ersetzt. Allerdings hat Helsport die Heringe zum kommenden Kalenderjahr (2017) überarbeitet und wird sie durch bessere, kräftigere ersetzen.

Ich denke das war eine sehr weise Entscheidung. Außerdem habe ich ihnen einen eigenes Säckchen spendiert, denn ursprünglich stecken sie in einer Seitentasche des Gestängesäckchens, welches wiederum aus dem leichten Zeltmaterial genäht ist.

Kälte sieht man schlecht auf Fotos

Das Folgende bezieht sich jetzt nicht nur aufs Reinsfjell, aber ein Zeltlappen ist ein sehr nützliches Utensil. Bei mir war es einfach ein halbes Geschirrhandtuch, mit dem man den gröbsten Dreck von Zeltunterlage wischen kann oder auch mal das nasse Außenzelt abwischen kann. Ist einfach sinnvoll für die Langlebigkeit des Materials und auch hilfreich den Verschmutzheitsgrad unter Kontrolle zu halten.

Fazit

Ich finde die Raumaufteilung so überzeugend, dass ich das Zelt jederzeit wieder mit auf Tour nehmen würde, auch wenn es mit vernünftigen Heringen und der zum Zelt verhältnismäßig schweren Unterlage doch die 2kg deutlich überschreitet. Dennoch ist beides meiner Meinung nach absolut notwendig. Man merkt, dass Helsport versucht hat an diesen Stellen am Gewicht zu sparen, was ich ja grundsätzlich begrüße, aber darin resultierte, dass man auf den stolzen Preis des Zeltes noch ein paar Euro drauflegen muss.

am frühen Morgen

 

Grundsätzlich sollte man sehr vorsichtig mit dem Zelt umgehen, aber in Sachen Funktionalität und Komfort bei geringem Gewicht, hat das Reinsfjell Superlight 2 absolut überzeugt. Bei allen Touren ob solo oder zu zweit, wo es aufs Gewicht und Packmaß ankommt und eventuell schwierige Wetterverhältnisse zu erwarten sind, ist das Reinsfjell eine sehr gute Lösung, da es sich auch auf einer kleinen Stellfläche problemlos aufstellen lässt. Gerade für Wanderungen, die länger sind, man Essen für viele Tage mitschleppt und man auch mal im Zelt sitzen möchte, bietet sich dieses leichte komfortable Zuhause an. Ich habe insgesamt ungefähr 12 Wochen im Zelt verbracht, damit das Zelt ca. 90 mal auf- und abgebaut.

Wenn ich davon ausgehe, dass die meisten Menschen aufgrund beruflicher oder anderer Verpflichtungen meist nicht mehr als drei Wochen im Jahr im Zelt verbringen, bedeutet das, dass unser Zelt jetzt die Gebrauchsspuren von 4 Jahren „durchnittlichem“ Gebrauchs aufweist. Ich finde dafür macht das Reinsfjell eine sehr gute Figur. Natürlich sieht das Zelt nicht mehr wie neu aus, aber es funktioniert einwandfrei und hält sicherlich auch noch viele Touren durch.

PS.: eine Nacht verbrachten wir sogar zu dritt in dem Zelt, da diese Nacht sehr kalt wurde und nur mein Schlafsack warm genug war. Deshalb verfrachteten wir einen Teil des Gepäcks in das zweite Zelt und kuschelten uns zu dritt ins die Blaubeere. Uns wurde nicht kalt, aber morgens war sogar das Innenzelt komplett gefroren auch der Aggregatzustand des Nasensprays, welches ich in einer Zelttasche deponiert hatte, war nicht mehr flüssig sondern fest. Merke: Zur Not passen auch drei schmale Frauen ins Reinsfjell.

Panoramafenster

Zelten mit Gletscherblick

 

 

 

 

Das Helsport Reinsfjell wird auf dem OrankeCamp’17 in mehreren Varianten aufgebaut sein.


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