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Testbericht: Woolpower – Crewneck 200 bei Kajak fahren, Trekking und Klettersteig

Testbericht Woolpower Crewneck 200

Wir befinden uns hier ziemlich mittig von Schweden, auf einer Linie mit Trondheim (Norwegen). Genauer gesagt im Weltkulturerbe „Höga Kusten“, seit 2000 trägt es diesen Titel. Touristisch ist dieses Areal noch nicht in der Oberliga Schwedens angekommen, verzeichnet aber stetigen Zuwachs an Besuchern. Im Jahr 2016 waren es immerhin schon ca. 50.000. Diese Region hat ungeheures Potential und deshalb konnten wir hier, das Produkt um das es uns gehen wird, „Woolpower“ Crewneck 200, sehr vielseitig testen.

Als ich in Örnsköldsvik aus dem kleinen Flieger steige strahlt die Sonne mit ganzer Kraft, dennoch ist es frisch, der Wind weht heftig über das Flugfeld, aber die Frisur sitzt. Es ist Anfang Oktober, wir sind hier zwar nicht am Polarkreis aber sonderlich weit ist dieser auch nicht mehr entfernt. Nachts fallen die Temperaturen bereits unter 0° C. Zu Hause in Berlin, derzeit noch undenkbar.

Start des Treks

auf dem Küstenweg

Der Plan sieht die nächsten Tage eine kombinierte Tour aus Trekking, Kajaking und einem Klettersteig vor. Wir verpacken unser Material in die Rucksäcke, verstauen was wir nicht brauchen und ziehen los. Das Wetter meint es gut mit uns, Sonne und ein paar Wolken, etwas Wind. Wir ziehen durch Wälder entlang der Küstenroute nach Norden. Da mir meist schnell warm wird, trage ich lediglich das „Woolpower“ Crewneck, in 200’er Stärke. Davor hatte ich noch etwas Respekt, fühlte es sich doch auffallend dick an. Aber deswegen sind wir hier, zum Testen. Den Aufbau von „Ullfrotté“ hatten wir neulich schon in einem anderen Artikel angerissen. Letztlich bilden die vielen Schlaufen zusätzliche Luftkammern, diese unterstützen die Temperaturregulierung am Körper.

Nachdem wir die feuchten Wälder durch stetigen Aufstieg unter uns gelassen haben, erblicken wir nach Osten die Ostsee. Schweden ist bekannt für seine riesigen Seengebiete aber das da vor uns tatsächlich die Ostsee liegt, fällt vorerst schwer zu glauben. Sei es drum, eine der Teilnehmerinnen hat Asthma, der Rucksack engt ihren Brustkorb zu sehr ein, zudem ist es die erste Tour dieser Art. Sie muss ihren Rucksack abgeben, so laufe ich nun eine Weile als Sandwich durch die Gegend.

Seitdem wir die Wälder verlassen haben begleitet uns der Wind, sanft aber konstant. Kein Problem beim Laufen, in den Pausen wird aber schnell klar, dass es doch zu frisch wird, also den Windbreaker übergeworfen.

  1. Es reguliert wahnsinnig gut, mir ist nicht kalt geworden weil ich durchgeschwitzt war, Wolle wärmt auch noch wenn sie 30% Feuchtigkeit aufgesogen hat. Das Ullfrotté ist schlicht kein winddichter Stoff, soll er gar nicht, dafür gibt es andere Dinge. Aber die Körperwärme wurde durch den Wind sehr schnell abgetragen. Wer viel draußen ist, dem wird bekannt sein, dass dieser das größte Problem darstellt. Wind klaut Körperwärme, immer – der Chillfaktor!

Wir ziehen weiter, von oben konnten wir unseren anvisierten Strand für die Nacht schon grob anpeilen. Also müssen wir erneut durch Wälder die in sämtlichen Herbstfarben getaucht, langsam ihr Blattwerk verlieren. Einige treffen erst ein als die Sonne längst untergegangen ist. Wir bauen unser Camp auf und sitzen am Feuer. Mein Resümee  des ersten Tages: mir war nie zu kalt, außer ich sitze mitten im Wind, habe lediglich das Crewneck getragen und bin zufrieden.

der erste Abend

Am nächsten Morgen steigen wir in die Kajaks. Da es sehr sonnig ist, entscheide ich mich gegen die Regenjacke. Als erste Schicht dient weiterhin das „Woolpower“ Crewneck, darüber ein dünner Windbreaker und obligatorisch – die Schwimmweste. In der Kombination bin ich aber fast allein, nahezu alle anderen haben ihre Regenjacke als zweite Schicht gewählt.

Auf dem Wasser bekomme ich zwar die eine oder andere Welle an den Windbreaker aber so schlimm ist das jetzt auch nicht. Zumal das Wasser eben auch hindurch zieht, auf die Wolle. Ein guter Test wie ich finde. Denn sollte das Produkt nicht vollkommen durchtränkt, sondern eben nur feucht sein, muss es mich weiterhin wärmen.

  1. Dieser Effekt kommt über die Absorptionswärme und hängt mit der Struktur der Merinofaser zusammen. Die Zwei unterschiedlich großen Zellen reagieren unterschiedlich auf Temperatur, somit dehnt sich der eine Zelltyp vor der anderen aus. Diese stoßen mit den Wassermolekülen zusammen. Es entsteht Reibung und diese ist nichts anderes als Wärme. Wer diesen Effekt selbst testen möchte braucht zu Hause nur sein Merinoshirt ganz leicht befeuchten. Es wird funktionieren!

Am Mittag erreichen wir die Insel auf der wir nächtigen werden.  Jedoch ist der Tag noch jung, so wollen wir einige Kilometer quer über die Insel, den höchsten Berg dabei „erklimmen“ und auf der anderen Seite am Strand unser Lager aufschlagen. Mein dünner Windbreaker muss in der Pause trocknen, so werfe ich die Regenjacke über, das „Woolpower“ Crewneck bleibt weiterhin am Körper.

kurz vor der Abfahrt und immer schön das Crewneck tragen (Teilnehmer rechts in Grün)

auf dem Wasser...

 

 

 

 

Keiner von uns hat es eilig und so wandern wir gelassen über die Insel. Was insbesondere mir sehr gelegen kommt. Denn am Wegesrand finden sich Unmengen an Blaubeeren und ich nutze so ziemlich jede Pause meiner Leute aus und bin am Pflücken. Unser Tempo ist sogar so gut, dass wir pünktlich zum Sonnenuntergang auf dem höchsten Berg der Insel stehen. Man merkt natürlich sofort, wenn die Sonnenstrahlen keine Wärme mehr geben. Hinzu kommt die Tatsache, dass wir uns auf einer Insel befinden, die Feuchtigkeit steigt zum Abend hin entsprechend an. Feuchte Kälte kann sehr unangenehm sein aber bisher geht es mir weiterhin gut mit meiner 200’er Basisschicht.

Kurz danach erreichen wir unseren Lagerplatz, hier brauche ich nun die leichte Daunenjacke. Wir kochen ein reichliches Abendmahl und gehen zu Bett. Der nächste Morgen erwartet uns grau in grau. Wir wandern zurück zu unseren Kajaks und können uns nun entscheiden, ob wir lediglich queren und wandern oder länger paddeln und dafür weniger laufen möchten. Es wird nur eine kleinere Gruppe werden die sich für die Kajaks entscheidet. Die See ist ruhiger aber ohne Sonne am Himmel entscheide ich mich Heute für die Kombination aus „Woolpower“ Crewneck und Regenjacke. Wir paddeln in großen Bogen über die Ostsee unserem Ziel entgegen.

Es macht deutlich mehr Spaß als den Vortag, wir sind weniger, haben alle mehr Erfahrung und sind entsprechend schneller unterwegs, ohne uns in die Länge zu ziehen. Mit kleiner Pause sind wir nach ca. 3h am Ziel. Dort verstauen wir unser Material in die Autos und es geht direkt zum Klettersteig. Da wir uns nach der Landung umziehen mussten und ich von etwas erhöhter Anstrengung ausgehe, wechsle ich zurück auf „Woolpower“ Crewneck plus Windbreaker Kombi.

Ende unserer Kajaktour an Tag 3.  Klettereinweisung

 

 

 

Die Anderen befinden sich bereits in der Einweisung und wir springen nur dazu, geben vor alles verstanden zu haben und los geht’s. Route „schwarz“ ist heute geschlossen, es bleiben „weiß“ und „rot“ zur Auswahl. Dann mal „rot“ abbiegen. Wie ich hier so am Felsen hänge, kommt mir der Berg dann doch deutlich größer vor als von unten aber das hilft ja nun keinem, insbesondere nicht jenen hinter mir. Überall klickt es am Berg als wir uns nach oben begeben. Sprichwörtlich liegt uns die fantastische Landschaft in ihrer ganzen Herbstpracht zu Füßen.

Wir erblicken den Trail, können erahnen, wo wir entlang paddelten und nächtigten. Die Tage flogen nur so dahin. Oben angekommen trifft parallel auch Team „weis“ ein, einige Teilnehmer wollten gar nicht klettern und sind den Berg hinauf gelaufen. Oben an der Hütte trifft sich das gesamte Team der Tour. Bei frischen Wasser, Bier und Chips lassen wir die letzten Tage Revue passieren. Ausrüstung, Landschaft, die nächsten Touren, all dies wird besprochen. Nach einiger Zeit geht es wieder runter ins Camp. Der Abend wird lang, der Rückflug ist früh, keine vorteilhafte Kombination.

  1. Ein Testzeitraum von 3 Tagen mag kurz erscheinen. Dabei muss ich jedoch sagen, dass ich in der kurzen Zeit oft optimale Bedingungen hatte. Sonne satt, manchmal mit Wind, grauer Himmel, dazu Windstille, kurzer Regen, wir paddelten, wanderten und kletterten. Manches ging direkt ineinander über, ohne viel Pause. Funktionsmaterial wird oft als eierlegende Wollmilchsau gepriesen, nicht all diese Stoffe werden dem gerecht. Das „Woolpower“ Crewneck gehört aber ohne Zweifel dazu, es kann was es verspricht – versprochen! Meine Zweifel in Bezug auf die Dicke des Stoffes waren vollkommen unbegründet. Denn diese macht die Funktion aus. Fluffig, um mehr Luft zu speichern, die die eigene Körperwärme halten und somit gegen Kälte isolieren. Gleichzeitig minimalisierten Hautkontakt, wodurch der Schweiß auf der Haut bleibt und den Kühleffekt beim Verdunsten besitzt und nicht vom Stoff aufgesogen wird.
  2. Gefertigt wird das Crewneck aus lediglich 3 Teilen. Zwei Arme und der Rumpf werden nahtlos produziert und anschließend verbunden. Dies ist nicht selbstverständlich und steht für den Komfort, es kann keine drückenden Nähte geben. Die zwei vorhandenen sind so angebracht, dass der Rucksack auf diese keinen Druck ausüben kann. Es sind diese, Kleinigkeiten wäre das falsche Wort, Besonderheiten die ein gutes Produkt von einem sehr guten unterscheiden.

Das „Woolpower“ Crewneck ist ein Allrounder der sich dick anfühlt, wenn man ihn mit 200’er Stärken anderer Hersteller vergleicht. Genau hier liegt sein Geheimnis und genau deswegen wurde es zu Recht auch vom „outdoor magazin“ in der Ausgabe Februar 2017 zum Testsieger unter etlichen Herstellern mit dem Testurteil „überragend“ versehen.

Wir meinen…

CAMP4 geprüft

Camp4 erprobt und für sehr gut befunden!


3 Antworten auf Testbericht: Woolpower – Crewneck 200 bei Kajak fahren, Trekking und Klettersteig

  1. Alexander Reuschling sagt:

    Hallo Dennis,
    bei diesen Temperaturen im Herbst, ist es schon ziemlich lebensmüde ,ohne angemessenen Kälteschutz im Kajak auf der Ostsee zu fahren. Minimum wäre ein Neopren, aber eigentlich ein Trockenanzug mit vielleicht Woolpower drunter. Die Wassertemperatur beträgt,
    ich schätze mal nicht mehr als 10 Grad, da hast du bei einer Kenterung nicht lange Zeit wieder ins Boot zu kommen.
    Grüße Alexander

    • Dennis Dennis sagt:

      Hallo,
      wir hatten 3 Profis von Melker-Kayaks dabei. Keiner von denen trug einen Neopren und er stand auch nie zur Debatte. Auf deren Urteil haben wir uns verlassen.
      Wenn ich mir den ersten Tag im Neopren vorstelle, viel zu warm. Da war ich in der Badehose + Crewneck, Windbreaker, Schwimmweste schon gut angezogen.
      Auch gab es 2 Kenterungen, die aber schnell an Land kamen, da wir uns nie zu weit von der Küste entfernten.

      Gruß C4-Team

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