Expertenwissen

Schlafsack Wissen: Daune oder Kunstfaser

Marmot Daniel RoosWelcher Schlafsack ist richtig? Daune oder Kunstfaser. Ein vielfach diskutiertes Thema, das wir hier einmal mehr aufgreifen wollen. Hier diskutieren zwei Experten über beste Wärme und geringes Gewicht: Daunen. Oder die Kunstfaser, die für viele Einsätze völlig ausreichend ist.

„Was das Wärme-Gewichtsverhältnis angeht, gibt es keine bessere Isolation als Daune.  Das zeigt sich besonders bei den Extremen. Wer einen ultraleichten Schlafsack möchte, greift ebenso zu Daunen wie alle, die einen richtig warmen Winterschlafsack wollen,“ sagt Willi Kappeler, von Quo Vadis aus Bremen.

Ein bisschen anders sieht das Inge Müller von Kleine Fluchten in Darmstadt: „Kunstfaser- schlafsäcke sind viel besser als ihr Ruf. Moderne Kunstfasern sind erstaunlich leicht, isolieren ordentlich, sind pflegeleicht und kosten vor allem nicht die Welt. Ob der Schlafsack 500 Gramm mehr wiegt und etwas größer im Packvolumen ist, spielt doch für die meisten Aktivitäten keine Rolle. Für Segler, Paddler und Radtourer einfach perfekt!“


Schlafkomfort pur

Es gibt doch nichts Schöneres als in einem kuscheligen Daunenschlafsack zu schlafen. Man spürt geradezu wie sich die Daunen immer wieder ausdehnen und einen dicken Puffer zwischen den Körper und die Kälte bringen. Daunenwärme ist die schönste Wärme – und die angenehmste Wärme, ohne Hitzestau und sich stickig anfühlen. Denn Daune wärmt nicht nur, sondern sorgt auch für das beste Schlafklima.

Ultraleicht

Zusätzlich sind Daunen extrem leicht. Zwar heißt es im Volksmund „federleicht“, aber Federn sind im Vergleich zu Daunen richtig schwer. Federn sind die äußere Schicht des „Federkleides“, aufreizend bunt oder tarnend. Sie lassen den Regen ablaufen. Für die Wärme sorgen die Daunen, das Unterkleid am Körper der Tiere. Wer einen klein  verpackbaren, leichten Schlafsack sucht, kommt an hochwertiger Daune nicht vorbei.

Gut auch bei Daunen: Die Fillpower Angabe garantiert für Qualität und Transparenz. Hier  wird nämlich die Rückstellfähigkeit der Daunen gemessen – und das sagt was über die  Isolationsleistung aus. Je höher das Volumen – in Cuin –desto besser die Daune.


Jedermanns Schlafsack

Das Gehabe um Daune ist manchmal schon abgehoben. Die meisten jungen Menschen  brauchen in ihrem Leben einfach einen Schlafsack: Für Urlaube, Übernachtungsgäste, oder wenn man von Feten nicht mehr heimkommt, für Musikfestivals, beim Camping oder nach der Grillparty.

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Beim Festivall oder auf Reisen: Der Kunstfaserschlafsack ist immer eine gute Alternative. Foto: Anja Discher

Keine der Situationen ist kritisch oder lebensgefährlich, selbst wenn die Nacht mal etwas kälter würde. Da reicht ein Kunstfaserschlafsack allemal – und so riesig sind gute Kunstfaserschlafsäcke heute auch nicht mehr. Und das Beste: Kunstfaserschlafsäcke sind bezahlbar. Warum sollte man also mehr für etwas ausgeben, das man vielleicht ein  Dutzend Nächte im Jahr benötigt. Kunstfaserschlafsäcke reichen für viele Einsätze. Punkt.

Hütten, Reisen, Sommer

Ein Schlafsack mit maximal 500 Gramm Gewicht, der dennoch im Sommer, auf  Berghütten oder Fernreisen echte Funktion bietet? Dazu noch kleiner ist als drei Ein-Liter Flaschen. Das schafft nur hochwertige Daune mit einem Fillpower von 700 Cuin oder  mehr. Den kann man immer dabei haben und notfalls sogar noch als Innenschlafsack nutzen, um aus einem 3-Jahreszeiten-Schlafsack einen Winterschlafsack zu machen.


Leichter Allrounder

600 Gramm hochwertige Daune reichen für einen guten 3-Jahreszeiten-Schlafsack für leichte Minusgrade. Da kann keine Kunstfaser mithalten. Wer heute Lightweight unterwegs sein will, ist mit Daune bestens bedient – eigentlich in allen Outdoor-Situationen. Dazu einen wasserdichten Packbeutel, wie der Ultra-Sil Dry Sack oder der eVent Dry Kompressionssack von Sea to Summit, dann kann auch beim Paddeln eigentlich nichts schief gehen.

Ideal auch: Daunenschlafsäcke richtig gelagert, haben eine längere Lebenserwartung und bewahren ihren Isolationswert länger als Kunstfasermodelle.

Volle Funktionalität

Kunstfaserschlafsäcke sind aber nicht nur für Alltagssituationen. Sie sind funktionell und für alle Outdoor-Aktivitäten geeignet, wenn es nicht auf unbedingt niedrigstes Gewicht  und kleinstes Packmaß ankommt. Es gibt kleine und relativ leichte Modelle für  Sommereinsätze, die klassischen 3-Jahreszeiten-Modelle, sogar extreme Wintertourenschlafsäcke.

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Auch im Winter nie mehr frieren. Foto: AD

Polarforscher wie Arved Fuchs schwören sogar auf Kunstfaserschlafsäcke für Wintertouren, weil sie zuverlässig warm sind, auch wenn es mal kritisch oder Nässe ein Problem wird.

Wärme im Winter

Aber gerade im Winter kommt einem vor allem das kleine Packmaß hochwertiger Daune zugute, oder wollen Sie einen Rucksack von der Größe eines Kühlschranks mit sich herumschleppen? Das kann sich auf der skandinavischen Wintertour ebenso auswirken wie im alpinen Hochgebirge.

 

 

Der Platz im Rucksack ist kostbar und das Gewicht von schwerer Kunstfaser ist auch kein Garant für Wärme. Daune dagegen schon. Gerade trockene Kälte ist die ideale Umgebung für Daunenschlafsäcke. In Kombination mit einem dampfdichtem Innenschlafsack bleibt der Loft und damit die Wärme auch bei arktischen Temperaturen erhalten.


Wärmt auch nass

Es gibt aber auch einige Vorteile von Kunstfaserschlafsäcken gegenüber Daunenschlafsäcken. Grundsätzlich sind sie viel pflegleichter. Vor allem auf allen Touren, bei denen Wasser im Spiel ist oder sein kann, sind Kunstfaserschlafsäcke absolut zuverlässig.

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Auch bei Nässe warm: Der Kunstfaserschlafsack. Foto: AD

Der riesige Vorteil: Ein nasser Kunstfaserschlafsack ist etwa 30% weniger warm als ein trockener Kunstfaserschlafsack, ein nasser Daunenschlafsack bringt nur noch 40 % seiner Wärmeleistung.

Waschen ohne Sorge

Was die Pflegeleichtigkeit betrifft muss ich wiedersprechen: Wasser und waschen ist auch für Daune eigentlich kein Problem, immerhin stammen die Daunen von Wasservögeln. Einzig das Trocknen braucht Geduld, Wärme und Bewegung.

Idealerweise passiert das in einem Wäschetrockner mit einem Tennisball, der durch die Bewegung die Daune aufrüttelt. Oder man bringt ihn bei einem der ‚Outdoor Insider’ Läden vorbei.

Wir arbeiten mit einem exzellenten Daunen-Wäscheservice zusammen. Der Schlafsack wird da nicht nur professionell gesäubert, sondern kann sogar nachgefüllt werden. So lassen sich ältere Modelle, die einem durch viele Erlebnisse ans Herz gewachsen sind, wieder fit machen für die Outdoor-Touren der kommenden Jahre.

Markenfüllungen

Der schlechte Ruf von Kunstfaserschlafsäcken liegt dennoch an der Füllung. Da wird nämlich viel getrixt. Bauschfasern, also das Füllmaterial von Kunstfaserschlafsäcken, gibt es von extrem billig bis sehr hochwertig.

In einen Daunenschlafsack kann man greifen und die Qualität der Daune ertasten: Wie viele Federn mit Kielen sind im Schlafsack? Wie schnell und gut quillt die Daune wieder in ihre Ursprungsgröße zurück.

Das lässt sich bei Kunstfasern nicht so leicht erkennen. Auch Billigmodelle vom Discounter sehen gut aus und liegen relativ dick da. Leider hilft da auch die EN Norm Temperaturangabe auf dem Label nicht weiter. Diese wird nämlich im Neuzustand  ermittelt.

Wie gut Kunstfaserschlafsäcke aber sind, zeigt sich nach der ersten Tour. Schlechte Fasern machen nach 14 Tagen stopfen und herausnehmen aus dem Transportsack schon schlapp. Bei billig verabeiteten Säcken ballt sich die Füllung zum Klumpen, weil sie nur eingefüllt und nicht mit vernäht wurde. Und nach der Wäsche ist das Ding flach wie eine Flunder.

Hier hilft nur der Griff zu Markenfaserschlafsäcken, wie sie in den Spezialistenläden der „Outdoor Insider“ angeboten werden. Wie gut und vor allem wie langlebig Schlafsäcke sind, zeigt nur die praktische Erfahrung. Und davon haben die „Outdoor Insider“ jede Menge für Sie parat.

Schlafsäcke mit Daunen und Kunstfasern bei CAMP4


Eine Antwort auf Schlafsack Wissen: Daune oder Kunstfaser

  1. Nico says:

    Danke für diesen tollen Artikel – sollte sich unbedingt jeder Anfänger durchlesen, der seine erste Tour macht und dafür einen Schlafsack benötigt. Wenn wir als mit Frischlingen unterwegs sind, ist es nicht unüblich, dass mindestens einer von denen friert weil er sich das falsche Modell ausgesucht hat.
    Weiter So!

    Lg Nico

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