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„Auch Fingerkuppen brauchen Luft“ – unser Handschuhguide

Handschuhe im Winter

Manche frieren schon ab 15 Grad ohne Handschuhe, andere quälen sich, wenn sie ab Null Grad welche anziehen müssen. Wieder andere brauchen Handschuhe nur zum Fahrradfahren im Winter. Und welche nimmst du bei -40° C in Alaska? Welche der vielen Handschuhe sind die Richtigen für deine Finger? Wir wagen einen Versuch: Der CAMP4 Handschuh-Guide

Erstmal muss man vielleicht ganz allgemein sagen, dass Handschuhe ein extrem wichtiges Kleidungsstück sind, vor allem natürlich im Winter. Im Herbst geht es los: Wenn der Wind anfängt zu pusten, der Himmel den ganzen Tag grau bleibt und Sprühregen auswirft, spätestens dann ist es Zeit für die ersten Handschuhe.

Du kannst dir so viele Funktionsschichten und warme Sachen anziehen, wie du willst, aber wenn du an den Händen empfindlich reagierst, dann ist das wie mit kalten Ohren oder Füßen. Sind die Extremitäten einmal durchgefroren, kühlt das den ganzen Körper herunter, zumindest fühlt es sich so an. Und genau deswegen ist ein richtiger Handschuh so wichtig!

Bei Handschuhen gilt wie für andere Kleidungsstücke auch: Die Menschen sind extrem unterschiedlich. Welches der richtige Handschuh ist, ist wirklich sehr schwer einzuschätzen. Bei manchen Menschen ist das Kälteempfinden an den Händen noch extremer ausgeprägt als an den Füßen. Es gibt Leute, die bei Minustemperaturen keine Handschuhe brauchen und andere, die schon ab 10 Grad blaue Finger bekommen.

Bewegungsfreiheit für die Finger

Ein Handschuh sitzt dann richtig, wenn noch ein bisschen Luft zwischen Fingerspitze und Handschuh passt. Die Hände sollten nicht eingeengt werden. Auch bei starker Bewegung sollten die Finger nicht vorne am Material anstoßen, es muss immer ein bisschen Luft sein. Sonst entsteht eine Kältebrücke an den Fingerkuppen.

Genauso wie der Handschuh nicht zu eng sein darf, darf er aber auch auf keinen Fall zu groß sein, denn sonst kann er nicht genügend aufgewärmt werden. Das Zwiebelprinzip macht an den Fingern auch wenig Sinn, zumindest nicht, wenn du viele dünne Handschuhe übereinander ziehst. Das ist einfach zu eng und die Finger können sich nicht bewegen. Einen dünnen Handschuh kannst du aber wohl mit einem dicken Fäustling kombinieren.

Welcher Handschuh für welchen Einsatzzweck?

Wenn im Herbst die Temperaturen fallen und es Zeit wird für Handschuhe, dann musst du dir als erstes überlegen, wofür du deine Handschuhe brauchst. Fährst du mit der Bahn oder mit dem Auto und bist größtenteils drinnen und nur für kurze Strecken mal an der kalten Luft? Dann reichen einfache Handschuhe ohne Fütterung. Die Black Diamond MidWeight ScreenTap Gloves aus Stretchfleece lassen dich sogar mit Handschuhen dein Smartphone bedienen.

Für den Winteralltag in der Stadt genauso wie für Ausflüge in die verschneite Natur eignet sich der Kolon Glove von Roeckl, ein Klassiker aus Primaloft und Powerstrech. Er ist warm, flexibel und sieht super aus.

Für diejenigen, die draußen unterwegs sind, aber ihre Fingerfertigkeit nicht verlieren wollen, macht auch eine Mischung aus Finger- und Fausthandschuh Sinn. Bei der kannst du je nach Bedarf den Fäustling überklappen. Das hat den Vorteil, dass der Fäustling wärmer ist als der Fingerhandschuh. Dieser wird viel von Leuten genutzt, die zum Beispiel draußen fotografieren, Zigaretten drehen oder eine Tastatur bedienen. Da kann man dann einfach den Fäustling abklappen und schon ist die Fingerfertigkeit wieder hergestellt.

lost coast

Das Wärmste, was es gibt, sind die klassischen Fäustlinge. Hier wird die eigene Körpertemperatur maximal ausgenutzt und kann nicht über die anderen Finger verloren gehen. Bei Fingerhandschuhen wird nur der einzelne Finger gewärmt, nicht jedoch die ganze Hand. Viele schwören daher auf die guten alten Fausthandschuhe aus Wolle.

Radeln im Winter

Bis Minus drei oder vier Grad reicht vielleicht noch ein einfacher Handschuh mit einer Windstoppermembran. Wer länger draußen ist und mit starkem Wind zu tun hat oder auch während einer Tageswanderung oder einem Spaziergang im kalten Winter, der braucht einen gefütterten Handschuh! Und wer bei Minusgraden noch Fahrrad fährt, wird die Erfahrung schon gemacht haben, dass ein einfacher Handschuh nicht mehr genügend wärmt. Auch hier wieder der Rat: Vorher überlegen, wofür du den Handschuh brauchst.

Zum Radfahren im Winter eignen sich zum Beispiel die Roeckl Rhone Fahrradhandschuhe. Fausthandschuhe sind zwar wärmer, die Beweglichkeit ist aber auch stärker eingeschränkt. Bevor du dich mit Fausthandschuhen aufs Fahrrad schwingst, solltest du testen, ob du die Bremse und die Schaltung noch bedienen kannst. Im Zweifelsfall greifst du besser zu Fingerhandschuhen.

Kalte Finger beim Radfahren? Es wird Zeit für Handschuhe!

Für längere Fahrrad-Strecken im Winter lohnen sich auch die beheizbaren Handschuhe von Sealskinz. Einfach zuhause den Akku aufladen und 5-6 Stunden lang warme Finger genießen.

Beim Langlaufen ist das schon wieder ein bisschen anders. Durch die Anstrengung produzierst du sehr viel Wärme, sodass in der Regel ein einfacher Handschuh ohne Fütterung ausreicht. Für die Pausen solltest du aber noch einen warmen Reserve-Handschuh in der Tasche haben!

Es gibt auch die Handschuh-Hasser, die sowieso alles ohne Handschuhe machen und wirklich nur an drei Tagen im Jahr einen kleinen dünnen Handschuh anziehen. Die schaffen es auch mit einem ungefütterten Handschuh durch den städtischen Winter. Für solch Hartgesottene empfehlen wir einen flexiblen Fleecehandschuh, der die natürliche Beweglichkeit der Hand nicht einschränkt.

Ebenfalls gut geeignet für sportlich-aktive Menschen ist der leichte, winddichte Handschuh Lit von Roeckl. Den Lit mag sogar unser Kletter-Experte Paul, dem andere Handschuhe schnell zu warm sind.

Handschuhe zum Skifahren

Beim Skifahren ist es auch extrem unterschiedlich, wo du hinfährst und vor allem, wie kalt es dort ist. Als Allrounder eignen sich die Storm Gloves (für die Damen) oder der Sequoia STX (für die Herren) super. Für die Skipiste würde ich von einem Fausthandschuh abraten. Die Motorik ist zu sehr eingeschränkt und es wird sehr schwierig, mit Fausthandschuhen die Skistiefel fest und locker zu schnallen oder gar Snowboard-Boots aus dem Board zu befreien.

Prinzipiell macht es Sinn, mehrere Handschuhe zu nutzen. Vor allem wenn du auch verschiedene Aktivitäten draußen unternimmst: Weihnachtsbummel, Wanderungen, Radfahren, Skifahren… Ein ambitionierter Outdoorer braucht einfach mehrere Handschuhe :)

Mehrere Paar Handschuhe sind auch praktisch, um zwischendurch mal zu wechseln, wenn du tagsüber Plustemperaturen hast und abends und morgens Minusgrade, oder wenn ein Handschuh mal nass geworden ist. Am besten wählst du eine sinnvolle Kombination, die sich gut ergänzt, z.B. ein schöner Fingerhandschuh mit einem Paar dicker Fäustlinge.

Für alle Fans ultraleichter Ausrüstung gibt es natürlich auch ultraleichte Handschuhe: Die Prism Dry Line Gloves bringen nur 80 Gramm auf die Waage und sind extrem klein verstaubar.

Handschuhe für die Wintertour

Für eine Wintertour brauchst du tatsächlich die ganz dicken Dinger. Die kannst du alleine anziehen oder sie auch wieder kombinieren. Bei einer Wintertour ist es auch äußerst sinnvoll – ich würde mal sagen, wie bei einem Schlafsack – dünn und dick gemeinsam zu tragen. Natürlich gibt es auch bei Handschuhen unterschiedliche Arten der Fütterung. Von Gänsedaune über Kunstfaser und Primaloft ist alles dabei.

Es gibt fertige Fausthandschuhe, die bereits einen Innenhandschuh dabei haben, zum Beispiel die extrem warmen Alti Mitts von Outdoor Research. Praktisch ist auch der lustige Pinguinhandschuh mit seinem separat ausgebildeten Zeigefinger (auch bekannt als “Lobster-Handschuh”): Im Fausthandschuh steckt ein Innenhandschuh mit Daumen, Zeigefinger und einer “Faust” für die anderen drei Finger. Dieses Modell hatte ich selber in Alaska dabei. Vor allem für die Abende war das super. Da hab ich dann mal den dicken Überhandschuh abgelegt und konnte wunderbar am Feuerchen meine Suppe löffeln.

Handschuh lobster blog

Dann gibt es die Varianten mit dem wasserdichten Überhandschuh. Das ist zwar recht preisintensiv, weil diese zusätzlich mit einer wasserdichten Membran ausgestattet sind. Dafür bist du mit so einer Kombination super flexibel: Wenn du dich bergauf richtig anstrengst, reicht eine Handschuh-Schicht. Kommt eisiger Wind auf oder es beginnt zu schneien, ziehst du schnell die Überhandschuhe drüber. So bleiben deine Hände immer warm und trocken!

Hast du noch Fragen zum Thema Handschuhe? Schreib uns eine Mail an blog@camp4.de oder komm in unserem Ladengeschäft vorbei und lass dich beraten.

Wir wünschen dir einen schönen Winter – mit warmen Fingern und viel Schnee!


2 Antworten auf „Auch Fingerkuppen brauchen Luft“ – unser Handschuhguide

  1. Norberta says:

    Danke für diesen tollen Blog. War sehr interessant zu lesen.

  2. Gustav says:

    Vielen Dank für den interessanten Beitrag. Warme Hände machen bei kalten Wetter viel aus!

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