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Wie ist die Welt, wenn man so lange lebt?

Das Geheimnis der Baeume. Foto: Sarah Del Ben / Wild Touch Grün ist die Farbe, die diese gewaltige Naturdokumentation beherrscht. Grün ist auch die Farbe, die in der Outdoor-Szene eine entscheidende Rolle spielt. Dieser Film ist durch und durch grün und deswegen hat er einen Platz in den Filmtipps auf dem CAMP4 Camplog! Entdeckt das Geheimnis der Bäume!

Die Bäume, Tiere und Blätter schwirren einem lange im Kopf herum. Noch am Abend liege ich im Bett und betrachte den denkbar kleinen Affenbrotbaum auf unserem Fensterbrett im Schlafzimmer. Ich fand immer, der sei ganz schön gewachsen, aber wenn ich an „Das Geheimnis der Bäume“ denke, dann ist das hier wirklich nur ein Pflänzchen.

Geburt, Entwicklung, Sterben

Francis Hallé sitzt  im Wipfel eines Baumes und erklärt dem Zuschauer, dass er sein Leben in Wäldern verbracht hat. Dabei zeichnet er, malt die Blätter und Ästelungen, aus denen der Wald besteht. Seine Stimme dringt tief ein in das Bewusstsein und nimmt den Zuschauer mit auf eine fantastische Reise.

Es geht in die Tiefen des tropischen Regenwaldes. Hier sind die Bäume noch ursprünglich, hier sind sie 700 Jahre alt. Vor einem Baumriesen, der 1000 Jahre alt werden kann, fragt Hallé: „Wie nimmt man die Welt wahr, wenn man so lange lebt?“ Francis Hallé findet, dass Pflanzenforschung im Gegensatz zur Tierforschung stark vernachlässigt wird. Hallé erzählt die Geschichte des Films, seine Zeichnungen sind die Grundlage der Animationen, die in „Das Geheimnis der Bäume“ die Geburt eines Urwaldes, seine Entwicklung und sein Sterben zeigen.

Francis Hallé bei den Dreharbeiten

Francis Hallé bei den Dreharbeiten zum Film Das Geheimnis der Bäume. Foto: Tristan Jeanne-Valès Bonne Pioche Cinéma 2013

Eindringlich wie keine andere: Bruno Ganz’ Stimme

Kein anderer als der bekennende Naturfan Bruno Ganz synchronisiert für uns in Deutschland die Stimme von Francis Hallé. Ruhig, eindringlich, staunend nehmen wir teil an dieser Reise durch den Urwald. Man sieht zurückgelassene Kettensägen, Gummistiefel, es ist ein Ort der Apokalypse.

Die Zerstörung der tropischen Regenwälder auf dem Planeten ist keine Metapher, sondern historisch-botanische Realität. Aber nicht nur das. Francis Hallé zeichnet und erklärt uns die Zusammenhänge und lässt uns teil haben an seinen Gedanken. Bruno Ganz gibt dem wissenden Botaniker seine Stimme:

Ich habe Menschen gesehen, die tausendjährige Bäume in wenigen Tagen bezwingen. Es reicht ein Moment, sie zu zerstören, zu berauben, zu benutzen, zu fällen. Doch wie viele Jahrhunderte brauchen sie, um wieder zu wachsen?“

Animationen lassen der Fantasie Flügel wachsen

War die Reise der Pinguine noch recht kitschig und hat die armen Tierchen mit den unterlegten Stimmen doch sehr vermenschlicht, so hat sich Regisseur Luc Jacquet bei den Bäumen mehr an die Realität gehalten. Zwar gibt es dieses Flüstern und Raunen, das den Urwald-Riesen irgendwie eine Stimme gibt, aber es ist fast mystisch und regt eher die Fantasie an, als abzuschrecken.

Poetisch kommen Bäume eher daher. Und das steht noch dazu in einem starken Kontrast zu all den biologischen Fakten, die dem Zuschauer nebenbei noch vermittelt werden. Hier stehen Gefühl und Information na beieinander und nähern sich allmählich an, um sich schließlich ganz zu verbinden. Und je mehr Informationen man bekommt, desto stärker wird man (fast) selber ein Baum. Nagut, dass klingt jetzt ein bisschen schwülstig, aber der Eindruck entsteht wirklich.

Als ich aus dem Kino schlich, bewegen sich meine Beine sehr langsam und am ersten Baum, der auf der Straße in den Bürgersteig förmlich eingemauert ist, bleibe ich stehen und staune: Wie kann man nur? Und nehme mir fest vor mit meiner kleinen Tochter jetzt öfter in den Wald zu gehen!

Ein sehr sehenswerter Dokumentarfilm, der anschaulich zeigt, wie der Regenwald im Laufe der Jahrhunderte sein Gesicht verändert. Wie sich ein Baum vor dem Angriff der Elefanten schützt, wie  wandlungsfähig die Passionsblume auf die Attacken gefräßiger Raupen reagiert und wie Interaktionen zwischen Pflanzen- und Tierwelt funktionieren. Läuft jetzt auch in den Berliner Kinos.


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