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Outdoor-Helden glänzen im Horror-Trash

Der Gletscher färbte sich über Nacht blutrot. Warum? Alle Fotos: Drop-Out CinemaDie Österreicher trauen sich vielleicht was. Dringen ein in ein Genre, dass vornehmlich von Hollywood dominiert wird. Und dann machen sie das auch noch richtig gut. Der Filmemacher Marvin Kren hat mit Blutgletscher einen Horror-Film der ganz besonderen Art geschaffen.

Blutgletscher lebt von seiner Echtheit. Wie kann ein Film echt sein, wenn er Horror ist? Ganz einfach, indem ein Film von der groben Schönheit des Gletschers dominiert wird und der Held so biestig und gleichzeitig liebenswürdig ist, dass man sich seinem rauen Charme einfach nicht entziehen kann. Und genau deswegen gehört dieser Film auf unseren Blog. Wilder Outdoor-Typ mit langem Bart rettet die Welt.

Gut gemachter Öko-Horror

Der Wind pfeift, die Nächte sind kalt, eine kleine Hütte am Fuße eines Gletschers – in ihr lebt und forscht Janek. Wunderbar gespielt von Gerhard Liebmann, der für seine Rolle mit dem Österreichischen Filmpreis für den “Besten männlichen Darsteller” ausgezeichnet wurde. Ein Stationshüter, wie man ihn sich vorstellt: Er kümmert sich um alles und will als einziger von dem Berg auch nicht mehr runter. Dieser grimmige Kerl macht nun eine Entdeckung, die seine liebevolle Verbitterung noch weiter schürt und die Abkehr von den Menschen nur noch unterstützt.

Ausgerechnet an dem Tag, als die Umweltministerin der Station einen Besuch abstatten will um nach dem Rechten zu schauen, traut Janek seinen Augen kaum. Der Gletscher hat sich rot verfärbt, schon in der Nacht kratzen riesige Klauen an der Tür der Forscher-Hütte und es gibt gruseliges Getier zwischen den kargen Bergen. Die mörderisch scharfen Krallen lassen die Hütte schnell zu einem Gefängnis werden, noch bevor der Zuschauer überhaupt weiß, was da los ist.

Dank der grandiosen Schauspieler wirkt das ganze Szenario auch irgendwie fast ernst, man kauft denen die Angst vor dem Ungewissen und diese Panik wirklich ab. Die Ministerin und ihr Team können selber kaum glauben, was sie dort sehen und betrachten den roten Gletscher fast mit Humor. Klar, man versucht ja immer erstmal Angst mit Humor zu überspielen.

Ohne digitales Getrickse mit seichter Geschichte

Aber die Angst ist echt, denn was da im ewigen Eis vor sich hin mutiert scheint wirlich bedrohlich zu sein. Hierbei kommt Kren ganz solide daher. Einfache Charaktere, schlichte Story, keine Mehrdeutigkeiten, eine klassische Grusel-Konstruktion. Der Spannungsbogen steigert sich unaufhörlich und die Liebesgeschichte zwischen Janek und Klimaforscherin Tanja (Edita Malovčić) hält sich dezent im Hintergrund. Einige Blicke, wenige Gesten, ein bisschen Streiten und die eine oder andere Floskel reichen völlig aus um hier bescheid zu wissen.

Dominiert von Naturgewalten besticht Blutgletscher mit dem Mensch allein. Die Berge, das blutrünstige zum Teil bereits mutierte Getier beeindruckt durch wenig digitales Getrickse. Aber auch so kann es sich in die Körper der restlichen Menschen bohren. Das ist richtig spannender Low-Budget Horror!

Marvin Kren legt viel Wert auf die Ernsthaftigkeit seines Horros, zeigt wie düster ein einsamer Gletscher sein kann und wie Bedrohung durch die Natur dem Menschen das Blut in den Aderns gefrieren lässt. Blutgletscher überzeugt durch seine Einfachheit. Ein Film, der es nicht nötig hat sich der ewigen Horror-Coolness zu beugen und entgegen aller Trends handelt. Grandioser österreichischer Monster-Grusel mit großen Kinobildern.

Blutgletscher läuft jetzt auch in den Berliner Kinos.

 


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Eine Antwort auf Outdoor-Helden glänzen im Horror-Trash

  1. also ich hab mir ja nur den Trailer angeschaut. Offen gestanden den halben Trailer, mehr habe ich nicht ertragen können. Wenn ein Trailer schon so mies ist und der bekanntlich aus den Höhepunkten des Filmes besteht und neugierig machen soll… brrr … da helfen auch keine Aussichten auf Berglandschaften und Gletscher.
    Daumen ganz klar nach unten

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