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Testbericht: Hilleberg Kaitum 3 – My Tent Is My Castle

Mein Kaitum 3 und ich, das ist eine seit Jahren währende Liebesgeschichte. Inzwischen sind wir seit über 10 Jahren zusammen und wir genießen jede gemeinsame Tour. Gekauft habe ich das Zelt, weil ich eine neue Behausung für meine Wintertouren brauchte. 

Aus diesem Grund habe ich mich auch für die Dreiervariante entschieden, obwohl ich ein Zelt für nur zwei Menschen gesucht habe – aber grade im Winter machen diese 40cm einen riesen Unterschied!

Der Aufbau

Rondane Nationalpark, Norwegen

Der Aufbau ist typisch Tunnel, recht einfach: die drei Gestängebögen werden in die passenden Gestängekanäle geschoben, die am gegenüberliegenden Ende auch direkt eine Tasche haben, wo sich das Gestänge automatisch einfädelt, und am offenen Ende wird das Gestänge in ein Becherchen gestellt und stramm gezogen – total simpel. Die einzige Herausforderung besteht darin, dass der mittlere der drei Gestängebögen ein paar Zentimeter länger ist, aber hier sind Stange und Gestängekanal auch direkt passend farblich markiert. Für den Wintereinsatz besteht die Möglichkeit, die Gestängebögen zu doppeln und damit die Sturmstabilität deutlich zu erhöhen; die Kanäle und Endbecherchen sind groß genug dafür.

Für den eigentlichen Aufbau reichen bei gutem Wetter und dem passenden Untergrund vier Heringe aus. Das schöne ist, dass die vier Heringsschlaufen verstellbar sind, sodass man die Heringe auch bei felsigem Untergrund nicht hundertprozentig platzieren muss, sondern nachjustieren kann. Dann kann man noch die Lüfter aufspannen und wenn das Wetter entsprechend schlecht ist und der Wind sich schon mal dreht, die Sturmleinen an den Seiten mit abspannen. Insgesamt sollte man bei einem Tunnelzelt aber schon schauen, dass das Zelt in der Hauptwindrichtung steht. Wenn man dann doch mal alle Abspannpunkte benutzen will (oder muss), werden 12 Heringe benötigt.

Kanutour im Dalsland, Schweden

Superschnell geht der Aufbau dadurch vonstatten, dass das Innenzelt direkt im Außenzelt eingehängt ist und der Aufbau in einem Schritt passiert. Und falls man das Innenzelt dann doch mal getrennt einpacken möchte, zum Beispiel um es bei total nassem Außenzelt trocken zu halten, kann man es einfach mit ein paar Knebeln abknüpfen.

Innenraum – ein Trekkingpalast

Der Platz ist für zwei Personen wirklich grandios. Auch im Winter, wo die Abende lang werden können, geht man sich nicht auf den Keks. Auch bei schlechtem Wetter hat man genügend Platz, bei Bedarf noch ein paar Sachen mit ins Innenzelt zu nehmen. Jeder der schon mal zwei Tage im Zelt festgesessen hat, weiß wovon ich rede…

Wintertour im Erzgebirge

Da das Zelt in der Mitte etwas über einen Meter hoch ist, kann man auch als Mensch mit einem längeren Oberkörper bequem sitzen. Und die Liegelänge von 220 cm lässt sich auch voll nutzen, da die Kopfseiten senkrecht sind. Auch die zwei Apsiden bieten genügend Platz. Entweder man nimmt eine Apside für das Gepäck und nutzt die andere als Eingang oder zum Kochen oder jeder hat sein eigenes Reich für‘s Gepäck und als Eingang. Und ganz wichtig, es gibt immer eine wetterabgewandte Seite!

Und was ist bei schlechtem Wetter?
Die Stabilität

Am besten man richtet sich beim Aufbau nach der Hauptwindrichtung, da das Zelt dann den geringsten Windwiderstand bietet. Aber auch wenn der Wind nachts mal drehen sollte und auffrischt, macht das dem Zelt erst mal nichts aus. Ich hatte vor Jahren mal das Vergnügen, dass ich während einer Wintertour in Schweden morgens aufwachte und überlegte, warum das Zelt denn so laut im Wind schlägt. Ich steckte dann die Nase aus dem Innenzelt und hab‘ mal am Außenzelt gezupft und kam zu dem Schluss, dass es nicht an einem schlecht aufgebauten Zelt liegen konnte. Der Wind hatte nachts einfach deutlich aufgefrischt und gedreht und pustete mit seinen mehr als 60 km/h voll von der Seite. Drinnen war davon aber einfach nichts zu spüren.

Rondvatnet im Rondane Nationalpark, Norwegen

Was man allerdings beachten sollte, ist, dass sich das Zeltmaterial (Kerlon 1200, ein mehrfach silikonbeschichtetes Nylon) bei Nässe dehnt. Wenn man nun das Zelt bei Regen das eine oder andere Mal nachspannt, und es dann am nächsten Tag in der Sonne (z.B. während einer Tagestour) wieder trocknet, kann es schon mal passieren, dass es dann abends den einen oder anderen Hering aus dem Boden gezogen hat…in solchen Fällen können einfach enorme Kräfte wirken, die das Material aber insgesamt gut wegsteckt.

Was es zu überlegen gilt, ist die Benutzung der passenden Zeltunterlage. Diese schützt den Zeltboden vor Steinen, Dornen und allem, was Löcher machen könnte. Außerdem erhöht sich die Wassersäule enorm. Bei Hilleberg gibt es für jedes Zelt die passende Unterlage, die direkt am Zelt festgeknüpft werden kann und sich so direkt mit aufbaut. Normalerweise nehme ich meine Zeltunterlage nur zum Trocknen und Reinigen und im Winter ab, da man sie dann ganz einfach nicht benötigt, um nicht zu sagen, dass sie da regelrecht stört, weil man sich so z.B. keine Fussgrube in der Apside in den Schnee graben kann.

Dalsland, Schweden

Farbwahl

Es gibt das Kaitum in drei Farben: sand, rot und grün. Wobei man sagen muss, dass das aktuelle grün fast schwarz wirkt. Das liegt an der Mehrfachsilikonbeschichtung, die das grüne Polyamid deutlich nachdunkeln lässt. Das ist leider der Preis für die höhere UV-Stabilität. Aber rot ist rot und sand ist beige-braun. Mein Kaitum ist grün, weil ich damals dachte, dass ich beim Wildzelten damit weniger auffalle, aber heute würde ich mir wohl ein rotes Zelt kaufen, da das Licht im Inneren einen deutlich wärmeren Farbton hat und angenehmer erscheint. Da herrscht auch bei Regenwetter im Zelt Sonnenschein. Und dem Sprichwort folgend „Nachts sind alle Katzen schwarz“, wäre für mich die grüne Außenfarbe heute kein Kriterium mehr.

Die Belüftung

Elbtalaue in Deutschland

Was soll ich bei einem wintertauglichen Zelt drum herum reden: Im Sommer ist das Zelt aufgrund der bis zum Boden runtergezogenen Außenzeltwände natürlich wärmer als andere Zelte mit mehr Bodenfreiheit; dafür stört mich im Winter drinnen aber auch kein Schneesturm…

Aber über beiden Eingängen befinden sich große Lüfter, sodass man auch im Sommer schon mal ein wenig für Durchzug sorgen kann. Die Eingänge des Innenzeltes sind gedoppelt, so dass es zum einen im Winter nicht zieht, und wenn ich im Sommer das Doppel am Eingang wegnehme, kommt ein luftiges Moskitonetz zum Vorschein. Und ein ganz großes Gimmick des Zeltes besteht darin, dass ich die Apsiden ganz zur Seite aufwickeln kann und so zum einen eine grandiose Belüftung hinbekomme (es sollte dann aber nicht unbedingt regnen) und zum anderen gibt es keine schönere Möglichkeit, im Zelt liegend den Sonnenaufgang zu genießen!

Erfahrungsberichte

Es gibt so viele Geschichten, die ich mit meinem Kaitum verbinde: Wintertouren in Lappland, (eingeschneit im Schneesturm), Faltboottouren mit meiner Frau im sommerlichen Mittelschweden, Norwegen-Fjell-Touren im Herbst, Wanderungen durch das Biosphärenreservat Elbtalaue im Hochsommer und, und, und…. Einfach ein geiles Zelt!

Abschließend kann ich sagen, dass ich mein Kaitum für mich perfekt finde, auch wenn es 3,4 kg wiegt. Es war bislang einfach in jeder Situation eine feste Burg für mich – und wird es auch künftig sein!

 


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