{"id":5970,"date":"2013-09-21T05:00:10","date_gmt":"2013-09-21T03:00:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/?p=5970"},"modified":"2024-06-26T13:55:30","modified_gmt":"2024-06-26T11:55:30","slug":"indien-nepal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/reiseberichte\/indien-nepal\/","title":{"rendered":"Medizin Praktikum in Nepal &#8211; der andere Reisebericht"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1248px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:0px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\"><p><strong><a href=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Varanasi-bei-sonnenaufgang-der-Ganges-hat-extremes-hochwasser_w.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload alignleft size-full wp-image-6209\" src=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Varanasi-bei-sonnenaufgang-der-Ganges-hat-extremes-hochwasser_w.jpg\" data-orig-src=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Varanasi-bei-sonnenaufgang-der-Ganges-hat-extremes-hochwasser_w.jpg\" alt=\"Varanasi bei sonnenaufgang, der Ganges hat extremes hochwasser_w\" width=\"900\" height=\"360\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27900%27%20height%3D%27360%27%20viewBox%3D%270%200%20900%20360%27%3E%3Crect%20width%3D%27900%27%20height%3D%27360%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-srcset=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Varanasi-bei-sonnenaufgang-der-Ganges-hat-extremes-hochwasser_w-210x84.jpg 210w, https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Varanasi-bei-sonnenaufgang-der-Ganges-hat-extremes-hochwasser_w-258x103.jpg 258w, https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Varanasi-bei-sonnenaufgang-der-Ganges-hat-extremes-hochwasser_w.jpg 900w\" data-sizes=\"auto\" data-orig-sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><br \/>\nMeine Augen sind ge\u00f6ffnet, blicken durch den Spalt, den der zugezogene Schlafsack bildet, es ist immer noch dunkel, aber eine innere Spannung und Vorfreude hat mich verfr\u00fcht aufwachen lassen. Durch ein Fenster der kleinen Steinh\u00fctte ist ein wenig Helligkeit zu erahnen, Mondlicht wird vom Schnee der Bergk\u00e4mme reflektiert, der Wind erzeugt Melodien in den vielen Ritzen der W\u00e4nde.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Schlie\u00dflich setzt die D\u00e4mmerung ein, das Zeichen zum Aufbruch, der Beginn des n\u00e4chsten Abenteuers. Ich verlasse den warmen sicheren Schlafsack, lege weitere Kleidungsschichten an und beginne die letzten vier energiehaltigen Schokoriegel auf einmal zu vernichten. Sebastian ist auch wach. Noch ein letzter Tee mit Elektrolytl\u00f6sung und wir verlassen mit dem ersten Licht die H\u00fctte der Familie, die uns in den letzten Tagen einen Schlafplatz und etwas zu Essen gegeben hat.<\/p>\n<p><strong>Angezogen von Kulturschock und Chaos<\/strong><br \/>\nUm dem Alltag und der Einschr\u00e4nkung der Feriengestaltung durch das deutsche Pflegepraktikum im Medizinstudium zu entkommen, fassten Sebastian und ich den Entschluss, diesen Sommer den lange gehegten Plan einer Asienreise umzusetzen und das verpflichtende einmonatige Praktikum einfach in Nepal abzuleisten. Bereits neun Tage vor Sebastian flog ich \u00fcber Delhi in den Norden Indiens, nach Kashmir, wo ich schnell anderen Rucksackreisenden begegnete und in die faszinierende und lebhafte Welt der dortigen Bev\u00f6lkerung eintauchen konnte.<\/p>\n<p>All diese neuen Eindr\u00fccke, die andere mit Kulturschock und Chaos bezeichnen w\u00fcrden, zogen mich unglaublich an. Ich erkannte schnell, dass ein Rucksack mit den n\u00f6tigsten Dingen, gute Schuhe und meine Kamera alles waren, um diesen Moment des Lebens vollkommen auszusch\u00f6pfen. So machte ich erste Erfahrungen beim Trekken im Himalaya, genoss die wundervolle Natur, gew\u00f6hnte mich an das schnelle Leben der Bev\u00f6lkerung, erlebte das Leid vieler Menschen hautnah, war viele Male ver\u00e4rgert \u00fcber die Aufdringlichkeit der Menschen aber auch erfreut \u00fcber spontane Begegnungen und Freundschaften.<\/p>\n<p><strong>L\u00fccke im Strauchwerk<\/strong><br \/>\nObwohl ich in den vergangenen Tagen die Route durch die Sicht von anderen Bergen, einen zuf\u00e4llig erstandenen Reisebericht und Beschreibungen der Dorfbewohner durchgespielt habe, ist es schwierig den Einstieg zu finden. Selten w\u00e4hlen Einheimische und Trekker diesen Weg und so ist zun\u00e4chst kein Pfad erkennbar, bis wir eine L\u00fccke im Strauchwerk ausmachten. Steil und schnell f\u00fchrt der Weg durch die letzten Rhododendronb\u00fcsche und Birken bergauf, die nur hier auf der Schattenseite des Berges noch in dieser H\u00f6he sp\u00e4rlich gedeihen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wir passierten verfallene Mauern von im Sommer genutzten Hirtenh\u00fctten, immer bestrebt die richtige Route nicht zu verlieren, denn einen Pfad gibt es nicht mehr. Anhaltspunkt sind lediglich ab und an Steinm\u00e4nnchen. Auf lange Ger\u00f6llfelder folgen steile Abh\u00e4nge und Abschnitte, die wir auf H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen kletternd \u00fcberwunden.\u00a0Immer wieder drehte ich mich um, schoss Fotos vom atemberaubenden Panorama, gleichzeitig ist aber auch Eile geboten, da erste Wolken aufziehen, die sp\u00e4ter den Blick einschr\u00e4nkten.<\/p>\n<p><strong>Neue Freunde in Varanasi<\/strong><br \/>\nZur\u00fcck in Delhi traf ich schlie\u00dflich Sebastian und wir reisten nach einem Tag Aufenthalt weiter nach Varanasi. Viele beschreiben Varanasi als ein \u201eMekka f\u00fcr Hindus\u201c. Das Stadtbild der am heiligen Fluss Ganges gelegenen Stadt ist von hinduistischen Tempeln und Schreinen gepr\u00e4gt. Schnell bemerkten wir den Unterschied, den der hohe hinduistische Bev\u00f6lkerungsteil ausmacht, die Menschen waren entgegenkommender, hilfsbereiter und lebensfroher.<\/p>\n<p>Bereits am ersten Tag trafen wir den 19-j\u00e4hrigen Amil, der uns von da an gern begleitete und uns die Sch\u00f6nheit der kleinen Gassen zwischen hunderten Tempeln, Badestellen und dem gro\u00dfen heiligen Feuer zeigte, das bereits seit \u00fcber 1500 Jahren brennt. Jeden Abend konnten wir Zeremonien beobachten, in denen Verstorbene eingeh\u00fcllt in ein Bl\u00fctenmeer zun\u00e4chst heiliges Wasser in den Mund gesch\u00f6pft bekamen und schlie\u00dflich in diesem Feuer verbrannt wurden.<\/p>\n<p><strong>Tropisch und sp\u00e4ter bergig<\/strong><br \/>\nMit einem letzten gemeinsamen Bier verabschiedeten wir uns von Amil und seinen Freunden und brachen Richtung Nepal auf. Der zun\u00e4chst unglaublich versp\u00e4tete Zug und ein Bus brachten uns weiter zur Nepalesischen Grenze, wo innerhalb von 10 Minuten ein Visum gel\u00f6st und ein weiterer kleiner Bus nach Kathmandu gew\u00e4hlt werden konnten. Die neun Stunden Fahrt stellten sich dabei als gleicherma\u00dfen aufregend und anstrengend heraus:<\/p>\n<p>Wege voller Schlagl\u00f6cher, die durch unsere Abweichung von der Nepalidurchschnittsk\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe einige Bluterg\u00fcsse nach sich zogen, ein trotzdem unglaublich schneller Fahrer und Nepalesische Musik aus kleinen Lautsprechern standen in Kontrast zu den faszinierenden Ausblicken auf die zun\u00e4chst tropische und sp\u00e4ter bergige Landschaft. Aber genau diese Kombination machte das Erlebnis so unvergesslich, sodass wir diese Art zu reisen in der Zukunft vorzogen.<\/p>\n<p><strong>Dem Ehrgeiz waren keine Grenzen gesetzt<\/strong><br \/>\nNach zwei Stunden erreichten wir den steilsten Anstieg vor der Schneegrenze und arbeiteten uns in Serpentinen Meter f\u00fcr Meter bergauf. Mittlerweile war mein Ehrgeiz noch st\u00e4rker geweckt, an der Leistungsgrenze wird weiter gestiegen, mehr Wolken kommen nach, die H\u00f6he macht sich bemerkbar, das Ziel scheint so nah&#8230;<\/p>\n<p>Es setzte ein vom Gletscher geformtes Ger\u00f6llfeld ein, das den steilen Anstieg abschlie\u00dft und die Schneegrenze markiert. Eine Wegmarkierung war schon lange nicht zu sehen aber nun lies sich das Ende, der \u00fcber 5200 Meter hoch gelegenen Passes zwischen 2 Gipfeln erahnen. So kletterten wir weiter durch das Ger\u00f6llfeld, das sich aus mehr als mannsgro\u00dfen Gesteinsbrocken zusammensetzt. Um diese Uhrzeit ist der Schnee noch gefroren, was die Gefahr einschr\u00e4nkt einzubrechen. Zu Beginn der Schneezone noch unglaublich motiviert wird mir schnell klar, dass der eigentliche Weg uns noch bevorsteht.<\/p>\n<p><strong>Arbeitsbeginn im Krankenhaus<\/strong><br \/>\nIn Kathmandu lernten wir andere Volunteers und die jungen Organisatoren des Mountain Fund kennen und f\u00fchlten uns in ihrem Haus sofort wohl. Nach einem ersten Sightseeing-Tag begann die Arbeit im Krankenhaus und schnell wurde klar, dass hier alles anders ist. Das f\u00fcr arme Menschen mit wenig finanziellen Mitteln im krankenversicherungsfreien Nepal gegr\u00fcndete Krankenhaus war von au\u00dfen als solches nur durch ein gro\u00dfes Schild mit der Aufschrift \u201eHospital\u201c zu erkennen und der Warteraum im Innenhof (mit Motorrad-Drive-Through!) sowie die eher an einen Keller aus Betonbauteilen erinnernden Behandlungsr\u00e4ume lie\u00dfen uns zun\u00e4chst staunen.<\/p>\n<p><strong>Mit wenig viel erreichen<\/strong><br \/>\nTrotz geringer medizinischer Ausstattung und wenig Medikamentenauswahl wurden dort etwa 70 Menschen versorgt. Die vielen jungen \u00c4rzte gingen oft an ihre Grenzen, behandelten die Patienten aber so gut, dass man das Krankenhaus sogar in Deutschland kannte. Wir schlossen uns zun\u00e4chst einigen jungen \u00c4rzten in der Notfallaufnahme an, mit denen wir \u00fcber die gesamte Zeit viel Spa\u00df hatten.<\/p>\n<p><strong>Neue Krankheiten<\/strong><br \/>\nNicht nur das Erscheinungsbild des Krankenhauses war vollkommen neu, auch die Patienten und ihre Krankheiten waren f\u00fcr Nepal typisch von anderer Auspr\u00e4gung als in Europa. So dominieren dort vor allem COPD (aufgrund der rekordverd\u00e4chtig schlechten Luft in Kathmandu) und schwere gastrointestinale Erkrankungen und nicht selten erlebt man auch ausgefallene Selbstmordversuche.<\/p>\n<p><strong>Eigenartige Selbstmordversuche<\/strong><br \/>\nGleich am ersten Tag wurde ein bildh\u00fcbsches M\u00e4dchen zu uns gebracht, vollkommen apathisch, sie hatte Rattengift geschluckt. Der Arzt begann mit dem Magenauspumpen und lie\u00df mich direkt assistieren, bald jedoch wurde er an einer anderen Stelle gebraucht und so f\u00fchrte ich die Behandlung allein fort. Erster Tag, ein Leben gerettet. Aufregender und lehrreicher k\u00f6nnte es nicht sein. Wie wir sp\u00e4ter erfuhren hatte das junge M\u00e4dchen ein Beziehungsende nicht verkraftet. Unglaublich.<\/p>\n<p><strong>Geh an deine Grenzen<\/strong><br \/>\nDer tiefe mittlerweile angetaute Schnee, das h\u00e4ufige Wegrutschen und Einbrechen bis zum Oberschenkel, jedes Gramm des Rucksacks und die Einsicht, dass das Ziel nur nah erschien wirken sich auf die Motivation aus. Es wird noch steiler, im 40\u00b0 Winkel steigen wir Serpentinen bildend den mit tiefem Schnee bedeckten Hang hinauf.<\/p>\n<p>In meinem ganzen Leben habe ich nicht solche Strapazen erlebt. F\u00fcnf Schritte steigen. Pause. Tief atmen f\u00fcr f\u00fcnf Sekunden. Wieder\u00a0f\u00fcnf Schritte. Wieder Pause. Die Atemfrequenz steigert sich auf einen vollst\u00e4ndigen Atemzug pro Schritt. Immer wieder rutsche ich weg, breche ein, setze nach und verliere so viel Kraft. Das Ziel ist l\u00e4ngst aus den Augen verloren. Man denkt nicht mehr, vielmehr beginnt man zu tr\u00e4umen, sich zu erinnern an andere sch\u00f6ne Momente, den ersten Anstieg auf 5000 Meter drei Tage zuvor.<\/p>\n<p><strong>Freizeitgestaltung<\/strong><br \/>\nNeben dem Praktikum versuchten wir die Wochenenden und die freie Zeit so gut wie m\u00f6glich zu nutzen, um Kathmandu, das Land und die Menschen n\u00e4her kennen zu lernen. Dabei fuhren wir ein Wochenende nach Pokhara, der zweitgr\u00f6\u00dften Stadt Nepals, die idyllisch an einem gro\u00dfen See und direkt vor dem Himalayapanorama liegt. Wir machten erste Trekkingerfahrungen im Monsunregen, verstanden mehr und mehr die buddhistische Kultur und bereiteten uns auf die letzten 12 Tage im Himalaya vor.<\/p>\n<p>Nach 30 Tagen Praktikum war es dann schlie\u00dflich so weit: Mit etwa 40 Nepalesen auf dem Dach eines Busses erreichten wir nach einer Tagesfahrt unser erstes Ziel, das im Lang Tang National Park gelegene Syabru Besi. Von dort f\u00fchrte uns in den n\u00e4chsten beiden Tagen ein Pfad durch das langgezogene stetig ansteigende Tal bis zur h\u00f6chstgelegen Siedlung auf fast 4000 Metern. Von 6000ern und 7000ern umgeben, war dies der optimale Ausgangspunkt f\u00fcr mehrere Tagestouren und Berganstiege.<\/p>\n<p><strong>Kampf gegen den eigenen Willen<\/strong><br \/>\nIch schaue nicht auf, da es gegen die immense Steigung zu anstrengend ist, h\u00f6chstens ab und zu mal zur\u00fcck zu Sebastian, der mir folgt. Wir reden so gut wie gar nicht mehr, jeder scheint in seinen Kampf vertieft zu sein, den Kampf, den der eigene Wille unaufh\u00f6rlich f\u00fchrt, gegen den Berg, gegen den K\u00f6rper, gegen das Nachlassen.<\/p>\n<p>Es scheint ein Kampf ohne Ende bis ich nach sehr langer Zeit doch mal nach oben schaue und Endorphine schlagartig meinen K\u00f6rper fluten. Alle Strapazen sind verschwunden, der Wille triumphiert, der h\u00f6chste Punkt ist zum Greifen nah, ohne dass ich es bemerkt habe. Wie elektrisiert versuche ich zu laufen, rutsche weg, laufe weiter, komme mit der Atmung nicht nach und erreiche den Kamm, der ein spektakul\u00e4res Panorama auf die Tibetische Hochebene bietet. Pl\u00f6tzlich erscheint alles viel langsamer, intensiver, ich drehe mich herum, erfasse mit meinen Augen eine Welt, von der ich nie genug sehen kann, die mich vollkommen in ihren Bann zieht und mich nur f\u00fcr den Moment leben l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Der zwar aufgrund der d\u00fcnnen Luft (auf 5000 m nur noch 53% Sauerstoff) und der noch fehlenden guten Akklimatisierung wahnsinnig anstrengende erste Anstieg eines knapp 5000 Meter hohen Berges zeigte uns eine Welt, die jede M\u00fche wert ist. Eine unglaubliche Ruhe bietet sich dem, der den Gipfel erreicht hat, ein wundervolles Naturschauspiel aus Wind und Schnee und ein Gef\u00fchl von Freiheit und Unbek\u00fcmmertheit, das durch nichts zu \u00fcberbieten ist.<\/p>\n<p>Gut \u00fcber die Region und die Verh\u00e4ltnisse am Berg informiert fanden wir schnell ein neues und noch herausfordernderes Ziel, einen \u00fcber 5200 m hoch gelegenen Pass, der ein atemberaubendes Panorama bieten sollte. Um diesen Anstieg gut zu bew\u00e4ltigen bem\u00fchten wir uns in den folgenden Tagen, das Tal weiter zu erkunden, den Weg ausfindig zu machen und uns noch besser zu akklimatisieren.<\/p>\n<p><strong>Unverhoffte Leistungssteigerung<\/strong><br \/>\nUnerwartet schnell passte sich der K\u00f6rper an die H\u00f6he an, was bereits nach weiteren zwei Tagen zu einer ungeheuren Leistungssteigerung f\u00fchrte. So gelang es uns den Weg zum Pass schlie\u00dflich als Tagestour umzusetzen. Der sich bietende Blick war einfach unglaublich, die noch am Morgen steil vor uns aufragenden Berge waren nun zu \u00fcberblicken und n\u00e4her als je zuvor. Einmal mehr merkte ich, wie sehr mich diese Orte anziehen, wie lange diese Erlebnisse anhalten und wie unbeschreiblich das Gef\u00fchl ist, in dieser H\u00f6he \u00fcber allem anderen zu stehen.<\/p>\n<p>Lachend stehen wir oben, v\u00f6llig ersch\u00f6pft, aber an einem Ort, der in meinen Augen nicht zu \u00fcberbieten ist. V\u00f6llige Ruhe, leichter Wind, der Schnee von den K\u00e4mmen in wei\u00dfen Schleiern wegbl\u00e4st, wei\u00dfe Wolken unter uns, die das Tal bedecken.<\/p>\n<p>Ich erkenne, dass all die Anstrengung so lohnenswert gewesen ist, besonders der Weg durch den Schnee und der Steilhang, der letztlich fast vier Stunden gedauert hat und den wir ohne Pause auf uns genommen haben, um uns den Blick nicht von den Wolken nehmen zu lassen. Ein Erlebnis, das ich bis ins Detail nie vergessen werde. Leider m\u00fcssen wir schon bald den R\u00fcckweg antreten, um die aufgrund des schnell umschlagenden Wetters vorher festgelegte Zeit nicht zu \u00fcberschreiten.<\/p>\n<p><strong>Ein w\u00fcrdiger Abschied<\/strong><br \/>\nMit diesem Erlebnis war wirklich ein w\u00fcrdiger Abschluss unserer Reise gefunden und so verabschiedeten wir uns von der Familie, bei der wir hoch in den Bergen gelebt hatten und traten auch ein wenig traurig den R\u00fcckweg an.<\/p>\n<p>Nach einem letzten Abend mit all den Menschen, die wir \u00fcber die Zeit in Kathmandu kennen gelernt hatten, zog es uns nach zwei-monatiger Abwesenheit schlie\u00dflich wieder nach Deutschland zur\u00fcck.<\/p>\n<p><em>von Jan M\u00fcller<\/em><\/p>\n<\/div><div class=\"awb-gallery-wrapper awb-gallery-wrapper-1 button-span-no\" style=\"--more-btn-alignment:center;\"><div style=\"margin:-5px;--awb-bordersize:0px;\" class=\"fusion-gallery fusion-gallery-container fusion-grid-3 fusion-columns-total-17 fusion-gallery-layout-grid 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