{"id":4059,"date":"2012-07-28T19:00:28","date_gmt":"2012-07-28T17:00:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/?p=4059"},"modified":"2024-06-26T14:03:57","modified_gmt":"2024-06-26T12:03:57","slug":"in-2-%c2%bd-wochen-coast-to-coast-mit-dem-zug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/reiseberichte\/in-2-%c2%bd-wochen-coast-to-coast-mit-dem-zug\/","title":{"rendered":"In 2 \u00bd Wochen Coast to Coast mit dem Zug"},"content":{"rendered":"<p>Irgendwann entstand die Idee, mal wieder den nordamerikanischen Kontinent zu besuchen. Zuerst schwebte mir eine Tour durch die St\u00e4dte der Ostk\u00fcste und Chicago vor; dieser Plan wurde dann dahingehend ge\u00e4ndert, dass ich mit San Francisco anfangen w\u00fcrde <!--more-->und an der Ostk\u00fcste w\u00fcrde ich mir nur New York ansehen. So k\u00f6nnte ich den gesamten Kontinent durchkreuzen &#8211; mit dem Zug.<\/p>\n<p><strong>San Francisco<\/strong><br \/>\nIch fand mich nach einem sehr langen Flugtag in unmittelbarer N\u00e4he meines Lieblingsozeans ein. Nachdem ich meine Unterkunft bezogen hatte, war es bereits nach Mitternacht und so sparte ich mir eine Visite desselben f\u00fcr den kommenden Tag auf. Ein Besuch der Market Street und des UN Plaza w\u00fcrde reichen bevor ich todm\u00fcde ins Bett fiel.<br \/>\nDen n\u00e4chsten Tag begann ich mit Kaffee und Donut und begab mich dann nach Downtown, auch auf der Suche nach einer M\u00f6glichkeit, Bargeld zu wechseln, da am Flughafen der Wechselkurs unversch\u00e4mt schlecht gewesen ist. Ein guter Tipp: Mechanics Bank! Den Tag f\u00fcllte ich damit, zum einen Downtown und angrenzende Gebiete nebst Piers zu erkunden, sowie durch einen Park bis zum Ufer des Pazifiks zu spazieren. Ich testete das Wasser blo\u00df mit den F\u00fc\u00dfen und es war ziemlich kalt, so dass ich auf ein Vollbad leider verzichten musste. Am n\u00e4chsten Tag sollte die Golden Gate Bridge mein Ziel sein, auf dem Weg dorthin mietete ich mir ein Fahrrad. Mit diesem \u00fcberquerte ich dann nicht nur die Br\u00fccke, sondern fuhr auch noch in den Marin Headlands einige schwei\u00dftreibende Steigungen hinauf, um dann in einer traumhaft sch\u00f6nen Abfahrt direkt am Pazifik die erreichten H\u00f6henmeter wieder loszuwerden. San Francisco ist nett und \u00fcberschaubar: Sch\u00f6n an San Francisco sind die ziemlich steilen H\u00fcgel im gesamten Stadtgebiet, die alten Stra\u00dfenbahnen, die Pr\u00e4senz des Meeres, also der Bay vor allem. Ansonsten sieht man viel Fahrr\u00e4der und viele hybridgetriebene Autos. Beeindruckt war ich aber von der hohen Zahl Obdachloser&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>52 Stunden im Zug<\/strong><br \/>\nNach 3 Tagen ging es fr\u00fch morgens an die Bay zur Amtrak-Bushaltestelle. Der Bus fuhr mich auf die andere Seite der Bay nach Emeryville, wo ich in den Zug nach Chicago stieg. 52 Stunden im Zug, ca. 3000 Kilometer. Unglaublich! Hinter den dieselgetriebenen Doppelloks befand sich ein Gep\u00e4ckwaggon, 4-5 Coachclass-Waggons an, dann ein Sightseeing Car, ein Esswaggon und schlie\u00dflich noch 2 Waggons mit richtigen Schlafabteilen. Der Zug war nicht der neueste, sondern entstammte mutma\u00dflich den 1960er Jahren, war aber in durchaus gutem Zustand und mit durchaus modernem Innendesign.<br \/>\nGl\u00fccklicherweise hatte ich f\u00fcr eine von zwei N\u00e4chten im Zug einen Doppelsitz f\u00fcr mich, da ich so relativ entspannt schlafen konnte. Die Schlafwagen in Amtrak sind sehr teuer und werden nur komplett vermietet. Das hei\u00dft, dass sie sich nur f\u00fcr Gruppen lohnen.<br \/>\nEine durchaus praktische Einrichtung war der Sightseeing Car, nicht nur weil es darunter in einem kleinen Kiosk Kaffee und Snacks gab, sondern weil man dort wunderbar abh\u00e4ngen konnte. Entweder nur aus dem Fenster gucken, Musik h\u00f6ren, lesen oder ein Nickerchen machen. Das Tempo war die ganze Zeit gem\u00e4chlich und der Kontemplation zutr\u00e4glich, vor allem aber beim Anstieg in die Sierra Nevada durch traumhafte verschneite Gebirgslandschaft. Zudem gab es noch die eine oder andere Lektion in Regionalgeschichte von einem freundlichen Mitarbeiter des Heimatmuseums in Reno.<br \/>\nDie Landschaft war w\u00e4hrend der ersten beiden Tage abwechslungsreich und spannend. Trockene Hochebenen, teilweise versalzen, Canyons, Fl\u00fcsse, Felsen, Gebirgsz\u00fcge und unglaubliche Weiten. Etwas schade war es, dass mein Reiseplan keine Zwischenstopps vorsah, um zielgerichtet ein paar besonders sch\u00f6ne Ecken intensiver zu besuchen.<br \/>\nAm Abend des zweiten Tages, in Denver, wurde nicht nur der Platz neben mir besetzt was deutliche Komforteinbu\u00dfen zur Folge hatte, die Loks neu betankt, sondern auch die Landschaft wurde \u00f6de. Gro\u00dffl\u00e4chenlandwirtschaft. Am fr\u00fchen Nachmittag des dritten Tages im Zug erreichte ich endlich Chicago.<\/p>\n<p><strong>Chicago<\/strong><br \/>\nIm Hostel warf ich meine Sachen ab, duschte schnell und lief los, zuerst ans Wasser des Lake Michigan, dann durch den Milleniumpark und dann Richtung Norden. Erst sp\u00e4t abends fand ich mich wieder im Hostel ein und schlief sofort ein.<br \/>\nDen n\u00e4chsten Tag begann ich fr\u00fch, und folgte dem Plan Richtung S\u00fcden, bis zum Illinois Institute of Technology, streifte auf der Suche nach architektonischen Leckerbissen \u00fcber den Campus und kreuzte dann Richtung Nordosten weiter durch Chinatown, Wohn- und Gewerbegebiete und den Campus der University of Illinois Chicago. Nord\u00f6stlich des Zentrums fand ich ein paar \u00e4ltere Stra\u00dfenz\u00fcge mit Cafes, Boutiquen und einem sehr gut sortierten Antiquariat. Abends lief ich noch etwas durch die Gegend, versuchte mich mit Nachtaufnahmen, hatte allerdings mein lichtstarkes Objektiv nicht dabei. Bl\u00f6d.<br \/>\nAm n\u00e4chsten Tag bestieg ich, das regennasse Chicago verlassend, den Zug nach Detroit. Ein bequemer, wenig gef\u00fcllter Northeastern Regional-Zug. Ein Kaffee im Speisewagen war im Preis inbegriffen. Der Ober klagte \u00fcber den Niedergang von Chicago im Besonderen und Amerika im Allgemeinen&#8230; Schon zuvor war mir aufgefallen, dass man vom Zug aus die Hinterh\u00f6fe Amerikas sah, im Wort- wie im \u00fcbertragenen Sinne. W\u00e4hrend die Fassade zur Strasse funkeln und gl\u00e4nzen muss, so dient der Platz dahinter zur Ablage von allem was nicht mehr gebraucht wird. Vor allem alter ausrangierter Autos. Auch Trailerparks am Rande von St\u00e4dten waren nicht selten.<\/p>\n<p><strong>Detroit<\/strong><br \/>\nMit beginnender Abendd\u00e4mmerung kam der Zug in Detroit an. Ein eingleisiger Bahnhof zeugte nur zu deutlich von der Arroganz des der Automobilbranche hier. Den Bahnhof verlassen sah ich riesige breite Stra\u00dfen, auf denen allerdings nur sehr sp\u00e4rlicher Verkehr floss. Mit jedem Schritt Richtung Downtown wurde der Eindruck der Leere st\u00e4rker. Leere H\u00e4user, leere Strassen, leere gigantische Parkh\u00e4user, leere Gesch\u00e4fte, keine Fu\u00dfg\u00e4nger. Tristesse. Abgesehen von einer Strasse, in der einige Kneipen und Restaurants zu finden waren, gab es nichts. Keine Drugstores, keine Filialen bekannter Kaffee- oder Fastfoodketten&#8230; Nichts!<br \/>\nDen n\u00e4chsten Tag zeitig beginnend, startete ich meine Tagestour. Mein Eindruck des Vortages wurde best\u00e4tigt. Ich durchkreuzte Downtown und lief Richtung Westen, weil dort eine Br\u00fccke nach Kanada f\u00fchrte und einem Guide zufolge w\u00fcrde sich diese zu Fu\u00df \u00fcberqueren lassen. Dies war aber eine Fehlinformation wie mir US Customs dann mitteilten. Doch vor der Br\u00fccke kreuzte ich eine mir heruntergekommen erscheinende Wohnsiedlung, wo vor allem Hispanics wohnten. Zur\u00fcck in Downtown bestieg ich einen Shuttlebus, der mich durch den Tunnel nach Windsor\/Kanada brachte. Windsor war, obwohl Kleinstadt, deutlich lebendiger als Detroit. Es gab Restaurants, Kneipen, ein paar L\u00e4den und einen Supermarkt.<br \/>\nDer n\u00e4chste Morgen wartete mit einer \u00dcberraschung auf: es schneite n\u00e4mlich. Dicker, nasser Schnee, grauer Himmel, Wind dazu mit Sturmb\u00f6en. Ich zog mich warm an und lief, zu John K. King &#8211; einem &#8222;Buch-Antiquariat&#8220;. \u00dcber 4 Stockwerke bei einer gesch\u00e4tzten Grundfl\u00e4che von 200 Quadratmetern. Letztlich verbrachte ich so 4-5 Stunden dort, merkte dies aber kaum. Ich verlie\u00df den Laden mit einem vollen Rucksack, obwohl ich mich angesichts der Fluggep\u00e4ckgewichtsbegrenzungen etwas zusammenrei\u00dfen musste.<br \/>\nDanach kreuzte ich noch ein bisschen durch die Gebiete n\u00f6rdlich von Downtown, die sich etwas lebendiger als das bisher gesehenen zeigten. Gen Abend holte ich mein Gep\u00e4ck ab und begab mich Richtung Bahnhof. Dort stieg ich in den Bus der mich bis Toledo brachte, wo mein der Zug aus Chicago kam. Der kommende Tag war regnerisch und nebelig und die Landschaft eher langweilig; die Appalachen sind ein so spannendes Mittelgebirge nicht. In DC stieg ich in den stark von Pendlern frequentierten Northeastern Regional nach New York. Das erste Mal war die Strecke elektrifiziert. Und der Zug fuhr ungewohnt schnell, mit gesch\u00e4tzten \u00fcber 100 km\/h. Unglaublich. Das hatte ich bis dato noch nicht erlebt und musste mich erstmal an die, in hohem Tempo an mir vorbeifliegende Landschaft gew\u00f6hnen.<\/p>\n<p><strong>New York<\/strong><br \/>\nAngekommen an der Penn Station in NYC kaufte ich mir erstmal Kaffee und Kuchen, setzte mich auf Treppenstufen und genoss es mal wieder in dieser Stadt zu sein.<br \/>\nDie kommende knappe Woche verbrachte ich Erkunden verschiedenster Ecken, photografierte, zog aus Brooklyn auf die Upper East Side, besuchte selbstverst\u00e4ndlich Coney Island (am fr\u00fchen Morgen ein Genuss sondergleichen) und fuhr mit der Staten Island Ferry. Die Tage vergingen viel zu schnell. So kurz vor Ostern war New York \u00fcberf\u00fcllt mit Touristen. Aber die Stadt ist gro\u00df und gerade abseits der Touristenstr\u00f6me gibt es einiges zu sehen.<\/p>\n<p>Am Tag des Abflugs brachte mich ein h\u00fcbsches Flugger\u00e4t von Newark nach Philadelphia. Ein Oberdecker mit 2 Propellern und 50 Sitzen, die DHC-8 hei\u00dft, und mir ein relativ unvermitteltes Flugerlebnis bescherte. Der Weiterflug war dann ereignislos.<\/p>\n\n\t\t<style>\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 25%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-4059 gallery-columns-4 gallery-size-full'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a data-rel=\"iLightbox[postimages]\" data-title=\"usa2\" data-caption=\"\" href='https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/usa2.jpg'><img decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/usa2.jpg\" class=\"attachment-full size-full lazyload\" alt=\"\" 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