{"id":15940,"date":"2017-10-06T17:05:46","date_gmt":"2017-10-06T15:05:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/?p=15940"},"modified":"2024-06-17T10:37:46","modified_gmt":"2024-06-17T08:37:46","slug":"reisebericht-von-georgien-in-den-iran-die-astrakaravane","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/reiseberichte\/reisebericht-von-georgien-in-den-iran-die-astrakaravane\/","title":{"rendered":"Reisebericht: Von Georgien in den Iran &#8211; Die Astrakaravane"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong style=\"font-size: 11pt;\">Kann man Geld verdienen, indem man Autos exportiert \u2013 und nebenher mehrere Wochen Ost-Europa und den Nahen Osten bereist? Zwei Berliner haben es probiert.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Irgendwo auf dem Automarkt einer verstaubten Provinzstadt Kirgistans entstand die Idee. Meine gute Freundin Karo und ich bereisten 2012 f\u00fcr einen Monat das zentralasiatische Land. Auf der Suche nach den automobilen Kuriosit\u00e4ten der Sowjetzeit besuchten wir auch einen der gro\u00dfen Autom\u00e4rkte. Doch wir wurden entt\u00e4uscht: statt Moskwitsch, Wolga oder Lada wurden dort vor allem die guten alten Mercedes 180 verkauft \u00a0\u2013 ein Modell das mein Vater auch noch in Deutschland f\u00e4hrt; und das er verkaufen wollte. Der Preis in Deutschland: damals ca. 1.500 Euro. In Krigistan: sagenhafte 4.000 bis 5.000 Dollar. W\u00e4re das nicht was, eine Reise durch den Autohandel zu finanzieren?<\/p>\n<p>So oder so \u00e4hnlich begann es und nat\u00fcrlich kam es dann doch ganz anders. Wir mussten lernen, dass das schnelle Geld nicht im internationalen Autohandel liegt \u2013 zumindest nicht, wenn wir ihn betreiben. Zur\u00fcck in Deutschland entwickelte die Idee ihre ganz eigene Dynamik. Noch einmal nach Kirgistan? Eigentlich nicht, oder? Au\u00dferdem w\u00fcrde ein Autovisum f\u00fcr den Iran rund 5.000 Euro kosten. Doch durch den Iran wollten wir unbedingt reisen. Nat\u00fcrlich wollte mein Vater seinen Wagen dann auch nicht hergeben: \u201eEr l\u00e4uft doch noch super!\u201c &#8211;\u00a0 \u00fcbrigens gute Entscheidung, denn er f\u00e4hrt ihn noch heute.<\/p>\n<p>Und so kam es, dass wir uns 2014 auf eine etwas abgewandelte Variante unserer Reise aufmachten: Mit unserem Opel Astra Caravan, 2002er Baujahr, \u00fcber den Balkan und die T\u00fcrkei nach Georgien, um ihn dort zu verkaufen. Dann weiter \u00fcber die kurdische-T\u00fcrkei in den Iran. Rund zwei Monate hatten wir eingeplant.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/gallery\/reisebericht-astrakaravane\/bild-2_ergebnis.png\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload ngg-singlepic ngg-none aligncenter\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27677%27%20height%3D%27364%27%20viewBox%3D%270%200%20677%20364%27%3E%3Crect%20width%3D%27677%27%20height%3D%27364%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-orig-src=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/gallery\/reisebericht-astrakaravane\/bild-2_ergebnis.png\" alt=\"Die Insel Thasos mit ihrem atemberaubenden Panorama.\" width=\"677\" height=\"364\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Thasos \u2013 eine Insel mit zwei Bergen und dem tiefen weiten Meer<\/strong><\/p>\n<p>Der Balkan war sch\u00f6n \u2013 aber der Balkan war von einem enormen Regentief geplagt. Wien, Budapest und Belgrad lagen hinter uns. Eigentlich hatten wir als n\u00e4chste Station die Kl\u00f6ster Bulgariens anvisiert. Doch das Wetter machte uns einen dicken Strich durch die Rechnung: G\u00fcsse, die uns zwangen, auf einer serbischen Autobahn anzuhalten (man sah rein gar nichts mehr) und Dauerregen von West- bis Ostk\u00fcste. Wir hatten doch eigentlich durchgehend Sonne und W\u00e4rme gebucht; und sollten nicht eigentlich die ganze Zeit leise Gitarrenriffs unser Abenteuer untermalen? Oder kann es sein, dass Reisen nicht immer wie im Katalog aussieht? Auf jeden Fall musste eine Plan\u00e4nderung her und nur ein kleiner Zipfel weit und breit versprach etwas Sonne: Das n\u00f6rdliche Griechenland.<\/p>\n<p>Nach einer knapp 18-st\u00fcndigen Autofahrt, durch Serbien und Mazedonien begr\u00fc\u00dfte uns die morgendliche, griechische Sonne zaghaft. Verzweifelt schrieben wir \u00fcber Couch-Surfing.com verschiedene Hosts in der Region an: \u201eK\u00f6nnen wir bei Euch \u00fcbernachten? Was \u2013 au\u00dfer Sonne \u2013 gibt die Region her?\u201c Denn uns fiel auf: Wir hatten \u00fcberhaupt keine Ahnung wo wir waren. Und um ehrlich zu sein: Die Ecke um Thessaloniki in die wir auf gut Gl\u00fcck gefahren waren, zeigte sich als wenig gastlich. Industriebauten und Sumpfgebiete mit riesigen M\u00fcckenpopulationen lie\u00dfen unsere Stimmung gen Nullpunkt sinken. Doch dann half uns tats\u00e4chlich Couch-Surfing.com weiter: \u201eIch empfehle Euch Thasos \u2013 eine kleine Insel, ca. 1 h F\u00e4hrfahrt,\u201c schrieb uns da ein Nutzer. Und da wir keinen besseren Plan hatten, folgten wir dem Rat. Es war die richtige Entscheidung.<\/p>\n<p>Die Insel erinnert ein wenig an Jim Knopfs Lummerland \u2013 zumindest so, wie ich es mir immer vorgestellt habe: In der Mitte Berge, rundherum zieht sich eine Inselstra\u00dfe \u2013 man kann entweder nach rechts, oder links fahren \u2013so einfach ist das. Sandstr\u00e4nde und vor der Insel das tiefe weite Meer. Nur die Eisenbahn fehlt&#8230; Von Thasos H\u00fcgeln aus hat man einen wunderbaren Blick \u00fcber das Mittelmeer und nachts kann man ungest\u00f6rt in einer H\u00f6hle oder direkt unter freiem Himmel am Strand schlafen.<\/p>\n<p>Unsere erste Nacht bescherte uns ein ganz unglaubliches Naturschauspiel: \u00dcber das Festland zog ein n\u00e4chtliches Gewitter hinweg, w\u00e4hrend wir es uns auf unserer kleinen Insel in Strandliegen gem\u00fctlich gemacht hatten. Meine einzige St\u00f6rung in dieser Nacht: Ein kleines K\u00e4tzchen, dass mit mir den Schlafsack teilen wollte und sich von diesem Plan auch nicht abbringen lie\u00df.<\/p>\n<p><em>TIPP: Die Berge auf Thasos sind unbedingt einen Besuch wert \u2013 vor allem das verlassene Bergdorf, das nur noch als Sommerdomizil der Inselbewohner dient. Bewirtet wird man dort in einer wundersch\u00f6nen Taverne von Costas, einem Schafhirten, der perfekt Deutsch spricht. Aufgewachsen ist er im Pott, bis es ihn vor Jahrzenhten in die Heimat seiner Eltern zog. Unbedingt den selbstgemachten Jogurt mit Honig probieren!<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/gallery\/reisebericht-astrakaravane\/bild-4_ergebnis.png\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload ngg-singlepic ngg-none aligncenter\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27674%27%20height%3D%27441%27%20viewBox%3D%270%200%20674%20441%27%3E%3Crect%20width%3D%27674%27%20height%3D%27441%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-orig-src=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/gallery\/reisebericht-astrakaravane\/bild-4_ergebnis.png\" alt=\"Wer an t\u00fcrkischen Str\u00e4nden zeltet, muss sich an den M\u00fcll erst einmal gew\u00f6hnen.\" width=\"674\" height=\"441\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/gallery\/reisebericht-astrakaravane\/bild-5_ergebnis.png\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload ngg-singlepic ngg-none aligncenter\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27675%27%20height%3D%27374%27%20viewBox%3D%270%200%20675%20374%27%3E%3Crect%20width%3D%27675%27%20height%3D%27374%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-orig-src=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/gallery\/reisebericht-astrakaravane\/bild-5_ergebnis.png\" alt=\"Die Teeterassen der t\u00fcrkischen Schwarzmeer-Region.\" width=\"675\" height=\"374\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/gallery\/reisebericht-astrakaravane\/bild-6_ergebnis.png\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload ngg-singlepic ngg-none aligncenter\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27677%27%20height%3D%27437%27%20viewBox%3D%270%200%20677%20437%27%3E%3Crect%20width%3D%27677%27%20height%3D%27437%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-orig-src=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/gallery\/reisebericht-astrakaravane\/bild-6_ergebnis.png\" alt=\"T\u00fcrkisches Fr\u00fchst\u00fcck mit Meerblick.\" width=\"677\" height=\"437\" \/><\/a><\/p>\n<h5><strong>Welcome to Tiblisi<\/strong><\/h5>\n<p>Unsere Reise f\u00fchrte uns weiter \u00fcber Istanbul, einen t\u00fcrkischen Bergsee (Abant G\u00f6l\u00fc \u2013 wundersch\u00f6ner Ausblick auf den H\u00fcgeln um den See) und die Schwarzmeerk\u00fcste (viel Dreck am Strand, aber wundersch\u00f6ne Teeterrassen) nach Tibilisi, Georgien.<\/p>\n<p>Nachts fuhren wir in dieser Mini-Weltmetropole ein. Und wir konnten fast ein bisschen froh sein, dass wir es bis dort geschafft hatten: Georgien hat in den vergangenen Jahrzehnten unter gro\u00dfer Strom-Knappheit leiden m\u00fcssen. Daher gibt es im ganzen Land eigentlich keine Stra\u00dfenlaternen; und das f\u00fchrt zu \u2013 genau \u2013 totaler Dunkelheit. Dazu noch ein paar tiefe Schlagl\u00f6cher, Tierkadaver am Stra\u00dfenrand und andere Verkehrsteilnehmer, die offenbar nach Geh\u00f6r fuhren (zumindest hatten sie auch nachts keine Beleuchtung) \u2013 das macht den georgischen Stra\u00dfenwahnsinn aus. Gegen Tibilisis Verkehr ist Istanbul eine schw\u00e4bische Kleinstadt.<\/p>\n<p>Die Stadt empfing uns mit offenen Armen und schon bald kannten wir die Protestierenden vom Vake-Park (\u00e4hnlich wie die Gezi-Proteste damals &#8211; nur viel, viel kleiner&#8230;), einen georgischen Techno-DJ, der uns eine wunderbare Geschichte \u00fcber die georgische Sprache erz\u00e4hlte (die folgt gleich), einen deutschen Fotografen, der Ponichala &#8211; die \u201eStadt der Blinden\u201c \u2013 \u00a0dokumentierte (ein Stadtteil, in den zu Sowjetzeiten blinde Menschen abgeschoben wurden) { <a href=\"http:\/\/edition.cnn.com\/2016\/08\/02\/europe\/cnnphotos-blind-settlement-ponichala\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/edition.cnn.com\/2016\/08\/02\/europe\/cnnphotos-blind-settlement-ponichala\/<\/a> } und wir machten uns mit dem georgischen Automarkt in Rustavi vertraut. Dazu muss man sagen: im Grunde ist das ganze Land ein einziger Automarkt. Wer mit einem deutschen Ausfuhrkennzeichen durch Georgien f\u00e4hrt, wird an jeder Ecke gefragt, was man f\u00fcr das Auto haben wolle. Das bescherte uns einige sch\u00f6ne Begegnungen. Zum Beispiel einen Abend im Haus einer georgischen Familie, an dem wir zwar unser Auto nicht verkauften \u2013daf\u00fcr aber mit einigen Schn\u00e4psen im Kopf in selbiges wieder einstiegen. Ein Gl\u00fcck, dass uns kein georgischer Polizist anhielt \u2013 neben einem Bu\u00dfgeld, h\u00e4tte sich vermutlich auch eine sehr hohe Sprachbarriere aufgetan.<\/p>\n<p>Das f\u00fchrt mich zu der besagten Geschichte, des besagten DJs: Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zog es auch in Georgien viele Menschen \u201egen Westen\u201c. Italienisch zu lernen stand damals hoch im Kurs und so b\u00fcffelten viele Georgier \u00fcber Monate hinweg, um dann in Rom mit ihren Sprachkenntnissen gl\u00e4nzen zu k\u00f6nnen. So auch in einem kleinen Ort in Georgien. Dort hatte ein zugezogener Privatlehrer eine gut laufende Sprachschule aufgemacht und lehrte seine Sch\u00fcler Italienisch \u2013 oder das, was sie daf\u00fcr hielten. Denn als die ersten seiner Sch\u00fctzlinge ihre neu erworbenen Sprachkenntnisse vor Ort ausprobierten, wurden sie von den Italienern nur fragend angeschaut. Tats\u00e4chlich hatte ihnen der Sprachlehrer kein Italienisch, sondern lediglich einen entfernten georgischen Dialekt beigebracht. Die sprachliche Vielfalt in diesem kleinen Land ist wirklich enorm&#8230;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/gallery\/reisebericht-astrakaravane\/bild-7_ergebnis.png\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload ngg-singlepic ngg-none aligncenter\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27676%27%20height%3D%27444%27%20viewBox%3D%270%200%20676%20444%27%3E%3Crect%20width%3D%27676%27%20height%3D%27444%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-orig-src=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/gallery\/reisebericht-astrakaravane\/bild-7_ergebnis.png\" alt=\"Brautschau: Vor dem Verkauf unseres Astras wurde er erst noch herausgeputzt.\" width=\"676\" height=\"444\" \/><\/a><\/p>\n<p>Doch wir waren ja nicht zum Vergn\u00fcgen in Georgien \u2013 wir wollten Business machen. Und zwar auf dem gr\u00f6\u00dften Automarkt im Kaukasus, auf dem neben Georgiern auch Armenier und Aserbaidschanis zuschlagen. Wir hatten eine Opel gekauft, weil die R\u00fcsselsheimer Autoschmiede eine der beliebtesten Marken in Georgien ist. Und wir hatten extra ein scheckheftgepflegtes Auto erworben, damit das den Wert nach oben treibt (dazu ein potentieller K\u00e4ufer: \u201eScheckheft? Das ist super \u2013 damit kann man sehr gut seinen Kamin anmachen&#8230;\u201c).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/gallery\/reisebericht-astrakaravane\/bild-8_ergebnis.png\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload ngg-singlepic ngg-none aligncenter\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27676%27%20height%3D%27434%27%20viewBox%3D%270%200%20676%20434%27%3E%3Crect%20width%3D%27676%27%20height%3D%27434%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-orig-src=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/gallery\/reisebericht-astrakaravane\/bild-8_ergebnis.png\" alt=\"Die georgischen Kl\u00f6ster sind in jedem Fall einen Besuch wert.\" width=\"676\" height=\"434\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nun hatten wir alles so gut geplant, doch die K\u00e4ufer bleiben aus \u2013 zumindest die, die \u00e4hnliche Preisvorstellungen hatten wie wir&#8230; Wir verteilten Flugbl\u00e4tter an verdutzt schauende Taxifahrer, schrieben Internetannoncen auf Georgisch und standen ganze Tage auf dem Automarkt in Rustavi herum. Doch nicht unser Auto, sondern wir wurden begafft und untersucht: Was machten diese zwei kauzigen Deutschen, auf diesem trostlosen Markt? Nur unsere Bassrolle weckte das Interesse einiger Jungspunde. Und so versteigerten wir sie zum Zeitvertreib zwischen zwei etwas dubiosen Jungsgruppen. Doch unser Auto hatten wir noch immer. Nach einer Woche in Tibilisi entschieden wir uns, den Wagen an einen der ersten Interessenten abzugeben. Fazit: Weder Gewinn, noch Verlust \u2013 aber eine super Reise war\u2019s bisher!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/gallery\/reisebericht-astrakaravane\/bild-10_ergebnis.png\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload ngg-singlepic ngg-none aligncenter\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27675%27%20height%3D%27431%27%20viewBox%3D%270%200%20675%20431%27%3E%3Crect%20width%3D%27675%27%20height%3D%27431%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-orig-src=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/gallery\/reisebericht-astrakaravane\/bild-10_ergebnis.png\" alt=\"\u201eDeal\u201c: Unser treuer Astra wechselt den Besitzer. Wir ziehen weiter mit einem weinenenden und einem lachenden Auge.\" width=\"675\" height=\"431\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>TIPP: Die georgischen Kl\u00f6ster an der georgisch-aserbaidschanischen Grenze sind absolut einen Besuch wert. Noch immer leben dort M\u00f6nche und bewirten die mehrere hundert Jahre alten Geb\u00e4ude.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/gallery\/reisebericht-astrakaravane\/bild-11_ergebnis.png\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload ngg-singlepic ngg-none aligncenter\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27675%27%20height%3D%27427%27%20viewBox%3D%270%200%20675%20427%27%3E%3Crect%20width%3D%27675%27%20height%3D%27427%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-orig-src=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/gallery\/reisebericht-astrakaravane\/bild-11_ergebnis.png\" alt=\"Tramp-Geschichten: Entspannen auf der R\u00fcckbank.\" width=\"675\" height=\"427\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><strong>Jetzt so ganz ohne Auto? Daumen raus und weiter<\/strong><\/p>\n<p>Weiter ging es auf unserer Reise per Autostop durch die T\u00fcrkei in Richtung Iran. Dabei mussten wir auch die kurdischen Gebiete kurz vor der iranischen Grenze passieren. Ein guter Freund von uns lebt dort und wir wollten auf dem Weg in den Iran in seinem Heimatort, Y\u00fcksekova, einen Zwischenstopp einlegen. Y\u00fcksekova liegt auf einer Hochebene in den Bergen. Und so h\u00e4sslich und grau die Stadt ist, umso sch\u00f6ner und \u00fcberw\u00e4ltigender ist die Natur um sie herum. Wir besuchten das Dorf seiner Familie, eingeschlossen in den Bergen. Ein Fleck Erde, der ganz, ganz weit weg ist von unserer Zivilisation. Ein uraltes kleines Bauernh\u00e4uschen, ein Garten, in dem Gurken, Tomaten, Feigen und Pfirsiche wild wachsen und eine wundersch\u00f6ne Berglandschaft durchzogen von kleinen Fl\u00fcssen. Es ist dort wirklich das Paradies. Tragisch nur, dass der Konflikt zwischen T\u00fcrken und Kurden die Region nicht zur Ruhe kommen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/gallery\/reisebericht-astrakaravane-2\/bild-12_ergebnis.png\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload ngg-singlepic ngg-none aligncenter\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27674%27%20height%3D%27441%27%20viewBox%3D%270%200%20674%20441%27%3E%3Crect%20width%3D%27674%27%20height%3D%27441%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-orig-src=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/gallery\/reisebericht-astrakaravane-2\/bild-12_ergebnis.png\" alt=\"Beeindruckend: Die kurdisch-t\u00fcrkischen Berge.\" width=\"674\" height=\"441\" \/><\/a><\/p>\n<p>Von Y\u00fcksekova machten wir uns auf in den Iran \u2013 \u00fcber einen kleinen Grenz\u00fcbergang. Per Handschlag wurden wir auf iranischer Seite begr\u00fc\u00dft: \u201eHerzlich Willkommen im Iran\u201c Aus irgendeinem Grund hatten wir anderes erwartet.<\/p>\n<h5><strong>Der Iran \u2013 unverh\u00fcllt, weltoffen, Alkohol trinkend<\/strong><\/h5>\n<p>\u00dcber Urumyie und Tabriz, die ich hier nur kurz am Rande erw\u00e4hne, da wenig beeindruckend, f\u00fchrte uns unser Weg nach Rashd. Nur eine Nacht zwar, doch eine f\u00fcr uns pr\u00e4gende: Bisher hatten wir Iranerinnen und Iraner auf der Stra\u00dfe getroffen, waren auch mal zum Essen oder auf einen kleinen Ausflug eingeladen worden \u2013 \u00fcbernachtet hatten wir aber noch bei keinem. \u00dcber Freunde von Freunden hatten wir in Rashd den Kontakt zu Zetayesh bekommen. Sie wohnte alleine in einer nicht allzu kleinen Wohnung und war Studentin der \u00f6rtlichen Uni. Als wir abends an Ihrer T\u00fcr klingelten empfing sie uns in einem f\u00fcr den Iran ganz ungew\u00f6hnlichen Kleindungst\u00fcck: im Minirock \u2013 und ohne Kopftuch. Wir begriffen zu verstehen: Das \u00f6ffentliche Leben auf der Stra\u00dfe war ein ganz anderes, als jenes im Privaten.<\/p>\n<p>Zu Hause zeigen sich die Menschen im Iran oft von einer ganz anderen, offeneren Seite: Unverh\u00fcllt, aufgekl\u00e4rt und weltoffen. Mit Zetayesh verbrachten wir einen wahnsinnig spannenden Abend, an dem sie uns von ihrem Freund, ihrer westlich gepr\u00e4gten Familie, ihren Verwandten in Deutschland, Alkohol auf Parties und ihrer Teilnahme an der sogenannten \u201egr\u00fcnen Revolution\u201c erz\u00e4hlte. Umso erstaunlicher war dann unser Erwachen am n\u00e4chsten Morgen: Als wir beim Fr\u00fchst\u00fcck sa\u00dfen, machte sich Zetayesh auf zur Uni. Auf einmal stand dort vor uns eine dieser abermillionen Frauen, die man im Iran so oft auf der Stra\u00dfe sieht: mit Kopftuch und weitem Gewand. Doch die Geschichte dahinter kannten wir nun.<\/p>\n<p>Von Rashd aus brachen wir auf nach Masuleh: einem wundersch\u00f6nen kleinen Ort nahe des kaspischen Meeres. Der Ort bietet eine atemberaubende Kulisse, da er sich terrassenf\u00f6rmig an die steilen H\u00e4nge des Elburs-Gebirges schmiegt. Und so kommt die einzigartige Architektur zustande: Das Dach des unteren Hauses ist jeweils der Balkon des dar\u00fcberstehenden. Ein wundersch\u00f6nes Panorama, gr\u00fcne Berglandschaften und ein kleines \u00d6rtchen luden uns ein, hier eine kurze Rast zu machen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/gallery\/reisebericht-astrakaravane-2\/bild-13_ergebnis.png\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload ngg-singlepic ngg-none aligncenter\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27677%27%20height%3D%27447%27%20viewBox%3D%270%200%20677%20447%27%3E%3Crect%20width%3D%27677%27%20height%3D%27447%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-orig-src=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/gallery\/reisebericht-astrakaravane-2\/bild-13_ergebnis.png\" alt=\"Tea-Time auf den Terassen Masulehs.\" width=\"677\" height=\"447\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Tipp: Ganz in der N\u00e4he von Masuleh gibt es das Rudkhan Castle \u2013 eine rund 1.800 Jahre alte Wehanlage. Wenn auch touristisch erschossen, ist der Weg zum Castle durch uralte, gr\u00fcne W\u00e4lder auf jeden Fall einen Ausflug wert.<\/em><\/p>\n<p>Nach Natur, Bergen und Wanderungen war uns \u2013 nun schon gegen Ende unserer Reise \u2013 wieder nach Stadt. Und nat\u00fcrlich auch nach dem \u201etypischen\u201c Iran, mit seinen t\u00fcrkisenen Kuppeln, W\u00fcstenorten und Pal\u00e4sten. Unsere letzten beiden Stationen f\u00fchrten uns genau dorthin: Zun\u00e4chst nach Esfahan \u2013 dann nach Yazd, dem erkl\u00e4rten Ziel unserer Reise.<\/p>\n<p>Beide St\u00e4dte waren, jeweils auf ihre Art, sehr beeindruckend. Esfahan sieht man seine mehr als zweihundertj\u00e4hrige Geschichte als Hauptstadt eines l\u00e4ngst untergegangenen Reiches noch immer an: Seine prunkvollen Pal\u00e4ste, eine der gr\u00f6\u00dften Moscheen der Welt und der atemberaubende <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Meid%C4%81n-e_Em%C4%81m\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Meid\u0101n-e Em\u0101m<\/a> Platz im Herzen der Stadt, der zu Recht dem UNESCO-Weltkulturerbe angeh\u00f6rt. Hier ruhten wir uns nach einer anstrengenden, n\u00e4chtlichen Zugfahrt morgens aus und lie\u00dfen die langsam lebendiger werdende Szenerie auf uns wirken.<\/p>\n<p><em>Tipp: Der Iran verf\u00fcgt \u00fcber ein gut ausgebautes Zugnetz, in dem man auch Nachtz\u00fcge buchen kann. Es d\u00fcrfen sogar (verheiratete) M\u00e4nner und Frauen in einem Abteil schlafen &#8211; selbstverst\u00e4ndlich nur voll bekleidet. Absolut lohnenswert!<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/gallery\/reisebericht-astrakaravane-2\/bild-14_ergebnis.png\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload ngg-singlepic ngg-none aligncenter\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27675%27%20height%3D%27438%27%20viewBox%3D%270%200%20675%20438%27%3E%3Crect%20width%3D%27675%27%20height%3D%27438%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-orig-src=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/gallery\/reisebericht-astrakaravane-2\/bild-14_ergebnis.png\" alt=\"Morgendliche Ankunft: Sonnenaufgang am Bahnhof von Esfahan.\" width=\"675\" height=\"438\" \/><\/a><\/p>\n<h5><strong>Ein gelungener Schlusspunkt<\/strong><\/h5>\n<p>Mit dem Zug fuhren wir dann auch weiter Richtung Yazd \u2013 einer absolut einzigartigen W\u00fcstenstadt. Mit unterirdischen Bew\u00e4sserungs- und schornsteinartigen Klimasystemen schafften es die Bewohner der Stadt schon vor tausenden Jahren die W\u00fcste bewohnbar zu machen. F\u00fcr uns war Yazd nicht nur aus diesem Grund ein absolutes Highlight. \u00dcber eine n\u00e4chtliche Hochzeitsgesellschaft, die wir zun\u00e4chst nur aus der Ferne beobachteten, in die wir dann aber sehr schnell aufgenommen wurden, lernten wir Mahmoud kennen.<\/p>\n<p>Er zeigte uns die Sehensw\u00fcrdigkeiten der Stadt \u2013 unter anderem einen Bestattungstempel der Zoroastrier, einer uralten Religion, die noch heute von einer kleinen Gruppe im Iran praktiziert wird. Auch ein Sonnenuntergang in der W\u00fcste und eine typisch schiitische Gebetszeremonie, bei der sich die Gl\u00e4ubigen mit Eisenketten selbst auspeitschen, um die Leiden ihres Propheten Ali nachempfinden zu k\u00f6nnen \u2013 zum Gl\u00fcck ganz unblutig \u2013 standen mit auf dem Programm.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/gallery\/reisebericht-astrakaravane-2\/bild-15_ergebnis.png\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload ngg-singlepic ngg-none aligncenter\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27674%27%20height%3D%27436%27%20viewBox%3D%270%200%20674%20436%27%3E%3Crect%20width%3D%27674%27%20height%3D%27436%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-orig-src=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/gallery\/reisebericht-astrakaravane-2\/bild-15_ergebnis.png\" alt=\"Romantisch: Sonnenuntergang in der W\u00fcste.\" width=\"674\" height=\"436\" \/><\/a><\/p>\n<p>F\u00fcr uns waren die letzten beiden Stationen die perfekten Schlusspunkte einer ereignisreichen Reise, die uns \u00fcber den Balkan, die T\u00fcrkei und Georgien in den Iran gef\u00fchrt hatte.<\/p>\n<p>Und als wir im Landeanflug auf Berlin waren, beschlich mich eine leise Unruhe: \u201eWann geht\u2019s weiter auf dieser Reise?\u201c<\/p>\n<p><em><strong>Du hast Fragen, Anregungen oder Verbesserungsvorschl\u00e4ge?<\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong> Schreib uns eine E-Mail: <a href=\"mailto:blog@camp4.de\">blog@camp4.de<\/a><\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Kann man Geld verdienen, indem man Autos exportiert \u2013 und nebenher mehrere Wochen Ost-Europa und den Nahen Osten bereist? 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