{"id":13085,"date":"2016-05-12T01:52:11","date_gmt":"2016-05-11T23:52:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/?p=13085"},"modified":"2024-07-09T16:32:17","modified_gmt":"2024-07-09T14:32:17","slug":"reisebericht-klettern-bouldern-indien-hampi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/reiseberichte\/reisebericht-klettern-bouldern-indien-hampi\/","title":{"rendered":"Es geht heimw\u00e4rts \u2013 in 30 Stunden bis zum Flughafen. Indien Teil 3"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der dritte und letzte Teil von Engins eindr\u00fccklicher Indienreise beginnt mit einem m\u00e4chtigen Gesch\u00e4ftsgespr\u00e4ch, handelt von den T\u00fccken einer Taxifahrt durch Mumbai und endet beim heimischen Arzt und einem Besuch beim Gesundheitsamt.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Eines Morgens, kurz nach Sonnenaufgang, sind wir auf dem Weg zum Klettergebiet namens \u201eSunset\u201c. In der noch k\u00fchlen Morgenluft wandere ich umher und erkundige die karge felsenreiche Gegend.<\/p>\n<p>Dabei sehe ich einen Mann, wie er mit einem mit Wasser gef\u00fcllten Messbecher ebenso umherl\u00e4uft. Diese kuriose Situation mit Menschen und Messbechern mitten in der Landschaft ist mir schon h\u00e4ufiger aufgefallen. Ich exploriere so weiter und so fort. Als ich auf einen Trampelpfad trete, h\u00f6re ich eine M\u00e4nnerstimme im regen Geplauder. Ich schaue genauer hin, denn die Situation ist kurios:<\/p>\n<p>Da hockt jemand, nur wenige Meter von mir entfernt vor einem Busch auf dem Boden. An sein Ohr h\u00e4lt er ein Handy und telefoniert heftig diskutierend. Es ist der Mann von vorhin. Vor ihm platziert steht der Messbecher. Unter ihm t\u00fcrmt sich das beeindruckende Produkt seines Morgengesch\u00e4fts.<\/p>\n<p>F\u00fcr ihn scheint es v\u00f6llig unproblematisch zu sein, dass ich unfreiwillig Zeuge seines Gesch\u00e4ftsgespr\u00e4chs werde. Ich dagegen bin verst\u00f6rt und so brauche ich eine Sekunde, um die Situation zu begreifen. Der Mann macht einfach weiter. Ich bin irritiert und gehe weg.<\/p>\n<p><strong>Hallo Murphy!<\/strong><br \/>\nDie R\u00fcckreise ist weniger angenehm als gehofft. Wir haben sie einfach zu sp\u00e4t geplant und gebucht. Wie sich herausstellt ist ein Gro\u00dfteil der preislich g\u00fcnstigeren Fahrtm\u00f6glichkeiten bereits belegt. Was bleibt ist eine unerwartet teure Fahrt im Zug.<\/p>\n<p>Insgesamt ben\u00f6tigen wir f\u00fcr die 850 km ein Boot, f\u00fcnf Stunden Wartezeit, eine Rickscha, eine Zugfahrt im Schlafwagen, vier Stunden Aufenthalt am Bahnsteig inmitten der Nacht und eine nochmals dreizehnst\u00fcndige Zugfahrt. Daran schlie\u00dft sich eine gef\u00e4hrlich rabiate Taxifahrt durch den Abendstauverkehr Mumbais zum Flughafen an. An diesem warten wir vier weitere Stunden.<\/p>\n<p>In meiner Vorstellung gibt es kaum etwas Schlimmeres als eine heftige Durchfallattacke und keine andere L\u00f6sung des Problems als die auf einer \u00f6ffentlichen Toilette in Indien v\u00f6llig entkr\u00e4ftet meinem Gesch\u00e4ft nachgeben zu m\u00fcssen. Gegen Naturgewalten sind wir klein und m\u00fcssen uns beugen. Wir haben gerade ausgecheckt und m\u00fcssen noch ein paar Stunden warten, bis uns unsere Rickscha zum weit entfernten Bahnhof f\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Murphy liest meine Gedanken, denn es dauert nicht lange und dann ist es soweit: Ein Unheil k\u00fcndigt sich in meiner Magen- und Darmgegend an. Das sich in wenigen Minuten mit gr\u00f6\u00dfter Sicherheit abspielende Szenario l\u00e4sst sich bereits eindeutig in meiner Vorstellung skizzieren.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich bin ich im Dunkel der Nacht in den Gassen von Hampi unterwegs. Ich ergebe mich also meinem Schicksal, denn es gibt keinen anderen Ausweg. Bevor der doch weitaus schlimmere Fall der Erleichterung ohne Toilette eintritt suche ich ein \u00f6ffentliches Klo. Nerv\u00f6s erreiche ich die Batterie der \u00f6ffentlichen Toiletten und trete verklemmt ein. Drinnen riecht es nach Reinigungsmitteln und alles ist blitzblank und sehr sauber. Den Rest der Geschichte \u00fcberlasse ich Eurer Phantasie.<\/p>\n<p>In Deutschland angekommen melden wir uns erst einmal bei unseren Arbeitgebern krank und gehen zum Arzt. Der verlangt nach einer speziellen Postzustellung. Es dauert nicht lange, bis wir den Befund bekommen sowie einen Anruf vom Gesundheitsamt. In uns wohnen E-Coli-Bakterien. Das sei aber nicht schlimm, nur meldepflichtig und f\u00fchre zu einem Gespr\u00e4ch mit dem Gesundheitsamt. Nach einer gewissen Zeitspanne sind wir den unerw\u00fcnschten \u00a0Besuch auch wieder los. Guten Appetit!<\/p>\n<p><strong>Zugfahren mit Blick auf den Regen<\/strong><br \/>\nZugfahren durch Indien ist spannend und empfehlenswert. Es gibt unterschiedliche Klassen. Wir haben im klimatisierten Schlafwagon Liegen gebucht. Die Toiletten sind die franz\u00f6sischen Hock-Klos. Aus meiner Sicht ist das auch die hygienisch w\u00fcnschenswertere Variante.<\/p>\n<p>Bei jeder Geschwindigkeit kann man die Wagont\u00fcren zur vorbeirasenden Au\u00dfenwelt \u00f6ffnen und seine Nase in den Wind halten. Dies ist gef\u00e4hrlich, aber auch sehr sch\u00f6n. Am Vormittag steigen an jedem Bahnhof unz\u00e4hlige Verk\u00e4ufer ein, laufen durch die Abteile und bieten laut rufend ges\u00fc\u00dften Tee und verschiedenste Snacks an. Das Angebot umfasst auch warme Mahlzeiten, wobei ich bei diesen nur zu den frisch frittierten raten kann. Diese werden oft direkt auf dem Bahnsteig zubereitet.<\/p>\n<p>Oft h\u00e4lt der Zug f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit an den Bahnh\u00f6fen, sodass man Gelegenheit hat, auszusteigen und sich zu versorgen. Sinnvoller ist es jedoch, sich bereits vor der Zugfahrt mit Proviant einzudecken, um bei Hei\u00dfhunger nicht mit eingeschr\u00e4nktem Beurteilungsverm\u00f6gen bei sonst als zweifelhaft einzustufenden Speisen schwach zu werden.<\/p>\n<p>Da wir ja von einem E-Coli-Bakterium bewohnt sind, haben wir insbesondere Zwieback, ein paar Gurken und Tomaten und Chips im Gep\u00e4ck. Es ist wirklich nicht leicht, sich in Indien\u00a0\u2013 in einem kleinen Dorf\u00a0\u2013 ein appetitanregendes Proviantpaket zu schn\u00fcren.<\/p>\n<p>Die Zugfahrt l\u00e4dt zum Schlafen, Lesen und zum Sichten der Fotos ein. Bei voller Fahrt lassen sich sch\u00f6ne Bilder durch die ge\u00f6ffneten T\u00fcren schie\u00dfen und man hat Zeit, all seine Urlaubserlebnisse zu rekapitulieren.<\/p>\n<p>Wir hatten \u00fcber Wochen nur hei\u00dfes Wetter und selten vereinzelte Wolken erlebt. W\u00e4hrend dieser Gedanken wirkt das Wetter drau\u00dfen mit einem Mal grau. Ich frage mich ob es wohl Regnen wird. Also gehe ich aus dem Abteil und \u00f6ffne die Wagont\u00fcre zur Au\u00dfenwelt. Schon bald fallen die ersten dicken Regentropfen. Nach und nach trommelt der Regen seinen Schlag auf die Fenster und einen m\u00e4chtigen Rhythmus aufs Land.<\/p>\n<p>K\u00fche wirken missmutig in der N\u00e4sse und wandern \u00fcber die Felder. Menschen halten sich Zeitungen oder Taschen auf den Kopf und wirken genauso. Wir kauern uns vor die Fenster und genie\u00dfen den hereinbrechenden Abend. Meine Freundin packt leichte \u00dcbelkeit. Dem Regen ist das egal, er trommelt einfach weiter und ich wundere mich, ob das wohl schon der Monsun ist?<\/p>\n<p><strong>Taxifahrt zum Flughafen: Bin ich bereit f\u00fcr indisches Handgemenge?<br \/>\n<\/strong>Kurz vor unserer Ankunft in Mumbai frage ich einen Mitreisenden, einen indischen Arzt, mit dem ich mich w\u00e4hrend der Fahrt schon lange und gut unterhalten hatte, an welchem Bahnhof wir am besten aussteigen sollen. Ein Anderer h\u00f6rt mit, mischt sich ein und r\u00e4t zu einem bestimmten, an dem wir auch kurz darauf einfahren. Wir folgen dem Rat, denn angeblich sei der Weg von diesem Bahnhof zum Flughafen k\u00fcrzer.<\/p>\n<p>Der Bahnhofsvorplatz ist ausgebucht, wie ein \u00dcberraschungs-Revival-Konzert von Elvis Presley. Wir kraulen uns durchs Gew\u00fchl bis zu den Taxen. Es ist schwierig bzw. unm\u00f6glich mit den Taxifahrern trotz der vermittelnden Hilfe unseres Ratgebers einen guten Preis zu bekommen. Die Taxi-Fahrer verweisen auf die gegenw\u00e4rtig herrschende Rush Hour.<\/p>\n<p>Wir beugen uns diesem Argument und schenken unser Vertrauen einem m\u00e4chtig vollb\u00e4rtigen Fahrer mit noch m\u00e4chtigeren Turban auf dem Kopf. Ich habe ein mulmiges Gef\u00fchl. Als wir losfahren beginnt unser Fahrer zu telefonieren. Zwei Stra\u00dfen weiter unterbricht dieser die Fahrt spontan. Ein weiterer Mann steigt ein, die Fahrt geht weiter. Dann sagt der Vollb\u00e4rtige, ich m\u00f6ge ihm den ausgehandelten Fahrtpreis auf der Stelle geben, um dann aber von dem anderen Mann in seinem Wagen zum Flughafen chauffiert zu werden.<\/p>\n<p>Er erkl\u00e4rt, dass dessen Wagen gleich um die Ecke geparkt sei. Mein mulmiges Gef\u00fchl w\u00e4chst weiter. Ich winke ab, sage, ich sei nicht einverstanden mit dem Verlauf der Dinge. In meinen Gedanken w\u00e4ge ich ab, ob ich wohl in der Lage w\u00e4re, es mit den beiden Herren in einem Kampf aufzunehmen. Ich plane meine Strategie f\u00fcr ein m\u00f6gliches Handgemenge in einer Seitengasse.<\/p>\n<p>Derweil entfacht sich eine streitgeladene Verhandlung, aber ich bleibe hart. Ob ich kein Vertrauen h\u00e4tte? Nein, nicht blind schenke ich Vertrauen, in einer dunklen Seitengasse, unbekannten Menschen gegen\u00fcber, bei Bezahlung vor Lieferung der abgemachten Dienstleistung. Und vor allem nicht mit meinem allerletzten Geld. Der Fahrer wird w\u00fctend und zeigt offen seine Entt\u00e4uschung ob meiner nicht vorhandenen Menschlichkeit.<\/p>\n<p>Ich sei ein b\u00f6ser Mensch. Der andere Mann verschwindet wieder und der Mann mit Turban setzt seine Fahrt mit uns fort. Es ist Wochenende und die Stadt ist \u00fcberall voll. Die Gehwege sind oft voller Menschen, denn an vielen Stra\u00dfenecken sind kleine Festivit\u00e4ten installiert. Manche Stra\u00dfen sind voller Fahrr\u00e4der und aller erdenklichen f\u00fcr Stra\u00dfen erfundene Kraftfahrzeuge. Mit dem Fortschreiten der Fahrt verfl\u00fcchtigt sich die geladene Stimmung.<\/p>\n<p>Aus sch\u00f6nen kleinen Stra\u00dfen und Gassen in sch\u00f6nen Vierteln werden gro\u00dfe Stra\u00dfen in weniger sch\u00f6nen und anonymeren Gegenden. Die Anonymit\u00e4t w\u00e4chst mit der Stra\u00dfenbreite und der Spurenzahl, die Gegenden werden industrieller. Aus Hauptstra\u00dfen werden Schnellstra\u00dfen und aus diesen werden Autobahnen. Die Autobahnen verwandeln sich \u00fcber Umwege in Startbahnen, diese f\u00fchren in Luftbahnen, diese wiederum auf Landebahnen und das ganze Stra\u00dfenspiel geht wieder R\u00fcckw\u00e4rts. Dann sind wir daheim. Was geht mir jetzt wohl durch den Kopf, wenn ich an Indien denke? Es war sch\u00f6n, anstrengend und aufregend. Wir haben Hunger. Wie w\u00e4re es mit essen gehen? Indisch??<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/reiseberichte\/reisebericht-indien-gokarna-bouldern\/\">Was bisher geschah&#8230;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/reiseberichte\/reisebericht-indien-mumbai-rikschas\/\">Teil 1 und wie die Reise begann gibt es hier.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der dritte und letzte Teil von Engins eindr\u00fccklicher Indienreise beginnt mit einem m\u00e4chtigen Gesch\u00e4ftsgespr\u00e4ch, handelt von den T\u00fccken einer Taxifahrt [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":153,"featured_media":13093,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[11,384,5],"tags":[2364,2385,2383,33,2365],"class_list":["post-13085","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-asien","category-indien","category-reiseberichte","tag-backpacken-indien","tag-bouldern-indien","tag-klettern-indien","tag-reisebericht","tag-reisebericht-indien"],"geo":null,"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/SliderKuh.jpg","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p4csa8-3p3","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13085","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/153"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13085"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13085\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30881,"href":"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13085\/revisions\/30881"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/13093"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13085"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13085"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13085"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}