{"id":12682,"date":"2016-04-17T01:00:28","date_gmt":"2016-04-16T23:00:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/?p=12682"},"modified":"2024-06-21T13:02:58","modified_gmt":"2024-06-21T11:02:58","slug":"reisebericht-indien-mumbai-rikschas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/reiseberichte\/reisebericht-indien-mumbai-rikschas\/","title":{"rendered":"Bevor der erste Regen f\u00e4llt: Zu Besuch bei 1,28 Mrd. Menschen \u2013 Indien Teil 1"},"content":{"rendered":"<p><strong>Was geht mir durch den Kopf, wenn ich an Indien denke? Riesige Riesenschlangen, schwerf\u00e4llige Elefanten mit kleinen Ohren, der indische Ozean, Hitze, Malaria und Dengue-Fieber, eine Milliarde Menschen, das System der Kasten, bunte Kleidung, Mahatma Ghandi, weltklasse Programmierer, kreischende Affen,&#8230;<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>&#8230;bunte Gew\u00fcrze in gro\u00dfen S\u00e4cken, Fakire, Slums und Slumdog Millionaire, gef\u00e4hrliche Tiger und andere Raubkatzen, giftige Kobras, Mowgli und das Dschungelbuch, Schmutz, Armut, fieser Durchfall, die Simpsons, der Regenwald, Monsun, Berge, uralte Tempel, Yoga. Diese bunte Mischung aus Clich\u00e9, Romaninhalt und Realit\u00e4t f\u00fcllt mein durchschnittsdeutsches Ged\u00e4chtnis vor Reiseantritt.<\/p>\n<p><strong>Das Kopfkino war perfekt<\/strong><br \/>\nFreunde, Bekannte und Kollegen, die \u00a0von unserer Reise durch Indien erfahren, bekunden und bekr\u00e4ftigen oft ihr Desinteresse an der Reise. Aber wieso eigentlich, frage ich mich. Die Qualit\u00e4t der hygienischen Bedingungen seien nie sicher. Dengue- und Malaria-Fieber, Hitze, s\u00e4mtliche vorstellbare Brech- und Durchfall- und viele andere schlimme Erkrankungen drohen Tag und Nacht, sagen sie.<\/p>\n<p>\u00dcberall wimmele und wusele es von Menschen, die einen bedr\u00e4ngen und so weiter und so fort. Sicher ist: es ist nicht alles immer nur paradisisch oder angenehm bequem oder in sch\u00f6nem Sinne traumhaft. Vieles ist in erster Linie \u00b4anders\u00b4, aber das ist doch nicht nur in Indien so!<\/p>\n<p>Die Neugierde nach diesem \u201eAnders\u201c ist der Grund, weshalb wir uns Indien als Reiseziel ausgesucht haben. Dieses Mal suchen wir nach kultureller Reibung. Also reisen wir mal nicht von unserer Wohlstandsblase Deutschland in eine \u00e4hnliche, nur an einem anderen Ort gelegene Blase, sondern ganz woanders hin. Neben Erhohlung suchen wir Irritation und Gedankenfutter. Und, was soll ich sagen: Wir haben bekommen, wonach wir suchten.<\/p>\n<p><strong>Vorbereitungen\u00a0\u2013 eigentlich ganz einfach<\/strong><br \/>\nSo eine Fernreise ist kein Problem, denke ich mir. Du steigst wie immer in ein Flugzeug ein, dann fliegst du eine Zeitlang, steigst wieder aus und bist da. Ganz einfach. So einfach ist es dann doch nicht. Kurz vor knapp, nach einigen verkaufsf\u00f6rdernden Informationstiraden beim Tropenarzt mit darauffolgenden Impfungen und Besorgungen in der Apotheke, f\u00e4llt uns erst ein, dass man nicht nur einen g\u00fcltigen Reisepass, sondern sogar ein Visum ben\u00f6tigt. Eigentlich klar, wenn man erst einmal dar\u00fcber nachdenkt.<\/p>\n<p>Der Blick in meinen Reisepass bewirkt erste Enspannung, denn dieser verliert erst vier Wochen nach dem Urlaub seine G\u00fcltigkeit. Ein Visum kann kurzfristig im Internet gebucht werden und kostet etwa 50 Euro pro Antragsversuch. Ob dieser erfolgreich ist oder nicht, wird vermutlich \u00fcber einen von indischen Eliteprogrammierern entworfenen Zufallsgenerator entschieden.<\/p>\n<p>Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Die einzelnen Felder des Formulars, welches zur Beantragung des Visums ausgef\u00fcllt werden m\u00fcssen, sind in ihren Anforderungen nicht immer eindeutig. Mein Visum kostet mich 50 Euro. Das Visum meiner Reisebegleitung dagegen kostet 150 Euro. Dieses wird n\u00e4mlich erst beim dritten Versuch gew\u00e4hrt.<\/p>\n<p><strong>Wer telefoniert mit wem?<\/strong><br \/>\nDie Kostenspirale dreht sich weiter, extra 20 Euro entstehen bei einem Telefonat mit einem Verst\u00e4ndigen der Botschaft in Indien.. Der Verst\u00e4ndige selbst versteht nichts. Die wortreichen Ausf\u00fchrungen des Verst\u00e4ndigen versteht man nicht. Meine Phantasie erwacht und ich stelle mir ein Szenario vor, das eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der gerade stattfindenden Situation darstellt:<\/p>\n<p>Ich male mir aus, wie ich Opfer eines Verbindungsfehlers von Telefonaten geworden bin. Meine Telefonleitung ist in eine andere Verbindung gerutscht und so kann ich mit anh\u00f6ren, wie ein indischer Beamter am anderen Ende der Welt mit seiner Mutti telefoniert&#8230;<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zur Realit\u00e4t: Obwohl Englisch eine von drei Amtssprachen Indiens ist, sind kaum englische Worte, statt dessen aber ein ulkiger Singsang auszumachen. In K\u00fcrze best\u00e4tigt sich jedes Klischee, dass hierzulande und in einigen amerikanischen Sitcoms gepflegt wird.<\/p>\n<p>Die Tiraden der Menschen am anderen Ende der Welt h\u00f6ren sich eher indisch als englisch an. Hinsichtlich des Problems der Gew\u00e4hrung des Visums bringt dieses Telefonat keinerlei Hilfe und damit L\u00f6sungen und Erkenntnisse. Daf\u00fcr entstehen unn\u00f6tige Telefonkosten. Der dritte Antragsversuch klappt gl\u00fccklicherweise. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr bleiben verborgen. Meine Kreditkarte wird vielfach belastet.<\/p>\n<p><strong>Zusammenfassung Vorbereitungen: Sag der Bank bescheid!<\/strong><br \/>\nF\u00fcr eine Reise in den S\u00fcden Indiens ben\u00f6tigt man einen g\u00fcltigen Reisepass, ein g\u00fcltiges Visum und eine g\u00fcltige Kreditkarte. Empfehlenswert ist es vor der Abreise die Bank \u00fcber das Reiseziel und die Reisedauer zu informieren. Impfungen gegen Tollwut, Hepatitis A und B, japanische Enzephalitis und anderen schlimmen Seuchen und Erkrankungen sind je nach anvisierter Region teilweise sinnvoll, aber nicht generell notwendig.<\/p>\n<p>F\u00fcr fernreisende Menschen empfehle ich uneingeschr\u00e4nkt mindestens Imfungen gegen Hepatitis A und B und Tollwut und bei der \u00e4rztlichen Beratung\u00a0 einen gesunden Menschenverstand \u2013 manche \u00c4rzte preisen ihre Produkte \u00fcbermotiviert an. Viele Impfstoffe entfalten ihre Schutzwirkung erst einige Wochen nach der letzten Imfpung. Indisches Geld darf weder aus- noch eingef\u00fchrt werden; d.h. man geht entweder an der Geldautomaten oder wechselt in einer Wechselstube.<\/p>\n<p><strong>Hin und weg von Mumbai<\/strong><br \/>\nAbflug. Eigentlich sind wir sp\u00e4t dran. Die empfohlene Reiszeit f\u00fcr den S\u00fcden Indiens endet mit dem Februar. Wir fliegen von Berlin nach M\u00fcnchen und von dort aus mit einer Boeing der Lufthanse ca. zehn Stunden weiter bis nach Mumbai, an die Westk\u00fcste Indiens.<\/p>\n<p>Aus dem Fenster des Fliegers schauend, freue ich mich dar\u00fcber, dass ich den Nemrut Berg, den S\u00fcphan Berg und auch den mit \u00fcber 5000m h\u00f6chsten Berg der T\u00fcrkei, den Ararat Berg Ostanatoliens erkennen kann. Direkt daneben steht seine kleinere Version. Au\u00dferdem kann ich sogar das kleine \u00d6rtchen Ahlat am n\u00f6rdlichen Ufer des Van-Sees sehen, aus dem mein Vater stammt.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Armenien, der Irak und Iran sind nur noch einen Katzensprung entfernt. Viele Flugmeilen und Stunden, zahlreiche Filme, Serien, Gin Tonics und diverste Mahlzeiten sp\u00e4ter landen wir kurz nach Mitternacht am Ziel.<\/p>\n<p>Der Flughafen in Mumbai ist schon ein Ereignis, denn er ist nicht nur riesig: Die B\u00f6den sind mit Teppich ausgelegt und an den W\u00e4nden gibt es riesige Vitrinen mit Inhalten zum Bestaunen. Unwillk\u00fcrlich erwacht die Phantasie, ausgeschm\u00fcckt mit den Inhalten der Eingangs bereits aufgez\u00e4hlten durchschnittsdeutschen Klischee-Liste.<\/p>\n<p><strong>M\u00fcckenparanoia ist schwei\u00dftreibend<\/strong><br \/>\nBei der Gep\u00e4ckausgabe bekommen wir nur unser Crashpad. Der Rucksack, in dem sich unser gesamtes Gep\u00e4ck befindet, hat spontan sein Reiseziel nach Mexiko verlegt. Irritiert fahren wir also ohne Gep\u00e4ck in unser Hotel. Dort haben wir bereits im Voraus ein Zimmer f\u00fcr drei N\u00e4chte reserviert.<\/p>\n<p>Ohne unser Gep\u00e4ck fehlen uns die \u00fcberlebenswichtigen Abwehrmittel gegen Moskitos. Dementsprechend paranoid verhalte ich mich, denn die informativen Tiraden des Tropenarztes s\u00e4useln noch in meinem Ohr. Also kleide ich mich, f\u00fcr den ersten Kontakt mit der freien Wildbahn vor den T\u00fcren unseres Hotels, von oben bis unten mit langer Oberbekleidung ein.<\/p>\n<p>Vorher gibt es ein erstes Fr\u00fchst\u00fcck auf der Dachterasse. Es gibt Fritiertes, Gebackenes und Gekochtes. Dazu Joghurt, hei\u00dfen Tee und Wasser in doppelt kontrollierten Plastikflaschen. Sozusagen Mittagessen, eben nur zum Fr\u00fchst\u00fcck, denke ich mir. In meinem Moskitoschutzanzug ist mir \u2013 passend zu den warmen Mahlzeiten\u00a0\u2013 hei\u00df.<\/p>\n<p>Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck verlassen wir den klimatisierten und gesch\u00fctzten Bereich unserer Behausung und treten in eine wirre Mischung aus Menschen, Hupen und Hitze. \u00dcber der Stadt h\u00e4ngt eine Glocke aus Smog. Meine Wetter-App beschreibt das Wetter mit \u201eRauch\u201c und die Luft ist dick und feucht. \u00dcberall stehen riesige Palmen. Die Stadt ist erstaunlich gr\u00fcn und erstaunlich laut.<\/p>\n<p>Im Stra\u00dfenverkehr l\u00e4uft alles falsch und ohne Ordnung. Alles spaziert und f\u00e4hrt kreuz und quer, jeder hupt immer und auch die Gehwege sind als solche nicht immer zu erkennen und von den Fahrbahnen zu unterscheiden. Menschen sitzen manchmal mitten auf dem Fu\u00dfboden, mitten im Fu\u00dfverkehr und halten ihre Vesper. Stra\u00dfenhunde liegen entspannt am Stra\u00dfenrand herum an. Sie wirken tiefenentspannt, obwohl die Fahrzeuge nur wenige Zentimeter an ihnen vorbei fahren. Viele Hunde haben unz\u00e4hlige Narben im Fell.<\/p>\n<p><strong>Rikschas und Eierk\u00f6pfe \u00dcBERALL<\/strong><br \/>\n\u00dcber diese Fahrbahnen brausen Motorr\u00e4der, auf denen mitunter ganze Familien aufsitzen. Diese Fahrenden und ihre Passagiere sind schwer oder leicht bekleidet. Manche tragen Badeschlappen, Gew\u00e4nder wehen im Wind, andere sind v\u00f6llig vermummt in ihren Burkas. LKW&#8217;s r\u00f6hren, \u00a0Autos brummen und es knattern unz\u00e4hlige Rikschas einfach hin und her.<\/p>\n<p>Jeder Fahrer einer Rikscha der mich erblickt \u2013 also einer alle drei\u00dfig Sekunden einer \u2013 hupt mich an und f\u00e4hrt dicht an mich oder ruft feil bietend und fragend: \u201eRikscha ?!\u201c und eiert anschlie\u00dfend mit seinen Kopf hin und her. Nicht nur die Fahrer der Rikscha blicken mich mit eierndem Kopf an. Alle InderInnen scheinen diesen Kopfsport durchg\u00e4ngig zu pflegen. Sehr sehr merkw\u00fcrdig.<\/p>\n<p>Als Europ\u00e4er f\u00e4llt man sehr auf und wird ohne Unterlass freundlich angelacht, angel\u00e4chelt, bel\u00e4chelt, oder skeptisch be\u00e4ugt. Oft wird man auch angesprochen: \u201eHi Hello, what\u00b4s your name?\u201c, \u201eHi, where are you from\u201c, \u201eHello, picture?\u201c. Einige Male lassen wir uns fotografieren. Nicht selten bildet sich eine Menschentraube um uns herum. Bei sp\u00e4teren Anfragen winken wir nur noch freundlich ab.<\/p>\n<p><strong>Wer hat noch alle Fingerchen?<\/strong><br \/>\nAn vielen Ecken gibt es Vieles zu Kaufen. Fr\u00fcchte, Gem\u00fcse, Frittiertes, Getr\u00e4nke, Kleidung, \u00c4ffchen, H\u00fchner. Auch frische Kokosmilch wird angeboten. Die Verk\u00e4uferinnen und Verk\u00e4ufer schlachten dazu mit einer Machete mit der einen Hand heftig hackend, die in der anderen Hand liegende Kokosnuss. Sie zeigen dabei sehr viel Geschick.<\/p>\n<p>Beim Zuschauen frage ich mich, wie oft sich bei dieser T\u00e4tigkeit pro Tag der ein oder andere Finger in dieser Stadt souver\u00e4n verabschiedet und rechne mit einigen hundert. Serviert wird der Saft nach Belieben im Becher oder direkt aus der Nussschale mit Strohhalm. W\u00e4hrend der gesamten Reise habe ich keinen Kokosmilchh\u00e4ndler gesehen, dem Finger fehlten.<\/p>\n<p>Was das Essen anbelangt gibt es viele kleine mobile H\u00e4ndler, die Ger\u00f6stetes oder Frittiertes, Fr\u00fcchte oder Getr\u00e4nke anbieten. Leider wird in Reisef\u00fchrern und von \u00c4rzten von Salaten und frischem Obstsalat, sofern nicht selber penibel gewaschen zubereitet, abgeraten. Diesen Rat kann ich so weiter geben.<\/p>\n<p>Einige Ausnahmen habe ich mir selber erlaubt, sofern der Anbieter vertrauen erweckte. Bei der Hitze ist es sicherlich schwierig auf die vielen Lassis zu verzichten, die einem \u00fcberall angeboten werden. Hier und da geben wir unseren Gel\u00fcsten nach und bleiben gesund.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Der Lonely Planet ist nicht ganz zuverl\u00e4ssig in seinen Einsch\u00e4tzungen der Restaurants. Gerade die hoch angepriesenen, oft hochpreisigen, haben zwar eine luxuri\u00f6se Inneneinrichtung. Meistens ist das Essen dort aber bei weitem nicht so gut wie in den mittelpreisigen Restaurants.<\/p>\n<p><strong>Gegens\u00e4tze so dicht beieinander<\/strong><br \/>\nReich und Arm reichen sich in Mumbai \u00fcberall die Hand. Passanten sind bunt und chic in allen Farben in ihren Saris, mit Turbanen, oder \u00e4rmlich grau-braun in Lumpen, oder einfach schwarz vermummt, oder in Jeans und T-Shirt, oder in Anz\u00fcgen und Kleidern in europ\u00e4ischem Stil.<\/p>\n<p>Es gibt sehr einfache sch\u00e4bige Wellblechbauten und gro\u00dfe sch\u00f6ne H\u00e4user mit gro\u00dfen hohen Z\u00e4unen. Klimatisierte auf hochglanz polierte kleine L\u00e4den mit Bio-Lebensmitteln sind eingerahmt in viele ganz einfache St\u00e4nde mit Tischchen und S\u00e4cken vollgef\u00fcllt mit verschiedensten, leuchtend farbigen Fr\u00fcchten, Reis, Bohnen, Gew\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Schmutz und M\u00fcll tr\u00fcben das Stadtbild. Manche Gasse wurde zur M\u00fclldeponie degradiert oder war es vielleicht immer schon. Mit jeder gekauften Plastikflasche steigt mein schlechtes Gewissen. Deswegen habe ich <a href=\"https:\/\/www.camp4.de\/wasseraufbereitung\/\">einen Wasserfilter<\/a> dabei, den ich oft einsetze. Mensch und Hund schlafen oft direkt an der Hauptstra\u00dfe im Staub. Sie liegen auf den Gehwegen, manchmal unter Plastik-Planen, oft auch unter freiem Himmel. Manche wohnen dort.<\/p>\n<p>Mumbai ist sicherlich eine Reise wert, erholen kann man sich dort aber nicht. Es gibt einige interessante Ecken f\u00fcr kulturell Interessierte. Eine Flut von Eindr\u00fccken will verarbeitet werden und so sind wir nach drei Tagen auch sehr froh die Gro\u00dfstadt hinter uns lassen zu k\u00f6nnen. Wir sehnen uns nach Ruhe. Gl\u00fccklicherweise kommt unser Gep\u00e4ck am Morgen des dritten Tages im Hotel an, wir ziehen uns um, schultern dieses und verschwinden.<\/p>\n<p><strong>Reisen in einer K\u00fchltruhe auf dickem Sirup<\/strong><br \/>\nMit einem stark klimatisierten Fernreisebus fahren wir eine ganze Nacht hindurch etwa 800 km weiter gen S\u00fcden. Die K\u00fchlanlage weht einem eiskalt ins Gesicht und die DVD-Player best\u00e4tigen mehrfach, dass in allen Filmen \u00e0 la Bollywood gesungen und getanzt wird und der Kitsch wie dicker Sirup aus den cineastischen Kan\u00e4len quillt.<\/p>\n<p>Bei Tagesanbruch befinden wir uns in einem weitaus ruhigeren, l\u00e4ndlicheren, sehr stark bewaldeten Gebiet. Nebelschwaden h\u00e4ngen in den B\u00fcschen und beschlagen von au\u00dfen an dem eiskalten Bus. Aus dem Fenster genie\u00dfe ich die Aussicht auf Wald und filmreife Landstriche.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Insgeheim hege ich die Hoffnung mit einem Blick einen Tiger oder eine Riesenschlage oder \u00c4hnliches zu erhaschen. Bei einer Pause am fr\u00fchen Morgen gibt es eine interessante Morgentoilette:<\/p>\n<p>Meine mitreisende Freundin wartet auf mich auf dem Platz vor dem Waschhaus und wird von einem Mann angesprochen. \u201eHello, whats your name?\u201c, \u201eWhere are you from?\u201c Nach bereits routinierten Anworten geht es jedoch weiter. \u201eAh Germany. Do german man like small bubies?\u201c \u201eIs your pussy shaved?\u201c (\u00dcbersetzung: M\u00f6gen deutsche M\u00e4nner kleine Br\u00fcste? Bist du unten herum rasiert?) Meine Freundin dreht dem Mann demonstrativ die kalte Schulter zu. Dieser verschwindet darauf.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter, nach einigen weiteren Stunden Fahrt, entl\u00e4sst uns der Busfahrer an einer Tankstelle mitten im Nirgendwo. Auf der gegen\u00fcberliegenden Seite soll angeblich viele Stunden sp\u00e4ter ein Bus fahren. Ein Mann des Busunternehmens bem\u00fcht sich \u00fcbereifrig und mit Erfolg darum unser Gep\u00e4ck aus dem Bus zu laden. Danach blickt er sich verstohlen um, um sicherzugehen, dass er nicht von Kollegen beobachtet wird. Sich sicher f\u00fchlend verlangt er mit offener Hand nach Geld. Ich gebe ihm etwas.<\/p>\n<p>Frisch angekommen und noch orientierungslos werden wir von einem indischen Herren angesprochen. Nach sieben S\u00e4tzen greift sich sein Fahrer unser Gep\u00e4ck und schnallt dieses auf das Autodach. Wir steigen ein. Es folgt eine sch\u00f6ne Autofahrt auf einer sch\u00f6nen Landstra\u00dfe und sehr netten Gespr\u00e4chen. Kurz darauf verabschieden wir uns von diesem freundlichen Herren, seinem Bruder und deren Fahrer. Wir befinden uns am n\u00e4chsten Ziel, Gokarna.<\/p>\n<p>In Kapitel 2 packen die beiden endlich das erste mal ihre Kletterschuhe aus und machen Bekanntschaft mit ganz\u00a0 besonderen Mitbewohner: <a href=\"https:\/\/www.camp4.de\/blog\/reiseberichte\/reisebericht-indien-gokarna-bouldern\/\">Hier im CAMP4 Blog!<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was geht mir durch den Kopf, wenn ich an Indien denke? 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