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Testbericht: RoughStuff aus Baumwolle – die Draufgänger

Kein Loden?Die Designer von Roughstuff haben uns bereits mit ihrem Loden überzeugt. Nun begibt sich Roughstuff auf neues Terrain und bietet eine Baumwolljacke an. Die „Draufgänger“ soll noch atmungsaktiver sein als ihre Vorgänger. Ob die Jacke hält, was sie verspricht, haben wir beim Skifahren und beim Wandern getestet.

Mit Loden hat Roughstuff im Outdoorbereich eine hohe Reputation erworben. Wir waren im CAMP4 selbst überrascht von der großen Nachfrage nach den Jacken aus Schafschurwolle. Mittlerweile haben wir uns darauf eingestellt und wagen nun ein neues Experiment. Ab sofort findet Ihr bei uns im Sortiment die „Draufgänger“-Jacke. Das Besondere an dieser Jacke ist, dass sie nicht aus Loden besteht, sondern aus 100 % Baumwolle. Das Material wird so dicht gewebt, dass laut Roughstuff eine wind- und wasserabweisende Oberfläche entsteht. Was liegt also näher, als die Jacke draußen zu testen?

Wintertour 2018

Die erste Tour führte uns im Januar in das Grenzgebiet von Deutschland und Tschechien. Neun Leute fanden sich recht spontan zusammen. Mit Ski und Pulka ging es los. Hans erklärte sich bereit, die Jacke über 3 Tage hinweg zu testen.

Am Ende des Tages zeichnet sie dann der Schweiß deutlich ab.

Das Wetter war auf dieser Tour durchwachsen. Der Schnee war zwar erst zwei Tage zuvor gefallen und tauchte die Natur in ein frisches Weiß, aber die Temperaturen rutschten nur knapp unter die 0 °C. Die Luftfeuchtigkeit war hoch und wer eine Pulka zog, kam schnell ins Schwitzen.

Die Meisten von uns trugen deswegen nur wenige Schichten. Ein Baselayer mit Jacke genügte vielen von uns. Wobei sich die Jacken stark unterschieden. Trug der Eine nur einen Windbreaker, musste es beim Nächsten doch lieber die Gore-Tex Jacke sein.

Die Jacke war am zweiten Tag steif gefroren aber wurde von Hans wieder "aufgetaut".

Unser Testmodell war bei Hans sehr gut aufgehoben. Als er mit seiner Pulka ins Schwitzen geriet, erledigte die Draufgänger-Jacke die ihr zugedachte Aufgabe: Sie transportierte die Feuchtigkeit nach außen und schuf ein gutes Innenklima. Genau darum geht es bei diesen Jacken. Die Luft war zwar feucht, aber es regnete nicht. Unter diesen Bedingungen kann die Jacke ihre Vorteile ausspielen. Durch die hohe Aktivität kommt der Träger zwar ins Schwitzen, aber da das Gewebe nicht wasserdicht ist, bleibt das Jackenklima angenehm.

Bei sehr hoher Anstrengung  gerät jedoch auch eine Draufgänger-Jacke an ihre Grenzen und kann den Wasserdampf nicht mehr nach außen transportieren. Dieser Punkt wurde von Hans im Laufe des Tages erreicht. Am Abend zum Auslüften aufgehängt, gefror die Draufgänger zu einem Brett. Ich denke daher, dass die Jacke für so hohe Anforderungen nicht optimal geeignet ist.

Wer dagegen eine Jacke sucht, mit der er im Park spazieren gehen kann, wer als Jäger im Forst oder mit dem Hund im Wald unterwegs ist, der trifft mit der Draufgänger die richtige Wahl.

Dieser Zielgruppe entspricht auch die Farbauswahl. Die Draufgänger gibt es lediglich in Olive und bis auf Weiteres wird sich daran auch nichts ändern. Wer in der Natur gar nicht auffallen möchte, ob Jäger oder Bushcrafter, der wird bei dieser Jacke vielleicht fündig und zugleich glücklich.

Teamfahrt 2018

Für unseren zweiten Test bot sich die CAMP4-Teamfahrt an. Jedes Jahr fährt das gesamte Team für ein Wochenende raus in die Natur zum Wandern, Klettern, Paddeln oder für eine Schneeschuhtour. Dieses Jahr ging es ins Zittauer Gebirge.

In den kühlen Morgenstunden ging es bereits los.

Tester waren nun Henrik und Engin. Bei kalten aber herrlich klaren Sonnenschein wanderten wir unsere Strecken durch Wälder und auf kleine Gipfel. Wie schon bei der Wintertour lässt sich sagen: Klima, Klima, Klima.

Nach 90 Minuten die erste Rast und kein Schweiß zu sehen.

Das ist das überzeugendste Argument für Baumwolle. Bei schweren Touren, die einen richtig ins Schwitzen bringen, saugt sich die Baumwolle voll. Das anschließende langsame Abdampfen kühlt den Körper stark aus, was sogar gefährlich sein kann. Bei normaler Aktivität ist Baumwolle dagegen vollkommen ausreichend.

Fazit

Da die Draufgänger weder gefüttert noch wasserdicht ist, ist die Atmungsaktivität entsprechend hoch. Der sportliche Schnitt, wie bei der Deubelskerl, unterstreicht den agilen Charakter der Jacke und zeigt, dass sie mehr ist als nur ein nettes Bio-Accessoire.

Engin übernimmt nun das Testen.

Die Draufgänger kann viel, aber nicht alles. Baumwollbekleidung wird bereits seit Tausenden von Jahren genutzt und das Tragegefühl wirkt auf der Haut irgendwie „richtig“. Für hohe körperliche Belastung ist die Draufgänger nicht gemacht. Es sammelt sich zu viel Feuchtigkeit in der Baumwolle, die den Körper auf Dauer auskühlt. Jedoch ist die Jacke ideal für SpaziergängeWanderungenRadfahren oder auch als Übergangsjacke. Das stark windabweisende Gewebe kann in Kombination mit einem Fleece oder einer gefütterten Jacke auch bei kühleren Temperaturen die richtige Wahl sein.