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Kochgeschirr: Aluminium, Titan oder doch Edelstahl?

Das richtige Kochgeschirr zu finden, ist nicht einfach. Unterwegs mit dem Camper spielt Gewicht keine Rolle – Edelstahl. Soll es leicht und günstig sein – Aluminium. Jedoch ist es etwas in Verruf geraten. Leichter als leicht und Geld spielt keine Rolle – Titan. Wir zeigen euch was es gibt und erklären die Unterschiede.

Beginnen wir mit dem Metall, das in den letzten Jahren mit Sicherheit die meiste Aufmerksamkeit auf sich zog: Titan. Wer sich die Frage stellt: “Wo kann ich Gewicht sparen?”, ist hier vielleicht schon fündig geworden. Die Zeiten in denen Enthusiasten tatsächlich an Zahnbürsten sägten und Messer mit halben Rasierklingen ersetzten, sind im Grunde vorbei. Aber derlei Geschichten halten sich bis heute.

Einwandige oder Double-Wall (isoliert) Tassen, Schüsseln und Teller von Snowpeak.

Ultra-Light hat sich, wie viele andere Outdoor-Bereiche, längst weiterentwickelt und professionalisiert. Beispielsweise wurde die Daunenqualität verbessert, Außengewebe mit neuen Stoffen dünner, Schlafsäcke sind somit heute leichter als noch vor ein paar Jahren. Im Kochbereich zog ein Metall die Aufmerksamkeit auf sich, das aus Kostengründen lange ignoriert wurde. Die metallischen Eigenschaften von Titan, dem vierthäufigsten Metall der Erdkruste, waren längst bekannt, aber sie wurden für den Outdoorbereich nicht genutzt. Das änderte sich, als Firmen wie SnowPeak oder Evernew eine Marktlücke erkannten. Und die Kunden waren tatsächlich bereit, viel Geld für relativ wenig auszugeben.

Aluminium, Titan und Edelstahl

Entgegen der landläufigen Meinung ist Titan auch gar nicht leichter als viele andere Metalle. Die Dichte von Aluminium beträgt 2,70 kg/dm³, Titan 4,54 kg/dm³ und Edelstahl (C15) liegt gar bei 7,85kg/dm³. Entscheidend ist aber die enorme Härte von Titan. Folglich ist es möglich, das Geschirr dünnwandiger zu produzieren, was Material spart, ergo Gewicht.

Ein komplettes Set von Evernew wiegt nur 138 Gramm. (Tasse auch als Topf nutzbar, Spiritusbrenner mit Aufsatz und Besteck)

Dieser aufwendige Herstellungsprozess ist jedoch zeit- und energieintensiv (der Schmelzpunkt von Titan liegt bei 1.668 °C) und somit sehr teuer. Im Vergleich zu Stahllegierungen erhöhen sich die Kosten um den Faktor 10. Allerdings sollte das für Leichtgewichtfans keine Rolle mehr spielen. Denn je weiter die Wege wurden, desto mehr fiel jedes Gramm ins Gewicht. Aus den USA schwappte der Trend vom “long-distance” oder “thru-hiking” zu uns. Wie es der Name vermuten lässt, handelt es sich beim “long-distance”-Wandern um das Bewandern weiter Wegstrecken. In Nordamerika gibt es bekanntermaßen gleich etliche Wege, die einige tausend Kilometer umfassen.

Auch in Europa gibt es Weitwanderwege, bei denen gleich mehrere EU-Staaten durchquert werden. Der Begriff “thru-hiking” ist etwas spezieller. Hierbei handelt es sich um den Glauben, dass man nur wirklich einen Wanderweg gegangen ist, wenn man ihn vom absoluten Anfang bis zum Ende gegangen ist. Alles andere zählt nicht. Das führt auch dazu, dass manche Leute freiwillig etliche Kilometer Schotterpiste zum Beginn einer Wanderung ertragen, nur um ein “thru-hiker” zu sein.

Aber zurück zu unseren Metallen. Die Härte des Titans hat noch weitere positive Effekte. So ist es relativ kratzresistent und ist weniger anfällig für Säuren als Aluminium.

Aluminium und Alzheimer – ist da was dran?

In den letzten Jahren wurden wir häufiger mit der These konfrontiert, dass Aluminium zu Alzheimer führe. Zwar gibt es medizinische Untersuchungen bei Tieren, die diese Möglichkeit aufzeigen. Diese Ergebnisse sind jedoch nie 1:1 auf den Menschen übertragbar. Zudem werden dabei extrem hohe Dosen verabreicht. Hingegen ist die Anfälligkeit von Aluminium bei säurehaltigem Essen belegt. Daher sollte der Kontakt mit Säuren vermieden werden. Jedoch darf man nicht dem Trugschluss erliegen, dass per se alle Produkte mit Aluminium nun verboten gehören. Wer auf Nummer sicher gehen will, für den gibt es viele Alternativen. Es kommt auf die Verarbeitung an, wie wir gleich aufzeigen.

Meine Meinung

Persönlich finde ich das Problem aufgebauscht. Hier wird Angst verbreitet und faktenfrei argumentiert. Man muss mit seiner Ausrüstung schon höchst problematisch umgehen, um eine wirklich entscheidende Menge Aluminium abzukratzen. Das ist mir noch nie passiert. Meistens koche ich nur Wasser Trekkingmahlzeiten. Aber selbst wenn ich draußen koche, habe ich noch nie tiefe Kratzer verursacht. Nichtdestotrotz ist der Zweifel gesät. Das hat auch die Industrie zu spüren bekommen und bietet mehrere Alternativen. Die neueste davon ist eigentlich uralt – Duossal-Töpfe. Diese gab es schon vor 20 Jahren aber wurden mangels guter Verkaufszahlen eingestellt.

Die Alternativen der Hersteller

Hartanodisiertes Aluminium hebt sich optisch ab, es ist dunkler als gewöhnliches Alu.

Hartanodisiertes Aluminium  (HA) – je härter die Oberfläche, desto geringer ist die Chance, dass sich durch Kratzen Metallspäne lösen. Mit Hilfe elektrolytischer Oxidation (Eloxal-Verfahren) wird eine Beschichtung auf dem Aluminium erzeugt.

Beschichtetes Topfset von Optimus, inklusive Bob - dem Schwamm.

Beschichtetes Aluminium – kennen wir alle aus der Küche. Ein Anbrennen des Essens ist kaum mehr möglich (verbrennen geht immer), jedoch muss mit Plastik- oder Holzbesteck gerührt werden. Metallbesteck zerstört die Beschichtung.

Die Antwort der Industrie auf die "Aluminiumproblematik" - Duossal - innen Edelstahl, außen Aluminium.

Duosal Töpfe – gab es schon vor 20 Jahren, aber erst die “Aluminiumproblematik” ließ diese in den Handel zurückkehren. Der Hauptbestandteil des Topfes ist weiterhin Aluminium, das Innere besteht jedoch aus Edelstahl und wird unter hohem Druck mit dem Aluminium verbunden. Der Nutzer profitiert von einer extrem kratzfesten Oberfläche, geringem Gewicht und einem garantiert aluminiumfreien und lebensmittelechten Edelstahl auf der Innenseite.

Warum nimmt man dann nicht gleich 100% Edelstahl? Und somit sind wir wieder beim Gewicht. Natürlich gibt es Kochgeschirr aus Edelstahl. Es ist günstig in der Beschaffung aber leider auch sehr schwer (siehe Dichte). Wer seine Ausrüstung tragen muss, findet in Duosall-Töpfen den besten Kompromiss.

Wer sich jedoch mit dem Auto auf Tour begibt, kann ohne Bedenken zu Edelstahl greifen, denn Gewicht spielt dann keine Rolle. Edelstahl ist lebensmittelecht, nahezu unzerstörbar und günstig in der Anschaffung.

Die Pros & Cons:

Aluminium:
+sehr leicht
+bester Wärmeleiter
+relativ günstig
+gibt es in vielen Ausführungen (ultra-light, hartanodisiert (HA), beschichtet und Duossal)

-säureanfällig (wenn es nicht HA oder Duossal ist)
-Alzheimerdiskussion (dann auf Duossal-Töpfe umsteigen)

Edelstahl:
+nahezu unzerstörbar
+lebensmittelunbedenklich
+günstig in der Anschaffung

-schwer

Titan:
+leichter als alles andere (da dünner verarbeitet)
+säurebeständig
+kratzbeständig
+gibt es auch in Non-Stick-Versionen

-sehr schlechter Wärmeleiter
-hoher Anschaffungspreis

Fazit:

Gibt es also das ideale Kochgeschirr? Klar, aber wie so oft, kommt es darauf an, was du machen möchtest. Ich selbst nutze HA-Aluminium-Töpfe. Damit koche ich zu 99%  Wasser. Bei diesem Nutzungsprofil könnte ich auch problemlos normale Ultra-Light Aluminiumtöpfe verwenden, denn ein Lösen von Metallspänen ist ausgeschlossen.

Für den Typ “Ich koche gern draußen” ist ebenfalls das hartanodisiertes Aluminium interessant. Damit aber nichts anbrennt, ist beschichtetes Geschirr gewiss die beste Option.

Und wer wirklich sicher gehen will, greift zu 100% Edelstahl oder Titan.