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Ultraleicht-Trekking: Unsere CAMP4-Teamfahrt nach Brandenburg

Titelbild Ultraleicht-Tour

Eine Trekkingtour mit einem 5-Kilo-Rucksack? Ja, das geht! Letztes Wochenende wanderte unser CAMP4-Team auf dem deutschen Jakobsweg durch Brandenburg und hat ausprobiert, wie man mit minimalem Gewicht und ultraleichter Ausrüstung fast schwerelos unterwegs ist. Im Interview verrät Enrico, wie die Tour geklappt hat, und gibt Tipps für Einsteiger ins Ultraleicht-Trekking.

Melanie: Hallo Enrico. Ich habe gehört, ihr wart am Wochenende auf Ultraleicht-Tour. Erzähl mal, wie es dazu gekommen ist!
Enrico: Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Camp4 sind gerne draußen unterwegs, aber keiner kann allen Outdooraktivitäten gleichzeitig nachgehen – der eine paddelt gerne, die nächste geht viel wandern, andere klettern oder machen Radtouren. Einige haben schon eine ultraleichte Ausrüstung und kennen sich damit aus. Doch manchen Mitarbeitern fällt es schwer, nachzuvollziehen, wie Ultraleicht-Trekker unterwegs sind und mit wie wenig Material man auskommen kann. Wer das aber selbst mal ausprobiert und erlebt hat, kann in der Kundenberatung bessere Tipps geben.

Melanie: Wie bist du selbst zum Thema „Ultraleicht wandern“ gekommen?
Enrico: Ich wollte mit weniger Gepäck unterwegs sein und auch mehr Platz für Spielkram haben.
Melanie: Spielkram? Du hast also an der einen Ecke gespart, um dann andere Sachen mitzunehmen?
Enrico: (lacht) Eine ordentliche Angel muss schon mit und viel Kaffee auch. Mein Ziel ist, für zwei Wochen Wandern inklusive Essen unter 20 kg Gepäck zu tragen. Das ist einfach bequemer, man ist schneller und der Rucksack drückt nicht so.

Melanie: Das ist wirklich wenig Gepäck! Wer war an diesem Wochenende dabei?
Enrico: Ludger aus der Rucksack- und Schlafsackabteilung, Paul und Tim aus der Kletterabteilung und Felix aus der Schuhabteilung.

UL Tour Teilnehmer

Melanie: Wo wart ihr unterwegs?
Enrico: Wir sind einen Teil des Jakobsweges von Frankfurt (Oder) nach Lübben gelaufen. Ich kannte den Weg vorher auch nicht, hatte aber die Hoffnung, dass er ganz gut ausgeschildert sein würde. Dem war leider nicht so, aber es gab wenigstens einen GPS-Track.

Melanie: Was unterscheidet nun die Ultraleicht-Tour von einer normalen Wanderung?
Enrico: Man ist mit weniger Gepäck unterwegs und hat trotzdem alles dabei, was man braucht.

leichtes gepaeck

Mit ultraleichtem Rucksack unterwegs

Melanie: Gab es eine Gewichts-Obergrenze, und wenn ja, haben sich alle daran gehalten oder hat jemand heimlich mehr mitgenommen?
Enrico: Ich habe versucht, ein Maximalgewicht von 7,5 Kilo vorzugeben. Das hat in den meisten Fällen geklappt. Für Ludger war es etwas schwieriger. Ludger hat ein größeres Sicherheitsbedürfnis, was Wasser und Essen angeht. Ich trinke nur da, wo Wasser ist, und trage das Wasser nicht durch die Gegend. Wenn Ludger dagegen keinen Liter Wasser im Rucksack hat, fühlt er sich nicht mehr wohl.
Melanie: Das kann ich verstehen. Ich habe auch immer Wasser dabei und mag es nicht, wenn meine Flasche leer ist.
Enrico: Ich schaue einfach vorher auf die Karte, wo ich Wasser finden werde. Wenn man nicht am Ende der Welt ist, sondern so wie wir in Brandenburg, dann kommt man oft genug an einer Wasserquelle vorbei. Wenn wir in einen Ort gekommen sind, haben wir immer als erstes den Friedhof gesucht. Dort gibt es immer einen Wasserhahn.

BeFree Wasserflasche

Melanie: Wie habt ihr das Gepäck reduziert?
Enrico: Ich habe zuerst meine Packliste rumgeschickt. Die ist schon sehr minimalistisch und daran haben sich die anderen orientiert. (Anm. der Redaktion: Enricos Packliste findet ihr am Ende des Interviews!)

Melanie: Wer hatte den leichtesten Rucksack und warum?
Enrico: Ich glaube, Pauls Rucksack war der leichteste. Pauls Sachen sind etwas leichter, weil Paul schmaler ist. Sein Vorteil war auch, dass er nur einen 20-Liter-Rucksack dabei hatte. Das hat ihn dazu gezwungen, Sachen zuhause zu lassen. Auf dem Foto sieht man aber auch, dass Paul (links im Bild) noch Sachen außen an den Rucksack gehängt hat, weil sie nicht reingepasst haben.

kleine rucksaecke

Melanie: Wie war die Tour?
Enrico: Die Wanderung war anstrengender, als ich erwartet hatte. Das lag auch daran, dass wir alle wegen Corona monatelang nicht draußen aktiv waren.

Melanie: Wie viel seid ihr gelaufen?
Enrico: Wir sind an jedem Tag über 30 Kilometer gelaufen. Das habe ich schon gemerkt in den Beinen. (lacht)

Melanie: Wie hat es den Teilnehmern gefallen?
Enrico: Das ganze Wochenende war sehr gut! Die Teilnehmer haben viel gelernt, was sie auch bei ihren eigenen Outdooraktivitäten nutzen können – und vor allem, was sie weglassen können.

Tipps für Einsteiger ins Ultraleicht-Trekking

Melanie: Welche Tipps lassen sich schnell umsetzen und reduzieren das Gepäck?
Enrico: Ich würde empfehlen, eine fertige Packliste zu nehmen und daran zu feilen. Die wichtigste Frage lautet: Was kann ich noch weglassen und worauf kann ich nicht verzichten? Viele Dinge packt man nur aus Gewohnheit ein.

Melanie: Hast du dafür ein Beispiel?
Enrico: Bei unserer Tour hatten fast alle Teilnehmer Handtuch und Seife dabei. Beim Packen haben sie wohl gedacht: „Ich gehe mich dann mal waschen“. Tatsächlich gewaschen hat sich aber keiner!

Ein anderes Beispiel sind die Packungsgrößen. Tim hatte 100 ml Outdoorseife dabei. 100 ml reichen bei mir ungefähr sechs Jahre! Ganz viele Sachen lassen sich in kleinere Packungen abfüllen.

Auch bei Packbeuteln sollte man genau hinschauen. Viele Outdoorprodukte werden in Packbeuteln verkauft, die zu groß und zu schwer sind. Die kann man entweder weglassen oder austauschen.

Melanie: Was sind deine besten Tricks, um leichter unterwegs zu sein?
Enrico: Das sind viele Kleinigkeiten, die sich summieren.

  1. Ich habe keine Gabel dabei und keine Tasse. Ich nehme nur einen Topf mit. Mit dem Topf koche ich, esse daraus und trinke daraus meinen Kaffee.
  2. Ein Tarp statt ein Zelt spart sehr viel Gewicht. Dazu dann die leichteste Isomatte und den leichtesten Schlafsack. Keine Kleidung oder nur sehr wenig Wechselwäsche einpacken. Am Ende bleibt dann gar nichts mehr übrig, was man mitnehmen muss.
  3. Lieber einen Wasserfilter einpacken statt Wasser zu tragen. Eine große Nalgene-Flasche wiegt leer schon 240 Gramm, dazu kommen dann noch 1,5 Kilo Wasser. Der Katadyn BeFree Wasserfilter dagegen wiegt nur 64 g.
  4. Ganz wichtig ist es, Ausrüstung zu wiegen. Man hat von vielen Dingen mehrere zuhause – mehrere Trinkflaschen, mehrere T-Shirts und so weiter. Es lohnt sich, alles zu wiegen und zu vergleichen und im Zweifelsfall das leichtere mitzunehmen. Wenn ich bei jedem Teil nur ein paar Gramm weniger mitnehme, spare ich am Ende unglaublich viel Gewicht. Beim Wiegen fällt mir auch auf, wie schwer manche Dinge sind. Das macht es leichter, zu hinterfragen, ob ich das wirklich brauche.

Tarp statt Zelt

Melanie: Was habt ihr abends gemacht nach den langen Tagesetappen?
Enrico: Wir haben gekocht und gegessen und dann sind wir in unsere warmen Schlafsäcke gekrochen.

Felix und Paul

Melanie: Welche Tour kommt als Nächstes?
Enrico: Im Sommer gehe ich mit meinen Kindern paddeln und im September ist Schweden oder Norwegen dran.

Melanie: Bist du mit den Kindern auch ultraleicht unterwegs?
Enrico: Nein, da habe ich ein ganz großes Boot. In Skandinavien werde ich aber wieder unter 20 Kilo mitnehmen, obwohl da auch ein richtiges Zelt mitkommt und nicht nur ein Tarp.

Melanie: Das klingt nach tollen Reiseplänen. Ich wünsche dir viel Spaß, und vielen Dank für das Interview, lieber Enrico!

Hier gibt es Enricos Packliste zum Herunterladen!

 


Eine Antwort auf Ultraleicht-Trekking: Unsere CAMP4-Teamfahrt nach Brandenburg

  1. Ludger says:

    Das war eine wirklich schöne Tour! Als der Teilnehmer mit dem schwersten Rucksck will ich auch noch ein paar Worte verlieren:

    Für mich als Einsteiger ins UL-Trekking war das präzise Einteilen von Wasservorräten neu. Normalerweise habe ich lieber einen Vorrat und schleppe schnell mal einen Liter mehr mit. Enrico hatte insgesamt nur genug Flasche für 0,9 Liter (und seinen Wasserfilter) dabei, und meinte nachmittags irgendwann, er würde ab jetzt weniger trinken, weil es so reicht. Ich ging lieber nochmal zum Bäcker rein und ließ mir noch einen Liter Wasser mitgeben.

    Was das Essen angeht, war bei dieser Tour nicht genau geplant, ob wir autark unterwegs sein wollen oder nicht. Wie es dann kam, haben wir in jedem größeren Ort einen Bäcker aufgesucht – damit hätten wir also noch deutlich an Essen sparen können. (Was in Brandenburg durchaus einige Planung erfordern kann, Supermärkte und Bäcker gibt es nicht überall.)

    Mein Schlafsack war unter dem Tarp warm genug, aber das war natürlich ein Fehler wider den Geiste des Ultraleichtseins. Die anderen hatten deutlich dünnere Schlafsäcke und haben darin eher noch lange Unterwäsche oder sogar eine dünne gefütterte Jacke getragen. Doppelt gewonnen: Dann hat man die Jacke nicht nur gegen die Kälte am Tag dabei, sondern nutzt sie noch mehr.

    Andererseits hatte ich nur eine dünne schnelltrocknende Trekkinghose dabei, während die meisten mindestens 2 Hosen und eine lange Unterhose mit sich führten. Wenn man das nach Gewicht hoch und runter rechnet, ist der Unterschied wahrscheinlich so klein, daß man die anderen Argumente zum Zuge lassen kommen kann. Ich mag meinen eher weit geschnittenen Schlafsack halt und schlafe lieber mit wenig Kleidung. Für das Plus an Komfort trage ich gerne ein paar hundert Gramm mehr.

    Trotzdem wog mein Rucksack auch nur 8 kg, deutlich weniger als ein ‘normaler’ Trekkingrucksack.

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